Quantensprung für den Technologiestandort Itzehoe: Der seit 30 Jahren im Kreis Steinburg verwurzelte Halbleiterproduzent Vishay plant Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Die Zahl der Beschäftigten soll von 550 auf rund 800 wachsen. Bund und Land fördern das Vorhaben mit 215 Millionen Euro.

Der vor allem für die Automobilindustrie tätige Halbleiterhersteller „Vishay Siliconix Itzehoe GmbH“ plant eine gewaltige Expansion und wird dafür in den kommenden Jahren rund eine Milliarde Euro investieren. Es geht um die Produktion von so genannten Wafern, eine Art Siliziumscheibe. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen überreichte dafür am Freitag eine gemeinsame Förderurkunde von Bund und Land über rund 215 Millionen Euro an Vishay-Manager Roy Shoshani (großes Foto oben)
Die deutsche Tochtergesellschaft des US-Herstellers will künftig in einer weiteren Fabrik Halbleiterscheiben mit einem Durchmesser von 300 Millimetern herstellen. Trotz automatisierter Produktionsabläufe sollen bis zu 250 neue Arbeitsplätze entstehen. Aus Wafern werden Chips und Halbleiterbauteile gefertigt. Bislang produziert Vishay in Itzehoe herkömmliche 200-Millimeter-Scheiben. Die Produktion größerer Wafer hat den Vorteil, dass sich je Scheibe mehr Chips und Bauteile herstellen lassen.
So berichtete das NDR-Schleswig-Holstein-Magazin am Freitag:
«Itzehoe ist seit Jahrzehnten ein herausragender Standort für Mikroelektronik und Halbleitertechnologie. Dass Vishay gerade im Jahr seines 30-jährigen Standortjubiläums in den weiteren Ausbau seiner Produktion investiert, ist ein starkes Bekenntnis zu unserer Region und ein wichtiges Signal für den Industriestandort Schleswig-Holstein», sagte Madsen. Mit der Förderung würden Bund und Land gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen, dass ein international aufgestelltes Unternehmen seine Zukunft weiterhin in Itzehoe gestaltet. «Das stärkt die industrielle Wertschöpfung vor Ort und die Position des InnoQuarters Itzehoe als bedeutenden Innovationsstandort», so Madsen.

Nach den Worten von Vishay-Fertigungschef Keil will das Unternehmen aus den 300-Millimeter-Scheiben Leistungstransistoren, sogenannte Power-Mosfets, fertigen. Diese sind auf hohe elektrische Ströme und Spannungen ausgelegt: «Die Produktion ist für die Automobilindustrie vorgesehen sowie für industrielle und kommerzielle Anwendungen, unter anderem in Hochleistungsrechnern für künstliche Intelligenz, Telekommunikation und IT-Infrastruktur». Die EU-Kommission hatte die Hilfe bereits vor Monaten genehmigt. Weiteres Geld fließt in Halbleiter-Projekte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern.
Der Kritik der FDP, das Parlament in Schleswig-Holstein sei nicht ausreichend über die Förderung informiert worden, wies Madsen als falsch zurück: «Die Landesregierung hat das Parlament bereits im November letzten Jahres über das Projekt informiert. Mir sind seither keinerlei Nachfragen der FDP bekannt geworden.» Die Gelder seien zudem im üblichen Haushaltsverfahren für 2026 veranschlagt und vom Parlament beschlossen worden. Mit 172 Millionen Euro übernehme der Bund den überwiegenden Teil der Förderung. Das Land Schleswig-Holstein beteilige sich mit weiteren 43 Millionen Euro.

Nur durch staatliche Förderung sei es möglich, konkurrenzfähig zu bleiben, sagt Keil. «Fördern ist dramatisch wichtig, weil die Kosten in Europa deutlich höher sind als in Wettbewerbsstaaten, beispielsweise in Asien.» Halbleiter gehören laut Vishay zur kritischen Industrie. Es sei aufgrund der geopolitischen Lage wichtig, in der Halbleiterproduktion in Deutschland und Europa eigenständig zu sein. Auf die Unabhängigkeit in der Produktion weist auch Madsen hin. «Über die letzten Jahre haben wir gesehen, dass Lieferketten unterbrochen werden, weil ein Schiff irgendwo quer liegt oder weil es Kriege und Krisen gibt. Und umso wichtiger wird es, dass wir diese Technologien auch in Europa haben.» Die Mikroelektronik gilt als Schlüsseltechnologie. Mikrochips werden für Autos, aber auch für Smartphones und Computer gebraucht.

Vishay ist Teil eines norddeutschen Netzwerks zur Förderung der regionalen Chipindustrie. Halbleiterunternehmen und Forschungseinrichtungen aus Hamburg und Schleswig-Holstein gründeten dieses Jahr das Northern Chip Network, an dem Nexperia, NXP Semiconductors, Semikron Danfoss und X-Fab beteiligt sind.

Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sagte zu der Förderung: «Der sichere Zugang unserer Industrie zu Chips ist eine geopolitische Frage von höchster Relevanz – das haben die letzten Jahre deutlich gezeigt. Daher stärken wir im Rahmen des European Chips Act die Fähigkeiten und Produktionskapazitäten am Standort Deutschland. Der Ausbau des Werks von Vishay ist eine strategisch bedeutsame Investition, die der Versorgung der deutschen Industrie mit Leistungshalbleitern aus lokaler Produktion dient und damit die Resilienz heimischer Industrien und unsere technologische Souveränität stärkt.»
Die Förderung erfolgte laut Wetzel auf der beihilferechtlichen Grundlage des so genannten «European Chips Act». Ziel des Förderinstruments ist es, das deutsche und europäische Halbleiter-Ökosystem zu stärken, Produktionskapazitäten in Europa auszubauen und die Widerstandsfähigkeit europäischer Lieferketten zu erhöhen.