Winnetou jubelt: Ende des Segeberger Dauer-Staus am Horizont

Endlich! Der heutige Spatenstich an der A20 bringt nicht nur Hoffnung auf weniger Stau, sondern auch neue Chancen für die Region rund um die Karl-May-Stadt. Ein Grund zum Feiern.

Glücklich zwischen Bagger und stahlblauem Himmel (v.l.): Ministerpräsident Daniel Günther, Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Bad Segebergs Bürgermeister Toni Köppen

Als Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen vor Jahren das erste Mal die A 20 in Schleswig-Holstein befuhr und an den rot-weißen Sperrschildern vor Bad Segeberg strandete, glaubte er an eine Baustelle. Doch das Gegenteil war der Fall. Die A-20-Sackgasse vor Bad Segeberg war längst zu einem Symbol des Stillstands für große Infrastruktur-Vorhaben in Deutschland geworden. Bis heute – denn nun geht es weiter: Mit einem feierlichen Spatenstich wurde am Bad Segeberger Levo-Park der Weiterbau der Autobahn in Angriff genommen.

«Das ist ein extrem wichtiger und guter Tag für Schleswig-Holstein», sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Und ergänzte scherzhaft: «Kein Wunder, dass ich Claus Ruhe Madsen heute zum ersten Mal mit Krawatte sehe.» Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder war aus Berlin angereist und nutzte die Gelegenheit auf das inzwischen deutlich höhere Tempo bei Sanierung und Neubau von Verkehrsinfrastruktur zu verweisen. «Ab heute heißt es für die Autobahnumfahrung von Bad Segeberg und die A20 zwischen Weede und Wittenborn: endlich Baustelle», sagte er. «Endlich geht es los, endlich überwinden wir den jahrelangen Stillstand beim Weiterbau der Küstenautobahn.»

Und so fasste Verkehrsminister Madsen selbst seine Gefühle und Impressionen des heutigen „Feiertags“ zusammen:

Lob für Minister Madsen

Die Teilnehmer des ersten Spatenstichs sparten nicht mit Lob dafür, dass es gelungen sei, den Bau der Strecke nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen um den Naturschutz endlich vorangebracht zu haben. Der vorangegangene, östlich von Bad Segeberg endende Abschnitt der A20 war 2009 eröffnet worden.

Einigung mit Umweltverbänden

2013 hatte das Bundesverwaltungsgericht den Weiterbau der Autobahn gestoppt. Der Fledermausschutz sei nicht ausreichend. Als Folge wurden Tunnel und Leitstrukturen für Fledermäuse geplant. Den Knoten durchschlagen hatte am Ende Verkehrsminister Madsen, der einen Kompromiss mit den Umweltverbänden erarbeitet und ausgehandelt hatte. Madsen sprach sich bei der Gelegenheit nochmals dafür aus, «frühzeitig miteinander zu reden und so juristische Auseinandersetzungen zu vermeiden». Entscheidend sei, «Lösungen zu finden, nicht Streit suchen». Das heiße, Probleme anzufassen, Probleme zu diskutieren und sich dann Schritt um Schritt anzunähern.

Der seit heut in Bau befindliche A-20-Abschnitt ist zehn Kilometer lang und führt südlich um die Kreisstadt Bad Segeberg herum, die unter täglichem Dauerstau leidet. Für den Bau sind laut Bundesminister Schnieder rund 550 Millionen Euro vorgesehen.

A20 schafft Querung der Elbe

Die A20 wird nach der Fertigstellung mit einem Elbtunnel bei Glückstadt erstmals eine Autobahnverbindung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen westlich von Hamburg schaffen. Sie gilt als eines der wichtigsten deutschen Verkehrsprojekte. «Der Bund bekennt sich ganz klar zu dieser Maßnahme. Wir wollen die A20 durchgängig vollenden, und zwar so schnell wie möglich.» Die Autobahn sei nachgewiesen wirtschaftlich.

Schnieder sagte, die Bürgerinnen und Bürger von Bad Segeberg könnten nun langsam aufatmen. «Wir legen den Grundstein für mehr Lebensqualität, für weniger Stau, für weniger Lärm und eine spürbare Entlastung der Innenstadt.» Die A20 sei ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Verkehrsnetzes, betonte der Minister. So stärke sie etwa die Anbindung des Hinterlands der Häfen und verknüpfe die deutschen Seehäfen in Ost-West-Richtung. «Für die Wirtschaft im Norden, für die Pendlerinnen und Pendler, für Urlauberinnen und Urlauber, für die gesamte Region ist der heutige Baubeginn ein großer Schritt nach vorn», sagte Schnieder.

Schnieder: Entscheidend für Wohlstand

Funktionierende Mobilität entscheide über den Wohlstand in Deutschland. Daher mahnte der Minister weitere Anstrengungen bei Bau und Erhalt der Verkehrswege an. «Deshalb investieren wir so viel. Wir haben viel nachzuholen.» Günther sprach von einem Befreiungsschlag, der für die Region angesichts der langen Planung und des Stillstands ein Ende des Frusts bedeute. Künftig müsse es wieder möglich werden, Projekte schneller umzusetzen.

Der Präsident der Unternehmensverbände Nord, Philipp Murmann, nannte den Weiterbau der Autobahn ein gutes Signal für den gesamten Norden. Die Wirtschaft warte seit Jahren sehnsüchtig auf freie Fahrt auf einer A20 mit einer zusätzlichen Elbquerung. Stau und Stillstand in Bad Segeberg und am Nadelöhr A7-Elbtunnel kosteten die norddeutsche Wirtschaft täglich viel Geld.

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