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„Selbst ist die Frau“: Carstens auf Stipvisite bei drei Unternehmens-Nachfolgerinnen

Der Countdown läuft: In einem Monat startet die Landesregierung eine Marketing-Kampagne, um vor allem Frauen zu ermutigen, Unternehmen zu gründen oder zu übernehmen. Für Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens Grund genug, sich heute bei drei Unternehmen umzuschauen, in denen die Nachfolge frisch geregelt wurde: beim „Lecker Bäcker Kalinka“ in Schuby, bei der „George Zahntechnik GmbH“ in Eckernförde und bei „Howe Elektro- und Sicherheitstechnik“ in Kiel.

Julia Carstens (rechts) im Gespräch mit „Lecker Bäcker“-Juniorchefin Marina Kalinka

«Auch bei unserer Nachfolge-Initiative, die wir mit Kammern, Verbänden und Kreditinstituten aufsetzen, beschäftigen uns Fragen wie beispielsweise: Findet die Nachfolge innerhalb der Familie, innerhalb der Belegschaft oder extern statt – und wurden dafür Förderprogramme wie etwa die Meistergründungsprämie in Anspruch genommen», sagte Carstens am Rande der Tour. Immerhin stünden jährlich allein in Schleswig-Holstein mehr als 1300 Unternehmensnachfolgen an der Spitze von kleinen und mittelständischen Betrieben an. Die umfangreichen Unterstützungs-, Beratungs- und Finanzierungsangebote des Landes seien dabei zwar ein wichtiger Baustein. «Doch bei unserer Initiative und der am 1. November startenden Kampagne geht es in erster Linie darum, die Lust am Unternehmertum zu wecken und zu fördern», so Carstens. Die Landesregierung stelle dafür 350 000 Euro bereit.

Die 1997 gegründete Bäckerei Kalinka am Ochsenweg in Schuby konnte ihre Nachfolge familienintern regeln, wie „Senior-Chefin“ Susan Kalinka der Staatssekretärin schilderte. Der 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter starke Betrieb, der auch auf 14 Wochenmärkten präsent ist, wird von Tochter Marina weitergeführt. Die 27-Jährige absolvierte vor vier Jahren ihre Meisterprüfung und sagt selbstbewusst: «Backen ist für mich und meine Mutter Leidenschaft – und das schmeckt man auch bei uns.» Unmittelbar nach ihrem Einstieg in den Betrieb habe sie sich zwar ein wenig mit ihrer Mutter an die neue Rollenverteilung gewöhnen müssen. «Aber inzwischen sind wir so gut eingespielt, dass wir wissen, was der andere denkt, ohne darüber reden zu müssen.»

Mit Helen M. George in ihrem Dentallabor

Auch bei den Betrieben „George Zahntechnik“ und Elektro-Howe sind die Töchter eingestiegen – im Fall des Kieler Unternehmens Howe durch einen unvorhersehbaren Schicksalsschlag. Im Februar 2021 war überraschend die Inhaberin Christina Howe verstorben. Tochter Louisa – eigentlich auf dem Weg zur Eventmanagerin – fackelte nicht lange, sprang ins kalte Wasser und übernahm den Familienbetrieb.

Louisa Howe

«Ein bewundernswerter Mut, der insbesondere auch anderen Frauen Mut machen sollte», sagt Staatssekretärin Carstens mit Blick auf die nach wie vor zu geringe Frauenquote bei Gründungen und Übernahmen.

Weiter sagte Carstens nach ihren drei Firmenbesuchen – Audio starten, Pfeil klicken…

Mit Blick auf Unternehmen wie die Glückstädter „Moin Bio Backwaren GmbH“, die ihr Unternehmen an Mitarbeiterinnen übergeben haben und dabei am liebsten das Kapital in so genanntes Verantwortungseigentum binden würden, appellierte Carstens an die Bundesregierung: «Der Koalitionsvertrag der Ampel hat versprochen, eine solche Rechtsform zu schaffen, kommt damit bisher aber scheinbar nicht voran. Dabei wäre ein solches Instrument auch für viele andere schleswig-holsteinische Mittelstandsbetriebe attraktiv.»

Hintergrund: Unternehmen wie die „Moin Bio Backwaren“ orientieren sich langfristig an vor allem an ihrem Zweck, statt auf kurz- und mittelfristige Gewinnsteigerung zu setzen. Das bedeutet, dass Unternehmer zwar Unternehmen gestalten und unabhängig führen, aber keinen Zugriff auf deren Gewinne und Vermögen haben sollen. Gewinne sollen vielmehr für Investitionen, Rücklagen oder auch Spenden genutzt werden. Solche Unternehmen nutzen zum Beispiel Stiftungen und aufwendige GmbH-Strukturen zur Umsetzung dieses Eigentumsverständnisses. Dazu gehören beispielsweise die Unternehmen Bosch und der Optik-Hersteller Zeiss.

Über das Glückstädter Unternehmen und Unternehmen in Verantwortungseigentum berichtet morgen Abend (19.30 Uhr) auch das NDR Schleswig-Holstein-Magazin und am Montag NDR aktuell um 18 Uhr mit Julia Carstens als Studiogast.

Madsen nach Minister-Sonderkonferenz: Bund lässt Länder beim D-Ticket auflaufen

Enttäuscht von der Blockadehaltung des Bundes beim Deutschlandticket: Claus Ruhe Madsen. Frank Molter

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen hat dem Bundesverkehrsministerium beim Deutschlandticket eine Blockadehaltung vorgeworfen. Allein die Tatsache, dass Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) in eine Sonderkonferenz der Ressortchefs nur Abteilungsleiter ohne Prokura geschickt habe, «verdeutlicht den mangelnden Willen des Bundes, das Ticket auch über dieses Jahr hinaus zum Preis von 49 Euro zu ermöglichen», sagte Madsen nach der Videokonferenz gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Wie der Minister weiter sagte, hatten sich die Länder über die Parteigrenzen hinweg dafür ausgesprochen, dass auch über das Jahr 2024 hinaus die Kosten für das Nahverkehrsangebot von Bund und Ländern je zur Hälfte getragen werden. Aktuell finanzieren beide Seiten das Ticket mit je 1,5 Milliarden Euro. Ab 2024 rechnet der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) angesichts von Preissteigerungen jedoch mit Gesamtkosten von rund vier Milliarden.

«Die Länder wären bereit, die zusätzliche Milliarde zur Hälfte mitzutragen, wenn der Bund das auch tut», sagte Madsen. Sollte Wissing nicht willens oder in der Lage sein, dieses ursprünglich von ihm selbst angestoßene Angebot weiterhin zu ermöglichen, müsse das Thema zur Chefsache werden. «Die Zukunft des Deutschlandtickets sollten deshalb nun besser die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit dem Kanzler klären.»

Hier der Beschluss im Wortlaut:

Die Länder-Verkehrsministerinnen und -minister wollen auch den Weg für ein bundesweit gültiges solidarisches Semesterticket ebnen, wie Madsen sagte. «Wenn die Hochschulen mitziehen, könnten Studierende dann für einen Preis von knapp unter 30 Euro im Monat in ganz Deutschland den ÖPNV nutzen.» Aber auch hier habe der Bund bislang keinerlei Bereitschaft signalisiert.

Und hier ein Mitschnitt der Pressekonferenz nach der Sondersitzung:

Von Tourismus-Preisen, einer Museum-Renaissance und einem Wissens-Leuchtturm

Von A wie ADAC bis Z wie ZEVS: Für Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen ging es heute thematisch quer durch sein Ressort und geographisch von Kiel nach Büsum über Meldorf und retour.

Station 1: Im Büsumer Watt’n Hus durfte der Minister als Schirmherr die Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen ADAC Tourismuspreises küren. Sieger wurde das Projekt «Meerzeit Büsum Wellenbad und Spa», den zweiten Preis erhielt die Naturpark-Draisine «Holsteinische Schweiz» der Hein Lüttenborg Bahnstreckenverwaltungsgesellschaft aus Hamburg und den dritten Platz vergab die Jury gleich an zwei Projekte: zum einen an«Herzogs Gastgeber» – eine Fachkräfte-Initiative für den lauenburgischen Tourismus (Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH, Mölln), zum anderen an das Projekt Grenzen des Wachstums der Ostseefjord Schlei GmbH in Schleswig. Nominiert waren insgesamt zehn Projekte.

Der alle zwei Jahre verliehene und mit insgesamt 35.000 Euro dotierte Preis wird vom ADAC Schleswig-Holstein e.V. gemeinsam mit der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH (TA.SH) alle zwei Jahre verliehen. Gefragt sind Innovation und Nachhaltigkeit.

Madsen mit Museums-Architekt Heller

Station 2: Das heute neu eröffnete Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf. Insgesamt zwölf Millionen Euro haben der Kreis Dithmarschen und das Land in den Neubau, die Neugestaltung der Ausstellung, die energetische Sanierung und die Barrierefreiheit investiert. «Die Dithmarscherinnen und Dithmarscher haben jetzt ihr Museum zurück. Für den Kreis Dithmarschen endet damit eines der ambitioniertesten kulturellen Bauprojekte. Und für das Dithmarscher Landesmuseum beginnt ein neues Kapitel als ein kulturelles und historisches Zentrum an der Westküste», sagte Landrat Stefan Mohrdieck.

Auch Madsen erinnerte an den touristischen Aspekt des Museums:«Wir wollen den Tourismus auch fern der unmittelbaren Küstenlinie weiter ausbauen und Gäste das ganze Jahr über anlocken. Genau dafür brauchen wir solche Angebote.» Auch, wenn sich der Tourismus in Dithmarschen überwiegend auf die Küstenregion rund um Büsum konzentriere, habe das Museum rein theoretisch das Potenzial bis zu 600.000 Gäste im Jahr anzulocken, die im Umkreis von 30 Autominuten ihren Urlaub verbringen. «Das ist natürlich eine utopische Zahl, aber dass wir mit dem Neubau bis zu 20.000 Gäste pro Jahr anlocken, das halte ich für realistisch», so der Minister.

Das Dithmarscher Landesmuseum zählt zu den ältesten bürgerschaftlich gegründeten Museen in Deutschland und wurde 1896 erbaut. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble besteht aus der ehemaligen Gelehrtenschule von 1859, der Erweiterung von 1924 sowie der Erweiterung von 2023.

Station 3: Die Technische Fakultät der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Der Umzug in die neuen Labor- und Büroräume auf dem Ostufer-Campus der Uni ist abgeschlossen. Grund genug für eine feierliche Schlüsselübergabe durch die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) an das Zentrum für Vernetzte Sensorsysteme (ZEVS).

Beim ZEVS handelt es sich um einen Forschungsneubau mit 39 Laboren, in dem renommierte Arbeitsgruppen tätig werden können. Die bereits angelaufenen Projekte bilden die Grundlage, um den Standort in einen interdisziplinären Hub weiterzuentwickeln. Die Gesamtkosten für das ZEVS und das neue Gebäude belaufen sich auf 73,4 Millionen Euro. Rund 50 Millionen Euro davon stammen aus Mitteln des Landes, 23 Millionen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE).

Madsen betonte die Bedeutung der Neubauten: «Die Technische Fakultät ist stark mit den Unternehmen in Schleswig-Holstein vernetzt und greift immer wieder relevante Fragestellungen der lokalen Wirtschaft auf. Mit dem ZEVS ist nun ein Gebäude entstanden, dass diese Vernetzung nicht nur im Namen trägt. Es ist ein zentraler Anlaufpunkt für den Austausch zu und lösungsorientiertem Arbeiten an Fragestellungen zwischen Industrie und Forschung.»

Dem IfO-Geschäftsklimaindex zum Trotz: Aufbruchstimmung bei der IHK zu Kiel

Für Claus Ruhe Madsen war es fast wie ein kleines Heimspiel: Als ehemaliger Präsident der IHK zu Rostock traf der ehemalige Unternehmer und heutige Wirtschaftsminister am Nachmittag an der Fachhochschule Kiel auf die Vollversammlung der IHK zu Kiel. Berufsoptimisten unter sich, könnte man sagen – und das an einem Tag, an dem die Kompassnadel des Ifo-Geschäftsklimaindex zum fünften Mal in Folge nach Süden zeigte.

Impulse seitens der Vollversammlungsmitglieder gab es dabei reichlich: Zum Beispiel zur Frage, wie ein Wirtschaftsminister sich beim Innenministerium dafür einsetzen muss, damit aus dem Landesentwicklungsplan Regionalpläne abgeleitet werden, die die Entstehung und Ausweitung von Gewerbegebieten fördern. Und was es braucht, damit Gutes Recht zu weniger Bürokratie führt.

Madsen musste von diesen Forderungen nicht überzeugt werden – im Gegenteil: «Vorschriften im Steuer-, Umwelt-, Sozialversicherungs- oder Baurecht verursachen in Gänze einen enormen Aufwand und rauben unseren Betrieben kostbare Zeit der Geschäftsführung. Bürokratie kostet Zeit und richtig viel Geld», betonte der Minister. Der sich als Unternehmer und IHK-Präsident a.D. bei seinem Besuch in der Vollversammlung wie im «eigenen Wohnzimmer» fühlte.

Was bei aller Übereinstimmung in der Situationsanalyse bleibt: Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem . Madsen berichtete dazu aus seinem Politik-Alltag und warb für Mut und eine gemeinsame Anstrengung, denn keiner kann die notwendigen Veränderung alleine umsetzen – auch kein Minister. Für mehr gegenseitige Unterstützung werden die Gespräche zwischen dem Wirtschaftsministerium WiMi und der IHK intensiviert.

Gastgeber Prof. Dr. Björn Christensen von der FH Kiel konnte zu den Irrungen und Wirrungen der Vorgaben ein weiteres Beispiel nennen. Trotz des Hinweises auf den Fachkräftemangel wurde 2007 der Studiengang des Bauingenieurswesens geschlossen. Um ihn dann unter Hochdruck 2017 wieder aufzubauen.

Präsentiert und diskutiert wurde im Anschluss noch zu folgenden Themen: Aktuelle Wirtschafts- und Verkehrspolitik, Status unserer Kampagne „A20 – Das wird gut“, die Positionierung zu den sog. „Ewigkeitsstoffen“ (PFAS) sowie die Resolution zur Speicherung von CO2 (CCU/CCS).

Gegen bürokratische Fesseln: IfW-Chef Schularick im Schulterschluss mit Madsen

Der neue IfW-Präsident Prof. Dr. Moritz Schularick im Gespräch mit Minister Madsen

Zwei Männer – ein Gedanke: Ginge es nach IfW-Präsident Moritz Schularick und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen, dann würden beide lieber heute als morgen den Staat entfesseln. Oder etwas milder ausgedrückt: vom Dickicht an Bürokratie befreien. Denn, so der neue Chef des „Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW): «Deutschland leidet unter einer Prüf-Mentalität, in der alles, was nicht explizit erlaubt ist, verboten ist.» Und auch Madsen konnte beim heutigen ersten Treffen mit dem Top-Ökonomen eine ganze Batterie an Vorschriften auflisten, die insbesondere den Mittelstand immer stärker in Nachweis- und Dokumentationspflichten einmauern. Aktuell bereitet Madsen dagegen eine Bundesratsinitiative vor, um zumindest Schlimmeres zu verhindern.

Um beim Thema Bürokratieabbau im Dialog zu bleiben, vereinbarten Schularick und Madsen einen regelmäßigen Austausch – zudem möchte der Minister Mitglied des Ifw-Netzwerks „nordwärts“ werden.

Schularick ist nicht nur als Finanzmarkt-Experte international renommiert, er hatte während der Corona-Pandemie das Buch „Der entzauberte Staat“ veröffentlicht, in dem er der Regierung und der Bürokratie ein zu zögerliches und risikoarmes Handeln attestiert. Damit sei Deutschland auch schlecht gewappnet für Großherausforderungen wie etwa den Klimawandel. «Wir diskutieren zu rückwärtsgewandt über das, was wir hatten und gern behalten möchten statt über das, was wir wirklich brauchen«, sagte Schularick auch im Gespräch mit Madsen.

Einig waren sich beide in noch einem weiteren Punkt: Genau JETZT sei angesichts eines hohen Beschäftigungsstandes und eines robusten Arbeitsmarktes der richtige Moment, den notwendigen Strukturwandel in Deutschland zu stemmen. Madsen: «Insbesondere für den ökologischen Umbau braucht es einen risikofreudigen und steuernden Staat.»  

Madsen: SH-Wirtschaftsleistung besser als im Bund – gute Noten bei Standortumfrage

Schleswig-Holstein hat im ersten Halbjahr 2023 beim preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) eine Stagnation im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet. Damit hat das nördlichste Bundesland im Vergleich der Wirtschaftsleistung besser abgeschnitten als Deutschland insgesamt, das ein Minus von 0,3 Prozent verzeichnet. Analog zur Bundesebene stieg auch in Schleswig-Holstein die preisbereinigte Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Dienstleistungsbereich leicht an. Das Baugewerbe hingegen verzeichnet einen leichten realen Rückgang, was ebenfalls der Bundesentwicklung entspricht.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sah heute im Landtag durchaus Grund zu Optimismus: So wurde der Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein in diesem Jahr von 1.681 Unternehmen in der IHK-Standortumfrage mit der Note 2,26 benotet. «Und das deckt sich absolut mit meinen Erfahrungen aus Betriebsbesuchen», sagte Madsen. Das vom Bund aufgelegte Wachstums-Chancen-Gesetz gehe zudem in weiten Teilen in die richtige Richtung, so der Minister.

Hier seine Landtagsrede in voller Länge:

Madsen: Rendsburger Tunnel-Staus durch Höhenkontrollen ab Mitte 2024 vorbei

Die durch falsches Auslösen der Höhenkontrollen oft von Lkw verursachten Staus vor dem Rendsburger Kanaltunnel sollen ab Mitte kommenden Jahres vorbei sein. Das Land wird Lkw-Exit-Flächen einrichten. Minister Madsen appelliert aber auch an Lkw-Fahrer

Madsen mit LBV.SH-Direktor Torsten Conradt

Wie Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und der Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH), Torsten Conradt, heute in Kiel erläuterten, laufen derzeit die Vorbereitungen zur Herstellung von asphaltierten Lkw-Exit-Flächen am Tunnel. Auf diese Weise können Lastwagen unkompliziert aus dem Verkehr gezogen werden und wenden. „Wir greifen damit einen bereits 2018 mit Bund, Kreis und LBV.SH diskutierten Vorschlag der Landespolizei auf“, sagte Madsen. Die bis April für den Kanaltunnel zuständige Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hatte den Plan für die Dauer der mehrjährigen Sanierung beider Tunnelröhren zurückgestellt. Rendsburgs Landrat Schwemer hatte den Vorschlag vor wenigen Tagen noch einmal durch einen offenen Brief ins Spiel gebracht.

Madsen erläutert hier die Einzelheiten…

Nach den Worten von LBV.SH-Direktor Torsten Conradt werden die identifizierten Flächen in den Zufahrten zum Tunnel (siehe Skizzen unten) derzeit unter dem Aspekt naturschutz- und wasserrechtlicher Fragen geprüft. „Zudem befinden wir uns in der Abstimmung mit dem Amt für Planfeststellung Verkehr, um auch planerische Fragen zu klären“, so Conradt.

Nach derzeitigem Stand soll laut Conradt bis Anfang kommenden Jahres ein konkreter Bauplan vorliegen, der dann mit den so genannten Trägern öffentlicher Belange abgestimmt wird. „Und sobald die planungsrechtliche Absicherung vorliegt, könnte mit der Ausschreibung begonnen und die bauliche Umsetzung bis Mitte 2024 erfolgen“, sagt Conradt. Die Kosten für die Erstellung der rund 1500 Quadratmeter großen Flächen liegen bei rund 250.000 Euro – die Bauzeit wird mit sechs Wochen veranschlagt.

Tunnel-Zufahrt auf der Südseite des Nord-Ostsee-Kanals

Madsen erinnerte in dem Zusammenhang an das von Rendsburg im Frühjahr erfolglos beim Bund beantragte Förder-Projekt „Smover“, mit dem vor allem für die Kanalquerungen in der Region ein intelligentes Leitsystem eingerichtet werden sollte. „Wir werden auch ohne die erhoffte Bundesförderung mit unserem LBV.SH auf die Region zugehen“, so Madsen. In dem Förderantrag hatte die Rendsburger Entwicklungsagentur darauf hingewiesen, dass der Nord-Ostsee-Kanal mit seinen vereinzelten Querungsmöglichkeiten Kanaltunnel, Rader Hochbrücke, Fähre Nobiskrug, Rendsburger Eisenbahnhochbrücke mit Schwebefähre, Fußgängertunnel sowie den Fähren Breiholz und Sehestedt eine erhebliche Barrierewirkung habe. „Aufgrund der Sanierung der Rader Hochbrücke bis 2027, den technischen Problemen mit der neuen Schwebefähre und der Höhenkontrolle im Kanaltunnel entsteht ein Engpass, an dem es regelmäßig zu Verkehrsstörungen kommt“, hieß im Antrag.

Kieler Konferenz für mehr objektive und subjektive Sicherheit im Bahnverkehr

Bei einer NAH.SH-Sicherheitskonferenz haben sich heute 50 Fachleute darüber ausgetauscht, wie das Reisen in der Bahn und im öffentlichen Verkehr insgesamt angenehmer und das Sicherheitsgefühl verbessert werden können. Neben zusätzlichen technischen Ausstattungen wie weiteren Kameras und Bodycams für Zugbegleiter*innen soll vor allem zusätzliches Personal eingesetzt werden.

Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen: „Es ist wichtig, dass sich die Menschen in den Zügen gut aufgehoben und sicher fühlen. Nur so kann die Verkehrswende gelingen. Zusätzliche Kameras werden einen Beitrag dazu leisten, vor allem aber wollen wir mehr Ansprechpartner*innen in die Züge bekommen. Dafür werden wir im Jahr einen zusätzlichen siebenstelligen Betrag aufwenden. Das ist gut investiertes Geld.“

Im Vorfeld der Konferenz hatten in den vergangenen Monaten Fachleute in drei Arbeitsgruppen Vorschläge entwickelt, was der Nahverkehr insgesamt für das Wohl- und Sicherheitsempfinden der Fahrgäste unternehmen kann. Betrachtet wurden dabei Maßnahmen in den Fahrzeugen und an den Bahnstationen, aber auch in deren Umfeld und im Busverkehr.

Innenstaatssekretärin Magdalena Finke: „Ich danke allen Beteiligten für die gute und konstruktive Zusammenarbeit bei dieser Konferenz. Wir müssen auf unterschiedlichen Ebenen agieren, um bei uns im Land und bundesweit für mehr Sicherheit im Bus- und Bahnverkehr zu sorgen und um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Deshalb hat sich auf unsere Initiative hin die Innenministerkonferenz dafür ausgesprochen, bundesweite Waffenverbotszonen in Zügen und Bahnhöfen zu prüfen. Auch die Videoaufzeichnung in Zügen des Regional- und Fernverkehrs sowie die Videoüberwachung in und an Bahnhöfen soll dort, wo es erforderlich ist, zum Regelfall werden.“

Die vereinbarten Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Außerdem sollen weitere Ideen entwickelt und geprüft werden. Die Teilnehmer*innen haben außerdem vereinbart, einen regelmäßig tagenden „Runden Tisch“ bei NAH.SH einzurichten.

NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck: „Es ist gut, dass der begonnene Prozess nun weitergeht und dass wir alle Aspekte eines besseren Nahverkehrs betrachten werden. Wir haben hier ein Thema, das deutlich über Züge und Bahnhöfe hinausgeht. Und damit meine ich nicht nur, dass wir auch im Busverkehr etwas machen wollen – wir wollen uns die gesamte Reisekette von Haustür zu Haustür anschauen.“

Alle Informationen zum Nahverkehr im echten Norden gibt es unter: www.nah.sh

Madsen bei Maritimer Konferenz: Munitions-Bergung entschlossen anpacken

Maritime Sicherheit stand am zweiten Tag der Nationalen Maritimen Konferenz im Fokus. Verkehrsminister Madsen warb für einen entschlosseneren Umgang mit Munitionsresten im Meer. Aber auch über die Finanzierung der Seehäfen wurde weiter diskutiert.

Madsen mit dem Maritimen Koordinator der Bundesregierung, Dieter Janecek (links) und dem Bundesbeauftragten für Meeresschutz, Sebastian Unger (rechts)

Die maritime Branche hat am zweiten Tag der Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) appelliert, die Sicherheit auf See und die Zukunft der Häfen in Deutschland zu stärken. «Die Angriffe auf die Nord-Stream-Pipelines, die Gefährdung wichtiger Seewege am Schwarzen Meer durch treibende Minen, aber auch die Blockade ukrainischer Getreidehäfen – all dies hat gezeigt, wie verwundbar unsere Versorgungssicherheit ist und auch, wie unsere Gegner die regelbasierte Ordnung ins Visier nehmen», warnte heute Siemtje Möller, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesverteidigungsministerium.

Ein weiterer Aspekt maritimer Sicherheit sei die Entschärfung von 1,6 Millionen Tonnen Munition, die im Zuge der Weltkriege am Meeresboden der Nord- und Ostsee versenkt wurden, betonte Sebastian Unger, Meeresbeauftragte der Bundesregierung. Nach all den Jahrzehnten roste die Munition durch und giftige Stoffe treten in die Meeresumwelt aus. «Mit diesem Wissen will ja keiner mehr ins Wasser steigen», sagte Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). «Würde das bei uns auf den Straßen rumliegen, ich glaube, wir würden nicht jahrelang diskutieren, ob wir das wegräumen.» Bis 2025 investiere die Bundesregierung rund 100 Millionen Euro, wichtig sei aber auch danach ein Schulterschluss von Bund und Ländern für Planungssicherheit und weitere Investitionen.

Madsen verwies in dem Zusammenhang auch noch einmal auf das riesige know how schleswig-holsteinischer Werften und wissenschaftlicher Einrichtungen beim Thema Munitionsbergung. Allein in deutschen Ostseegebieten lägen rund 300.000 Tonnen an rostender Kriegsmunition. «Wir sollten also so schnell wie möglich anfangen, diese Munition zu bergen. Das ist auch für die Industrie interessant», sagts Madsen.

Über Geld wurde auch am zweiten Tag der Konferenz debattiert. Nach Madsen zeigte sich heute auch die Bremer Hafensenatorin vom Auftreten der Bundesregierung enttäuscht. «Ich war gestern nach der Eröffnung etwas ernüchtert», so Kristina Vogt. Sie kündigte an, weiter an den Forderungen der Küstenländer nach rund 400 Millionen Euro jährlich festhalten zu wollen. Bisher beteiligt sich der Bund mit 38,3 Millionen Euro pro Jahr, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte den Ländern zum Auftakt der Konferenz keine weiteren konkreten Zusicherungen gemacht.

DB-Generalplan: SH-Staatssekretär vermisst die Strecke Hamburg-Flensburg

Nicht auf der DB-Liste der geplanten Generalsanierungen bis 2030: Die Strecke Hamburg-Padborg, hier Höhe Flensburg

Die heute von Bund und Deutscher Bahn vorgelegte Liste von 40 Streckenabschnitten, die bis 2030 generalsaniert werden sollen, ist auch Sicht der schleswig-holsteinischen Landesregierung unvollständig: «Wir freuen uns sehr über die Aufnahme der 61 Kilometer langen Strecke zwischen Hamburg und Lübeck, vermissen aber die ebenso grundlegend sanierungsbedürftige Strecke Hamburg-Padborg in dem Arbeitsprogramm», sagte Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide. Zusammen mit Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen werde er das beim Bund weiter einfordern.

Weiter sagte der CDU-Politiker – Audio starten, Bild klicken…

Die Strecke Lübeck-Hamburg, die bis 2027 saniert werden soll, ist eine der meistgenutzten in Norddeutschland. Regionalzüge im Halbstundentakt befördern täglich zehntausende Pendlerinnen und Pendler zwischen den beiden Hansestädten. Gleichzeitig ist die Strecke Teil des Güterverkehrskorridors von Skandinavien bis ans Mittelmeer. Eine leistungsfähige Infrastruktur sei auch mit Blick auf die künftige feste Fehmarnbelt-Querung von zentraler Bedeutung, so die DB AG. Im Rahmen der Generalsanierung erfolgt die Sanierung von Weichen, Gleisen und der Leit- und Sicherungstechnik. Darüber hinaus ist auch die Aufwertung von mehreren Bahnhöfen geplant.

Doch bis alle 40 geplanten Sanierungen im Bund geschafft ist, müssen Reisende mit monatelangen Sperrungen und weiten Umleitungen rechnen. Ziel ist ein deutlich zuverlässigerer Bahnverkehr für Fahrgäste und Güter. «Jetzt wissen wir, in welcher Reihenfolge das Ganze funktionieren wird», sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing heute auf einem „Schienengipfel“ in Frankfurt. Dort stellten er und die Bahn den konkreten Zeitplan vor.