Archiv der Kategorie: Allgemein

Land fördert Fachkräfte-Projekt der Kiel-Region mit 450.000 Euro

Staatssekretär von der Heide mit Ulrika Schrabback

Auch in der Region rund um die Landeshauptstadt werden Fachkräfte händeringend gesucht. Dafür braucht es kreative und mutige Lösungen. Deshalb macht sich die KielRegion auf, Unternehmen und Fachkräfte in Branchennetzwerken zu versammeln und damit zur Fachkräftesicherung beizutragen. Das Land fördert das Projekt „Moin Fachkräfte: Branchennetzwerke KielRegion“ mit insgesamt 453.000 Euro. Den Förderbescheid übergab Arbeits-Staatssekretär Tobias von der Heide heute an KielRegion-Geschäftsführerin Ulrike Schrabback. „Fachkräftesicherung ist das Thema der Stunde. Es wird immer schwieriger für Unternehmen, geeignetes Personal zu finden. Das Problem haben fast alle und deswegen ist es absolut sinnvoll, die Kräfte zu bündeln und sich gemeinsam Lösungen zu überlegen“, sagte der Staatssekretär.

Im Fokus des Projekts stehen die Branchen Erneuerbare Energien und die Gesundheitswirtschaft. Ziel ist, dass sich Unternehmen dieser Bereiche zu Branchennetzwerken zusammenschließen und gemeinsam mit den regionalen Fachexpertinnen und -experten neue, innovative Ideen zur Fachkräftesicherung entwickeln. „Es gibt nicht die eine Lösung, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Wir brauchen viele verschiedene Ansätze“, betonte von der Heide. „Gleichzeitig müssen die Unternehmen flexibel sein und bei der Suche nach Mitarbeitenden auch mal neue Wege einschlagen.“ Fachkräftesicherung sei ein Gemeinschaftsprojekt. Deswegen habe das Land unter anderem eine Förderrichtlinie entwickelt, um genau solche Projekte möglich zu machen.

Innerhalb der Branchennetzwerke wird die KielRegion Unternehmen und Fachkräfte zusammenführen. Dabei zahlen innovative Gamification-Ansätze wie eine KielRegion-weite E-Sports-Plattform auf die Gewinnung und Bindung von Fachkräften ein. Außerdem stellen sogenannte „Ambassadore“ (Botschafter) mit geeigneten Beispielen die Vorzüge der Region vor und erleichtern besonders die soziale Integration der Zugezogenen in die Gesellschaft. „Wir begegnen dem Fachkräftemangel aktiv mit innovativen und mutigen Wegen und denken Recruiting anders“, erläuterte die KielRegion-Geschäftsführerin Ulrike Schrabback. „Das schaffen wir besonders gut mit vereinten Kräften und genau hier setzt das Projekt an.“ Positiv sei auch, dass sich die Fachkräfte in den Branchennetzwerken zentral über die verschiedenen beruflichen Möglichkeiten informieren können, so Schrabback.

FSG und Nobis weiter unter Druck: „Alles liegt nun in der Hand von Windhorst“

Ernste Gesichter: Julia Carstens und die IG-Metall-Bevollmächtigten Michael Schmidt (links) und Martin Bitter (2.v.l.) im Gespräch mit der Presse

Angesichts der weiterhin angespannten finanziellen Lage der Werften Nobiskrug (Rendsburg) und FSG (Flensburg) hoffen Land, Belegschaft und IG Metall weiter auf eine rasche Umsetzung der von Eigentümer Lars Windhorst zugesagten Investitionen. «Herr Windhorst hat die Werften vor drei Jahren vor dem Aus bewahrt, einen dreistelligen Millionenbetrag investiert  – und momentan kann auch nur er allein seinen Firmen durch entschlossenes Handeln eine Zukunftsperspektive geben», sagte Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens heute in Rendsburg nach einem Treffen mit Betriebsräten und Vertretern der IG Metall.

Laut Carstens seien die Landesregierung und auch der Bund nach wie vor bereit, den Erhalt der Werften zu unterstützen. «Dazu sind wir in Gesprächen – aber momentan liegt alles in der Hand von Lars Windhorst», sagte sie. «Landesbürgschaften sind an rechtliche Bedingungen geknüpft – und die sind momentan nicht vollständig erfüllt.» Lars Windhorst selbst und sein Finanzchef waren der Einladung zu dem Runden Tisch nach Rendsburg nicht gefolgt.       

Noch im November hatte Windhorst nach mehreren unterschiedlichen Treffen mit Wirtschaftsminister Madsen, Bundeswirtschaftsminister Habeck und dessen Maritimem Koordinator Dieter Janecek erklärt, dass er in den Gesprächen die notwendigen Perspektiven erhalten habe, um weiter in das Unternehmen zu investieren. «Ich gehe davon aus, dass wir bezüglich neuer Aufträge und Arbeit für die Werft sehr bald positive Neuigkeiten zu vermelden haben», hieß es von Windhorst. Und tatsächlich war erst im November für die Flensburger Werft der Neubauauftrag für zwei LNG-Bunkerschiffe unterzeichnet worden.

«Wir werden angesichts der kritischen Situation weiterhin versuchen, mit Herrn Windhorst im Gespräch zu bleiben und Brücken zu bauen», sagte Staatssekretärin Carstens. Dabei sehe sie gute Perspektiven für die Unternehmen: «Neben dem vertraglich schon vereinbartem Bau der LNG-Tanker bietet vor allem der Bau von Komponenten für Offshore-Konverterplattformen erhebliche Wertschöpfungspotentiale.»

Eine Einschätzung, die von den IG-Metall-Bevollmächtigten Martin Bitter (Rendsburg) und Michael Schmidt (Flensburg) geteilt wird. Angesichts der aktuellen Lage machte Bitter aber auch klar: «Wir brauchen einen Rettungsplan, wir brauchen Windhorst.»

Oben im Bild: Ein Großauftrag des Bundes – ein Schwimmbagger für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung – im Dock der Werft Nobiskrug

Madsen dankt: Wirtschaftsförderer holten 112 Firmen mit 1.500 neuen Jobs ins Land

112 Unternehmen siedelten sich 2023 in Schleswig-Holstein an und wollen 1.456 Arbeitsplätze schaffen. Noch erfreulicher fallen die Prognosen der Wirtschaftsförderer für die kommenden Jahre aus.

Madsen mit WT.SH-Chef Hinrich Habeck bei der heutigen Pressekonferenz

Die Wirtschaftsförderer des Landes haben im vergangenen Jahr 112 Firmen mit geplanten 1.456 Arbeitsplätzen in Schleswig-Holstein angesiedelt. «Das ist ein solides Ergebnis in wirtschaftlich schwierigen Zeiten», sagte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein (WTSH), Hinrich Habeck. Im Vorjahr hatten die Förderer 105 Firmen bei der Ansiedlung unterstützt mit 1.686 neuen Arbeitsplätzen. Habeck präsentierte die Ergebnisse heute in Kiel mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und dem Chef der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Werner Kässens. Nach den Worten von Madsen sprechen die Zahlen deutlich dafür, «dass Schleswig-Holstein auch in einer angespannten Gesamtlage in Deutschland ein durchaus attraktiver Standort für Unternehmen und deren Investitionen bleibt».

Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs:

Unter den 112 Betrieben entschieden sich neun ausländische Unternehmen mit 184 Arbeitsplätzen für Schleswig-Holstein (2022: 11, 559 Jobs). Aus dem übrigen Bundesgebiet wechselten letztes Jahr zehn (2022: 19) in den Norden. Sie kamen mit 613 Arbeitsplätzen (286). Mit Blick auf die Batteriefabrik des schwedischen Unternehmens Northvolt und laufende Gespräche über weitere Ansiedlungen werde die Bilanz für 2024 besser ausfallen, sagte Habeck. Northvolt plant mit 3.000 Arbeitsplätzen in der Batteriefabrik für Elektroautos bei Heide.

Grüne Energie sei das Alleinstellungsmerkmal Schleswig-Holsteins, sagte Habeck. Für das Land gebe es angesichts des Umbaus der Industrie ein Zeitfenster mit besonderen Chancen. Nachhaltigkeit spiele bei vielen Ansiedlungen eine Rolle. Ähnlich argumentierte Wirtschaftsminister Madsen. Das Businessmodell für Unternehmen müsse jedoch aufgehen. «Am Ende ist für solche Ansiedlungen entscheidend, dass die Energie bezahlbar wird.» Deren Produkte müssten sich verkaufen lassen. Grüne Energie gebe es im Land reichlich. «Unser größtes Problem wird in den kommenden Jahren nicht der Ansiedlungswunsch einer Firma sein, sondern die notwendige Fläche», so Madsen.

70 Prozent der Ansiedlungen stammten aus dem Dienstleistungssektor. 39 Prozent der neuen Arbeitsplätze fielen auf den Maschinenbau, sagte Habeck. In einem Dutzend Unternehmen der Gesundheitswirtschaft entstünden 100 Jobs. Als Beispiel hob er ein Medizintechnikunternehmen aus Lübeck hervor, dass Gewebescanner zur Tumorerkennung entwickele.

Kiels Ober-Wirtschaftsförderer Kässens verwies auf die Ansiedlung von zwei Maschinenbau-Unternehmen an der Förde. Kiel investiere seit Jahren am „StrandOrt“ in die Revitalisierung dieser 150-jährigen Industriefläche. «Wir schaffen dort mit zukunftsorientierter Mobilität, Energie- und digitaler Versorgung die attraktiven Standortbedingungen im Wettbewerb um Ansiedlungen. Mit der FMB Rail GmbH und ORCAN Energy AG werden zwei innovative Industrieunternehmen in nachhaltige Produktion investieren und über 550 Arbeitsplätze schaffen. Europäische Studien belegen, dass ein Industriearbeitsplatz drei weitere Jobs im Dienstleistungsbereich schafft. Damit zeigt sich in Kiel die industrielle Transformation und der Strukturwandel unmittelbar in ökonomischer Wertschöpfung», so Kässens.

Hier weiteres Material zur Pressekonferenz

Wirtschaftsweise bescheinigt dem Norden große Chancen und wirbt für Pragmatismus

Eine Ansiedlung vom Kaliber Northvolt, Erneuerbaren Energien satt und obendrein eine große Weltoffenheit und Gelassenheit: Die aus Schleswig-Holstein stammende Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht in ihrer alten Heimat viele Standortvorteile. Heute besuchte sie in Neumünster eine Energiemesse und in Kiel Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen.

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm von der Nürnberger Friedrich-Alexander-Universität schreibt Schleswig-Holstein im Zuge des industriellen Umbaus große Chancen zu. «Durch die Transformation zur Klimaneutralität ist es ja so, dass die Vorteile mit Blick auf die Energieerzeugung tatsächlich in den Norden gewandert sind», sagte sie heute nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und Teilen des Landeskabinetts. Der Überschuss an Ökostrom biete das Potenzial für Industrieansiedlungen und Wachstum.

Ein weiterer Standortvorteil sei die Gelassenheit und die positive Einstellung der Menschen. Es gebe wenig Akzeptanzprobleme, man rede relativ pragmatisch miteinander. In anderen Bundesländern sei die Diskussion deutlich polarisierter. «Es ist offensichtlich so, dass es gelingt, die Menschen zu integrieren und auch einen Pragmatismus von der Bevölkerung einzufordern. Es gibt weniger extremistische Tendenzen in der politischen Meinungsbildung.»

Das Land habe eine lange Geschichte der Weltoffenheit, weil die Region durch Seehandel immer offen gewesen sei und es Einflüsse von außen gegeben habe, sagte Grimm. «Das sind alles Standortbedingungen, die sich extrem positiv ausgehen können, wenn es um den wirtschaftlichen Wandel geht.» Das hänge aber auch davon ab, was die Menschen daraus machten.

Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs

Grimm, Madsen und auch Markus Biercher, der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, betonten bei einem Treffen im Gästehaus der Landesregierung die Rolle von Migranten und sprachen sich für pragmatische Ansätze bei der Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt aus. Im vergangenen Jahr seien im Endeffekt 9.000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Jobs im Norden entstanden, sagte Biercher. «Dieses Plus ist ausschließlich durch zugewanderte Menschen entstanden.» Bis 2035 rechnen Experten in Schleswig-Holstein mit einem Bedarf an 180.000 zusätzlichen Fachkräften.

«Wenn wir unser Produktionspotenzial in Deutschland erhalten wollen, brauchen wir neben erhöhter Erwerbstätigkeit von Frauen und einer Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung eine Zuwanderung von mindestens 1,5 Millionen Menschen pro Jah», sagte Grimm. Insbesondere die Einstellung von Geflüchteten scheitere oft daran, dass Arbeitgeber im Hinblick auf notwendige Sprachkenntnisse zu anspruchsvoll seien. Die jüngsten Bemühungen Schleswig-Holsteins, Geflüchteten auch mit geringen Sprachkenntnissen zügig den Weg in Beschäftigung zu bahnen, seien richtig. «Es muss Priorität haben, diese Menschen in Arbeit zu bringen, zugleich aber diejenigen abzusichern, die trotzdem nicht in Arbeit kommen.» Grimm ist Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage – den so genannten „fünf Weisen“. In ihrem jüngsten Gutachten hatten die Wirtschaftsweisen – sofern die Politik nicht gegensteuere – ein Wachstum bis 2028 von nur 0,4 Prozent prognostiziert. Um das Erwerbspersonenpotenzial konstant zu halten, sei zudem eine Netto-Zuwanderung von 400.000 Menschen pro Jahr nötig, was einer Zuwanderung von 1,5 Millionen Menschen entspreche.

Madsen und Biercher kündigten unterdessen ein Pilot-Projekt im Rahmen des bundesweiten „Job-Turbo“ an. «Wir haben in den letzten Monaten unsere Kontakte in die Wirtschaft genutzt, um Unternehmerinnen und Unternehmer dafür zu gewinnen, Geflüchtete auch mit minimalen Sprachkenntnissen einzustellen», sagte Madsen. Rund ein Dutzend Betriebe – darunter auch große Unternehmen – hätten bereits Interesse signalisiert. «Es ist einen Versuch wert, denn die Wirtschaftsweisen schreiben uns ja nicht umsonst ins Stammbuch, dass wir diese Köpfe brauchen, wenn wir den Anschluss nicht verlieren wollen.» Er selbst habe als gebürtiger Däne ebenfalls die deutsche Sprache erst im Job richtig gelernt.

Biercher sagte dazu: «Ich kann dies nur bestätigen. In den vergangenen Wochen haben wir unsere Bemühungen zur schnelleren Arbeitsmarktintegration Geflüchteter in diversen Formaten wie Bewerbertage, Informationsveranstaltungen und Betriebsbesuche im Land intensiviert. Mit ersten Erfolgen: So ist die Zahl der Personen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung aufgenommen haben, in den letzten beiden Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel angestiegen. Es geht also in die richtige Richtung. Wir werden unsere Anstrengungen weiter verstärken, um noch höhere Erfolge erzielen zu können.»

Madsen appellierte an alle Betriebe, Arbeitskräften aus dem Ausland auch schon mit geringeren Sprachkenntnissen eine Chance zu geben und die Möglichkeiten des berufsbegleitenden Sprachunterrichts, die jetzt nochmals praxisnäher ausgestaltet werden, zu nutzen. Er erinnerte auch an das im Dezember eröffnete „Welcome Center Schleswig-Holstein“. Das vom Land mit knapp 13 Millionen Euro geförderte Projekt ziele darauf ab, die Sichtbarkeit und Attraktivität Schleswig-Holsteins als Zuwanderungsland zu erhöhen und somit die Erwerbsmigration deutlich zu steigern. Zur Attraktivitätssteigerung gehöre auch, Schleswig-Holstein so zu positionieren, dass zugewanderte Arbeitskräfte und ihre Angehörigen gerne dauerhaft im echten Norden leben und arbeiten möchten, so Madsen.

Wirtschaftsweise Grimm mahnt unterdessen zur Eile: «Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit, weil das Wachstumspotenzial insbesondere durch den demografischen Wandel gedämpft wird.» In den kommenden Jahren werde die Generation der Babyboomer aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Wenn aber die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden schrumpfe, werde auch weniger produziert. Grimm: «Wir könnten also in eine Situation geraten, in der es Kindern nicht mehr besser, sondern schlechter geht als ihren Eltern. Für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland könnte das Sprengstoff sein.»

Und noch eine Hürde weniger für die Ansiedlung der Giga-Factory von Northvolt

Minister-Duo Dirk Schrödter und Claus Ruhe Madsen

Nach den finanziellen Weichenstellungen von Land, Bund und der EU hat die Landesregierung einen weiteren Schritt zur Realisierung der Ansiedlung der Batteriefabrik des schwedischen Unternehmens Northvolt vorgenommen: Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und Minister und Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter unterzeichneten heute in Kiel eine Gewährleistungserklärung samt Verwaltungsvereinbarung. Damit verpflichtet sich das Land, eine Absicherung gegenüber dem Bund in Höhe von bis zu 50 Prozent einer 600-Millionen-Wandelanleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für das Unternehmen zu übernehmen. „Wir erfüllen damit eine weitere unserer Zusagen, um eine der größten Industrie-Ansiedlungen in der Landesgeschichte unter Dach und Fach zu bringen und damit einen Beitrag zu leisten, unsere Automobilindustrie, den industriellen Kern Deutschlands, für die Zukunft international wettbewerbsfähig aufzustellen“, sagte Schrödter.

Wie Madsen sagte, sei dies ein weiterer wichtiger Baustein in der Gesamtfinanzierung und damit der Realisierung des 4,5-Milliarden-Euro-Projekts. Das Werk im Heider Umland soll künftig Batterien für bis zu eine Million E-Autos jährlich herstellen. Geplant ist, dass die Fertigung in zwei Jahren startet und 2029 die volle Kapazität erreicht. Nach den Worten von Madsen und Schrödter sollen rund 3.000 Arbeitsplätze in der Region entstehen, sowie Tausende weitere bei Zulieferern und Dienstleistern. „Der Prozess der zurückliegenden Monate war von einem engen Schulterschluss zwischen Bund und Land geprägt. Daher möchte ich mich ausdrücklich bei den Akteuren auf Bundesseite bedanken“, so Madsen.

Neben der Wandelanleihe hatte die Bundesregierung bereits im vergangenen Jahr für Northvolt 564 Millionen Euro freigegeben, das Land engagiert sich mit 136 Millionen Euro.

Madsen macht mobil gegen zu viel Bürokratie – Offensive im Bundesrat

Madsen nach der heutigen Bundesratssitzung

Angesichts von mittlerweile 12.000 Berichtspflichten, die deutsche Unternehmen pro Jahr mit rund 50 Milliarden Euro belasten, hat Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen heute ein 11-Punkte-Entlastungspaket in den Bundesrat eingebracht. «Wir sollten uns eingestehen, die lähmende Schraube der Bürokratie in Europa längst überdreht zu haben. Und jeder weiß: Nach fest kommt ab», sagte Madsen in der Länderkammer. Der Antrag aus Schleswig-Holstein wird nun zunächst in den Fachausschüssen des Bundesrats beraten.

Laut Madsen könne ein beherzter Bürokratieabbau gerade in Phasen schwächelnder Konjunktur Wachstumsimpulse geben, ohne den Haushalt zu belasten. Mit Blick auf eine mögliche Blockade des europäischen Lieferkettengesetzes durch die Bundesregierung begrüßte er die angestoßene Kompromiss-Debatte um eine massive Abschmelzung von Berichtspflichten. «Das Lieferkettengesetz ist zweifellos sinnvoll für Unternehmen, die mit Staaten zusammenarbeiten, in denen die Arbeitsbedingungen problematisch sind. Wenn aber deutsche oder europäische Unternehmen untereinander handeln, sollte dies zu vernachlässigen sein», so Madsen.

Aus Sicht des ehemaligen Unternehmers binden bürokratische Pflichten vor allem in kleineren und mittleren Unternehmen enorme personelle und finanzielle Ressourcen. «Auch unsere 123.000 schleswig-holsteinischen Mittelstandsbetriebe werden nur dann zum Gelingen der dringend nötigen Transformation unserer Wirtschaft beitragen, wenn wir ihnen wieder mehr Beinfreiheit verschaffen – das ist das beste Konjunkturprogramm und entlastet obendrein auch noch die Verwaltung», sagte Madsen.

Hier die Bundesratsrede von heute – Video starten

Kernstück seiner Entlastungsinitiative sei die Etablierung eines „one-in-two-out-Prinzips“. Eine neue Vorschrift solle nur dann eingeführt werden, wenn dafür zwei bestehende abgeschafft werden. «Das bisherige Ziel eines „one-in-one-out“ trägt nur dazu bei, den Status quo zu halten – und nicht einmal das wird eingehalten», sagte Madsen.«Wir brauchen eine echte Entlastung und kein Nullsummenspiel.» Zudem könnte schon viel erreicht werden, wenn Vorgaben der EU auch tatsächlich «eins zu eins» umgesetzt würden. Madsen: «Aber leider schaffen wir es regelmäßig, EU-Recht bei uns nochmal zu verschärfen und den Unternehmen weitere Auflagen zu machen.»

Das schleswig-holsteinische 11-Punkte-Paket, das die Bundesregierung nun prüfen muss, sieht neben flexibleren Arbeitszeitmodellen unter anderem eine Straffung der „Abfallbeauftragtenverordnung“, eine Neubewertung von Abschreibungsregularien sowie  die Abschaffung von Papier-Erfordernissen vor. «Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Unternehmen nicht länger im internationalen Wettbewerb benachteiligt werden. Ich bin sicher, dass unsere Initiative dafür die richtigen Weichen stellt», sagte Madsen.

Dänemark-Reise endet mit Visite beim Transportminister und deutscher Minderheit

Zufriedene Gesichter am Ende der knapp dreitägigen Dänemark-Dienstreise von Teilen des Landeskabinetts. Nach einem Gespräch mit Transportminister Thomas Danielsen zog unter anderem Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen ein positives Fazit: «Es ist deutlich geworden, dass dem dänischen Transportminister dieselben Themen wichtig sind, wie uns. Wir haben insbesondere über die Bedeutung der Jütlandroute gesprochen, die wir trotz Fehmarnbeltquerung weiter im Blick behalten. Dazu wollen wir uns auf beiden Seiten mit Nachdruck für Optimierungen im Verkehrsbereich einsetzen. Auch die dänische Seite wird Geld in die Hand nehmen und die Bahnstrecke ausbauen und sanieren – auch, um eine Weiterfahrt von Deutschland bis zum Verkehrsknotenpunkt nach Fredericia zu ermöglichen. In dem Zusammenhang ist es auch ein wichtiges Signal, dass die Deutsche Bahn die Generalsanierung der Strecke Padborg-Hamburg ab 2031 angekündigt hat», sagte Madsen mit Blick auf den heutigen Besuch von Bahn-Vorstand Philipp Nagl in Rendsburg und Kiel.

Madsen mit seinem dänischen Kollegen Danielsen

Einig waren beide Seiten sich auch beim Ostseetunnel unter dem Fehmarnbelt. Er habe für die dänische Geduld in der Frage gedankt, sagte Madsen. «Wir haben gelobt, alles zu tun, um rechtzeitig fertig zu werden.» Dänemark werde bis 2029 mit dem Tunnel und der Hinterlandanbindung fertig sein, hatte Danielsen versprochen. Und auch Madsen zeigte sich optimistisch, auf deutscher Seite bis dahin bei der Anbindung des Straßenverkehrs fertig zu werden. Bei der Bahn könne es zu Verzögerungen kommen. Das Thema sei auf Bundesebene angesiedelt.

Dänemark baut bereits an dem 18 Kilometer langen Straßen- und Eisenbahntunnel. Er soll von 2029 an die dänische Insel Lolland und Fehmarn verbinden und die Fahrzeit deutlich verkürzen. Dänemark trägt die geschätzten Kosten für den Ostseetunnel in Höhe von 7,1 Milliarden Euro. Auf deutscher Seite sollen bis 2029 die Zugstrecke Lübeck-Puttgarden sowie die Bundesstraße 207 ausgebaut und eine 380-Kilovolt-Stromtrasse verlegt werden.

Die alte Brücke über den Fehmarnsund zwischen der deutschen Ostseeinsel und dem Festland wird den Verkehr des Ostseetunnels nicht bewältigen. Die Kosten für einen Tunnel als Ersatz bezifferte die Bahn ursprünglich auf 714 Millionen Euro. Madsen hat der Bahn vorgeschlagen, dänische Tunnelelemente auch für den Bau des Sundtunnels zu nutzen.

Zuvor hatte Madsen mit Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack, Europaminister Werner Schwarz, Staatskanzlei-Chef Dirk Schrödter sowie Umweltminister Tobias Goldschmidt Vertreter der deutschen Minderheit getroffen. Beim Bund Deutscher Nordschleswiger ging es unter anderem um die Situation der deutschen Schulen im Nachbarland. Allein im letzten Schuljahr seien 200 neue Schüler hinzugekommen, sagte der Hauptvorsitzende des Bundes, Hinrich Jürgensen. Grund sei der Zuzug von Menschen aus Deutschland nach Dänemark.

Bei dem Treffen ging es aber auch um alltägliche Probleme im grenzüberschreitenden Zusammenleben. Als Posse bezeichnete der Vorsitzende der Schleswigschen Partei, der Partei der deutschen Minderheit in Dänemark, Rainer Naujeck, die Probleme mit der dänischen Parkscheibe in Deutschland. Wer diese in Flensburg nutze, dem drohe ein Ticket. Das Nutzen der deutschen Version in Dänemark sei hingegen problemlos. «Wir sind an dem Thema dran», sagte Madsen. Er habe deshalb bereits mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) gesprochen. «Wahrscheinlich steckt dahinter die deutsche Parkschein-Produzenten-Lobby.»

Zur Delegation gehörten auch der Dänemark-Bevollmächtigte Johannes Callsen und SSW-Fraktionschef Lars Harms.

InfraGo-Vorstand Nagl auf Nord-Visite mit 10-Punkte-Paket für mehr Bahn-Qualität

Mit über fünf Milliarden Euro werden Bund, Bahn und Land in den kommenden 8 bis 10 Jahren das Schienennetz in Schleswig-Holstein auf Vordermann bringen. Einzelheiten besprach der Vorstandsvorsitzende der neuen Bahn-Tochter InfraGo AG, Philipp Nagl, heute bei seinem ersten Besuch mit Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide und der DB-Konzernbevollmächtigten Ute Plambeck.

Kernstück ist ein Zehn-Punkte-Plan, der vor allem die Verbesserungen des Schienennetzes und der Bahnhöfe bis 2030 aufzeigt. «Vor allem die besonders belasteten Streckenabschnitte sollen in einen besseren Zustand versetzt werden, um künftig mehr Güter über die umweltfreundliche Schiene zu transportieren und immer mehr Fahrgästen einen attraktiveren Nah- und Fernverkehr anzubieten», sagte von der Heide. Er adressierte dabei aber auch klare Forderungen an die gemeinnützige DB-Tochter.

«Wir sollten gemeinsam alles daran setzen, dass das Bahnnetz in Schleswig-Holstein endlich in einen modernen Zustand versetzt wird, damit die Bahnen verlässlich und pünktlich fahren können. Ein großer Teil der Qualitätsprobleme liegt an der jahrzehntelang vernachlässigten Infrastruktur. Es ist also gut, dass die DB InfraGo das nun anpackt und Schleswig-Holstein hoffentlich nicht mehr lange Schlusslicht bei der Qualität von Schienen und Bahnhöfen ist», so von der Heide. Er sei sich mit Nagl einig, dass es vor allem darum gehen müsse, den Alltag für die Fahrgäste zu verbessern.

Zum heutigen Besuch und zur Situation im Bahnverkehr im Norden hier ein paar Impressionen und Bewertungen von Staatssekretär von der Heide – Video starten

Auch Nagl ließ keinen Zweifel daran, dass Qualität und Pünktlichkeit in Schleswig-Holstein seit Längerem nicht so seien, wie sie sein sollten. «Das ist absolut unbefriedigend für Eisenbahnverkehrsunternehmen, Kunden, Reisende und auch für uns und unsere Mitarbeitenden. Mit dem 10-Punkte-Plan werden die Züge wieder pünktlicher und zuverlässiger. Unter anderem erneuern wir die Stellwerkstechnik an der Küste, investieren in den Korridor nach Dänemark und wollen die geplante Batterie-Fabrik „Northvolt“ an das Netz anbinden», sagte der InfraGo-Chef.

Neben der Generalsanierung des Hochleistungsnetzes – unter anderem Hamburg-Berlin ab dem Jahr 2025 – und großen Bau-Projekten wie der der S4 zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der Anbindung des Fehmarnbelttunnelsarbeiten die DB und das Land an diesen zehn Projekten:

1. Ausbau der Marschbahn: Die Planungen für den zweigleisigen Ausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll (Festland) sowie zwischen Morsum und Tinnum (Sylt) laufen auf Hochtouren. Durch den Ausbau soll auf der überlasteten Strecke ein leistungsfähiger und zuverlässiger Nah-, Fern- und Güterverkehr zwischen der beliebten Nordseeinsel und dem Festland ermöglicht werden. Die Erstellung der Vorplanung soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein. Im Anschluss erfolgt die Parlamentarische Befassung. Zusätzlich finden auf der Marschban auch kurzfristig Instandhaltungsmaßnahmen statt. Von März bis Mai werden in Tinnum auf knapp zwei Kilometern die Gleise erneuert. Im Dezember sind Gleisarbeiten und die Erneuerung eines Bahnübergangs zwischen Morsum und Keitum geplant. Im südlichen Bereich der Marschbahn werden zwischen Elmshorn und Glückstadt die Gleise erneuert.

Besuch im Stellwerk am Rendsburger Bahnhof

2. Neue Stellwerkstechnik an der Küste: In Westerland (Sylt), Niebüll und Tönning ersetzt die DB alte Stellwerke durch neue Elektronische Stellwerkstechnik (ESTW-Technik). Dies ist ein entscheidender Baustein für einen leistungsfähigen und stabilen Zugbetrieb. Die Stellwerke Westerland und Tönning gehen Mitte bzw. Ende März in Betrieb, das neue ESTW in Niebüll voraussichtlich bis Ende 2026. Künftig kann dann der gesamte Zugverkehr entlang der nördlichen Westküste Schleswig-Holsteins aus dem zentralen ESTW in Husum gesteuert und überwacht werden.

3. Ausbau der Strecke Kiel-Preetz: In mehreren Bauabschnitten wird die rund 80 Kilometer lange Strecke zwischen Kiel und Lübeck modernisiert. Ziel ist es, die Fahrtzeit für Fahrgäste zwischen den beiden größten Städten im Norden zu verkürzen und das Zugangebot zu erhöhen. Aktuell im Fokus steht der Ausbau des Abschnitts zwischen Kiel und Preetz, der 2026 in Betrieb gehen soll. Dabei sollen auch drei zusätzliche Haltestellen gebaut (Schwentinental-Gutenbergstraße, Preetz Nord, Preetz-Krankenhaus) und zwei weitere ertüchtigt werden (Elmschenhagen, Preetz).

4. Ausbau der Akku-Ladeinfrastruktur: Schleswig-Holstein bekommt das erste größere Netz weltweit, in dem Akkuzüge für den Regionalverkehr eingesetzt werden. Auf ca. 460 Kilometer Strecke (u.a. Kiel-Flensburg, Neumünster-Bad Oldesloe) werden gemeinsam mit der Nah.SH künftig 55 Triebwagen mit E-Antrieb anstatt Dieselfahrzeuge eingesetzt. So werden bis zu zehn Millionen Liter Diesel eingespart. 68 Prozent aller Strecken in Schleswig-Holstein werden bis Ende 2024 elektrisch befahren. In Heide sollen die Oberleitungsinseln für die Akkuzüge im Februar in Betrieb gehen, es folgen Husum und Tönning (April) sowie Kiel (voraussichtlich Dezember).

5. Northvolt-Anbindung: Das Land Schleswig-Holstein, die NAH.SH und die Deutsche Bahn bilden eine neue Projektorganisation, um den Schienenausbau für die Northvolt-Anbindung voranzutreiben. Für den Güterverkehr rechnen DB und das Land Schleswig-Holstein mit einem Bedarf von bis zu 12 Zugpaaren täglich von und nach Heide. Im Fokus steht eine Ertüchtigung der Strecke Heide – Neumünster. Im nächsten Schritt soll die Finanzierung geklärt werden, um die nötigen Maßnahmen planen zu können.

6. Strecken-Erneuerung Hamburg-Kiel: Die vielbefahrene Strecke soll modernisiert werden und für Pendler und Touristen einen zuverlässigeren Zugverkehr schaffen. Zwischen Elmshorn und Tornesch werden dafür in diesem Jahr Gleise erneuert, ebenso in Neumünster. In Bordesholm werden neue Weichen verbaut. Zwischen Brokstedt und Neumünster errichtet die DB neue Lärmschutzwände. Zwischen Dauenhof und Wrist werden Bahnübergänge erneuert.

7. Sanierung der Strecke Hamburg-Lübeck: Bis Ende des Jahres laufen auf der Strecke zwischen Ahrensburg und Bad Oldesloe umfangreiche Bauarbeiten unter dem rollenden Rad. Wegen der Gleisbauarbeiten und der S4 kommt es im Sommer und im Herbst deshalb zu mehrtägigen Sperrungen zwischen Hamburg und Lübeck. Im zweiten Halbjahr 2027 ist die Generalsanierung der Strecke geplant.

8. Arbeiten zwischen Neumünster und Flensburg: Ebenfalls in diesem Jahr gehen die Gleisarbeiten zwischen Neumünster und Flensburg weiter, u.a. mit Gleisarbeiten im Bereich der Rendsburger Hochbrücke und einem neuen Bahnübergang zwischen Jübek und Flensburg Weiche.

9. Schönere Bahnhöfe: Die DB und das Land investieren in den nächsten Jahren weiterhin massiv in die Modernisierung etlicher Bahnhöfe im Norden. Mit Inbetriebnahme des ESTW in Tönning sind auch alle Bahnhöfe der Strecke nach St. Peter-Ording vollständig barrierefrei ausgebaut. 2024 werden u.a. die Bahnsteige in Neustadt (i.H.) und Sierksdorf erneuert, die Bahnsteige in Schwarzenbek bekommen ebenfalls eine Schönheitskur und ein Bahnsteigdach, um Fahrgästen einen besseren Wetterschutz zu bieten. 2025 beginnt der Neubau der Station „Bad Oldesloe Ost“. Ab 2026 ist die Modernisierung zahlreicher Empfangsgebäude geplant, u.a. in Flensburg und Kiel. Ab 2027 sollen die Bahnhöfe in Neumünster, Husum, Westerland und Bordesholm modernisiert werden, u.a. mit erneuerten Bahnsteigen und Dächern. 2027 beginnt zudem der Neubau der Haltestelle Büdelsdorf. Bis 2029 soll das denkmalgeschützte Empfangsgebäude in Rendsburg saniert werden.

10. In den Korridor nach Dänemark wird umfangreich investiert: Im Norden werden in Schleswig-Holstein auf der Strecke von Maschen über Neumünster bis zur dänischen Grenze bis 2027 fünf neue elektronische Stellwerke (ESTW) gebaut und anschließend mit „ETCS“ („European Train Control System“) ausgestattet. Diese Technik bedeutet die Einführung eines einheitlichen europäischen Zugsicherungssystems – heißt: Über die Ländergrenzen Europas hinweg soll der Zugverkehr einfacher und schneller rollen. Dafür baut die DB InfraGO AG jetzt fünf Stellwerke: Schleswig, Owschlag, Rendsburg, Osterrönfeld und Wrist. Damit ist der Grundstein für die „Digitale Schiene Deutschland“ im Norden auf der wichtigen europäischen Güterzug-Strecke von Skandinavien bis Süddeutschland gelegt („ScanMed-Korridor“). Die neue Stellwerkstechnik ist auch entscheidend, weil sie die Bestandsstrecke deutlich weniger störanfällig macht und die Instandhaltung erleichtert.

Hier eine Aufzeichnung der Pressekonferenz

Das Schienennetz in Schleswig-Holstein umfasst rund 1123 Kilometer und 137 Bahnhöfe. Rund 40,5 Millionen Reisende sind jährlich in den Zügen des Regionalverkehrs im Norden unterwegs. 2022 wurden rund fünf Millionen Tonnen Güter über die Schiene transportiert.

Testfahrten und Taufe der „Missunde III“ erfolgreich – Mitte März soll sie pendeln

Auch wenn von Pendlerinnen und Pendlern in der Schlei-Region weiter Geduld gefragt ist – ein wichtiger Meilenstein ist erreicht. Die neue Fähre „Missunde III“, die Kosel mit Brodersby verbinden soll und monatelang wegen Niedrigwassers in der Elbe festsaß, hat ihre Testfahrten erfolgreich absolviert.

Heute wurde der solargetriebene Neubau von Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens offiziell getauft. Einziger Wermutstropfen: Bevor die Fähre wirklich pendelt, müssen noch die Anleger an den Schlei-Ufern für extreme Wetterverhältnisse nachgebessert werden. Das soll bis Mitte März passiert sein.

Von der heutigen Taufzeremonie ein paar Impressionen

Ursprünglich sollte die „Missunde III“ in diesen Tagen ihren Dienst antreten. Und tatsächlich sah es am vergangenen Dienstag noch so aus, als könne der Betreiber der Fähre, der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) diesen Fahrplan einhalten. Der Neubau hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige erfolgreiche Testfahrten absolviert. Doch die Schlechtwetterphase am Mittwoch brachte die Erkenntnis, dass die Anleger an beiden Schlei-Ufern verbreitert werden müssen, um ein sicheres Anlanden auch bei kräftigen Winden und starker Strömung garantieren zu können.

Landesregierung zeigt Flagge in Dänemark – wenn auch ohne Regierungschef Günther

Trotz krankheitsbedingten Ausfalls von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat die Landesregierung ihr heutiges Besuchsprogramm in Kopenhagen weitgehend planmäßig absolviert.

Dänemarks Regierungschefin Frederiksen begrüßt Innenministerin Sütterlin-Waack (rechts) in Gegenwart von Minister Madsen, der für den erkrankten Regierungschef Daniel Günther einspringen musste.

Im Mittelpunkt stand mittags vor allem ein Treffen mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Dabei ging es erwartungsgemäß um den Bau des Fehmarnbelttunnels sowie die deutsch-dänischen Grenzkontrollen, aber auch Ostseeschutz und den Umgang mit Sturmfluten wie im vergangenen Oktober. Er habe eine Ministerpräsidentin mit einem starken Interesse an Schleswig-Holstein erlebt, sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen, der für den erkrankten Ministerpräsidenten eingesprungen war. Manchmal liege in der Kürze ja auch die Würze, fügte er mit Blick auf die vergleichsweise kurze Gesprächsdauer von einer halben Stunde hinzu. «Das haben wir erlebt. Da war jede Menge Würze dort.»

Madsen, Umweltminister Tobias Goldschmidt und Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack zogen nach dem Gespräch vor Journalisten ein Zwischenfazit – Video starten

Vor dem Treffen mit der Regierungschefin hatte sich ein „Runder Tisch“ in der Außenhandelskammer mit dem Thema Produktion und Transport von grünem Strom und grünem Wasserstoff beschäftigt. Ein Thema, von dem sich Schleswig-Holstein angesichts des dortigen Überangebots an regenerativen Energien große Wachstumschancen verspricht. Die Liste der gemeinsamen Interessen und Projekte sei lang, hatte Ministerpräsident Daniel Günther bereits im Vorfeld der Reise gesagt.

Madsen setzt bei der Energiewende auf eine bessere Vernetzung Schleswig-Holsteins mit Dänemark. «Wir dürfen keine Bremsklötze gegenseitig sein, sondern wir müssen es ermöglichen, dass sich Energie in Europa bewegt», sagte er nach einem Treffen mit Unternehmen aus der Energiebranche in der Außenhandelskammer in Kopenhagen.

Interessanterweise sei bei dem Treffen die Frage aufgekommen, welche Seite eher von der anderen Seite lernen solle. Das kleine Dänemark produziere enorm viel grüne Energie, die das Land exportieren wolle, so Madsen. «Das ist ein Thema, das wir auch in Schleswig-Holstein haben.» Es müssten gemeinsame Strategien für Speicherung und Umwandlung von grünem Strom entwickelt werden. Sein großer Wunsch sei, dass künftig gar kein Gefühl einer Grenze im Energiebereich vorhanden sei.

Die dänische Wirtschaft erwarte festgelegte Preise für den Energieexport nach Deutschland, sagte Madsen. Letztendlich müssten sich die Regierungen in Berlin und Kopenhagen über den Ausbau der Leitungen und anderer Infrastruktur verständigen. «Dänemark ist ein kleiner Abnehmer-, aber ein sehr großer Produktionsmarkt.» Schleswig-Holstein habe eine ähnliche Situation.

Lernen kann Deutschland nach Ansicht von Madsen von Dänemark bei den Energiepreisen. Im Nachbarland erführen die Bürger, wann Strom gerade günstig, kostenlos sei oder sogar Geld gutgeschrieben werde. «Das heißt, alle Dänen schmeißen die Waschmaschine an.»

Die Vertreter der Landesregierung – neben Süttlerin-Waack und Goldschmidt auch Digitalisierungsminister Dirk Schroedter und Landwirtschaftsminister Werner Schwarz – trafen auch Dänemarks Justizminister Peter Hummelgaard und Wirtschaftsministerin Stephanie Lose. Zudem stand ein Besuch beim Bund Deutscher Nordschleswiger und ein Treffen mit Transportminister Thomas Danielsen auf dem Programm.