Rohlfs zum Ausbildungsmarkt: „Corona hinterlässt eine Delle – aber keinen Einbruch“

Haupt-Koopmann und Rohlfs bei einer Pressekonferenz vor anderthalb Jahren

Junge Leute haben in Schleswig-Holstein immer noch gute Chancen auf eine Lehrstelle. Bis Ende September waren noch 2000 Plätze unbesetzt. Zugleich waren von 17 000 Bewerbern noch fast 2000 unversorgt, wie Arbeits-Staatssekretär Thilo Rohlfs heute zusammen mit der Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, mitteilte. Nach Angaben der beiden habe die Corona-Pandemie auf dem Ausbildungsmarkt zwar eine Delle bewirkt, aber keinen Einbruch. Es gebe deutliche zeitliche Verzögerungen.

«Wer noch sucht, kann auch jetzt noch eine Ausbildung beginnen», sagte Haupt-Koopmann. Gebraucht würden nicht nur angehende Verkäufer und Einzelhandelskaufleute, sondern zum Beispiel auch künftige Segelmacher und Rettungssanitäter. Während die Zahl der Bewerber im Vorjahresvergleich um fast 10 Prozent sank, stieg die der unbesetzten Plätze um 14 Prozent. Eine Auffälligkeit: Abiturienten und junge Leute mit Fachhochschulreife steuern wieder stärker ein Studium an als eine Ausbildung aufzunehmen. Sie glaubten, sich mit einem Studium auf die sicherere Seite zu begeben, sagte Haupt-Koopmann.

Sie dankte den Unternehmen für die Bereitschaft, weiter auf Ausbildung zu setzen. Der Fachkräftemangel werde nicht infolge der Pandemie verschwinden. Für 2021 lägen die gemeldeten Stellen etwa auf Vorjahresniveau. «Das ist für mich mehr als ein Silberstreif», sagte Haupt-Koopmann. Eine Herausforderung sei unter Pandemie-Bedingungen die Berufsorientierung an den Schulen. Haupt-Koopmann bat die Unternehmen, den Schülern auch weiterhin Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen.

Aus Sicht von Rohlfs haben sich Befürchtungen aus dem Frühjahr vor einem verlorenen Ausbildungsjahr nicht bestätigt. Wie es weitergehe, hänge davon ab, wie gut besonders die kleinen und mittleren Unternehmen durch die Krise kommen. Es stehe ein langer Winter mit großen Herausforderungen bevor.

Rohlfs sagte weiter – Video starten

Haupt-Koopmann verwies auf ein Bundesprogramm: Demnach bekommt ein Betrieb mit bis zu 249 Beschäftigten 2000 Euro je Ausbildungsvertrag, wenn er einen Monat Kurzarbeit oder einen 60-prozentigen Umsatzeinbruch im April hatte und sein Ausbildungsniveau zum Vorjahr nicht verringert hat. Hat er es erhöht, gibt es 3000 Euro. Laut Haupt-Koopmann wurden von bisher 842 Anträgen 45 Prozent bewilligt und 18 Prozent abgelehnt. Bei 37 Prozent fehlten noch Unterlagen.

Der DGB Nord bedauerte das Minus bei Lehrstellen und Bewerbern. Der Vizevorsitzende Ingo Schlüter rief die Arbeitgeber auf, auch in der Pandemie auszubilden, zumal es reichlich Fördergelder gebe.

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