Wissing nach Infotour: „Hier wird alles mit Tatkraft und großer Weitsicht angegangen“

Info-Tour bei eisigem Wind: GDWS-Präsident Witte erläutert Bundesminister Wissing die Ausbauschritte an der Oststrecke

Das Wetter bereitete dem Bundesminister zwar einen kühlen Empfang – zum Frieren blieb allerdings kaum Zeit: Bei einem fünfstündigen Besuch in Schleswig-Holstein überzeugte sich Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) vom Fortschritt wichtiger Großprojekte im Land: den Ausbau der Oststrecke des Nord-Ostsee-Kanals, den Ersatz-Neubau für die Rader Hochbrücke und den Weichenstellungen für einen modernen Schienenverkehr und einen digital gesteuerten ÖPNV. Sogar für einen kleinen Abstecher zur neuen Rendsburger Schwebefähre und einer Durchfahrt durch den Rendsburger Kanaltunnel nahm sich der Minister zusammen mit seinem Amtskollegen Bernd Buchholz Zeit. Wissings wichtigstes Versprechen: Die Finanzierung notwendiger Vorhaben sei gesichert. Und in einem Punkt machte er Buchholz sogar Hoffnung.

Wissing betonte bei allen Stationen vor allem die wirtschaftliche Bedeutung der Verkehrsprojekte und zeigte sich besonders beeindruckt von der Vorreiter-Rolle, die das Land in den letzten Jahren eingenommen habe – etwa bei der Beschaffung von Akkuzügen oder der Vorfinanzierung von Schienen-Projekten wie dem Ausbau der Marschbahn. «Die Finanzierung der notwendigen Projekte ist seitens des Bundes gesichert», sagte er. Sanierungen und Infrastruktur-Projekte seien prioritäre Investitionen. «Die können auch im Krisenfall nicht zurückgestellt werden.» Ohne funktionierende Infrastruktur könne das Land wirtschaftlich nicht erfolgreich sein.

Buchholz hofft unterdessen auf weitere Bundeshilfe beim Ausbau der 173 Kilometer langen Bahnstrecke von Itzehoe nach Sylt (Marschbahn). Das Land werde dort in Vorleistung gehen, damit die Strecke rasch elektrifiziert wird. Wissing sagte dazu, «ich finde es gut, wenn ein Land ganz klar sagt: Wir wollen dieses Projekt haben, wir wollen dafür auch in die Vorleistung treten». Er werde das unterstützen. Der zweigleisige Ausbau der sogenannten Marschbahn soll samt Elektrifizierung rund 400 Millionen Euro kosten. 90 Prozent davon übernimmt der Bund, das Land 40 Millionen Euro.

Gestartet hatte das Minister-Duo seine Tour in Groß Königsförde mit einer Besichtigung der Arbeiten an der Oststrecke, einer bisherigen Engstelle des Nord-Ostsee-Kanals. Die rund 100 Kilometer lange Verbindung zwischen Kiel und Brunsbüttel gilt als weltweit meistbefahrene künstliche Seewasserstraße. Dabei konnte sich Wissing überzeugen, dass auch die Vorbereitungen für einen Ersatz der Levensauer Hochbrücke nahe Kiel vorankommen.

Wissing und Buchholz bei der Durchfahrt durch den Rendsburger Kanaltunnel

Wissing und Buchholz sagten nach ihrem Besuch am Kanal in Groß-Königsförde – Audio starten, Pfeil klicken

Nach Angaben des Präsidenten der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Hans-Heinrich Witte, sind insgesamt 2,5 Milliarden Euro für Sanierung und Ausbau des Kanals eingeplant. Komme noch eine Gesamtvertiefung hinzu, würden die Arbeiten bis «tief in die 2030er Jahre» dauern. «Priorität hat immer der Erhalt der bestehenden Bauwerke.» Wissing betonte mit Blick auf Verkehrsprojekte generell, «die Planungskosten steigen. Das heißt, wir planen, die nächsten Jahre noch mehr zu investieren».

Bernd Rothe (rechts) von der Planungsgesellschaft DEGES schilderte den Ministern den Stand der Vorbereitungen zum Neubau der Rader Brücke

Der Bundesminister informierte sich anschließend auch über Vorbereitungen für den Ersatzbau der Rader Hochbrücke im Zuge der Autobahn 7. Im Frühjahr 2023 soll der Bau der neuen, 1500 Meter langen Zwillingsbrücke mit sechs Fahrspuren starten. Der Zustand der alten Brücke gilt als so schlecht, dass sie nach derzeitigem Stand nur bis 2026 halten wird. Weil der Verkehr auf der Strecke Prognosen zufolge zunehmen wird, soll die A7 auch zwischen Rendsburg/Büdelsdorf und Schacht-Audorf auf 5,3 Kilometern auf sechs Spuren erweitert werden. Die Kosten betragen 380 Millionen Euro.

Zum Stand des Projekts in Rade und den künftigen Umgang mit ähnlichen Großprojekten sagte Wissing – Audio starten, Pfeil klicken…

Auch zwei bereits eingereichte Klagen gegen den Brücken-Neubau sprachen die Minister auf der Baustelle in Borgstedt bei Rendsburg mit dem zuständigen DEGES-Chefplaner Bernd Rothe. Buchholz machte dabei deutlich, dass er – abgesehen vom eingeplanten zeitlichen Risiko-Puffer nicht mit klagebedingten Verzögerungen rechnet. «Erstens haben wir sofortige Vollziehbarkeit des Planfeststellungsbeschlusses», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zweitens sei mit den Anliegern ausführlich über den Lärmschutz des Ersatzbaus gesprochen worden. Auf der Brücke seien leiser Asphalt und Lärmschutzwände geplant. «Wir verbessern also gegenüber dem Status quo die Lärmschutz-Situation deutlich.» Klagen seien nicht zu verhindern. «Aber ich gebe dem keine große Aussicht auf Erfolg.»

Die letzte Station führte die Minister und zahlreiche Gäste aus der Nahverkehrsbranche an den Rendsburger Bahnhof, wo der Chef des Nahverkehrsverbundes NAH.SH, Arne Beck, dem Gast aus Berlin eine kleine Leistungsschau der laufenden ÖPNV-Projekte in Schleswig-Holstein präsentierte. Unter anderem einen Bus-Pendelverkehr „on demand“ in der Region Rendsburg. Ein Vorgeschmack auf die Energiewende im Schienennetz bekam der Minister anschließend bei einer Mitfahrt in einem „FLIRT“-Test-Zug der Firma Stadler. 55 dieser elektrisch getriebenen Wagen sollen ab Dezember auf zahlreichen Strecken im Land die herkömmlichen Dieselloks ablösen. Besonderer Höhepunkt und zugleich Herausforderung für Wissing: Für einen Teil der Testfahrt überließ der Zugführer seinem prominenten Gast die Schalthebel. «Ich komme wieder», versprach Wissing zum Abschied, «allerdings erst, wenn es mal wieder wärmer ist».

Wissing im Gespräch mit Rendsburgs Bürgermeisterin Janet Sönnichsen und NAH.SH-Chef Beck

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