Hochschul- und IT-Experten sollen mit Landeshilfe Gäste-Ströme besser lenken

Rückenwind durch das Land: Prof. Schmücker (links) von der FH Westküste und Prof. Prange (rechts) von der FH Kiel freuen sich über 1,2 Millionen Euro Förderung

Um die Gästeströme im Urlaubsland Schleswig-Holstein künftig intelligenter zu steuern und Überlastungen in Hot-Spots zu vermeiden, machen die Fachhochschule Kiel, das Deutsche Institut für Tourismusforschung der Fachhochschule Westküste und zwei IT-Unternehmen aus dem echten Norden seit Monaten gemeinsame Sache. Ziel ist die Entwicklung eines landesweiten digitalen Systems zum Besuchermanagement. Heute gab es dafür Rückenwind der Landesregierung: Tourismus- und Technologieminister Dr. Bernd Buchholz übergab in Kiel an Prof. Dr. Michael Prange (FH Kiel) und Prof. Dr. Dirk Schmücker (FH Westküste/DITF) einen Förderbescheid über knapp 1,2 Millionen Euro.

„Das von einem breiten Konsortium getragene Projekt leistet einen wichtigen Beitrag für einen nachhaltigen und ausgewogenen Tourismus im Land. Und ich wünsche mir, dass so viele lokale Tourismusorganisationen wie nur möglich mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kooperieren“, sagte Buchholz. Er erinnerte an die zunehmend hohe Dichte von Gästen an einigen Ferienorten in der Hauptsaison. Dies sei durch die Corona-Pandemie und das damit gesunkene Interesse an Auslands-Destinationen noch verschärft worden. „Wir freuen uns, dass immer mehr Menschen den echten Norden für sich entdecken. Wir müssen aber auch dafür Sorge tragen, dass weder die Natur noch die Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner überstrapaziert werden. Unser Land ist groß genug, aber wir müssen den Tourismus intelligent managen. Deswegen fördern wir dieses Forschungsvorhaben gern“, so Buchholz.

Das Projekt „Landesweites Digitales Besuchermanagement Tourismus in Schleswig-Holstein“, kurz LAB-TOUR SH, wird von der Fachhochschule Kiel koordiniert. Sie verfüge über die notwendige technische IT-Infrastruktur, um reale Daten in die Datenplattform zu implementieren und das System in Echtzeit testen zu können, erklärte Prange. Der Experte für Data Science vom Fachbereich Informatik und Elektrotechnik verantwortet die Entwicklung der grundlegenden zentralen Integrationsplattform. Eine Herausforderung sei dabei, verschiedene Datenquellen zusammenzuführen. „Grundlage für den Datenaustausch zwischen verschiedenen IT-Systemen im Tourismus sind standardisierte Datenmodelle und Datenschnittstellen. Diese wollen wir in Abstimmung mit nationalen und internationalen Organisationen definieren“, sagte Prange. So soll eine standardisierte, universell nutzbare Datenplattform entstehen, die Prognosen und Empfehlungen für verschiedene Anwendungsfälle ermöglicht.

Strandampel

Als zweite Wissenschaftseinrichtung beteiligt sich das Deutsche Institut für Tourismusforschung am Projekt. Fünf Forschende sind für die Entwicklung des Gesamtkonzeptes sowie die Aufbereitung und Analyse der Daten verantwortlich und bilden die Schnittstelle zur Tourismusbranche. Projektleiter Schmücker: „Es gibt bereits erste Ansätze für digitales Besuchermanagement im Land. Die Lübecker Bucht ist mit ihrer Strandampel, die Gästen die Auslastung der Strände anzeigt, sogar bundesweit ausgezeichnet worden. Aber welche erfolgversprechenden Ansätze es darüber hinaus gibt, welche Erfolgsfaktoren beachtet werden müssen und wie die lokalen Anstrengungen so verknüpft werden, dass positive Netzwerkeffekte entstehen, muss noch erforscht werden.“

Die Lufthansa Industry Solutions (LHIND) bringt ihr Know-how und ihre Erfahrung rund um Sensorik, Datenintegration und -analyse sowie cloudbasierte Plattformen zur Besucherlenkung in das Projekt ein. Darüber hinaus wird die LHIND die Entwicklung des KI-basierten Empfehlungssystems federführend umsetzen. Dies soll die touristischen Destinationen vor lokaler Überlastung schützen. Das System soll dazu die in Echtzeit erfasste Auslastung möglicher Hotspots mit der historischen Auslastung und weiteren Daten kombinieren und basierend auf diesen Berechnungen den Gästen sinnvolle touristische Alternativen vorschlagen. So sollen sich Besucherströme möglichst frühzeitig gut verteilen lassen. Für die Umsetzung könnten die Beteiligten im Land auf bereits vorhandene Systeme zurückgreifen, erklärte Björn Schwarze vom Projektpartner ADDIX Internet Services GmbH: „Mit dem #SH_WLAN gibt es in Schleswig-Holstein bereits ein kostenloses Netz mit 3.000 Accesspoints an 800 Standorten und etwa 100.000 Zugriffen pro Woche, welches zur Interaktion und zum Datenaustausch genutzt wird. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit den Projektpartnern an den Themenfeldern Übermittlung, Aufbereitung und Analyse von Daten zu arbeiten und hierbei durch Inspirations- und Informationsangebote sichtbare Mehrwerte für die Besucherinnen und Besucher in Schleswig-Holstein zu schaffen.“

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