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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

S-Bahn von Eidelstedt nach Kaltenkirchen: die ersten von 984 Masten stehen

Erfreut über den S-5-Fortschritt (v.l.): Tobias von der Heide, AKN-Chef Meyer, AKN-Projektleiter Heiko Metzger und NAH.SH-Chef Arne Beck

Die AKN Eisenbahn GmbH hat einen entscheidenden Schritt auf dem Weg der Erweiterung und Elektrifizierung der S-Bahn-Linie S 5 gemacht. Der erste Oberleitungsmast wurde heute am Hörgensweg in Eidelstedt errichtet und ist der Auftakt für insgesamt 984 Maste, die entlang der Strecke zwischen Eidelstedt und Kaltenkirchen installiert werden.

Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär, Tobias von der Heide, zeigte sich überzeugt, dass der Ausbau für viele Pendlerinnen und Pendler deutliche Vorteile mit sich bringen werde: „Zukünftig wird der Umstieg in Hamburg Eidelstedt auf dem Weg in die Hamburger Innenstadt entfallen, was hoffentlich mehr Menschen begeistern wird, den eigenen Pkw stehen zu lassen und die S-Bahn zu nutzen“, sagte von der Heide. „Uns ist dabei natürlich bewusst, dass die aktuellen Bauarbeiten eine große Ein-schränkung für die Fahrgäste bedeuten, dennoch wird die S5 zukünftig viele Vorteile für die Region bringen“.

Weiter sagte von der Heide – Video starten:

Martin Bill, Staatsrat der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende: „Mit der S5 nach Kaltenkirchen verbessern wir die Mobilität für über 24.000 Menschen im Hamburger Westen und im Umland. Die direkte Verbindung ohne Umstieg von Kaltenkirchen in die Hamburger City ist leiser, klimafreundlicher und effizienter. In Schnelsen Süd schaffen wir eine neue Haltestelle, die mehr als 4.000 Hamburgerinnen und Hamburger an das Schnellbahnnetz anschließt. Das Setzen des ersten Oberleitungsmastes ist ein wichtiger Meilenstein für dieses Projekt. 983 weitere Masten folgen. So wird die Voraussetzung für eine länderübergreifende Verbindung und eine nachhaltige Mobilität der Zukunft geschaffen.“

Ein paar Erläuterungen zum Projekt und Impressionen vom Tag:

Arne Beck, Geschäftsführer des Nahverkehrsverbundes Schleswig-Holstein (NAH.SH), betonte bei dem Termin die Bedeutung des Projektes über die Landesgrenzen hinaus: „Die S5 ist wichtig für die Region, vor allem für die Verbindung der beiden Bundesländer. Sie ist aber auch wichtig für die Mobilitätswende insgesamt.“

„Auf diesen Moment haben wir lange hingearbeitet“, sagte der Geschäftsführer der AKN Eisenbahn GmbH, Matthias Meyer, „dieser Mast steht symbolisch für das gesamte Projekt S5, das zu einer nach-haltigeren Zukunft des Verkehrs in unserer Region beiträgt und die Menschen besser vernetzt.

Die aktuelle, zweite Bauphase dauert noch bis zum 1. September. Ziel ist, alle Oberleitungen auf einer Strecke von 12 Kilometern zwischen Eidelstedt und Burgwedel fertigzustellen. Bereits einen Tag später geht es ab Burgwedel in der Bauphase 3 nahtlos mit dem Bau der Oberleitungen im Norden weiter. Die nächsten Stationen sind Hasloh, Bönningstedt und Quickborn. In den nächsten Jahren wird kontinuierlich weitergebaut, zum Beispiel mit den Umbauten der Bahnsteige in Tanneneck, Ulzburg Süd und Henstedt-Ulzburg. Auch die Errichtung der Oberleitungen wird kontinuierlich in Richtung Norden fortgesetzt. Die vollständige Inbetriebnahme der S5-Strecke ist für Ende 2028 geplant.

Madsen: Beschluss zum Güterverkehr gibt auch der Northvolt-Trasse Rückenwind

Madsen mit Bundes-Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel am Rande der Konferenz

Das Regierungsziel ist ehrgeizig: Das Berliner Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP strebt an, bis 2030 ein Viertel aller Gütertransporte mit der Bahn abzuwickeln – aktuell sind es knapp 20 Prozent. Bereits 2017 wurde dafür der Masterplan Schienengüterverkehr auf den Weg gebracht. Die Kosten könnten sich laut Bahnchef Richard Lutz auf gut 80 Milliarden Euro belaufen. Ein Teil der Mittel sollte aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) kommen, den das Bundesverfassungsgericht Anfang Dezember gekippt hatte.

Heute hat sich die Verkehrsministerkonferenz in Münster mit dem Thema befasst und den Bund aufgefordert, die finanzielle Förderung deutlich auszuweiten und die nicht bundeseigenen Eisenbahnen bei der angestrebten Verlagerung von Transporten auf die Schiene angemessen zu berücksichtigen. «Insbesondere fordern wir die Wieder-Aufstockung der Mittel im Rahmen des Förderungsgesetzes für das Schienengüter-Fernverkehrsnetz», sagte Madsen.

Die Chefinnen und Chefs der Verkehrs-Ressorts aller Bundesländer

Die jüngste Kürzung der Trassenpreisförderung um rund 120 Millionen Euro und der Einschnitt bei der Anlagenförderung um 65 Millionen Euro seien Bremsklötze für die Entwicklung des Schienengüterverkehrs. Problematisch sei auch die auf einer Kürzungsliste der DB InfraGo erkennbare Streichung von mehreren Ausbauprojekten zur Engpassbeseitigung im Schienennetz. «Das schwächt alle übrigen guten Maßnahmen wie Förderungen für den Einzelwagenverkehr oder die Digitale automatische Kupplung», so Madsen. Dies habe er auch gegenüber Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henckel deutlich gemacht.

Madsen und seine Amtskolleginnen und Kollegen baten den Bund zudem, mehr Tempo beim Infrastruktur-Ausbau für den Schienengüterverkehr an den Tag zu legen. «Hierzu gehört vor allem auch die Elektrifizierung von Strecken», so Madsen. «Dieser Beschluss ist gut, weil er auch Signalcharakter für die Ansiedlung der schwedischen Batteriefabrik Northvolt bei Heide hat. Denn immerhin ist dies eine Weichenstellung, die uns hilft, den Ausbau der Güterstrecke zwischen Heide und Hamburg über die bislang alte Brücke Hochdonn zu beschleunige», so der Minister. Auch der Elektrifizierung der Marschbahn werde dies Rückenwind geben.

Einstimmig beschlossen wurde auch die Forderung an den Bund, die Länder-Vertreter in den Runden Tisch „Schienengüterverkehr“ mit einzubeziehen. «Es geht darum, hier mit der Branche über die Gestaltung eines kurz-, mittel- und langfristigen Marktrahmens für den Schienengüterverkehr ins Gespräch zu kommen», erläuterte Madsen.

Zuletzt hatte es seitens der Industrie Zweifel an den Zielen der Bundesregierung beim Schienen-Güterverkehr gegeben. Vor allem Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, hatte sich skeptisch gezeigt. Derzeit gebe es im deutschen Schienennetz «definitiv zu wenig Kapazität», hatte Russwurm geklagt. Die Infrastruktur sei überlastet und sanierungsbedürftig, Genehmigungen und der Bau bräuchten zu lange.

Land besiegelt Verträge über Zusatz-Loks für die Marschbahn

Partnerschaft besiegelt (v.l.): Martin Wischner, Vorstand der Havelländischen Eisenbahn AG, Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide und NAH.SH-Geschäftsführer Arne Beck haben die Verträge für die Zusatzloks auf der Marschbahn unterschrieben.

Zwei Zusatzloks sollen im Bahnverkehr zwischen Hamburg und Westerland (Sylt) auch künftig für mehr Betriebsstabilität sorgen. Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide, NAH.SH-Geschäftsführer Arne Beck und Martin Wischner, Vorstand der Havelländischen Eisenbahn AG, unterschrieben heute den Vertrag für die Bereitstellung der Loks und besiegelten damit eine Partnerschaft für neun Jahre.

„Der Verkehr auf der Marschbahn ist betrieblich herausfordernd. Es war uns deshalb wichtig, an Stellschrauben zu drehen, die eine spürbare Entlastung und daher mehr Betriebsstabilität bedeuten. Die zwei zusätzlichen Loks sind eine solche Stellschraube. Wir freuen uns, mit der Havelländischen Eisenbahn einen verlässlichen und erfahrenen Partner für die Bereitstellung gefunden zu haben“, sagte von der Heide.

Die Bereitstellung der Zusatzlokomotiven war eine Vorarbeit zur Neuvergabe der Verkehrsleistung auf der Marschbahn. Die NAH.SH hatte im vergangenen Jahr im Auftrag des Landes ein entsprechendes Vergabeverfahren durchgeführt. Die Havelländische Eisenbahn hatte das wirtschaftlichste Angebot abgegeben, den Zuschlag erhalten und wird damit Vermieterin von zwei Loks der Baureihe 246.

Der aktuelle Verkehrsvertrag mit der DB Regio AG läuft noch bis Ende 2025. Aus der mittlerweile abgeschlossenen Vergabe für die Verkehrsleistung von Dezember 2025 bis Dezember 2034 ist DB Regio erneut als Siegerin hervorgegangen. Sie wird die zusätzlichen Loks mit Beginn des neuen Verkehrsvertrages mieten, an die Reisezugwagen koppeln und sie auf der Marschbahn einsetzen. Die Loks sollen vor dem vertragsgemäßen Einsatz im NAH.SH-Design umlackiert werden.

NAH.SH-Chef Beck betonte bei den Gesprächen einmal mehr, dass Land und NAH.SH sich über das gute Ergebnis der Ausschreibung freuten, aber mittelfristig auch für die Marschbahn einen klimafreundlicheren und nachhaltigen Verkehr anstreben: „Wir sind froh, dass sich unsere Übergangslösung für die Stabilisierung des Betriebs und die Steigerung der Qualität aus Fahrgastsicht bewährt hat. Die zusätzlichen Loks sind eine wichtige Überbrückungshilfe auf dem Weg zur Elektrifizierung der Strecke, damit wir mittelfristig elektrische Fahrzeuge einsetzen und den Bahnverkehr auf der Marschbahn endlich modernisieren können.“

Hintergrund

Die 15 für die Marschbahn beschafften viermotorigen Dieselloks der Baureihe 245.2 sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Probleme. Der intensive Betrieb auf der Strecke zwischen Hamburg-Altona und Westerland fordert Loks und Wagen außergewöhnlich stark. Die Länge der Strecke, die Betriebsleistung und die Fahrzeuglängen sind für den Nahverkehr eine Besonderheit – in den meisten europäischen Ländern werden derartige Streckenlängen als Fernverkehrsleistung erbracht. Ziel des Landes und der NAH.SH war es deshalb, mit zusätzlichen Lokomotiven mehr Entspannung ins System zu bringen und mehr Betriebsstabilität aus Fahrgastsicht zu erzeugen. Bereits im laufenden Verkehrsvertrag hat das Land in Kooperation mit der DB Regio zwei Hilfsloks im betrieblichen Einsatz. Diese seit 2020 laufende Maßnahme hat sich in der Praxis bewährt.

Die im Vertrag vorgesehenen Lokomotiven der Baureihe 246 gehören zur Traxx-Familie von Alstom (ehemals Bombardier) und sind im Einsatz erprobt, u.a. beim metronom. Schwesterloks sind zum Beispiel im Regionalexpressverkehr zwischen Hamburg und Cuxhaven unterwegs. Ersatzteile sind Serienprodukte, sodass von einer hohen Zuverlässigkeit der Lokomotiven auszugehen ist. Im Gegensatz zu den 15 bisher eingesetzten Marschbahn-Lokomotiven haben die Zusatzlokomotiven nur einen bahnerprobten Dieselmotor, der auch in anderen Lokomotivbaureihen eingesetzt wird und keinen so hohen Instandsetzungsaufwand erzeugt, wie die Motoren in den Marschbahnloks. Es ist deshalb zu erwarten, dass die angemieteten Diesellokomotiven betrieblich stabiler laufen. Bei den positiven Eigenschaften ähneln die Zusatzloks den Marschbahnloks und können deshalb gut von den Triebfahrzeugführer*innen bedient werden.

Verkehrsminister-Treffen: Madsen sieht im ÖPNV eine massive Bringschuld beim Bund

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen fordert deutlich mehr Regionalisierungsmittel des Bundes für den öffentlichen Nahverkehr: «Mit jährlich rund 370 Millionen Euro müssten wir nicht über Kürzungen im Fahrplanangebot nachdenken», sagte Madsen der Deutschen Presse-Agentur. Aktuell erhalte das nördlichste Bundesland trotz gestiegener Energiekosten weiterhin nur 320 Millionen Euro pro Jahr.

Weil der Bund bislang keine Bereitschaft zur Erhöhung der Mittel zeige, müsse das Land über die Streichung von Bus- und Zugverbindungen nachdenken. Noch stehe aber nicht fest, ob und welche Züge und Busse künftig wegfallen müssten. «Falls es dazu kommt, würde man das natürlich auf solchen Strecken und in solchen Zeitfenstern tun, wo möglichst wenig Fahrgäste betroffen sind», sagte Madsen.

Das Thema Regionalisierungsmittel wird Mittwoch und Donnerstag bei der Verkehrsministerkonferenz in Münster auch eine Rolle spielen, wenn es um die Zukunft des Deutschland-Tickets geht. Insgesamt erhalten die Länder in diesem Jahr 9,7 Milliarden Euro an Regionalisierungsmitteln vom Bund. Davon müssen sowohl die aktuellen Verkehrsleistungen als auch ein möglicher Ausbau finanziert werden. Die Länder fordern  mindestens   40 Milliarden Euro mehr bis 2031 – also fünf Milliarden pro Jahr. Laut Grundgesetz (Artikel 106 a) ist der Bund für die Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs zuständig. Die Länder fordern infolge des Deutschland-Tickets seit längerem aufsteigend 1,5 Milliarden Euro pro Jahr über 2025 hinaus.

Mit Blick auf drohende Kürzungen im schleswig-holsteinischen ÖPNV-Angebot sagte Madsen, dass das Land ab dem kommenden Jahr maximal fünf Prozent der Verkehre wieder abbestellen könne. Denkbar sei auch die Verlängerung des Taktes von Zügen und Busverbindungen. Eine Streichung von zehn Prozent der Zugverbindungen – wie von Fahrgastverbänden befürchtet – werde es aber keinesfalls geben.

Madsen sagte weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Aus Sicht von Madsen hat sich das Deutschlandticket zweifellos positiv im Markt etabliert und damit sei das Ziel, die Nutzungszahlen im Öffentlichen Verkehr zu verdoppeln, ein großes Stück näher gerückt. Nur könne der Bund nicht einerseits ein solches Instrument einführen, und dann die Länder damit im Regen stehen lassen. «Hier benötigen alle Beteiligten schnell Planungssicherheit über 2025 hinaus, indem die Bundesmittel über 2026 hinaus nicht nur verstetigt werden, sondern auch eine überjährige Verwendung ermöglicht wir», sagt Madsen. Und: «Der mit dem Deutschlandticket bereits erreichte und weiterhin angestrebte Nachfragezuwachs im öffentlichen Verkehr macht einen zeitnahen Ausbau des ÖPNV dringend erforderlich. Die Realität ist aktuell leider genau das Gegenteil.» Weiter sagte Madsen – Audio starten, Pfeil klicken…

Madsen erinnerte weiter daran, dass sich durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klima und Transformationsfonds (KTF) die Rahmenbedingungen zur Finanzierung der Vorhaben des Bedarfsplans Schiene massiv geändert hätten. Für Neu- und Ausbauprojekte der Bundesschienenwege stünden nun rund ein Viertel weniger an Mitteln im Bundeshaushalt 2024 zur Verfügung. Der Bund sollte sich daher frühzeitig im laufenden Bundeshaushaltsverfahren 2025 zur Stärkung der Schiene bekennen und die dafür dringend erforderlichen Haushaltsmittel einplanen um die Finanzierung des Bedarfsplans Schiene wieder auf sichere Füße zu stellen.

Unternehmens- Nachfolger(in) gesucht! Staatssekretärin Carstens macht Mut

«Ich gebe nicht auf. Ich gebe weiter», lautete diese Woche das Motto des jährlichen IHK-Aktionstags „Fortsetzung folgt“ in Lübeckl.  Bei der jährlichen Nachfolgeveranstaltung zeigten Expertinnen und -experten den 100 Interessierten, wie eine Unternehmens-Nachfolge oder Übernahme zur Erfolgsgeschichte werden kann.

Staatssekretärin Carstens beim IHK-Aktionstag „Fortsetzung folgt“

Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens erinnerte daran, dass bis 2026 stehen im Land jährlich 1.300 Unternehmensnachfolgen anstehen. «In unserem Land steigt die Zahl der Unternehmen, die sich auf eine Übergabe noch nicht vorbereitet haben. Sie liegt bei 60 Prozent», so Carstens. Darum habe sich das Land mit Kammern, Förderbanken, Vereinen und Verbänden zusammengeschlossen und die „Unternehmensnachfolge-Initiative Schleswig-Holstein“ gegründet. Die zeige vorhandene Beratungs- und Informationsangebote auf und starte in diesem Jahr eine Nachfolgekampagne mit dem Motto „Ich gebe nicht auf. Ich gebe weiter“. Ziel sei dabei auch, gerade Frauen zu motivieren, ein Unternehmen zu übernehmen. «Ich wünsche mir insgesamt mehr Mut und mehr Weitblick bei diesem Thema», sagte Carstens.

Die CDU-Politikerin verwies außerdem auf die Vorteile eines bestehenden Unternehmens, zu denen ein eingespieltes Team und ein bestehender Kundenstamm gehören. Gleichzeitig biete es auch die Möglichkeit, sich kreativ einzubringen. Carstens sieht die Unternehmensnachfolge als Chance und attraktive Alternative zur Neugründung. Sie rät Unternehmerinnen und Unternehmern, sich ab 55 Jahren mit dem Thema zu beschäftigen, und betonte die Wichtigkeit der Nachfolge für den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Früh genug mit der Nachfolgeplanung anzufangen – dazu riet auch Nicole Kalonda, Partnerin bei der KERN Unternehmensnachfolge. Vertrauen zu haben und flexibel zu sein, seien im Nachfolgeprozess besonders wichtig. Der Expertin zufolge sei es außerdem von Vorteil, sich in der Nachfolgeplanung professionelle Unterstützung zu holen. „Learning by doing“ sei nach Tomas Grimm dabei keine Option. Der Experte für Existenzgründung und Unternehmensnachfolge sagte: «Die Übergabe eines Unternehmens an die nächste Generation ist ein sehr komplexer Prozess, der meist länger dauert als zunächst angenommen.» Es mache daher Sinn, erfahrene Spezialisten hinzuziehen, die bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger helfen und die Unternehmensübergabe mit Rat und Tat begleiten. Sobald eine Unternehmensnachfolge abgeschlossen ist, sei es wichtig, seinem Nachfolger eine Chance zu geben und ihn in Ruhe seine eigenen Erfahrungen machen zu lassen.

Lars Bochmann, Gründer der Bochmann Holding GmbH, stellte in einem Talk gemeinsam mit Carstens und Kalonda die Wichtigkeit einer ehrlichen und schnellen Kommunikation in der Unternehmensweitergabe heraus. Laut Susann Dreßler von der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) ist außer der frühzeitigen und sorgfältigen Planung der Unternehmensübergabe die Finanzierung ebenso ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Die IB.SH sei Partnerin in der Unternehmensnachfolge-Initiative Schleswig-Holstein und unterstütze Unternehmensnachfolgen durch Beratung, Förderung und Finanzierung. «Unsere Förderlotsen beraten zum Beispiel bei den gemeinsamen monatlichen Beratungstagen mit der IHK zu Lübeck über passende öffentliche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten für Unternehmensübernahmen – und das neutral und unentgeltlich», ergänzte die langjährige Teamleiterin.

Wie sich der Wert des eigenen Unternehmens vom Kaufpreis abgrenzen lasse, erläuterten Lutz von Majewsky und Matthias Winkelmann von der HWB Unternehmerberatung GmbH. «Es gibt viele Einflussfaktoren auf den Unternehmenswert, sie zu kennen ist der Wichtigste», so Winkelmann. Der gewünschte Kaufpreis und der für den Verkauf entscheidende Preis könnten weit auseinander gehen.

Informationen zu den Beratungsangeboten der Unternehmensnachfolge-Initiative Schleswig-Holstein sind auf dem Nachfolgeportal www.der-echte-norden.info und Beratungsangebote der IHK zu Lübeck hier www.ihk.de/sh/nachfolge zu finden.

Auch im Norden des Landes rollt die Sanierungswelle – Invest von 97 Millionen €

Präsentierten das Bauprogramm für Nordfriesland und Schleswig-Flensburg: Christoph Köster, Britta Lüth, Minister Madsen und Susan Müller

Riesiger Investitionsschub für die Straßen und Radwege im Norden des Landes: Wie Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen jetzt in Idstedt bei der Vorstellung des diesjährigen Sanierungsprogramms für Nordfriesland und den Kreis Schleswig-Flensburg sagte, stehe im nördlichen Landesteil für 2024 die Sanierung von knapp 147 Kilometern Straßen, gut 24 Kilometern reinen Radwegen und neun Bauwerken auf dem Arbeitsplan. „Unser Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr packt dazu insgesamt 32 Straßen und 27 Radwege an und wir investieren insgesamt 97 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Kreise in eine bessere Infrastruktur“, sagte Madsen. Er präsentierte das 41 Einzelvorhaben umfassende Bauprogramm (siehe Link unten) gemeinsam mit den LBV.SH-Geschäftsbereichsleitungen Susan Müller, Britta Lüth und Christoph Köster.

Mit Blick auf die hohe Investitionssumme sagte der Minister: „Bei allen Sparzwängen übertrifft unser Aufwand auch in diesem Jahr immer noch um ein Vielfaches die Summen, die noch vor 20 Jahren auf die Straßen gebracht wurden. Leider können wir die Investitionszurückhaltung vergangener Dekaden derzeit schmerzvoll an den vielen Schlaglöchern ablesen“, so Madsen. Daher sollten die alten Fehler, die der Landesbetrieb derzeit vor allem an den Landesstraßen mühselig aufarbeite, nicht wiederholt werden. Madsen: „Jeder Kilometer Straße, der heute nicht rasch saniert wird, kostet uns übermorgen das Doppelte.“

Hier ein Livestream-Mitschnitt des Pressegesprächs:

Die Landesregierung investiert auch in diesem Jahr rund 80 Millionen Euro allein in Landesstraßen, sowie neun Millionen Euro in Radwege, die nicht routinemäßig parallel zu Landesstraßen mitsaniert werden. Zum Vergleich: Zu Beginn der 2000er Jahre wurden im Durchschnitt noch maximal 20 Millionen Euro jährlich in das Landesstraßennetz zwischen List und Lauenburg gesteckt.

Madsen warnte davor, im Hinblick auf die angestrebte Mobilitätswende Straßen- und Schienenverkehr gegeneinander auszuspielen: „Gerade in dünnbesiedelten Regionen wie den Norden des Landes brauchen wir beides. Wer hier lebt, ist auf intakte Straßen absolut angewiesen. Egal ob für den Schulbus, den Krankenwagen oder die Fahrt zur Arbeit. Man braucht einfach gute und sichere Straßen sowie Radwege“, so der Minister.

Einer der größten Brocken des Bauprogramms sei nach den Worten von Madsen auch in diesem Jahr der Ersatzneubau der Schleibrücke Lindaunis. Neben dem LBV.SH ist hier die Deutsche Bahn für Planung und Bauausführung zuständig. Andere wichtige Projekte in der nördlichen Region sind der weitere dreistreifige Ausbau der Bundesstraße B 5 an der Westküste bei Tönning und Husum sowie die B 199 in Flensburg zwischen Eckernförder Landstraße und Mozartstraße.

Laut LBV.SH-Erhaltungschef Köster sind in dem 97 Millionen Euro umfassenden Bauprogramm insgesamt 24 Landesstraßen-Projekte sowie neun Neubauten oder Instandsetzungen von Brücken enthalten. Der Rest entfalle auf vier Bundes- und 13 Kreisstraßen, für die der LBV.SH in weiten Teilen ebenfalls zuständig sei. Im Kreis Nordfriesland werden 60 Millionen Euro in insgesamt 98 Kilometer Straßen, 43 Kilometer Radwege und drei Brücken investiert. Auf den Kreis Schleswig-Flensburg entfallen bei einem Gesamtvolumen von 33,3 Millionen Euro 86 Kilometer Straßen, 50 Kilometer Radwege und fünf Brücken.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir das bereitgestellte Geld weiterhin auf die Straße bekommen werden“, sagte LBV.SH-Neubauchefin Britta Lüth. Und Betriebschefin Susan Müller ergänzte: „Der LBV.SH hat viel zu bieten, wir suchen für unsere Aufgaben dringend Ingenieurinnen und Ingenieure, Technikerinnen und Techniker, Verwaltungsfachleute, Quer- und Wiedereinsteiger sowie Auszubildende oder Interessierte für ein Duales Studium“.

Die einzelnen Baumaßnahmen und Projekte auch in dieser Übersichtskarte:

www.schleswig-holstein.de/lbvsh-bauprogramm

Meilenstein für Geesthacht: Land erlässt Beschluss für eine Ortsumgehung

Grünes Licht des Landes für den Neubau der Ortsumgehung Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg: Das Amt für Planfeststellung Verkehr Schleswig-Holstein (APV) hat heute den über 600 Seiten starken Planfeststellungsbeschluss an die Autobahn GmbH des Bundes (Niederlassung Nord) und den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) übergeben.

So würde sich die Umgehungsstraße von Geesthacht künftig aus der Luft aussehen

„Damit sind wir bei diesem für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und die Entlastung der Innenstadt Geesthacht wichtigen Projekt einen riesigen Schritt weiter“, sagte Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide. Der Beschluss wurde durch APV-Chef Martin Hamm an die beiden Vorhabenträger überreicht. „Im Mai werden sämtliche Planunterlagen dann auch öffentlich ausgelegt“, sagte Hamm.

von der Heide

Wie von der Heide erläuterte, betrifft das Projekt den Neu- und Ausbau der Autobahn A 25 sowie den Neubau der Bundesstraße B 5 einschließlich zahlreicher Folgemaßnahmen, wie etwa zusätzliche Lärmschutzanlagen und Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft. Der Planfeststellungsbeschluss ist sofort vollziehbar. „Das heißt, dass vorbehaltlich von Rechtsmitteln unmittelbar mit den Arbeiten begonnen werden könnte“, erläuterte Hamm.

Carsten Butenschön, Direktor der Niederlassung Nord, sagte dazu: „Wir freuen uns sehr über den Planfeststellungsbeschluss und starten mit den Vorbereitungen für die vorauslaufenden Umweltschutz- und Ausgleichsmaßnahmen.

Vorrangiges Ziel des -Projekts, für das der vordringliche Bedarf festgestellt wurde, ist die Entlastung des innerstädtischen Bereichs von den Durchgangsverkehren. „Durch die Verringerung der Verkehrsbelastung wird es zu einer Minderung der Lärm- und Schadstoffimmissionen und damit einer Verbesserung der Wohn- und Aufenthaltsqualität kommen“, sagte von der Heide. Die Ortsumgehung schaffe zudem eine leistungsfähige Regionalverbindung, die auch mit einer verbesserten Erreichbarkeit der B 404 verbunden sei. Davon würden neben Geesthacht auch die umliegenden Gemeinden profitieren.

APV-Chef Hamm übergibt den Planfeststellungsbeschluss an Inken Wilke von der Autobahn GmbH des Bundes

Mit der Maßnahme einhergehende, nicht vermeidbare Umweltbeeinträchtigungen werden laut von der Heide durch vielfältige Ausgleichs- und Vermeidungsmaßnahmen kompensiert. So habe das APV schon im Rahmen einer vorläufigen Anordnung Sorge dafür getragen, dass Maßnahmen für den Artenschutz effektiv umgesetzt werden können. Auch auf landwirtschaftliche Belange und auf das Eigentum wurde, soweit möglich,    Rücksicht genommen. Es sei versucht worden, eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung zu finden, so APV-Chef Hamm.

Der Planfeststellungsbeschluss und die festgestellten Planunterlagen werden voraussichtlich im Mai zur Einsichtnahme ausliegen und werden auch  online unter https://planfeststellung.bob-sh.de/ abrufbar sein.

24/7 mobil: ÖPNV-Projekt „Smile 24“ nimmt Fahrt in der Schlei-Region auf

Pünktlich zu Ostern nimmt ein umfangreiches ÖPNV-Angebot im ländlichen Raum Fahrt auf. «Smile24» gibt das Versprechen, in der Urlaubsregion rund um die Schlei ohne eigenes Auto mobil zu sein.

Smile 24 – ein Grund zum Lächeln: DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck mit NAH.SH-Chef Arne Beck (links) und Minister Madsen.

Rund um die Uhr mobil – und das abseits der großen Städte und ohne eigenes Auto: Dieses ehrgeizige Ziel hat sich das eigenen Angaben zufolge deutschlandweit umfangreichste Nahverkehrsangebot im ländlichen Raum gesetzt. Mit zusätzlichen Buslinien, On-demand-Shuttles sowie Kurzzeitmieten von Autos und Rädern startet das Mobilität-Modellprojekt «SMILE24» am Karfreitag in der Region an Schlei und Ostsee.

Fotos: Frank Molter (dpa)

Verkehrs- und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen sagte beim heutigen Projekt-Start in Schleswig, es werde erstmals ein Mobilitätsversprechen im ländlichen Raum eingelöst, nämlich ohne eigenes Auto rund um die Uhr mobil zu sein. «Das ist bundesweit bisher einmalig.» Der Nahverkehr werde damit für die Bewohner und Bewohnerinnen der Region, aber auch für ihre vielen Gäste zum «echten Überall-Hinbringer».

Madsen sagte zum heutigen Start des Projekts – Video starten:

Das Projekt schafft den Angaben zufolge eine neue Angebotsqualität für rund 120 000 Menschen in der Region an Schlei und Ostsee. Die Landräte der beteiligten Kreise Rendsburg-Eckernförde und Schleswig-Flensburg, Rolf-Oliver Schwemer und Wolfgang Buschmann, äußerten die Hoffnung, dass die Erfahrungen aus dem Projekt später auf andere Regionen übertragen werden können. Evelyn Palla, Vorstand Regionalverkehr Deutsche Bahn AG, sagte, «was in Schleswig-Holstein heute startet, wollen wir bundesweit in weiteren Regionen umsetzen.»

Startschuss von SMILE 24 auf den Schleswiger Königswiesen

Das Projekt läuft bis Ende 2025  und soll als deutschlandweites Vorbild für Mobilität im ländlichen Raum dienen. Ein Angebot an verschiedenen Verkehrsmitteln soll die Menschen mobil machen. Zu dem Angebot gehören ein überarbeitetes Bus-Angebot mit zusätzlichen Express- sowie Tourismus-Buslinien, Shuttle-Angebote, die per App oder Telefon gebucht werden können, sowie Bike- und Carsharing. Der Bund fördert das Projekt mit knapp 30 Millionen Euro, Schleswig-Holstein mit weiteren 7 Millionen Euro.

Madsen erfreut: 1000. Antrag auf eine Meister-Gründungsprämie

Im täglichen Bemühen um erfolgreiche Unternehmensgründungen feiern wir zusammen mit unserer Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) einen runden Erfolg: In dieser Woche wurde der 1000. Antrag für die so genannte Meistergründungsprämie eingereicht. „Das zeigt, dass wir mit diesem Instrument nach wir vor auf dem richtigen Kurs liegen“, sagt Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen. Seit dem Start des Programms im Juni 2019 seien Handwerksmeisterinnen und -meister auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt und gefördert worden. „Dieser Erfolg zeigt also nicht nur die Wirksamkeit und den Wert des Meistergründungsprogramms, sondern auch das wachsende Interesse und Engagement unserer Handwerksmeisterinnen und -meister in Schleswig-Holstein, ihre unternehmerischen Träume und Ziele zu verwirklichen“, so der Minister.

Meister der „ersten Stunde“: Aurèle Uter

Als einer der ersten Antragsteller 2019 hatte Konditormeister Aurèle Uter aus Lübeck die Meistergründungsprämie beantragt und mit dieser Förderung die UTER Konditoreibar in der Fleischhauerstraße 62 eröffnet. Das Café Uter ist stylish und ein bisschen anders – auch, was das kulinarische Angebot angeht, eine echte Erfolgsgeschichte.

Das Konzept kam bei den Kunden so gut an, dass innerhalb von drei Jahren fünf Vollzeitarbeitsplätze, zwei Ausbildungsplätze und fünf Anstellungen für geringfügig Beschäftigte geschaffen wurden und so die 2. Stufe der Meistergründungsprämie „Arbeitsplatz- und Ausbildungsplatzförderung“ beantragt und ausgezahlt werden konnte.

Eckpunkte des Programms:

Basisförderung: Die Meistergründungsprämie unterstützt erstmalige Existenzgründungen, Unternehmensübernahmen sowie tätige Beteiligungen im Handwerk mit 7.500 Euro.

Arbeitsplatz- und Ausbildungsförderung: Ein zusätzlicher Zuschuss von 2.500 Euro wird gewährt, wenn innerhalb von drei Jahren nach Gründung oder Übernahme ein Arbeits- oder Ausbildungsplatz geschaffen und für mindestens 12 Monate besetzt wurde.

Ein Kanzler, eine Gigafabrik, ein geklautes Pult und das neue «Dithmarschen-Tempo»

Das winzige Hedwigenkoog im Lichtkegel Europas: Beim Baustart der Northvolt-Batteriefabrik hat Bundeskanzler Olaf Scholz heute in dem 200-Seelen-Dorf die strategische Bedeutung solcher Investitionen für Deutschland und Europa betont.

Ein großer Wurf für die Westküste (vorn v.l.): Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, Northvolt-Gründer Peter Carlsson, Kanzler Olaf Scholz, Schwedens Botschafterin Veronika Wand-Danielsson und Ministerpräsident Daniel Günther

«Deutschland war, ist und bleibt ein starkes Industrieland», sagte Scholz. «Und die Herstellung guter Autos bleibt auch über den Verbrennermotor hinaus Rückgrat unserer Industrie.» Dafür brauche es Batteriezellen aus deutscher Herstellung. Deshalb sei der Bau der Gigafactory eine gute Nachricht für das ganze Land. 3.000 Jobs entstünden bei Northvolt direkt, noch einmal 10.000 würden im Umfeld der Fabrik erwartet. «Daraus ergeben sich riesige Chancen für den Mittelstand», so der Kanzler.

Zusammen mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sowie Northvolt-Chef Peter Carlsson, Northvolts Deutschlandchef Christofer Haux und der schwedischen Botschafterin Veronika Wand-Danielsson drückte der Regierungschef anschließend symbolisch auf den Startknopf für die Gründungsarbeiten für das erste Fabrikgebäude. Zuvor hatte er scherzhaft davon gesprochen, dass er zwar eigentlich erneut vom «Deutschland-Tempo» sprechen wollte, nun aber das «Dithmarschen-Tempo» kennengelernt habe.

Ein Gedanke, den Haux gleich scherzhaft aufgriff. Denn: In der Nacht vor dem Festakt hatte ein unbekannter Spaßvogel das Rednerpult aus der Fest-Scheune gestohlen. «Und was tun Dithmarscher in so einer Situation», fragte Haux. «Sie fragen einen Nachbarn – in diesem Fall Tischler Henning – und der hat über Nacht kurzerhand ein neues Pult gebaut – das ist eben Dithmarschen-Tempo», so Haux.

Hier ein Livestream-Mitschnitt des Festakts – Video starten

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet unterdessen damit, dass sich an der Westküste durch den Bau der Fabrik vieles verändern wird. Das sei der Sinn der ganzen Übung für Deutschland, aber auch für die Region. «Es wird anders aussehen. Es ist ein großer Eingriff», sagte Habeck. Umgekehrt bedeute dies, dass Arbeitsplätze und Wertschöpfung entstünden und die Region touristisch attraktiver werde.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach von einem großen Tag der Freude. Mit dem Bau der Fabrik werde sichtbar, dass sich Investitionen in erneuerbare Energien lohnten. «Hier wird klimaneutrales Industrieland sichtbar.» Das Beispiel Northvolt zeige, dass dies keine Spinnereien seien. Die Landesregierung unterstütze die Region, brauche aber auch in den kommenden Jahren Hilfe vom Bund beim Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, um die Batterien auch aus der Fabrik zu bekommen.«Wir haben hier eine echte Wachstumsregion, die auf ganz Deutschland ausstrahlen wird.»

Im Anschluss an den offiziellen Festakt sagte Günther – Video starten…

Northvolt will nach eigenen Angaben nicht weniger als die «grünste Batterie der Welt in Serie» produzieren. Das Werk soll geklärtes Abwasser aus der Region für Kühlzwecke nutzen. Wärme aus der Produktion könnte an ein mögliches Fernwärmenetz der Stadt Heide abgegeben werden. Angedacht ist auch eine Anlage zum Recycling von Altbatterien ausrangierter E-Autos. Bund und Land fördern die Batteriefabrik mit rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Garantien über weitere 202 Millionen Euro, die noch bewilligt werden müssen. Die Produktion soll 2026 anlaufen.

Peter Carlsson mit Minister Madsen

«Die Fabrik wird einen Schub für das ganze Land Schleswig-Holstein und insbesondere für die Westküste bringen», sagte auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen. Gemeinsam mit dem Bund wolle das Land die logistischen Voraussetzungen für den Betrieb schaffen. Die Region Dithmarschen könne mit der Fabrik und bereits existierender Forschungseinrichtungen sowie der reichlich vorhandenen grünen Energie zur Energiewende-Kompetenzregion werden.

Über die verkehrliche Anbindung hatte das Schleswig-Holstein-Magazin des NDR am Tag zuvor berichtet – Video starten:

Northvolt baut seine Fabrik auf einer Fläche von 110 Hektar in den Gemeinden Lohe-Rickelshof und Norderwöhrden. 2026 soll die Produktion anlaufen. Die Bedeutung des Werkes reicht weit über den Norden hinaus. Die deutsche Autoindustrie will insgesamt unabhängiger von dominanten Zulieferern aus Asien werden. Northvolt-Chef Carlsson hatte zwischenzeitlich signalisiert, der Bau in Heide könnte sich verzögern. Als Gründe nannte er die vergleichsweise hohen Strompreise in Deutschland und höhere Subventionen in den USA. Das Unternehmen hatte stets die Standortvorteile der Westküste Schleswig-Holsteins betont. Dort wird an Land und auf dem Meer viel Windstrom erzeugt – den die Fabrik in großen Mengen benötigt.

Seit 2021 liefen vor Ort Gespräche über die Ansiedlung. Anfang des Jahres genehmigte die EU-Kommission schließlich Fördermittel und Garantien für das Projekt von Bund und Land von 902 Millionen Euro. Sie unterstützen den Bau der Batteriefabrik mit rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Garantien über weitere 202 Millionen Euro. Von den Fördermitteln entfallen etwa 564 Millionen auf den Bund und bis zu 137 Millionen Euro auf Schleswig-Holstein.

Das schwedische Unternehmen hat nach eigenen Angaben einen Auftragsbestand von mehr als 50 Milliarden Dollar. Kunden sind die Volkswagen-Gruppe, BMW, Scania und Volvo Cars. Im schwedischen Västerås befindet sich ein Forschungs- und Entwicklungscampus für Batteriezellen. Seit 2022 produziert das Unternehmen auch in einem Werk im schwedischen Skellefteå.