NAH.SH-Kongress macht der Branche Mut, auch mal weniger perfekte Dinge zu wagen

„Einfach mal machen!“ Verkehrs-Staatssekretär von der Heide

Reger Austausch, konzentriertes Publikum und eine klare Botschaft beim NAH.SH-Kongress in Lübeck: Der Nahverkehr in Deutschland befindet sich in einer Zeit des Aufbruchs. Und für Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide ist klar: „Diesen Schwung gilt es nun zu nutzen.“ Er erinnerte aber auch an die gewaltigen Herausforderungen, die nicht zuletzt das 9-Euro-Ticket im Bereich von Angebot und Infrastrukturbereich offengelegt habe. „Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die CO-2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent zu reduzieren und bis 2045 treibhausgasneutral zu werden. Und um das zu erreichen, müssen wir doppelt so viele Fahrgäste wie bisher vom Auto in Bus und Bahn bekommen“, so von der Heide.

Der Nahverkehrsverbund NAH.SH hatte zusammen mit den Kreisen, kreisfreien Städten und dem Land bereits im Frühjahr eine Vision für den ÖPNV 2030 formuliert. Entscheidend dabei sei, so von der Heide, dass man mit dem ÖPNV überall hinkommen könne, auch am Abend und an den Wochenenden. Das Land begleite schon jetzt zwei On-Demand-Angebote im Rahmen eines Pilotprojektes: ReMo in Rendsburg und das smarte DorfSHUTTLE im Amt Süderbrarup.

Beim Podium in der Lübecker Gollanwerft lautete die erste Frage dann auch gleich, was die Folge der drei Monate 9-Euro-Ticket sei. „Die Branche kann stolz darauf sein, dass sie in so kurzer Zeit dieses Ticket auf die Beine gestellt hat. Jetzt ist die Zeit des Aufbruchs und der Chancen des Nahverkehrs“, sagte NAH.SH-Chef Arne Beck.

Die Mobilitätsexpertin Katja Diehl brachte ihre Position in ihrem anschließenden Vortrag so auf den Punkt: „Das Auto hat in der Politik eine priorisierte Stellung, die zurückgenommen werden müsste. Aber in Deutschland ist das Auto unantastbar“ Um weg vom Auto zu kommen gäbe es fünf Anreize: Alternativen, Barrierefreiheit, Sicherheit, Bezahlbarkeit und Klimagerechtigkeit. Außerdem sollte man die Gelder, die in die Autoindustrie gesteckt werden, lieber in die Umweltindustrie investieren, zu der auch der Nahverkehr gehört.

Das abschließende Statement von Katja Diehl, dass „die Branche vielleicht weniger eitel und perfekt sein sollte“, unterstrich der Staatssekretär Tobias von der Heide mit den Worten: „Wir sollten die Dinge anpacken und einfach mal machen – und ein Scheitern gegebenenfalls in den Kauf nehmen.“

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