Buchholz will „Bahnfrieden“ zur Stabilisierung der Sylt-Verkehre –  und das Ende des Sylt Shuttle Plus

TRagbild
Buchholz mit Vertretern der NAH.SH und der Deutschen Bahn AG auf dem Podium

Um die nach wie vor prekäre Lage auf der Marschbahn-Strecke zwischen Niebüll und Westerland zu verbessern, hat Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) einen „Bahnfrieden“ zwischen den konkurrierenden Eisenbahn-Unternehmen im Netz West angemahnt. Zugleich forderte er die Deutsche Bahn AG auf, ihren „Sylt-Shuttle-Plus“ einzustellen.

„Wenn die DB auf diesen aus rein markttaktischen Erwägungen eingesetzten Geisterzug zumindest vorübergehend verzichten würde, dann gäbe es deutlich mehr Spielraum, um die angespannte Lage auf der Strecke zumindest ein wenig zu entspannen“, sagte Buchholz am Abend vor rund 400 Gästen des dritten „Bahngipfels“ des Kreises Nordfriesland in Niebüll. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass kein anderes Bahn-Unternehmen – etwa der „blaue Autozug“ von RDC – die entstehende Lücke für ein eigenes Angebot ausnutze. Er bot an, hierüber gemeinsam mit den Vertretern der Bahn-Unternehmen ein Gespräch mit der zuständigen Bundesnetzagentur zu führen.

Bei einer lebhaften Diskussion mit Vertretern der DB-Regio, der Sylter Pendlerinitiative, Sylter Geschäftsleuten und Kommunalpolitikern bot Buchholz der DB AG außerdem an, das vom Land wegen der Schlecht-Leistungen auf der Strecke seit 2018 einbehaltene Geld für Verbesserungen des Angebots einzusetzen. Insgesamt hat das Land mittlerweile 8 Millionen Euro an Maluszahlungen erhoben – rund vier Millionen Euro über reguläre Vertragsstrafen und 3,8 Millionen durch Sondermalus-Zahlungen. Davon wurden bislang 1,8 Millionen Euro an die betroffenen Pendler erstattet.

Qualitaet

Sein Unterstützungs-Angebot an die Bahn richtete Buchholz sowohl auf die Beschleunigung der Planungen des zweigleisigen Ausbaus der Strecke als auch auf eine Verbesserung des eingesetzten Zugmaterials. Er erinnerte gleichzeitig daran, dass durch intensive Gespräche mit dem Bund während der letzten zwei Jahre entgegen vieler Befürchtungen die Weichen dafür gestellt wurden, dass der zweigleisige Ausbau der Strecke Niebüll-Klanxbüll in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen wurde. „Der Ausbau wird also kommen. Und wir versuchen aktuell einen Weg auszuloten, das Projekt schneller zu verwirklichen als über ein sonst übliches Planfeststellungsverfahren“, sagte der Minister. Er gab außerdem bekannt, dass DB-Vorstandschef Richard Lutz im kommenden Jahr gemeinsam mit ihm die Marschbahn-Strecke besuchen und mit Pendlern ins Gespräch kommen werde.

IMG_3867Mit Blick auf die seit Frühjahr wieder sinkenden Pünktlichkeitswerte – vertraglich vereinbart sind 93 Prozent – machte Buchholz auch klar, dass er erneut nicht zögern werde, wieder Sondermalus-Zahlungen zu verhängen. Aktuell schwankt die Pünktlichkeitsquote auf der Strecke zwischen 68 und 57 Prozent. Der Minister erinnerte aber auch daran, dass gegenüber März 2018, als die Pünktlichkeit bei 49 Prozent lag, eine spürbare Verbesserung eingetreten sei. „Es ist zweifellos viel nach vorn gegangen, aber es ist immer noch deutlich zu viel Luft nach oben“, so der Minister. Darum wäre es „völlig inakzeptabel“, wenn die DB Regio nicht alles an Material einsetze, was zu Verfügung stehe.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz direkt nach der Diskussionsrunde (Audio starten – „im Browser anhören“)

Die Kreisverwaltung hielt zum Abschluss der gut dreistündigen Diskussion folgende Fazit-Punkte des Abends fest:

Bauphase

  • Mobile Tankwagen zur Treibstoffversorgung auf Sylt
  • Busbestellung Schienenersatzverkehr wird nach tatsächlichem Bedarf geplant
  • Baustellenfahrpläne nicht mit Busverkehr auf Sylt abgestimmt, hier sollen Gespräche geführt werden, ob die Busfahrplan angepasst werden kann.

Grundsätzlich

  • Ausreichend Personal wurde mittlerweile rekrutiert
  •  4-er Wagen Parks werden reduziert und dafür vermehrt 6-er Wagen Parks eingesetzt und zwar passgenau nach Fahrgastzahlen
  • DB Regio verspricht weiterhin alle Reserve-Loks vorzuhalten
  • In Westerland Ankunft und Abfahrt am gleichen Gleis, damit kein Rangieren mehr nötig
  • Technisch nun Ein-Mann Betrieb möglich, so dass Betrieb auch ohne Zugbegleiter durchführbar wäre, auch wenn weiterhin mit Zugbegleitern gefahren wird.
  • Land möchte sich mit allen Beteiligten auch mit Autozug-Betreibern zusammen setzen.  Ziel: nach den Baumaßnahmen im November eine Trasse rauszunehmen, um mehr Stabilität zu erreichen (Am Besten den SyltShuttlePlus)
  • Mit Bundesnetzagentur soll geklärt werden, dass diese Trasse auch nicht mehr belegt wird.
  • Land setzt sich bei Bund für gesetzliche Änderung ein, damit die Zweigleisigkeit schneller kommt
  •  Land wird im kommenden Jahr einen öffentlichen Termin mit dem DB-Vorstandsvorsitzenden Lutz hier in der Region zur Marschbahn durchführen

Hier ein Ausschnitt aus der Podiumsdiskussion in der Friedrich Paulsen-Schule in Niebüll: 

 

Zum Hintergrund des von Buchholz angemahnten Bahnfriedens: „Sylt Shuttle Plus“ heißt ein Zug-Angebot der DB, dessen eigentliches Ziel es ist, Autozüge der Konkurrenz zu blockieren. Seit 2015 pendelt dieser Zusatzzug im Stundentakt zwischen Westerland und Bredstedt, meistens mit nicht mehr als zwei oder drei Fahrgästen. Der Kniff: Die beiden Waggons werden in Niebüll nach kurzem Rangieren an den eigentlichen Sylt Shuttle, den Autozug über den Hindenburgdamm, angekoppelt. So wird aus dem Autozug offiziell ein Personenzug. Personenzüge wiederum haben bei dem bürokratischen Vergabeverfahren, das Zahl und Betreiber der lukrativen Zugverbindungen nach Sylt regelt, Vorrang. Egal, ob jemand ihn nutzt oder nicht. Ergebnis des Rangiermanövers: die Autozüge der DB haben bei der Vergabe der Gleisnutzung einen Vorteil gegenüber dem privaten Autozug-Konkurrenten RDC.

Und so berichtet der sh:z online: Hier klicken

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