„Zeitenwende“ geht in Kiel vor Anker: Bundeswehr-Innovationszentrum kommt

Kiel ist das Tor zur Ostsee – doch seit dem russischen Überfall auf die Ukraine wirft dieses Prädikat auch Schatten. Letztes Jahr gründete die Landesregierung deshalb ein Netzwerk für maritime Sicherheit. Nun setzt das Bundesverteidigungsministerium noch eins drauf – und wird in Kiel ein eigenes Innovationszentrum der Bundeswehr gründen.

Hoben gemeinsam mit der Bundeswehr, der Wirtschaft und den Hochschulen im vergangenen Jahr das Innovationsnetzwerk für Maritime Sicherheit aus der Taufe (v.r.): Ministerpräsident Günther, Wirtschaftsminister Madsen, der Maritime Koordinator Andreas Burmester sowie Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens.

Der Marinestützpunkt Kiel soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden und ein Innovationszentrum der Bundeswehr erhalten. Kiel sei ein wichtiger Standort für die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, mit Schwerpunkten auf Schiffbau, Landsystemen sowie Marineelektronik, teilte das Verteidigungsministerium heute mit. «Wir werden die Nähe zur Deutschen Marine, zu etablierten Forschungseinrichtungen und das ausgeprägte Innovationsökosystem vor Ort nutzen», hieß es. Für die Landesregierung ist die „Zeitenwende“ damit endgültig in Kiel angekommen, wie Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sagte.

Nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius werde derzeit ein Konzept zu den Standortentscheidungen erarbeitet. Die Aufstellung des neuen Innovationszentrums in Kiel verlaufe parallel zum personellen Aufwuchs des Innovationszentrums in Erding bei München und werde voraussichtlich noch in diesem Jahr angestoßen. Pistorius sagte heute in Berlin weiter:

Günther lobt gute Vorbereitung

„Die Entscheidung des Bundes, das geplante Maritime Innovationszentrum in Kiel anzusiedeln und voraussichtlich noch in diesem Jahr zu errichten, ist eine herausragend gute Botschaft für Schleswig-Holstein und für den maritimen Standort Deutschland“ – das sagte Ministerpräsident Daniel Günther heute (20. Mai) zu der Ankündigung des Bundesverteidigungsministeriums, das Innovationszentrum in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt anzusiedeln.

Mit dem neuen Zentrum und den Schwerpunkten Schiffbau, Landsysteme und Elektronik werde die Rolle Schleswig-Holsteins als führender Standort für maritime Sicherheits- und Verteidigungstechnologien erheblich gestärkt. Weiter sagte der Ministerpräsident im Gespräch mit Journalisten – Audio starten, Pfeil klicken…

Deutschland bekomme damit im Norden die passende Ergänzung zum geplanten Luft- und Raumfahrt-Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding bei München. „Mit Kiel und Erding entsteht eine starke Innovationsachse für die Bundeswehr. Für Schleswig-Holstein ist das eine enorme Chance: für unsere maritime Wirtschaft, für Forschung und Entwicklung, für neue Arbeitsplätze und für die technologische Souveränität unseres Landes“, sagte der Ministerpräsident.

Für Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen geht es bei der Zusammenarbeit des geplanten Innovationszentrums mit dem im September 2025 gegründeten Netzwerk „Tech Hub SVI Nord“ vor allem darum, dass die Bundeswehr von Produkten und Technologien aus der Wirtschaft profitiert, die sowohl zivil wie auch militärisch nutzbar sein können – so genannte dual-use-Anwendungen. Er sagte weiter – Audio starten…

„Immerhin reicht unsere Forschungsinfrastruktur rund um Kiel von der Wehrtechnischen Dienststelle WTD 71 über das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, die Universität, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften bis hin zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“, so Madsen. Ergänzt werde dieses „technologische Ökosystem“ durch die größte Ansammlung maritimer Unternehmen in Deutschland – von innovativen Start-ups bis hin zu Global Playern wie TKMS, Rheinmetall oder Anschütz.

Minensucher Minensuchgeschwader im Marinestützpunkt Kiel Holtenau

Ministerpräsident Günther betonte, dass die sicherheitspolitische Lage die Bedeutung maritimer Verteidigungsfähigkeit noch einmal deutlich vor Augen geführt habe. „Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist offensichtlich, dass die Sicherheit Europas massiv bedroht ist. Das gilt in besonderer Weise auch für den Ostseeraum und unsere Partner im Baltikum. Die maritime Sicherheit ist zu einer zentralen Frage europäischer Sicherheit geworden. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass wir technische Kompetenzen, Forschung, Wirtschaft und Bundeswehr enger zusammenbringen. Das Bundeswehr-Innovationszentrum in Kiel wird dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Wir haben keine Zeit zu verlieren – und Schleswig-Holstein steht bereit.“

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