Madsen verschafft sich auf Sylt ersten Überblick über Herausforderungen der Insel

Madsen mit Vertretern der Deutschen Bahn AG auf dem Bahnhofsgelände in Westerland

Zwei Monate nach seinem Amtsantritt hat sich Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen knapp zwei Tage lang einen ersten Überblick über die Herausforderungen für die Insel Sylt gemacht. „Als Tourismusminister habe ich ein riesiges Interesse daran, dass die Insel rasch einen Weg findet, weiterhin Top-Destination unserer Westküste zu bleiben, zugleich aber deutlich stärker die berechtigten Interessen der Einheimischen in den Fokus zu nehmen“, sagte Madsen nach einem Treffen mit Kommunalpolitikerinnen und –politikern sowie Geschäftsleuten. Am Abend zuvor hatte er auf Einladung des Bürgernetzwerks „Merret reicht’s“ an einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Wem gehört die Insel“ teilgenommen.

Hintergrund der Debatte ist die Befürchtung vieler Insulaner, dass die Balance zwischen bezahlbaren Dauerwohnungen und Ferienunterkünften auf Sylt weiter aus den Fugen gerät. „Wenn das nicht gestoppt wird, wird die Insel nicht verschwinden, aber sie wird zu einer Art Centerpark werden, weil die Menschen, die hier leben, irgendwann verschwinden werden“, hatte der auf Stadtentwicklung spezialisierte Gutachter Uwe Mantik bei der Podiumsdiskussion gesagt. Im Auftrag der Gemeinde Sylt hat sein Unternehmen ein Beherbergungskonzept erstellt.

Das Podium mit (v.l.): Sylts DEHOGA-Chef Dirk Erdmann, Minister Madsen, Moderatorin Susanne Matthissen, Birte Wieda von „Merret reichts“ und Stadt-Entwicklungsplaner Uwe Mantik

Mit Blick auf Forderungen an die Landesregierung, die Entwicklungen beispielsweise über ein Zweckentfremdungsverbot zu stoppen oder zu korrigieren warnte Madsen vor überzogenen Erwartungen: „Wir sind gern Teil der Lösung. Aber wir haben im Föderalismus aus gutem Grund das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung – und solange sich die fünf Sylter Gemeinden untereinander nicht einigen, wohin die Reise für die Insel gehen soll, wird auch die Landesregierung nicht wirkungsvoll helfen können“, so der Minister. Der Kern sei doch die Frage, wie Sylt eine menschenfreundliche Insel werde. „Und zwar eine Insel, wo Skater auch mal Lärm machen dürfen, wo sich Leute in der Feuerwehr engagieren und es vielleicht einen Hotelrabatt für diejenigen gibt, die nicht mit dem Auto anreisen? Sie als Mannschaft müssen sich überlegen, was Sie wollen“, sagte Madsen.

Madsen im Gespräch mit Simone Mischke (NDR)

Weiter sagte der Minister im Gespräch mit Journalisten – Audio starten, Pfeil klicken

Bei einer Besichtigung der DB-Anlagen in Westerland hatten zuvor DB-Regio-Chef Torsten Reh und Michael Körber (DB Netz) dem Minister unter anderem den Stand der Ertüchtigung der Marschbahn erläutert. „Die DB ist hier nicht nur gut im Zeitplan, sondern mit der Region auch seit Monaten in guten Gesprächen – das ist eine erfreuliche Entwicklung“, so der Minister. Eine gut ausgebaute und damit stabile Bahn-Infrastruktur sei nicht zuletzt auch die tragende Säule bei der dringend nötigen Fachkräfte-Versorgung der Insel. Dies zeige sich besonders in der aktuellen Tourismus-Hochsaison nach zwei Pandemie-Jahren.

Nach den Worten des DB-Netz-Experten Körber werde der erste Teil der 2018 begonnenen Marschbahn-Investitionsoffensive im November dieses Jahres abgeschlossen sein. „Dann haben wir 200 Kilometer Gleise, 40 Weichen und 8 Bahnübergänge ertüchtigt und damit rund 160 Millionen Euro in die Strecke investiert“, so Körber. Ab dem kommenden Jahr folge dann der zweite Teil des Ausbaus, an dessen Ende im Jahr 2026 auch die Signaltechniken in Niebüll und Westerland vollständig erneuert seien. Die Anlagen würden dann in Zukunft von Husum aus zentral gesteuert werden. Nach den Worten von Madsen sei bis zum zweigleisigen Ausbau der Marschbahn von den Pendlerinnen und Pendlern weiter Geduld gefragt. „In Zusammenarbeit mit unserer NAH.SH und der DB tun wir alles Mögliche, um den Betrieb zuverlässig aufrecht zu erhalten.“ Und der zweigleise Ausbau habe auch keineswegs das Ziel, noch mehr Menschen und Autos auf die Insel zu bringen, sondern den laufenden Betrieb stabil und zuverlässig zu gestalten.

Bei seiner Rückfahrt zum Festland im DB-Regio-Regionalexpress trafen Madsen, Reh und Körber auch auf den Chef der Sylter Pendler-Initiative Achim Bonnichsen.

Achim Bonnichsen, links, im übervollen Regionalexpress zwischen Westerland und Niebüll mit Madsen, Reh und Körber

Im Abteil stehend erläuterte Bonnichsen dem Minister dabei die Herausforderungen vieler tausend Pendlerinnen und Pendler, auf ihrem Weg zur Arbeit. Vor allem die Zeit des Neun-Euro-Tickets habe nach den Worten von Bonnichsen überdeutlich gezeigt, wo die Probleme und Grenzen des Marschbahn-Teilabschnitts liegen.

Ein Gedanke zu „Madsen verschafft sich auf Sylt ersten Überblick über Herausforderungen der Insel“

  1. Wenn das Ziel ist, zu stabilisieren muss man den Güterverkehr fördern und nur bis Klanxbüll zweigleisig ausbauen.
    Anderenfalls wird unsere Rationalisierungsbahn nebst Tourismusbetrieb 2030 erneut die Hand aufhalten.

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