RD-Chefin und Minister zuversichtlich für 2022 – Buchholz wirbt für Gastrobranche

Vor allem die Jobs in der Gastrobranche leiden nach wie vor unter der Pandemie

Allen Corona-Widrigkeiten zum Trotz: Der Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein behauptet sich in der Pandemie stabil. RD-Nord-Chefin Margit Haupt-Koopmann und Arbeitsminister Bernd Buchholz sehen für dieses Jahr dennoch große Herausforderungen.

Ungeachtet der Corona-Folgen kann die Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein 2022 wieder auf das Niveau im Vor-Corona-Jahr sinken. Dafür sehe sie gute Chancen, sagte heute die Regionalchefin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz mit Arbeitsminister Bernd Buchholz. Im Dezember 2021 war das bereits der Fall. Allerdings haben die Kurzarbeit-Anmeldungen wieder zugenommen. «Ich blicke verhalten optimistisch auf den Arbeitsmarkt 2022», sagte Haupt-Koopmann. 2021 sank die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt um 3,5 Prozent auf 88 900. 2019 – also vor Corona – waren es 79 700.

Haupt-Koopmann sagte in der Pressekonferenz weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Buchholz und RD-Nord-Chefin Haupt-Koopmann (Archivfoto)

Arbeitsminister Buchholz ging in seiner Lage-Beurteilung noch einen Schritt weiter, da sich der Arbeitsmarkt angesichts der Pandemie-Dimension auch mit vielen Betriebsschließungen im ersten Halbjahr 2021 als «wirklich robust» erwiesen habe. «Ich bin angesichts der Robustheit des letzten Jahres sehr optimistisch», sagte der FDP-Politiker. «Wir haben in Schleswig-Holstein trotz Corona das höchste Beschäftigungsniveau aller Zeiten.» Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei extrem hoch.

Buchholz nannte eine Reihe von Faktoren, die seine Zuversicht untermauern: Trotz hoher Infektionszahlen sei die Zahl der Krankenhaus-Aufenthalte relativ gering, es gebe die Aussicht, nicht wieder in Lockdown-Perspektiven zu kommen, und auch die Lieferketten hätten sich in den letzten Monaten stabilisiert.

Buchholz sagte weiter – Video starten

Die Kurzarbeit-Regelung habe ganz entscheidend zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes beigetragen, sagte Haupt-Koopmann. 2021 seien im Spitzenmonat Februar 107 900 Beschäftigte in 15 200 Betrieben – also jeder fünfte – in Kurzarbeit gewesen. Als besonders große Herausforderungen hob die Agenturchefin den Fachkräftemangel und die Langzeitarbeitslosigkeit hervor. «Das Gebot der Stunde ist das Thema Weiterbildung», sagte sie. Das gelte für Arbeitslose wie für Beschäftigte. Un- und Angelernte gingen zuerst in die Arbeitslosigkeit und blieben am längsten darin.

Den Unternehmen legte Haupt-Koopmann nahe, beim Personal langfristig zu planen. «Es wird die Fachkraft auf Knopfdruck nicht mehr geben.» 48.500 Arbeitslose hätten keinen Berufsabschluss, darunter 13 000 im Alter zwischen 25 und 35 Jahren. Jeder sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – 173.000 Menschen – sei als Helfer tätig. «Daraus kann man etwas machen», sagte Haupt-Koopmann unter Hinweis auf diverse Weiterbildungsmöglichkeiten.

Sie appellierte wie Buchholz an die Unternehmen, Schülern Praktikumsplätze bereitzustellen, um sie zur Aufnahme einer Ausbildung zu motivieren. «60 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung», sagte der Minister. Es sei nötig, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass gerade die Jüngeren in eine Qualifikation kommen, «die ihnen Beschäftigung und ein würdevolles Leben mit eigenständiger Arbeit ermöglicht». Leider sei die Zahl der Bewerber für Ausbildungsplätze von 18.000 auf 14.000 gesunken.

Buchholz wirbt für Ausbildung zum Koch

Buchholz hat jungen Leuten eine Kochausbildung empfohlen. «Wir wollen junge Leute überzeugen, dass Köche zum Beispiel coole Typen sind, wie man im Fernsehen jeden Nachmittag sehen kann», sagte der FDP-Politiker während der PK. «Mälzer und Henssler und wie sie alle heißen, die eine Fernsehshow nach der anderen machen – … man kann als Koch auch zum Fernsehstar werden, wie wir wissen, und das ist gar nicht so unwahrscheinlich in Deutschland.» Diese Ausbildung habe also Potenzial in ganz unterschiedliche Richtungen.

Buchholz räumte aber auch ein, dass Hotels und Gaststätten angesichts der Corona-Folgen in einer schwierigen Lage seien. «Zwei, drei Mal mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Unternehmen in Kurzarbeit geschickt werden.» Dies bedeute, dass die Beschäftigten nur 60 Prozent ihres ohnehin nicht üppigen Einkommens bekommen und parallel das Trinkgeld komplett wegfällt. Deshalb hätten viele entschieden, lieber an der Kasse im Supermarkt zu arbeiten.

«Wir sind aber ein Tourismusland und wir brauchen die Kräfte», sagte Buchholz. Deshalb sei in diesem Bereich eine besondere Kraftanstrengung notwendig, und hier gebe es auch Initiativen mit der Branche. Die 2G-plus-Regel, nach der auch Geimpfte und Genesene nur mit frischem Negativ-Test oder Auffrischungsimpfung in eine Gaststätte dürfen, verschärfe das Problem der Abwanderung aus diesem Berufszweig, sagte Buchholz. Er habe im Kabinett auch darauf hingewiesen, könne sich der virologischen Notwendigkeit einer solchen Maßnahmen aber nicht verschließen

DGB-Chefin will Erhöhung der Budgets

Pooth

Der DGB Nord forderte vom Land arbeitsmarktpolitische Impulse. «Wenn es zukünftig mehr gute Tarifverträge mit abgesicherten Löhnen und Arbeitsbedingungen sowie eine verstärkte Aus- und Weiterbildung gibt, lässt sich auch der Fachkräftemangel beheben», erklärte die Vorsitzende Laura Pooth. Knapp 130.000 Menschen im Land arbeiteten für einen Niedriglohn. «Hier schlummern echte Potenziale für Wirtschaftsentwicklung, Wohlstand und Dekarbonisierung.» Unverschuldet in Langzeitarbeitslosigkeit gefallene Menschen brauchten jetzt gezielte Unterstützung und passgenaue Weiterbildungsangebote. «Dazu müssen dringend die Weiterbildungsbudgets der Jobcenter erhöht werden», sagte Pooth.

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