Archiv der Kategorie: Allgemein

Autonome Förde-Schifffahrt fest im Blick: Staatssekretärin testet Katamaran-Labor

Julia Carstens mit CAPTN-Sprecher Dirk Nowotka

Fünf Partner, zwei Rümpfe, ein Ziel: Der Forschungskatamaran «Wavelab» soll den Weg zur autonomen Schifffahrt auf der Kieler Förde ebnen. Acht Monate nach der feierlichen Taufzeremonie bei der Gebrüder Friedrich Werft ist das ungewöhnliche Vehikel inzwischen regelmäßig zwischen Friedrichsort und Düsternbrook zu bestaunen. Heute verschaffte sich auch Technologie-Staatssekretärin Julia Carstens einen eigenen Eindruck von dem Projekt. Betrieben wird das 21 Meter lange und 8 Meter breite Schiff vom Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel. Dem Konsortium gehören fünf Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft an.

Carstens lobte das Vorhaben bei ihrer Stipvisite als ein Aushängeschild für das Land: «Integrierte und umweltschonende Verkehre sind notwendig, und wir hoffen auf rasche Ergebnisse, um die Verkehrswende weiter voranzutreiben», sagte Carstens. Neben dem Bund habe auch das Land die hinter dem Projekt stehende Initiative CAPTN (Clean Autonomous Public Transport Network) bereits mit 700.000 Euro unterstützt und werde absehbar noch einmal nachlegen.

Weiter sagten Carstens und der wissenschaftliche Sprecher von CAPTN, Dirk Nowotka – Video starten…

Mit dem Projekt sollen Grundlagen dafür geschaffen werden, dass Schiffe auf der Kieler Förde, zum Beispiel Fähren, irgendwann autonom ohne Personal fahren können. Der 3,5 Millionen Euro teure Katamaran verfügt über einen elektrischen Antrieb, der aus Akkus und einer Brennstoffzelle gespeist werden soll.

Die Forschungsinitiative setzt sich nach eigenen Angaben für einer Mobilitätskette aus autonomen, sauberen Verkehrsträgern zu Wasser und an Land ein. CAPTN wird vom Bundesverkehrsministerium mit mehreren Millionen Euro gefördert.

Sanierung der B 503 vor den Holtenauer Brücken geht in den Schluss-Spurt

Es geht voran an einem der wichtigsten Pendlerabschnitte in Kiel. Dank neuer Bauweise kann die Sanierung der B 503 zwischen Kiel-Wik und Projensdorf um fast drei Wochen verkürzt werden. Das gaben heute bei einem Ortstermin Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide und LBV.SH-Vizechef Frank Quirmbach bekannt. .

LBV.SH-Unterhaltungschef Christoph Köster (links) erläutert von der Heide die neue Bauweise

Der Einbau einer Asphaltfundationsschicht ist eine in 2020 neu eingeführte Bauweise, die bei der B 503 erstmalig in Schleswig-Holstein zum Einsatz kommt. „Baustellen sind notwendig, um die Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen. Es muss dabei immer unser Ziel sein, Baustellen so schnell wie möglich auch wieder zu beenden. Neue Bauweisen sind dabei eine große Hilfe. Es ist gut, dass wir die Synergien nutzen und so eine weitere Vollsperrung in den kommenden Jahren vermeiden“, sagte von der Heide.

Der LBV.SH hatte die Sanierung der beschädigten Bundesstraße B 503 extra vorgezogen, um die ohnehin bestehenden Sperrungen der Holtenauer Hochbrücken zeitlich zu nutzen. Derzeit laufen die Asphaltierungsarbeiten von der Prinz-Heinrich-Brücke bis zum Projensdorfer Tunnel auf Hochtouren. Sie sollen bis Mitte November 2023 abgeschlossen sein, sofern die Witterungsverhältnisse mitspielen.

Bei dem heutigen Baustellenbesuch sagte Staatssekretär Tobias von der Heide weiter – Video starten…

Seit den Olympischen Spielen 1972 hatte es es auf dem Bundesstraßenabschnitt keine größeren Sanierungsmaßnahmen gegeben. In den vergangenen Jahren verschlechterte sich der Zustand dann aber zusehends. „Und nun nutzt unser Landesbetrieb die Zwangspause auf den Brückenzufahrten, um alles wieder auf Vordermann zu bringen“, so von der Heide. Die Erneuerung der rund 1,2 Kilometer langen Baustrecke erfolgte in zwei Bauabschnitten. Das Auftragsvolumen liegt bei rund 3,6 Millionen Euro, die der Bund trägt.

Gute Nachrichten auch für die Reparaturarbeiten an den Holtenauer Hochbrücken: „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir wie vor einem Jahr geplant Ende November/Anfang Dezember wieder beide Brücken vollumfänglich für den Verkehr freigeben können“, sagt LBV-Vize Quirmbach. Die laufende Sanierung der Prinz-Heinrich-Brücke ist Mitte September gestartet und soll wie geplant Ende November fertiggestellt werden. Derzeit laufen die Stahlbauarbeiten an der Brückenunterseite.

Madsen besucht Hitzler-Werft und staunt über High-Tech-Schiffbau an der Niederelbe

Nachdem Ende letzter Woche mit dem Besuch von Investor Lars Windhorst die Zukunft der Werften Nobiskrug in Rendsburg und FSG in Flensburg den Terminkalender des Ministers dominierten, startete diese Woche mit einem weiteren Werften-Thema: Claus Ruhe Madsen besuchte erstmals die Hitzler-Werft in Lauenburg.

Madsen mit den neuen Hitzler-Werft-Eignern Kai Klimenko (rechts) und seinem Sohn Marek (links)

Nach vielen Höhen und Tiefen in der 137-jährigen Geschichte des Unternehmens stehen seit Anfang 2021 Vater und Sohn auf der Kommndobrücke: Kai Klimenko, der vor der Übernahme der Werft fast 30 Jahre dort beschäftigt war, und sein Sohn Marek. Der Senior als Techniker, der Junior als Kaufmann. «Und in dieser Kombination ergänzen wir uns hervorragend», versicherten beide dem Minister. Ein Glücksfall, denn beinahe wäre die Unternehmens-Übernahme schief gegangen.

«Um die Werft von den Eignern zu übernehmen haben wir nach Gold und Öl gegraben, um das Geld aufzubringen – aber wir haben nichts gefunden und von den Banken reihenweise Absagen kassiert», erinnert sich Junior-Chef Marek Klimenko. Am Ende war es die Lauenburger Volks- und Raiffeisenbank, die den Mut aufbrachte, den Deal ermöglichte und damit der Werft und ihren rund 120 Beschäftigten eine Zukunftsperspektive gab.

Mittlerweile brummt es auf der kleinen Werft am malerischen Elbufer: «Hier entstehen momentan zwei absolute Hightech-Schiffe», zeigte sich Madsen nach dem Rundgang und einer Schlepper-Ausfahrt begeistert. Das Forschungsschiff „Coriolis“ für das Hereon-Forschungszentrum der Helmholtz-Gesellschaft und mit dem Katamaran „Wallaby“ der Prototyp eines so genannten Crew-Tender-Vessels (CTV).

Madsen zeigte sich nach dem Rundgang und einer Schlepper-Ausfahrt begeistert – Video starten:

Die knapp 30 Meter lange und acht Meter breite „Coriolis“ wird für interdisziplinäre Forschung sorgen. Bereits bei der Planung haben die Institute des Hereon zusammengearbeitet. An Bord werden neben Küstenforschern auch Werkstoffforscher, Membrantechniker und Wasserstoffforscher arbeiten. Die Einheit bekommt eine Brennstoffzelle, deren Antrieb aus einem beim Hereon entwickelten Wasserstoffspeicher kommt.

Für die „Wallaby Boasts GmbH“ aus Kappeln fertig die Werft ebenfalls ein Spezialschiff. Der Aluminium-Katamaran bekommt ein Federungssystem, das es ermöglicht, die beiden Rümpfe unabhängig voneinander so auszugleichen, dass die Wellenkräfte kompensiert werden. «Die Wellen werden sozusagen geschluckt», sagt Kai Klimenko. Monteure kommen so ohne seekrank zu werden an ihrem Arbeitsplatz an und können auf die Aufstiegsleiter umsteigen. Der Prototyp soll zunächst in Ostsee-Windparks erprobt werden.

Marek Klimenko geht davon aus, dass pro neuem Gigawatt Offshorestrom sechs solcher Spezialschiffe benötigt werden. Bis 2040 sei daher Bedarf für 320 Einheiten vorhanden. „Wären wir keine Optimisten, hätten wir die Werft vor zweieinhalb Jahren nicht übernommen“, sagt der Junior-Chef. Wirtschaftsminister Madsen gab er vor allem eine Botschaft mit auf den Weg nach Kiel: «Unser eigenes Beispiel zeigt, wie enorm wichtig die Unterstützung von Werften bei der Finanzierung großer Aufträge ist. Und vor allem sollte sich die Politik klar machen, dass zwar Neubau-Projekte zunehmend ins günstigere Ausland abwandern – Reparaturen aber immer vor Ort stattfinden werden müssen.»

Investor Windhorst bedauert Probleme bei FSG und Nobiskrug – und übt sich in Zuversicht

Ein nachdenklicher Lars Windhorst bei seinem heutigen Besuch in Rendsburg und Flensburg – hier neben dem IG-Metall-Bevollmächtigten Schmidt. Fotos: Michael Staudt

Finanzinvestor Lars Windhorst hat seinen Werften FSG in Flensburg und Nobiskrug in Rendsburg trotz schwieriger Lage eine positive Zukunft bescheinigt. Bisher habe die FSG-Nobiskrug keinen großen Erfolg, aber dies liege nicht daran, dass die Qualität nicht stimme oder die Marke beschädigt sei, betonte Windhorst heute nach Betriebsversammlungen an den Standorten Rendsburg und Flensburg.

Auf Vorschlag der IG Metall soll zeitnah ein Runden Tisch eingerichtet werden, an dem Windhorst, Vertreter der zuständigen Landes- und Bundesministerien und Vertreter der Gewerkschaft teilnehmen sollen. «Dann muss offen und ehrlich auch darüber gesprochen werden, wie können Dinge wie Finanzierungen stattfinden, wie können Bürgschaften arrangiert werden und wie kann man öffentliche Aufträge bekommen», sagte der Bevollmächtigte der IG Metall Flensburg, Michael Schmidt.

In den vergangenen Monaten hatten die Werften negative Schlagzeilen etwa wegen zu spät gezahlter Gehälter gemacht. Auch Windhorst persönlich wurde für sein Verhalten und mangelnde Kommunikation kritisiert. Bemängelt wurde auch, dass vor Ort kein Geschäftsführer mehr sei.

Windhorst sagte, auf den Betriebsversammlungen seien alle kritischen Punkte besprochen worden. Er bedaure, wenn sich Dinge oder Zahlungen verzögerten. «Aber ich hab bisher immer geliefert, seitdem ich Inhaber der Werft bin.» Er habe fast 300 Millionen Euro in die Werften gesteckt, ein Vielfaches der geplanten Summe. «Die Herausforderungen, die wir haben, sind einfach viel größer gewesen als ich mir das bei meinem Einstieg vorstellen konnte.» Deswegen habe man die letzten 12 bis 18 Monate improvisieren müssen und habe nicht «wie gewünscht und wie erhofft» aus dem Vollen schöpfen können.

Um den Vertrauensverlust wieder gut zu machen, sei vereinbart worden die Kommunikation zu verbessern, sagte Windhorst. Es soll auch vor Ort wieder einen Geschäftsführer geben. Ein konkretes Datum nannte er dafür nicht. Die Situation der Werft war am Freitag auch Thema im Landtag.

Unterdessen beschäftigte sich heute auch der Landtag mit der Situation des Unternehmens. Die Abgeordneten aller Parteien legten dabei ein klares Bekenntnis zu den Werften ab. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen erinnerte daran, dass beide Werften vor gut drei Jahren allein durch das Engagement von Windhorst vor dem Aus bewahrt werden konnten. «Und ich habe keinen Zweifel, dass Herr Windhorst weiterhin zu seinem Engagement steht», so Madsen. Er machte allerdings auch klar, dass es deutliche Erwartungen an den Investor gebe, der zugleich alleiniger Geschäftsführer der FSG ist. Vor allem müsse für die Zukunft sichergestellt werden, dass der Betrieb durch eine auskömmliche Eigenkapitalausstattung den Status „Unternehmen in Schwierigkeiten“ los werde. «Das ist unter anderem eine Bedingung für die Gewährung möglicher Landesbürgschaften», sagte Madsen.

Weiter sagte der Minister im Plenum – Video starten…

Madsen und Länderkollegen mahnen Bund: Wasserstraßen nicht kaputtsparen

Madsen bei der Verkehrsminister-Konferenz in Köln, hier mit seiner Kollegin und seinem Kollegen aus Thüringen

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen hat den Bund vor einer Vernachlässigung von wichtigen Wasserstraßen wie dem Nord-Ostsee-Kanal gewarnt. Dafür bekam der CDU-Politiker heute in Köln die einstimmige Rückendeckung seiner Länderkolleginnen und -kollegen. «Die Verkehrsministerkonferenz teilt meine Auffassung, dass die bisherigen und auch die geplanten Finanzmittel sowie die vorhandene Personalausstattung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes bei Weitem nicht die Bedarfe abbildet», sagte Madsen zu dem einstimmigen Beschluss.

Zwar habe der Bund in den letzten zehn Jahren einen Kurswechsel eingeleitet und erstmals wieder mehr in seine natürlichen und künstlichen Wasserstraßen investiert. Doch bleibe das zuständige Verkehrsministerium nun auf halbem Wege stehen, so Madsen. So sei beispielsweise für den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) ein millionenschweres Ausbaupaket auf den Weg gebracht worden, aber trotz steigender Baukosten habe Verkehrsminister Wissing die Investitionen in diesem Jahr nicht angehoben, sondern reduziert. Madsen erinnerte zudem daran, dass die diesjährigen Haushaltskürzungen von 909 auf 594 Millionen Euro auch alle anderen Bundeswasserstraßen betreffen.

Madsen erinnerte allerdings an die herausgehobene Bedeutung des NOK, durch den Schiffe im Schnitt 14 Stunden an Zeit und 250 Seemeilen Wegstrecke einsparen. Auch die daraus resultierende Einsparung an Schiffsemissionen sei nicht zu vernachlässigen. Madsen: «Zu einem weiteren Zeitverlust für die Schiffe führen seit einem Jahr leider die Böschungsunterspülungen im westlichen Teil der Strecke und die damit verbundenen Geschwindigkeitsbeschränkungen.»

Für den Haushalt 2024 und die folgenden Jahre hat das Bundesverkehrsministerium laut Madsen zwar steigende Mittel für die Bundeswasserstraßen zugesagt, jedoch werden diese nicht annähernd ausreichen, um dringend nötige und seit Jahren geplante Ersatz-, Ausbau- und Instandsetzungsmaßnahmen umzusetzen. «Hierfür wäre schon allein wegen der rasant steigenden Kosten eine wesentlich steiler steigende Finanzlinie notwendig», so Madsen. Zusätzlich sei eine wesentlich bessere Personalausstattung der WSV notwendig.

Staatssekretär von der Heide: „Die nordbahn ist nun eine echte Nord-Bahn“

Doppelte Premiere für die Kaltenkirchener „nordbahn Eisenbahngesellschaft“: Nachdem das 2002 gegründete Unternehmen in den letzten 20 Jahren vor allem im südlichen Landesteil unterwegs war, erobert es nun schrittweise den Norden.

„nordbahn“-Leitstellen-Disponentin Iris Vocke erläutert Tobias von der Heide (Mitte) die Abläufe in der Leitstelle. Links und rechts: Geschäftsführer Holger Kratz und Dr. Karsten Steinhoff.

Erster Meilenstein: Mitten in Kiel (Fabrikstraße) eröffnete heute eine neue Niederlassung samt Leitstelle – „und rückt uns damit dichter an unsere neuen Netze und unseren Auftraggeber NAH.SH“, wie Geschäftsführer Karsten Steinhoff bei einer kleinen Feierstunde sagte. Zweiter Meilenstein: In genau zwei Monaten beginnt die „nordbahn“ zum Fahrplanwechsel schrittweise mit dem Betrieb auf insgesamt fünf Strecken im Land: Neben Kiel-Husum (RE 74) und Kiel-Rendsburg (RB 75) sind das Husum-St.Peter-Ording (RB 64), Kiel-Flensburg (RE 72) und Kiel-Eckernförde (RB 73).

«Damit verdoppelt das Unternehmen auch seine Konzern-Eckdaten», sagt Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide. Konkret werde die Anzahl der Beschäftigten damit ab dem nächsten Jahr von 170 auf 350 Menschen steigen, die Betriebsleistung von 3,6 auf 8,3 Millionen so genannte Zug-Kilometer und Jahresumsatz wie Marktanteil in Schleswig-Holstein von derzeit 15 auf rund 30 Prozent.

Die größte Neuerung erwartet die Kunden laut von der Heide aber vor allem bei den Zügen. So werden auf den „nordbahn“-Strecken im kommenden Jahr 29 Akkuzüge des Herstellers Stadler vom Typ „Flirt“ unterwegs sein.

Zudem habe das Unternehmen noch eine weitere Investition in Kiel in der Pipeline – nämlich einen Simulator zur Schulung von Triebwagenführern. Im Gespräch mit Journalisten sagte von der Heide weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Zum Betriebsstart im Dezember 2023 sind noch nicht alle Akkuzüge einsatzbereit, deswegen fahren zunächst Züge einer Transferflotte. Voraussichtlich ab Spätsommer 2024 sollen auf allen neuen Linien ausschließlich Akkuzüge im Einsatz sein, die Umstellung erfolgt schrittweise. Als erstes fahren auf der Linie Neumünster-Heide-Büsum (RB 63) Akkuzüge.

Madsen vor Kommunalgipfel: „Wer eine gute Bleibeperspektive hat, sollte sofort arbeiten“

Wie bewältigt Schleswig-Holstein den Zustrom an Geflüchteten, nachdem viele Kommunen sich längst am Limit sehen? Darüber wird ein Großteil des Landeskabinetts morgen unter Leitung von Sozialministerin Aminata Toure´ mit Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Landesverbände, Oberbürgermeistern, Landräten sowie Bürgermeistern der Standortgemeinden von Geflüchteten-Unterkünften verhandeln.

Madsen mit BA-Regionalchef Biercher – die meisten Hebel zur schnelleren Arbeitsmarkt-Integration Geflüchteter liegen beim Bund.

Mit dabei: Wirtschafts- und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen. Er pocht mit Blick auf eine rasche Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt vor allem auf schnelle und pragmatische Lösungen: «Rund 23.000 Menschen mit Fluchthintergrund haben wir in Schleswig-Holstein bereits in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung – Tendenz steigend – aber mit etwas weniger Bürokratie auf Bundesebene ginge da noch deutlich mehr», sagt der CDU-Politiker.

Angesichts von allein in Schleswig-Holstein aktuell 6.000 Geflüchteten in Warteposition müsse laut Madsen vor allem die Frage mit dem Bund diskutiert werden, ob das das vorgeschriebene dreimonatige Beschäftigungsverbot für Asylbewerber noch zeitgemäß sei. «Vor allem für Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive müssen wir schneller und pragmatischer werden.» Dafür sei es laut Madsen hilfreich, eine Arbeitsaufnahme auch dann zu ermöglichen, wenn die Asylbewerberinnen und -bewerber noch nicht alle Kurse und Sprachtests absolviert haben.

«Denn wer arbeitet – das weiß ich aus eigener Erfahrung als gebürtiger Däne – lernt die Sprache durchaus schneller – und integriert sich möglicherweise auch viel leichter.» Die jüngsten Forderungen des Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, gingen da eindeutig in die richtige Richtung.

Dittrich hatte sich Ende September für eine unbürokratische Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ausgesprochen. «Ein Unternehmer sollte selbst entscheiden, wen er in seinem Betrieb beschäftigen kann. Das sollte ohne Sprachtests und Integrationskurse möglich sein», so Dittrich. Auch Madsen sagt: «Damit die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann, müssen wir der Wirtschaft entgegen kommen flexibilisieren und entbürokratisieren wo immer das möglich ist.»

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindetag spricht sich dafür aus, dass Geflüchtete mit Bleibeperspektive von Anfang an arbeiten dürfen. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg beklagt zudem, dass «zahlreiche Integrationsangebote von Bund, Ländern und Kommunen nicht miteinander laufen, sondern parallel zueinander». Viele Flüchtlinge würden lieber schnell Geld verdienen und Hilfsjobs annehmen als eine Ausbildung anzutreten. Madsen: «Vielen Geflüchteten ist zudem der hohe Stellenwert von beruflicher Ausbildung in Deutschland oft nicht ausreichend bewusst.»

Gegen zunehmende E-Scooter-Unfälle: Land startet landesweite Kampagne

Madsen mit Thomas Weißenberg von der Landespolizei am Kieler Bootshafen

Die Zahl der Unfälle mit sogenannten Elektro-Kleinstfahrzeugen, besser bekannt als E-Scooter, ist in Schleswig-Holstein seit 2020 um das fast Fünffache gestiegen: Wurden 2020 noch 92 Verkehrsunfälle gezählt, waren es 2022 insgesamt 442 Unfälle. In mehr als zwei Dritteln aller Fälle wurden von der Polizei die Fahrerinnen und Fahrer selbst als Unfallverursacher festgestellt – oft unter Alkoholeinfluss. „Angesichts dieses alarmierenden Befunds, der auch auf die steigende Anzahl von Scootern zurückzuführen ist, starten wir gemeinsam mit der Landespolizei eine Präventionskampagne, die hoffentlich zur Umkehr des Trends führen wird“, sagte heute (5. Oktober) Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen.

Wie der Minister zusammen mit Thomas Weißenberg und Ingo Paßlack von der Landespolizei weiter erläuterte, würde insbesondere in der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen nach feuchtfröhlichen Feiern oft der E-Scooter für den Weg nach Hause genutzt. „Dabei ist neben dem Einfluss von Alkohol eine falsche Straßenbenutzung die zweite Hauptunfallursache“, so Madsen. Er erinnerte daran, dass E-Scooter als Kraftfahrzeuge eingestuft sind. Deshalb würden die gleichen Promillegrenzen wie beim Autofahren gelten und nicht wie beim Radfahren (0,0 Promille für Fahrer unter 21 Jahren und Führerscheinneulinge in der Probezeit / ab 0,5 Promille = Ordnungswidrigkeit / ab 1,1 Promille = Straftat).

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Video starten…

Die zentrale Botschaft der Kampagne unter dem Motto „Besser ankommen“ lautet: „Damit punktest du nur in Flensburg!“ Ziel ist, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene auf das Unfallrisiko aufmerksam zu machen und für das richtige Verhalten zu sensibilisieren. Madsen: „Dazu wird die Botschaft sowohl digital als auch analog ausgespielt. Um eine hohe Reichweite zu erzielen, kombinieren wir Online- und Außenwerbung.“

Und so wird die Kampagne sichtbar: Beim Öffnen und während der Nutzung von Apps auf Smartphone oder Tablet erscheint die Präventionskampagne in den nächsten zwei Monaten automatisch auf dem Display der Zielgruppe. Eine Verlinkung führt auf die Internetseite der Landespolizei (www.schleswig-holstein.de/besserankommen). Dort sind die wichtigsten Regeln und Hinweise für die sichere und unfallfreie Nutzung von E-Scootern zusammengefasst. Ein entsprechender Flyer steht zum Download zur Verfügung.

Laut Madsen hätten sich E-Scooter zu einem selbstverständlichen Bestandteil im städtischen Mobilitäts-Mix entwickelt. Wegen ihrer einfachen, flexiblen und kostengünstigen Nutzungsmöglichkeit seien sie für innerstädtische Fahrten sehr beliebt. „Die Erfahrungen zeigen, dass mit den E-Scootern am häufigsten im urbanen Umfeld gefahren wird. Dort passieren leider auch die meisten Unfälle.“ Die Außenwerbung erfolge deshalb in den Städten Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Norderstedt. Auf zahlreichen großen Plakat-Flächen, kleineren Poster-Flächen sowie digitalen LED-Screens werde auf den wichtigen Aspekt der Verkehrssicherheit aufmerksam gemacht.

Madsen besiegelt 900-Millionen-Invest in neue Elektrozüge für den echten Norden

Ab Dezember 2027 rollen auf den Bahnlinien Kiel/Flensburg-Hamburg und Wrist/Elmshorn-Hamburg neue Elektrotriebzüge. Das Land hat 42 Elektrozüge für die Bahnnetze Mitte und Süd-West beim französischen Hersteller Alstom bestellt.

Heute Vormittag wurde der 900-Millionen-Vertrag im Büro von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen in Anwesenheit von Müslüm Yakisan  – dem Alstom-Präsidenten für Deutschland, Österreich und die Schweiz – unterschrieben.  «Das Bahnnetz deckt ein Drittel des gesamten Schienenverkehrs im echten Norden ab, auf diesen Bahnlinien sind die meisten Menschen unterwegs», sagte Madsen.

Den Zuschlag für den Auftrag hat der Bahnhersteller bereits Mitte Juli erhalten. Alstom soll die Elektrozüge nicht nur liefern, sondern auch warten. Im Netz Mitte sollen die Züge von Hamburg bis ins dänische Tinglev fahren. Der dänische Finanzausschuss hat einer entsprechenden Kostenbeteiligung zugestimmt. Welcher Bahnanbieter die neuen Elektrozüge in den beiden Netzen nutzen wird, steht aber noch nicht fest. Heute fahren auf den Bahnlinien RE7, RE70, RB61 und RB71 in den beiden Netzen die Bahnunternehmen DB Regio und nordbahn. Deren Verkehrsverträge laufen zum Dezember 2027 aus. Derzeit sucht die Nahverkehrsgesellschaft (NAH.SH) Nachfolger. Ab dem zweiten Quartal 2024 soll die Vergabe erfolgen.

Madsen sagte zu dem neuen Angebot weiter – Video starten:

„Wir freuen uns darauf, NAH.SH beim Ausbau und der Modernisierung des Mobilitätsangebots zu unterstützen. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag für den Bahnverkehr in Schleswig-Holstein“, sagte Yakisan. „Unsere neuen Züge punkten mit der bestmöglichen Kombination von Kapazität, Komfort und Energieeffizienz. Die Fahrgäste können sich auf top moderne und zuverlässige Züge freuen.“

NAH.SH-Chef Arne Beck sagte: „Wir haben hier wie schon bei den Akkuzügen wieder die Herstellung und die Instandhaltung zusammen vergeben, um die Qualität der Züge für die Fahrgäste langfristig zu verbessern. Denn der Hersteller trägt damit für 30 Jahre die Verantwortung für die Zugqualität. Mit Alstom hat das Land einen Partner gefunden, der diese Anforderungen klar erfüllt und mit dem die Fahrgastzahlen in Schleswig-Holstein wachsen können.“

Die neuen Triebwagen vom Typ Coradia Stream High Quality im Überblick:

  • vierteilige elektrische Triebzüge mit zwei doppelstöckigen und zwei einstöckigen Wagen
  • mehr Sitzplätze: 360 bzw. 390 Sitzplätze (vorher 350 bzw. 259/320 Sitzplätze)
  • Triebwagen durch einstöckige Bereiche barrierefrei
  • 2 Rollstuhlplätze außerhalb der Mehrzweckbereiche und im einstöckigen Bereich direkt am barrierefreien WC
  • an allen Einstiegen ebenerdiger Einstieg von 76 cm möglich, bei entsprechenden Bahnsteigen
  • mehr als 40 Sitzplätze mit größerem Sitzabstand für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität
  • in jedem Wagen stufenlose Mehrzweckbereiche für die Mitnahme von Kinderwagen, bis zu 24 Fahrrädern und großen Gepäckstücken
  • keine schmalen Gänge und Türen sondern offene Durchgänge in den – dadurch ein verbes-sertes Raumgefühl und ein besseres subjektives Sicherheitsgefühl vieler Fahrgäst (Technik wurde auf das Dach verlegt)
  • Klimaanlage mit antibakteriellen und antiviralen Filtern
  • große Displays für eine verbesserte Fahrgastinformation wie z. B. Anschlussverbindungen am nächsten Halt oder eine Übersicht der nächsten Haltepunkte
  • Reservierungssystem und Auslastungsanzeigen, damit Reisende bereits an Displays auf dem Bahnsteig erkennen können, in welchem Bereich noch freie Plätze vorhanden sind
  • Ausstattung mit WLAN sowie ein verbesserter Mobilfunkempfang für die Fahrgäste
  • Platz für mindestens 40 große Gepäckstücke je Zug und Gepäckregale in jedem Oberge-schoss in den Fahrzeugen im Teilnetz Mitte
  • Platz für 24 große Gepäckstücke je Fahrzeug in den Fahrzeugen im Teilnetz Süd-West
  • Die Dänemarktauglichkeit wird dadurch erreicht, dass sowohl 15 kV (DE) als auch 2 5kV (DK) abgenommen werden können (Teilnetz Mitte).

Der Hintergrund zum Verfahren:

Das gesamte Vergabeverfahren für das Netz Mitte/Süd-West staffelt sich in drei getrennte Vergaben: Mit Alstom wurde nun ein Unternehmen beauftragt, das die Triebzüge liefert und wartet. Gegenwärtig sucht die NAH.SH im Auftrag des Landes den sogenannten „Fahrzeugvorhalter“, der die neuen Züge übernehmen soll und sie dann den Verkehrsunternehmen in den Bahnnetzen Mitte und Süd-West zur Verfügung stellt. Ab dem zweiten Quartal 2024 startet die Vergabe des eigentlichen Eisenbahn-Betriebs.

Wenn ein Unternehmen sich selbst gehört: Für Carstens ein Muss für den Mittelstand

Bundesweit suchen hunderttausende Firmeneigentümer derzeit nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger  – in Schleswig-Holstein sind es bis 2026 immerhin rund 6700. Und viele drohen damit zu scheitern. Über 20 Verbände werben nun – neben der klassischen Nachfolge durch geborene Nachfolger oder externe Kauf-Interessenten – für eine neue Rechtsform. Der Clou: Ein Unternehmen soll sich selbst gehören – im Rahmen von genanntem Verantwortungseigentum.

Große Vorbilder gibt es nicht nur in Dänemark oder Schweden, auch in Deutschland – etwa Bosch oder Zeiss. Aber aus Sicht von Schleswig-Holsteins Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens wäre Verantwortungseigentum auch ein Modell für den weniger kapitalstarken Mittelstand – wenn denn die Berliner Ampel-Regierung ihre Hausaufgaben machen würde. Denn bislang funktioniert Verantwortungseigentum nur über komplizierte Umwege wie Stiftungen. Dabei sind Unternehmensnachfolgen, wie Carstens sagt, das zweitgrößte Problem neben dem Fachkräftemangel.

Über ein Beispiel aus Schleswig-Holstein – eine Glückstädter Bio-Bäckerei –  berichtete in dieser Woche der NDR in mehreren Beiträgen (Video starten)

Staatssekretärin Julia Carstens sagte dazu am Montag bei NDR-aktuell 18 Uhr im Gespräch mit Eva Diederich:

Ob Verantwortungseigentum oder klassische Nachfolge: Am 1. November startet die schleswig-holsteinische Landesregierung beim Kieler Mittelständler EDUR-Pumpen eine breit angelegte Imagekampagne, die vor allem Frauen Mut machen soll, Betriebe zu übernehmen. „Und in diesem Zusammenhang wäre es sehr hilfreich, mit der Rechtsform des Verantwortungseigentums ein weiteres Instrument in unserem Werkzeugkasten zu haben“, sagt Carstens.