Buchholz sieht in möglichem TKMS-Verkauf „durchaus große Chancen für den Standort“

Buchholz bei einem früheren Werftbesuch – hier mit dem damaligen TKMS-Vorstand Andreas Burmester (hinten rechts), heute Maritimer Koordinator der Landesregierung

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz hält die von Thyssen-Krupp für dieses Jahr angekündigte Umstrukturierung des Konzerns samt eines möglichen Verkaufs der Marine-Sparte TKMS weder für überraschend noch für bedrohlich: «Vorstandschefin Martina Merz tut jetzt doch erst einmal nur genau das, was sie im Herbst letzten Jahres angekündigt hat – nämlich notgedrungen mit allen Akteuren in Deutschland und Europa eine Konsolidierung auszuloten. Das halte ich für richtig und sehe darin für den Standort Kiel samt seinen 3000 Beschäftigten durchaus Chancen», sagte Buchholz am Sonntag im Gespräch mit Journalisten.

Schon die Allianz zwischen dem Bremer Marine-Schiffbauer Lürssen und German Naval Yards (GNY) in Kiel hatte der Nord-Liberale vor zwei Jahren als «notwendigen ersten Schritt» in einem Konsolidierungsprozess begrüßt  Allen Branchenkennern sei lange klar, dass sowohl der Marine-Überwasserschiffbau als auch das U-Boot-Geschäft vor einem Konzentrationsprozess stünden, wenn sie weltweit konkurrenzfähig bleiben wollen. «Und für die deutsche Schlüsseltechnologie Marineschiffbau wäre es zweifellos nicht schädlich, wenn etwa die drei Großen im Land Richtung Fusion steuern – begleitet und moderiert durch Bund und Land», sagte Buchholz.

Weiter sagte Buchholz im Gespräch mit Journalisten – Audio starten, Pfeil klicken…

Das Risiko für den Standort Kiel ist nach den Worten von Buchholz – zugleich Arbeitsminister- nicht zuletzt angesichts einer Beschäftigungsgarantie bis 2029 und eines Auftragspolster weit über das Jahr 2030 hinaus überschaubar. Klar sei, dass so viel Beschäftigung wie nur möglich in Schleswig-Holstein gehalten werden müsse.

Allein in diesem und im kommenden Jahr investiert TKMS rund 250 Millionen Euro in den Militärschiffbau. Kiel festige damit seine Position als einer der modernsten Marineschiffbauwerften in Europa. Die Angst vor einem «Ausverkauf“ wertvoller Technologien ins  Ausland – vor allem der französische Konzern NAVAL gilt als interessiert – teilt Buchholz nicht: «Genau hier ist eben eine umsichtige Begleitung durch die Politik auf Bundes- wie auf Landesebene nötig.»  

Buchholz erinnerte daran, dass die Maritime Wirtschaft  einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland ist. Allein in Schleswig-Holstein arbeiten in 1800 Unternehmen mehr als 45.000 Menschen. Der Umsatz beträgt jährlich etwa 9,2 Milliarden Euro. Die Zulieferbetriebe sind bundesweit tätig. «Daher brauchen wir diesen Industriezweig dringend bei uns im Land», sagt Buchholz. Allein 70 Prozent der konventionellen NATO-U-Boot-Flotte kämen aktuell aus der Kieler Produktion.

Martina Merz

Auslöser der derzeitigen Diskussion um die Zukunft von TKMS sind die geplanten Abspaltungen im Essener Mutterkonzern. Der Umbau war bereits von den Vorgängern von Vorstandschefin Martina Merz eingeleitet worden. Thyssen-Krupp hat seither eine Reihe von Firmenteilen verkauft und ist damit Stück für Stück geschrumpft, hat sich aber Geld besorgt oder von Altlasten befreit, um eine Pleite zu vermeiden. Neben einem möglichen Verkauf der Marina-Sparte geht es bei Thyssen-Krupp auch um den Verkauf der Wasserstoffanlagen-Produktion  sowie dem Teil, der für viele Menschen das eigentliche Herz des Ruhrkonzerns ist: die Stahlsparte.

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