Buchholz freut sich über FSG-Grossauftrag – und lehnt staatliche Beteiligung bei TKMS ab

Buchholz (3.v.r.) vergangenen Donnerstag bei der Grundsteinlegung auf der Kieler Werft TKMS

Feierlaune an Flensburgs Förde, Katerstimmung an Kiels Küste: Während die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) heute zur großen Freude von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz einen 104-Millionen-Auftrag über den Bau einer RoRo-Fähre mit Flüssiggas-Antrieb (LNG) verbuchen konnte, überrascht die Kieler Werft TKMS mit schlechten Nachrichten: Nur wenige Tage nach Grundsteinlegung für eine moderne Schiffbauhalle und einer damit verbundenen 250-Millionen-Investition zum Abarbeiten großer Marine-Aufträge kündigte der Thyssen-Krupp-Konzern Kurzarbeit an. Grund sind Verzögerungen bei der administrativen Abwicklung eines U-Boot-Großauftrags aus Norwegen. Das berichten heute die «Kieler Nachrichten».

Oliver Burkhard, Personalvorstand des Mutterkonzerns ThyssenKrupp AG und Aufsichtsratsvorsitzender von TKMS, beklagt im Einklang mit der Gewerkschaft IG Metall unter anderem die mangelnde Unterstützung der Bundesregierung hinsichtlich der Entwicklung und des Schutzes von deutschen Schlüsseltechnologien. «Wir brauchen eine Konsolidierung auf nationaler Ebene», sagte Burkhard und kann dabei auf die Unterstützung von Minister Buchholz zählen. „Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Unterstützung des Marine-Schiffbaus in Deutschland in der Tat etwas unterbelichtet», sagt Buchholz. Er erinnerte unter anderem an die Ankündigungen der Bundesregierung vor gut einem Jahr, den Unterwasser- sowie den Überwasserschiffbau zu Schlüsseltechnologien zu erklären, um die Verteidigungsindustrie in Deutschland zu stärken. Auslöser war damals der umstrittene Zuschlag für den Bau des Marine-Mehrzweckkampfschiffs „MKS 180“ an ein niederländisches Konsortium.

Eine von Burkhard ins Spiel gebrachte Staatsbeteiligung an TKMS lehnt Buchholz allerdings ab: «Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Konsolidierung im Schiffbau auch rein privatwirtschaftlich gelingen wird», so der Minister. Staatsbeteiligungen würden gewiss nicht dazu führen, dass schlagkräftige Schiffbaubetriebe entstünden. Buchholz erinnerte daran, dass sich der ehemalige Maritime Koordinator der Bundesregierung, Norbert Brackmann, bereits intensiv um mehr politische Unterstützung der Brnche bemüht habe. Diese Anstrengungen, so Buchholz, müsse die kommende Bundesregierung unbedingt fortsetzen. Schon länger wünscht sich die Politik einen nationalen Champion im Marineschiffbau, der aus den einzelnen Anbietern zusammengeschlossen wird und es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann. «Doch seit der Ankündigung vor mehr als 18 Monaten ist in Sachen Konsolidierung nichts passiert», sagte TKMS-Aufsichtsrat Burkhard. TKMS sei dabei für alle Optionen.

FSG-CEO Philipp Maracke unterzeichnet den Schiffbauvertrag in Flensburg. An seiner Seite: CFO Patrick Wohlgemuth (rechts) and Wolfgang Schüler, Leiter Produktentwicklung (links). Per Video zugeschaltet ist Chas Kelly, CEO von SeaRoad. (Foto: FSG)

In Flensburg freute sich die Branche unterdessen über den warmen Regen für die schon mehrfach aus der Insolvenz auferstandene FSG. «Wir sind stolz darauf, diesen Auftrag nach Flensburg geholt zu haben, denn er stellt unter Beweis, dass der Werft der Neustart gelungen ist», sagte FSG-Geschäftsführer Philipp Maracke. Die australische Reederei SeaRoad sei ein langjähriger Kunde. Bereits 2016 hatte sie die in Flensburg gebaute «Searoad Mersey II» übernommen.

Buchholz sagte zu dem FSG-Auftrag im Gespräch mit Journalisten – Audio starten, Pfeil klicken…

Der geplante Neubau soll geeignet sein für den Transport schwerer Ladung mit einem Stückgewicht von bis zu 100 Tonnen. Die Fähre soll auf der Bass-Straße zwischen Devonport auf Tasmanien und Melbourne fahren.

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