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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

75 Jahre Wirtschaft in Schleswig-Holstein: Aus Not und Mangel zum strahlenden Nordlicht

Am Anfang standen Hunger, Not, Armut und eine Riesenzahl von Weltkriegsflüchtlingen, heute geht es um 5G- Mobilfunk, Glasfaserausbau, autonome Schiffe, Megayachten oder Wasserstoff-Technologien. Zwischen Mangel und Nachkriegswirren wurde Schleswig-Holstein geboren, heute, 75 Jahre später, feiert es sein Jubiläum eher als strahlendes Nordlicht.

Der „echte Norden“, wie wir ihn selbstbewusst nennen und weltweit vermarkten, bietet Spitzenforschung. Von hier kommen Top-Medizintechnik, Megayachten, Hightech-Marineschiffe, Dutzende mittelständische Weltmarktführer, beliebte Nahrungsmittel und Windstrom en masse. Auch als Touristenmekka putzt sich das Land zwischen den Meeren immer mehr heraus und das Schleswig-Holstein Musik Festival ist wie das Wacken Open Air ein Juwel.  

Zur Wahrheit gehört aber auch: Im Bundesvergleich hat die Innovationskraft des Landes, in dem das Fax, das Echolot oder der Kreiselkompass erfunden wurden, relativ an Boden verloren. Das hat vor allem mit dem Mangel an großen Industrieunternehmen mit potenten Forschungsabteilungen zu tun.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat dazu Zahlen: Der Anteil des Landes am deutschen Bruttoinlandsprodukt sank von 1991 bis 2018 von 3,2 auf 2,8 Prozent. Danach stieg er wieder auf 2,9 Prozent. Das lag daran, dass vom Abschwung 2019 und der folgenden Corona-Krise vornehmlich Industrie betroffen war – und die ist im Norden nicht stark vertreten.

«Schleswig-Holstein hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt», sagt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Mit der Festlegung von Schwerpunktbranchen haben wir den Standort gestärkt.» Es gebe aber zu wenig industrielle Arbeitsplätze. Dadurch, dass 90 Prozent der Unternehmen nur fünf bis zehn Mitarbeiter haben, fehlen starke Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Doch Buchholz nennt Lichtblicke: «Die Westküste gehörte bis vor nicht allzu langer Zeit zu den strukturschwachen Regionen mit relativ wenig ausgeprägter Wirtschaftsperspektive». Das habe sich in den letzten fünf bis zehn Jahren komplett geändert, und es gebe weiteres Potenzial.

Hier das gesamte Interview mit dpa-Korrespondent Wolfgang Schmidt –Video starten:

Der Beliebtheit des Landes als Urlaubsziel tun auch Defizite keinen Abbruch. Die Ferienorte sind – nicht zuletzt infolge der weltweiten Corona-Reisebeschränkungen proppenvoll. Die Bevölkerung wächst, Ältere kommen gern, um den Lebensabend an frischer Luft und bei meist nicht ganz so hohen Immobilienpreisen wie anderswo zu genießen.

Buchholz: Zum 75. Geburstag bekommt der echte Norden eine echte Ansiedlungsstrategie

Wenn morgen landauf, landab der 75. Geburtstag Schleswig-Holsteins gefeiert wird, dürfte sich der Blick neben den historischen Wurzeln auch auf die ökonomische Verfassung des Landes richten. Zwar hat sich Schleswig-Holstein laut Kieler Institut für Weltwirtschaft gerade in den letzten Jahren wirtschaftlich durchaus positiv entwickelt, hat in Deutschland insgesamt aber relativ an Gewicht verloren.

Eine Antwort der Landesregierung darauf gab es am Dienstag mit einem Kabinettsbeschluss. Wirtschafts- und Arbeitsminister Bernd Buchholz legte eine Ansiedlungsstrategie vor, der erstmals eine gründliche Analyse der Stärken und Schwächen des echten Nordens vorausgegangen ist. Seine „Meldung der Woche“. Video starten.

Minister-Lob für PAV als kernigem Mittelstandsbetrieb und dessen Pandemie-Einsatz

Buchholz beim Betriebsrundgang mit PAV-Prokurist Dirk Kistenmacher

Minister-Stippvisite bei einem Top-Traditionsbetrieb im Kreis Stormarn: Der renommierte Paul Albrechts Verlag, seit drei Generationen in Frauenhand,  und sein Schwesterunternehmen PAV Card aus Lütjensee steuern seit Jahren einen klaren Wachstumskurs – und helfen aktuell auch maßgeblich bei der Alltags-Bewältigung der Corona-Pandemie. Grund genug für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, das jüngst vom Land geförderte und knapp 100 Jahre alte Familienunternehmen zu besuchen. Denn: Die PAV GmbH ist langjähriger Partner im deutschen Gesundheitswesen, versorgt 50.000 Ärzte mit Vordrucken wie Rezepten und Formularen, produziert die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und stellt seit einem Jahr zudem OP-Masken her. Buchholz liegt dabei vor allem die Sicherstellung der Grundversorgung für medizinischen Mund-Nasen-Schutz in Schleswig-Holstein am Herzen – auch über die Zeit der Pandemie hinaus. Im Gespräch mit Geschäftsführerin Isabel Höftmann-Toebe und ihrem Team zeigte sich Buchholz vor allem beeindruckt von der Innovationskraft, der Wandlungsfähigkeit und dem breiten Portfolio des Unternehmens.

„Wir brauchen Unternehmen wie dieses, die Digitalisierung nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstehen und die neben ihrem Kerngeschäft den Mut und die Möglichkeiten haben, Lösungen für aktuelle Anforderungen zu schaffen“, so Buchholz. PAV habe sich in der Hochphase des ersten Lockdowns dazu entschieden, am Unternehmensstandort Lütjensee auf den eklatanten Mangel an Schutzausrüstung made in Germany zu reagieren. Weiter sagte Buchholz – Audio starten

Um nachhaltig wettbewerbsfähig mit Herstellern aus Fernost zu sein, setzt PAV auf besonders leistungsstarke Maschinen und Komponenten aus Deutschland. Diese ermöglichen die Produktion von etwa 700 OP-Masken pro Minute. Das Unternehmen hat einen siebenstelligen Betrag in die Umrüstung investiert und erhielt über die IB.SH einen Zuschuss in Höhe von 800.000 Euro aus dem Landesprogramm Wirtschaft mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

„Mit unserer OP-Maskenproduktion möchten wir einen maßgeblichen Beitrag zur Bewältigung von Pandemien – heute und in Zukunft – leisten und so Arbeitsplätze langfristig sichern“, betonte Isabel Höftmann-Toebe bei einem gemeinsamen Rundgang durch die Maskenproduktion.

Buchholz (Mitte) mit PAV-Chefin Isabel Höftmann-Toebe (rechts) Dirk Kistenmacher

„Wenn wir in unserem Land sicherstellen wollen, dass wir bei Bedarf schnell, flexibel und zuverlässig auf Schutzausrüstung zugreifen können, dann müssen wir diese Produkte auch dauerhaft abnehmen. Denkbar wäre beispielsweise eine staatliche Reserve“, erklärte Buchholz und versprach, eine konkrete Umsetzung zu prüfen. In dem Gespräch ging es außerdem um die Herausforderungen bei der Gewinnung von ITFachkräften in Lütjensee bzw. Stormarn und um die Bedeutung von Netzwerken. In großer Übereinstimmung mit dem schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister wurde festgestellt, dass es derzeit nicht nur darum gehe, digital zu transformieren, sondern ganz neue Geschäftsmodelle zu kreieren.

Nobis-Übernahme durch die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft unter Dach und Fach

Gute Nachrichten für die Nobis-Belegschaft: Seit heute ist die Übergabe an die Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) unter Dach und Fach

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz hat die heute besiegelte Übernahme der Nobiskrug-Werft in Rendsburg durch die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) begrüßt: „Damit ist eine entscheidende Weiche Richtung Zukunft gestellt und die 280 Beschäftigten des Unternehmens können etwas durchatmen“, sagte Buchholz in Kiel. Kurz zuvor war Investor Lars Windhorst noch zum Gespräch bei der Landesregierung. Das Bundeskartellamt hatte bereits am Freitag die Freigabe für den Verkauf erteilt.

Buchholz sagte nach der heutigen Entscheidung im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein weiter – Audio starten

Nach den Worten von Insolvenzverwalter Hendrik Gittermann (rechts) sei der Geschäftsbetrieb der international renommierten Superjacht-Werft damit rechtswirksam an die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) übergeben («Closing»). Der Verkauf war bereits im Juli erfolgt, stand jedoch unter anderem noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.

Windhorst, dessen Tennor Gruppe die beiden Werften übernommen hat, und Geschäftsführer Philipp Maracke informierten die Nobis-Belegschaft und den Betriebsrat heute zugleich über die Ziele und nächsten Schritte in der Kooperation zwischen den beiden Werften.

Für die Abteilung Stahlbau von Nobiskrug mit etwa 30 Beschäftigten, die unter anderem die Schleusentore des Nord-Ostsee-Kanals wartet und repariert, wird weiter ein Investor gesucht. Sie wurde nicht von der FSG mit übernommen. Er sei jedoch zuversichtlich, auch hierfür zeitnah einen Investor zu finden, sagte Gittermann.

Einwände gegen Neubau der Rader Hochbrücke: 36 Bürger diskutierten 5 Stunden mit Planern

Gut zwei Jahre nach dem Start der konkreten Planungen zum Neubau der Rader Brücke im Zuge der A 7 bei Rendsburg ist heute ein Teil der insgesamt 192 Einwendungen gegen das Projekt mündlich erörtert worden. Dazu erschienen in der Rendsburger Nordmarkhalle 36 Bürgerinnen und Bürger, der Bürgermeister der Gemeinden Ostenfeld und Rade sowie einige Rechtsbeistände. Nach fünf Stunden war die üppige Tagesordnung abgearbeitet .

Leiten und moderieren die Anhörung in der Rendsburger Nordmarkhalle: Dr. Delia Gronemeyer vom APV und APV-Rechtsanwalt Dr. Martin J. Ohms

Die Einwendungen und auch die bei der mündlichen Anhörung vorgetragenen Kritikpunkte und Anregungen stammen von insgesamt rund 200 Betroffenen und werden von der zuständigen Planfeststellungsbehörde, dem schleswig-holsteinischen „Amt für Planfeststellung Verkehr“ (APV) geprüft und gewichtet. Inhaltlich ging und geht es dabei neben Lärmschutz vor allem um Beeinträchtigungen von Privatgrundstücken während und nach der mehrjährigen Bauphase.

Angesichts des maroden Zustands der bestehenden Rader Brücke soll das neue Doppel-Bauwerk innerhalb der kommenden sieben bis acht Jahre fertiggestellt sein. Die Baugenehmigung, der so genannte Planfeststellungsbeschluss, wird vom APV erlassen und anschließend öffentlich ausgelegt.

Mario Schönherr

Zu Beginn der Erörterungen stellte der zuständige Projektleiter der Planungsgesellschaft DEGES, Mario Schönherr, die Pläne und den Bauablauf vor (siehe auch Video oben). Begonnen werden soll das Vorhaben – das auch eine Verbreiterung der A 7 zwischen dem Autobahnkreuz Rendsburg und der Anschlussstelle Rendsburg/Büdelsdorf auf sechs Fahrstreifen beinhaltet – auf der Nordseite des Nord-Ostsee-Kanals in Höhe der Gemeinde Borgstedt. Spätestens 2026 soll dann die erste der beiden Zwillingsbrücken stehen und den gesamten Verkehr beider Richtungsfahrbahnen auf zunächst vier Spuren aufnehmen. Nachdem die alte Rader Hochbrücke dann abgerissen ist, wird im Abstand von zehn Zentimetern die zweite Brücke errichtet.

Nach den Worten von Schönherr rückt das neue Bauwerk im Vergleich zur alten Brücke nur um 16,5 Meter nach Osten Richtung Rade weiter. Die neue Doppelbrücke werde zudem trotz der Sechsstreifigkeit nur um insgesamt vier Meter breiter werden. Das reine Brückenbauwerk wird eine Länge von 1500 Metern haben, die Gesamt-Erneuerung der A 7 im Bereich des Nord-Ostsee-Kanals umfasst 5,3 Kilometer. Die Gesamtkosten liegen aktuell bei rund 320 Millionen Euro.

Buchholz sieht Lichtblick für Nobiskrug – und schätzt Lage des Schiffbaus unterschiedlich ein

Einigen geht es gut und anderen nicht so sehr – die Situation im Schiffbau in Schleswig-Holstein offenbart deutliche Unterschiede. Für Minister Bernd Buchholz ist vor allem innovative Technologie ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

Buchholz im Mai beim Besuch der Rendsburger Werft Nobiskrug – am Donnerstag wird Investor Lars Windhorst das insolvente Unternehmen besuchen und über die geplante Kooperation mit seiner Flensburger Schiffbaugesellschaft informieren

Für die Schiffbauindustrie in Norddeutschland sieht Wirtschaftsminister Bernd Buchholz unterschiedliche mittelfristige Perspektiven. «Es gibt hier Licht und Schatten, keine Frage», sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Für ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Kiel etwa bedeuteten die abgeschlossenen U-Boot-Aufträge für viele Beschäftigte Sicherheit und eine Auslastung bis weit in die 30er Jahre hinein. «Aber nicht alle Betriebe können sich über so volle Auftragsbücher freuen.»

Ein wichtiger Lichtblick ist für Buchholz, dass es gelungen ist, für Nobiskrug in Rendsburg mit der Übernahme durch die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft aus der Insolvenz heraus eine Perspektive zu entwickeln. «Und ich hoffe, dass dies nachhaltig sein wird», sagte Buchholz. Am Donnerstag wird Investor Lars Windhorst, Gründer der Tennor Gruppe, die Rendsburger Werft besuchen. Gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer Philipp Maracke wird er dabei dem Betriebsrat und den Nobiskrug-Mitarbeitern die Ziele und nächsten Schritte in der Kooperation der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft und Nobiskrug vorstellen.

Im Gespräch mit dem Kieler dpa-Büroleiter Wolfgang Schmidt sagte Buchholz – Video starten

In der Werftenlandschaft spiele Innovation eine wichtige Rolle, betonte der Minister. «So wird die Hitzler Werft ein neuartiges Boot für die Versorgung von Offshore-Plattformen entwickeln und hoffentlich in Lauenburg in Serie fertigen.» Er begrüße auch sehr, dass sich eine Werft wie TKMS mit der Bergung von Weltkriegsmunition aus dem Meer beschäftige und dabei eigene industrielle Wege für die Zukunft aufzeige. «Das schafft eine zusätzliche Perspektive.» Aber insgesamt sei der Schiffbausektor in der Corona-Pandemie kräftig unter Druck geraten. «Das haben wir auch in Deutschland zu spüren bekommen, zum Beispiel beim Bau von Kreuzfahrtschiffen.»

Buchholz: Bildungsurlaub in SH ab sofort auch für Online-Veranstaltungen möglich

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie stark gefragt: Online-Unterricht – nicht nur an Schulen.

Beschäftigte in Schleswig-Holstein können die Bildungsfreistellung, auch Bildungsurlaub genannt, ab sofort auch für reine Online- und sogenannte Hybrid-Veranstaltungen in Anspruch nehmen. Das gab heute Arbeits- und Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz in Kiel bekannt. Hybridveranstaltungen sind Kurse, die sowohl Präsenz- als auch Online-Anteile beinhalten. Bislang war Bildungsfreistellung nur für Präsenz-Veranstaltungen vorgesehen.

„Der Trend zu Online-Veranstaltungen hält durch die Pandemie an. Darum haben wir die Anerkennung jetzt im Gesetz verankert und gehen damit zugleich einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung“, sagte Buchholz. Im Weiterbildungsgesetz sei geregelt, dass Beschäftigte pro Jahr bis zu fünf Tage Bildungsfreistellung beanspruchen können. Dabei werden sie für die Teilnahme an staatlich anerkannten Weiterbildungsveranstaltungen von der Arbeit unter Fortzahlung des Lohns freigestellt. Buchholz: „Die Bildungsfreistellung beschränkt sich dabei nicht nur auf Weiterbildungen mit beruflichen Themen, sondern ist auch für Kurse mit politischen, kulturellen und allgemeinen Inhalten vorgesehen. Und die können sogar auch außerhalb von Schleswig-Holstein stattfinden.“

Die Teilnahme an einer zertifizierten Weiterbildungsveranstaltung muss direkt beim Arbeitgeber beantragt werden, der möglichst sechs Wochen vor der Veranstaltung über das Interesse der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters informiert werden sollte. Nach der Veranstaltung muss dem Arbeitgeber nur noch ein Teilnahmenachweis vorgelegt werden.

Eine Übersicht über die in Schleswig-Holstein anerkannten Seminare finden sich hier: www.schleswig-holstein.de/weiterbildung-datenbank

Weitere Informationen auch unter: www.schleswig-holstein.de/bildungsfreistellung 

oder beim Beratungsnetzwerk: https://weiterbilden-sh.de/standorte-und-kontakte           

Bundes-Förderprogramm sorgt für Rückenwind beim Ausbau des Radverkehrs im echten Norden

Weiterer Schub für den Ausbau des Radverkehrs im echten Norden: Wie Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz diese Woche mitteilte, können Kommunen ab sofort beim Land auch Fördergelder für Radinfrastruktur-Projekte im Rahmen des Bundes-Sonderprogramms „Stadt und Land“ beantragen.

Nach den Worten von Buchholz werden auch Radwege an Landesstraßen aus dem Sonderprogramm gefördert. Dafür erhält Schleswig-Holstein 6,7 Millionen Euro vom Bund, die in zwei Radwegeprojekte fließen. Für insgesamt 5,15 Millionen Euro soll innerhalb der kommenden zwei Jahre die 5,3 Kilometer lange Lücke im Radweg an der L 231 zwischen Grube und Rüting in der Lübecker Bucht geschlossen werden. Die ebenfalls knapp fünf Kilometer lange Radweglücke an der L 306 zwischen Glasau und Barghorst im Kreis Segeberg wird vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) ebenfalls bis 2023 geschlossen. Hier liegt die Gesamt-Investition bei 3,2 Millionen Euro, die Förderquote bei beiden Maßnahmen liegt bei 80 Prozent. Insgesamt stellt der Bund Schleswig-Holstein bis 2023 rund 27 Millionen Euro für Investitionen in die Weiterentwicklung des Radverkehrs zur Verfügung.  

Gefördert werden können im Rahmen des Sonderprogramms „Stadt & Land“:

  • Neu-, Um- und Ausbau flächendeckender Radverkehrsnetze,
  • eigenständige Radwege,
  • Fahrradstraßen,
  • Radwegebrücken oder -unterführungen (inkl. Beleuchtung und Wegweisung),
  • Abstellanlagen und Fahrradparkhäuser,
  • Maßnahmen zur Optimierung des Verkehrsflusses für den Radverkehr wie getrennte Ampelphasen (Grünphasen),
  • die Erstellung von erforderlichen Radverkehrskonzepten zur Verknüpfung der einzelnen Verkehrsträger.

Weitere Projekte für Radwegs-Lückenschlüsse an Landesstraßen, die zu einer Erhöhung des Radverkehrsanteils am Gesamtverkehr beitragen, werden künftig mit bis zu 75 Prozent aus Landesmitteln gefördert. Angesichts der bereits hohen Quote von Radwegen im Land werde der Neubau von Strecken nach den Worten von Buchholz künftig aber eher die Ausnahme bleiben. Der Schwerpunkt liege nach wie vor auf der Sanierung der vorhandenen Strecken.

In Schleswig-Holstein verlaufen aktuell 5.200 Kilometer Radwege an so genannten klassifizierten Straßen. Landesweit sind 77 Prozent aller Bundesstraßen, 64 Prozent der Landesstraßen und rund 41 Prozent aller Kreisstraßen mit Radwegen ausgestattet. Hinzu kommen Radwege an Gemeindestraßen. Zudem sind insgesamt 13 touristische Radfernwege mit 3.000 Kilometern Länge in Schleswig-Holstein ausgewiesen. „Dieses Netz wird von vielen attraktiven Themenrouten ergänzt“, sagte Buchholz.

Der Minister erinnerte in dem Zusammenhang an die im September letzten Jahres aufgelegte Radstrategie „Ab aufs Rad im echten Norden“. Darin hat die Landesregierung mit Politik und Verbänden Zielmarken für die kommenden zehn Jahre abgesteckt. Hintergrund ist der seit 2008 leicht gesunkene Radverkehrsanteil in Schleswig-Holstein und das damit verbundene Absinken im Ranking der Flächenländer vom ersten auf den dritten Platz bundesweit.

Buchholz: „Bis zum Jahr 2030 wollen wir den Radverkehrsanteil in Schleswig-Holstein von derzeit 13 auf 30 Prozent erhöhen, die Unfallzahlen um 50 Prozent verringern und von mehr als 40 Prozent unserer Gäste hören: Die Radfahrmöglichkeiten waren für mich ein triftiger Grund, im echten Norden Urlaub zu machen.“ Dazu werde das neue Bundes-Förderprogramm erheblich beitragen.

Die Richtlinie samt Antragsformular sind über https://www.schleswig-holstein.de/radverkehr abrufbar.

Einwendungen gegen Rader Brücke werden in der Rendsburger Nordmarkhalle erörtert

So soll die Doppel-Brücke in etwa zehn Jahren aussehen

Nun wird es ganz konkret: Gegen die Pläne für den Neubau der maroden Rader Hochbrücke im Verlauf der A 7 bei Rendsburg haben rund 200 Bürgerinnen und Bürger aus der Region Einwendungen erhoben. Wie Verkehrs-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs heute bei einem Besuch in Rendsburg bekannt gab, wird die mit dem Neubau beauftragte Projektgesellschaft DEGES die Kritikpunkte und Anregungen am kommenden Mittwoch und gegebenenfalls auch noch kommenden Donnerstag mit den Betroffenen diskutieren. Geleitet wird die Erörterung vom schleswig-holsteinischen Amt für Planfeststellung Verkehr (APV)

Es handelt sich um eine nicht öffentliche Sitzung am:

Mittwoch, 18. August, ab 10.00 Uhr
in der Nordmarkhalle ,
Willy-Brandt-Platz 1, 24768 Rendsburg.

Nach den Worten von Rohlfs haben dabei alle, die Einwendungen erhoben haben, die Möglichkeit, ihre Belange direkt mit Fachleuten der Planungsgesellschaft DEGES als Vertreterin der Straßenbauverwaltung zu erörtern.

Rohlfs sagte dazu auch mit Blick auf den Zeitplan der DEGES weiter – Audio starten – Pfeil klicken:

Sofern erforderlich, werden die Gespräche am Donnerstag, 19. August, ab 9 Uhr fortgesetzt. Die Entscheidung, ob ein Fortsetzungstermin erforderlich wird, erfolgt am Ende des Termins am 18. August durch die Verhandlungsleitung.

Land schnürt 9,4-Millionen-Paket mit 28 Arbeitsmarkt-Projekten gegen Pandemie-Folgen

Zur Linderung der sozialen Folgen der Corona-Pandemie in Schleswig-Holstein hat das Land 28 Arbeitsmarktprojekte aufgelegt. Die Angebote richten sich unter anderem an Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Soloselbständige oder Arbeitslose. Auch der Ausbau der Digitalisierung in diesen Bereichen wird gefördert (siehe Tabellen unten). Wie Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz heute in Kiel nach einem entsprechenden Beschluss des Landeskabinetts sagte, stehen dafür in den kommenden zwei Jahren insgesamt 9,4 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „REACT EU“ bereit.

„Die Pandemie hat die Berufsperspektiven junger Menschen als auch derer verschlechtert, die ohnehin schwer in den Arbeitsmarkt kommen. Auch viele Soloselbständige sind durch die Lockdown-Phasen hart getroffen worden“, sagte Buchholz. Gleichzeitig seien die Anforderungen an digitale Kompetenzen gestiegen: „Um beide Herausforderungen zu meistern, haben wir mit Unterstützung der EU dieses Gesamtpaket geschnürt.“

Als Beispiel nannte der Minister das in Flensburg aufgelegte Projekt „Kultur für alle“, in dem Arbeitslose und Menschen mit leichter Behinderung ein Internetportal entwickeln sollen. Ziel ist ein Internet-Angebot, über das finanziell benachteiligte Menschen Freikarten für kulturelle Angebote beziehen können. Ein anderes Projekt sieht die Beratung von Unternehmerinnen mit unsicherer selbständiger Tätigkeit vor. Die 28 Projekte enden Mitte 2023. Buchholz: „Besonders stolz bin ich darauf, dass Schleswig-Holstein zu den ersten Bundesländern gehört, das aus Brüssel grünes Licht für seine Projekte bekam und jetzt schon konkret mit der Umsetzung startet.“ Wichtig bei der Entwicklung der Angebote sei vor allem gewesen, dass die Projekte auch bei verschärften Corona-Maßnahmen angemessen fortgesetzt werden können.

21 Projekte verfolgen nach den Worten des Ministers das Ziel, nachhaltige Berufsperspektiven für besonders von der Pandemie betroffene Gruppen zu schaffen. Mit sieben Projekten sollen zudem die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, typische arbeitsmarkt- und bildungsbezogene Leistungen künftig auch digital anbieten zu können.  So werden etwa in einem Projekt digitale Fortbildungsgänge für Kursleitende an Volkshochschulen und anderen Bildungsstätten des Landes entwickelt. Als zweiter Baustein soll eine digitale Plattform eingerichtet werden, über die eine Brücke zwischen den Bildungsstätten und freiberuflichen Dozentinnen und Dozenten geschlagen wird. Ein anderes Projekt soll Unternehmen dabei unterstützen, Personal auf digitalem Wege zu rekrutieren sowie digitale Betriebsrundgänge oder virtuelle Praktika anzubieten.

Buchholz erinnerte zudem daran, dass im Rahmen der REACT-EU-Förderung seit Juni auch Anträge auf den „Weiterbildungsbonus Pro“ gestellt werden können. Darüber erhalten Beschäftigte 90 Prozent ihrer Fortbildungskosten erstattet. „Nutzen Sie die attraktiven Förderkonditionen. Jede Weiterbildung erhöht ihre Karrierechancen und sichert ihren Arbeitsplatz“, so Buchholz.

Hier die Liste der Einzelprojekte: