Ein Campus, der aufhorchen lässt – und zwei Unternehmerinnen, die Mut machen

Bernd Buchholz
Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha) mit Stephan Fuesers, Studiendirektor der LBS vor einer Schulklasse des Campus    Fotos: Olaf Malzahn

Ein Lübeck-Besuch, der den Minister buchstäblich aufhorchen ließ: Wirtschafts- und Technologieminister Bernd Buchholz überzeugte sich heute einmal persönlich und hautnah davon, welches Potenzial im echten Norden in der Branche der Hörakustik steckt. Zunächst war er Gast bei einem bundesweit einmaligen Leuchtturm der dualen Ausbildung – dem Campus Hörakustik im Lübecker Hochschul-Stadtteil – danach besuchte er die Lübecker Firma Auris Hörakustik als ein Musterbeispiel für eine gelungene Firmen-Nachfolge in dieser handwerklichen Spitzenbranche.

Der Campus Hörakustik, bestehend aus der Akademie für Hörakustik (afh) und der Bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustiker und Hörakustikerinnen (LBS), ist die zentrale Aus- und Weiterbildungsstätte des deutschen Hörakustik-Handwerks. „Wir sind stolz auf dieses einzigartige und renommierte Kompetenzzentrum in Schleswig-Holstein. Der Campus Hörakustik ist ein internationales Vorzeigemodell, eine Art ,Cambridge des Nordens‘ für das Hörakustik-Handwerk“, schwärmte Buchholz bei seinem Rundgang mit Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha) sowie biha-Vizepräsident Jürgen Matthies und Schulleiter Michael Blau. „Die Hörakustiker sind ebenso feste wie wichtige Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Sie leisten eine sehr gute Versorgung und sichern mit dem Campus Hörakustik dafür bundesweit hochqualifizierten Fachkräftenachwuchs“, sagte er.

Wie die Fachleute Buchholz erläuterten, zeichnet sich die Hörakustik laut aktueller Umfrage des GKV Spitzenverbandes unter anderem durch höchste Kundenzufriedenheit bei der individuellen Versorgung von schwerhörigen Menschen aus. 90 Prozent der Versicherten geben an, „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit der individuellen Versorgungssituation zu sein. „Diese sehr große Wertschätzung macht den Beruf des Hörakustikers für viele Absolventinnen und Absolventen zur regelrechten Berufung“, so Buchholz.

Davon konnte sich er sich bei seinem anschließenden Besuch bei zwei Absolventinnen der Akademie überzeugen, bei den beiden Auris-Geschäftsführerinnen Anja Fromm und Claudia Brömel. Beide Gründerinnen machten im Gespräch mit dem Minister deutlich, dass auch für Sie die enge Kundenbindung „das A und O“ des Geschäfts sei. Beide Frauen arbeiteten zunächst jahrelang als Angestellte bei Auris Hörakustik, ehe Sie vor drei Jahren das Geschäft mit dem großen weißen Ohr in der Ratzeburger Allee übernahmen.

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Anja Fromm (links) und Claudia Brömel mit Buchholz vor dem weißen Ohr ihres 2016 übernommenen Geschäfts „Auris-Hörakustik“ in der Rateburger Allee

Zum Besuch der Hörakustik-Akademie und des Geschäfts von Anja Fromm und Claudia Brömel sagte Buchholz (Audio starten – „im Browser anhören“)

Ein wichtiger Teil ihrer Tätigkeit sei die Arbeit mit Kindern, „das macht vielleicht ein gutes Drittel unseres Geschäfts aus“, sagt Brömel. Einige der Kunden, die heute junge Erwachsene seien, habe sie schon als Säugling kennengelernt. „Wenn sie als Kinder zufrieden sind, dann kommen sie auch weiterhin gerne zu uns.“ Das sechsköpfige Team bei Auris betreue sehr viele Familien – vom Enkel bis zur Oma. Der individuelle Kontakt sei das wichtigste. Wer ein Hörgerät brauche, müsse gut betreut werden, komme fünf bis achtmal, bis er das richtige Gerät für sich gefunden habe. „Jeder sollte diese Testphase haben.“

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Die angehende Hörgeräte-Akustik-Meisterin Rieke Tetzlaf demonstriert dem Minister das Anpassen eines maßgeschneiderten Gehörschutzes

Vor knapp drei Jahren übernahmen beide Frauen das Geschäft von ihrem Chef. Entscheidend dafür sei die „freundschaftliche und vertrauensvolle Atmosphäre“ in der Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Chef Aloys Kötter gewesen. „Wir sind reingewachsen in einer Phase, in der wir noch gar nicht daran dachten, das Geschäft einmal zu übernehmen. Das hat es uns leicht gemacht, diesen Schritt zu gehen“, sagt Brömel. Als die Übernahme konkret wurde, hätten sich beide ein Jahr Zeit genommen, um alles genau zu besprechen. Ihr Tipp an andere, die eine Firma oder ein Geschäft übernehmen wollen: „Auf jeden Fall Hilfe suchen, einen guten Steuerberater und Bankberater.“ Man brauche Experten an seiner Seite, die sich mit Zahlen auskennen. Natürlich sei der Sprung in die Selbstständigkeit immer ein gewisses Risiko, aber diesen Schritt hätten die beiden gleichberechtigten Chefinnen nie bereut. „Das Risiko war es wert. Wir blicken auf wachsende Zahlen.“

Hintergrund zum Hörakustiker-Handwerk

In Deutschland gibt es etwa 5,4 Millionen Menschen mit einer indizierten Schwerhörigkeit. Tendenz steigend. Schwerhörigkeit zählt zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen. Mit 6.400 Hörakustiker-Betrieben und ca. 15.000 Hörakustikern versorgt das Hörakustiker-Handwerk ca. 3,5 Millionen Menschen in Deutschland mit qualitativ hochwertigen, volldigitalen Hörsystemen. Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) KdöR vertritt die Interessen der Hörakustiker in Deutschland.

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