Chefsessel frei: Buchholz und IHK-Experten machen Nachfolgern und Nachfolgerinnen Mut

KN
Die KN von heute berichten im Wirtschaftsteil ausführlich über den gestrigen Aktionstag

Rund 5.400 Unternehmen in Schleswig-Holstein werden in den nächsten Jahren vor der Frage stehen, ob und wer ihre Geschäfte fortführt. Diese Frage betrifft nicht nur die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst, sondern auch die Beschäftigten oder die Kommunen. Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel Grund genug, mit einem „Tag der Nachfolge“ zum wichtigen Thema wachzurütteln. Denn: Viele Geschäftsführende unterschätzen, wie intensiv und langwierig sich die Managementaufgabe darstellen kann.

Schirmherr der Veranstaltungs ist Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, er sagte (Audio starten – im Browser anhören):

Der Tag der Nachfolge am gestrigen Montag lieferte passgenaue Antworten, wie die strategische Aufgabe gelingen kann. In Fachvorträgen boten Experten Hilfestellungen, Nachfolgeberater diskutierten mit Teilnehmern in kleinen Runden Themen und individuelle Fragen rund um die Nachfolge. Buchholz: „Es geht vor allem darum, Mittelstandsunternehmen samt zugehöriger Arbeitsplätze und Know-how im Land zu halten. Denn immer dort, wo sich kein geborener Nachfolger findet, ist die Gefahr groß, dass ein Betrieb von Investoren aufgekauft, zur verlängerten Werkbank degradiert oder sukzessive ausgehöhlt wird.“

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Erfolgreiche Unternehmens-Nachfolgerinnen in Lübeck: Buchholz mit Claudia Brömel (rechts) und Anja Fromm vor ihrer Firma Hörakustik

Der Report zur Unternehmensnachfolge 2018 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zeigt, dass die Sorgen des Mittelstands um die Nachfolge wachsen.  So hatte zum Zeitpunkt der Beratung durch die IHK-Experten jeder zweite befragte Senior-Unternehmer (47 Prozent) noch keinen Nachfolger in Sicht und sogar 70 Prozent der potenziellen Übernehmer noch nicht den richtigen Chefsessel gefunden. Die Umfrage verdeutlicht, dass ungeklärte Fragen bei der Anwendung des neuen Erbschaftsteuerrechts weiter für Verunsicherung sorgen. Entmutigend wirken auch der Fachkräftemangel und die Bürokratie. Eine weitere Hürde liegt in den emotionalen Schwierigkeiten, die 36 Prozent der Chefs damit haben, ihr Lebenswerk loszulassen.

Ein Unternehmer, der diese Herausforderungen kennt, ist Olaf Dähmlow, Geschäftsführer der Fr. Dähmlow GmbH & Co. KG aus Neumünster. Er hat vor fünfzehn Jahren den Schritt in die familieninterne Nachfolge gewagt. „Einfach war es nicht, und den Erfolg verdanke ich ganz wesentlich meinem Steuerberater und seiner absoluten Ehrlichkeit“, berichtet Dähmlow. Sich rechtzeitig die richtige Hilfe der Fachleute zu holen, das empfiehlt er heute. Im Rückblick hätte er jedoch gern mehr Zeit gehabt, um die verschiedenen Möglichkeiten im Nachfolgeprozess gegeneinander abwägen zu können.

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Buchholz mit Julia Körner von der IHK zu Kiel

„Erfolgreiche Unternehmensnachfolgen sind essenziell für die positive Entwicklung unseres Landes“, sagt  Dr. Julia Körner, Geschäftsbereichsleiterin Existenzgründung und Unternehmensförderung der IHK zu Kiel. Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer sei die Nachfolge aber nach wie vor ein unangenehmes Thema, das sie lieber aufschieben. Das sei aber ein Irrweg. „Gerade die Antworten auf rechtliche und steuerliche Fragen benötigten in vielen Fällen zeitlichen Vorlauf“, betont die IHK-Expertin.

Einen geboren Nachfolger oder eine geborene Nachfolgerin gebe es häufig nicht, erläutert Olaf Rosenbaum von der Kanzlei Rosenbaum – Steuerberater, Wirtschafts- u. Unternehmensberatung aus Kiel. Daher sei es wichtig, rechtzeitig die Möglichkeiten zu erkennen und zu gestalten: „Eine Übergabe innerhalb der Familie kann für ein Unternehmen eine Option darstellen, die Fortführung durch leitende Angestellte eine andere oder aber auch ein Verkauf an einen Unternehmensfremden“, sagt der Unternehmensberater. Eine Herausforderung: Einen objektiven Unternehmenswert gibt es in der Praxis nicht. Senior-Chefs und Interessenten hätten dazu oft stark abweichende Sichtweisen.

Wirtschaftsminister Buchholz appelliert vor allem an Schulabsolventen, sich genau zu überlegen, ob sie studieren oder vielleicht eine duale Ausbildung anstreben sollten: „Der Weg über den Gesellen zum Fachwirt oder Meister und schließlich zum Unternehmensnachfolger oder zur Unternehmensnachfolgerin kann mindestens so attraktiv und wirtschaftlich noch interessanter sein als eine akademische Laufbahn.“

In einem sind sich die Experten einig und appellieren an Unternehmerinnen und Unternehmer genauso wie an Interessierte: „Nicht zagen, nicht zögern – einfach machen!“

Herbstprognose: Der Arbeitsmarkt im echten Norden bleibt auch 2020 in Bestform

Auch wenn jüngste Meldungen über den Abbau von Arbeitsplätzen bei großen Unternehmen in Schleswig-Holstein für Ärger und Verunsicherung sorgen – die Zukunftsaussichten bleiben positiv: „Wir können auch 2020 einen Rückgang bei der Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein erwarten, der zudem über dem Bundesdurchschnitt liegt“, kommentierte heute Arbeits- und Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz die aktuelle Herbstprognose des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Zahl der Beschäftigten soll demnach ebenfalls weiter steigen.

„Bei allen Unsicherheiten in den Prognosen, haben wir in Schleswig-Holstein starke Branchen, etwa den Gesundheits- und Pflegebereich, die von der wirtschaftlichen Entwicklung grundsätzlich wenig betroffen und damit krisenfeste Arbeitsplätze sind“, so der Minister. Aktuell sind im echten Norden mehr als ein Drittel aller Beschäftigten in den Branchen: Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht, öffentliche Verwaltung sowie im Dienstleistungsbereich tätig.

Nach den heute vorgelegten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ging die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein im September einmal mehr deutlich zurück und liegt aktuell bei 76.300. Besonders erfreulich sei der Rückgang der Zahl der arbeitslosen jungen Menschen und Langzeitarbeitslosen. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,8 Prozent.

Mit Blick auf das begonnene Ausbildungsjahr und alle Jugendlichen, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, appellierte Buchholz an Bewerberinnen und Bewerber wie an Betriebsinhaber: „Angesichts regionaler Fachkräfteengpässe sollten keinerlei Potenziale für eine Ausbildung ungenutzt bleiben.“  Die Landesregierung unterstütze dabei nach Kräften und fördere beispielsweise mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) unter anderem die „Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU)“ im Handwerk.

Buchholz appelliert an alle Autofahrer: Licht kostenlos überprüfen lassen

Auto im Nebel nachts auf einer Landstraße bei Breklum

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit liegt das Augenmerk bei Verkehrskontrollen auf der Beleuchtung der Fahrzeuge – die Blender werden aus dem Verkehr gezogen. Wer sichergehen will, dass sein Fahrzeug im einwandfreien Zustand ist, sollte also vorher Scheinwerfer und Co. beim Licht-Test in einem Mitgliedsbetrieb der Kfz-Innungen überprüfen lassen.

Der diesjährige Licht-Test-Aktion wurde heute in Kiel von Verkehrsminister Bernd Buchholz eröffnet. Mit dabei waren Michael Ihle (Landespressesprecher Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein), Elisabeth Pier (Geschäftsführerin Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein), Jan-Nikolas Sontag (Geschäftsführer Verband des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein) und Uwe Thöming (Landespolizeiamt).

Buchholz sagte dazu heute – Audio starten – im Browser anhören:

Warum der Licht-Test heute noch von so großer Bedeutung ist, erklärt der Verkehrsprofi Uwe Thöming: „Im Morgengrauen, genauso wie am frühen Abend haben wir ein erhöhtes Verkehrsaufkommen – und in der Dunkelheit bzw. Dämmerung ereignen sich mehr Unfälle. Die Verkehrssicherheit jedes einzelnen könnte enorm gesteigert werden, wenn es weniger „Blender und Einäugige“ auf den Straßen gäbe.“ Da hilft der jährliche kostenlose Licht-Test. Die Bilanz aus dem vergangenen Jahr gibt allerdings für Schleswig-Holstein noch keine Entwarnung: fast 40 Prozent der Fahrzeuge hatten Mängel an der Lichtanlage, so waren beispielsweise bei fast jedem dritten Fahrzeug die Hauptscheinwerfer defekt.

„Das lässt sich oft schnell (und kostenlos) beheben,“ weiß Michael Ihle, „nur wenn Ersatzteile eingebaut oder umfangreiche Einstellarbeiten notwendig sind, fallen Kosten an.“ Insofern ist mit wenig Aufwand ein enorm großer Effekt für die Sicherheit auf den herbstlichen Straßen erreicht. Ein guter Grund, warum Verkehrsminister Buchholz gerne der Aktion den Rücken stärkt: „Trotz allen technischen Fortschritts ist leider kein Trend zur Besserung der Mängelquote erkennbar. Die Aktion Licht-Test hilft, die Notwendigkeit  einer einwandfreien Fahrzeugbeleuchtung in Erinnerung zu rufen. Jeder sollte sich klar machen, dass das im Zweifel sogar lebensnotwendig sein kann. .“ so Buchholz. Mit großen Bannern an Autobahnbrücken wird zusätzlich auf die Verkehrssicherheitsaktion aufmerksam gemacht.

Damit Autofahrer sicher unterwegs sind, sollten sie ihr Licht am Auto checken lassen – auch an Kleinlastern und Nutzfahrzeugen! Vom 1. bis 31. Oktober ist der Licht-Test kostenlos in allen Meisterbetrieben der Kfz-Innungen in ganz Schleswig-Holstein.

Alles fertig: Der Verkehr Richtung Kiel rollt zum Tag der Deutschen Einheit reibungslos

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Die letzte Absperrung fällt: Buchholz, Kiels OB Kämpfer  und Gerhard Rühmkorf aus dem Bundesverkehrsministerium räumen die letzte Bake weg – oben (großes Bild) auch der Kieler Ex-Oberbürgermeister und Ex-Ministerpräsident Torsten Albig, der an der Feier teilnahm

Pünktlich vor der Anreise-Welle zum Tag der Deutschen Einheit sind zwei Großbaustellen vor den Toren Kiels Geschichte: Nachdem vergangene Woche der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) den gesamten Lärmschutz rund um die Anschluss-Stelle Kiel West fertig stellen konnte, wurde heute die erweiterte Anschlussstelle Kiel-Mitte Richtung Citty-Park an der A 215 freigegeben. Verkehrsminister Bernd Buchholz, Gerhard Rühmkorf vom Bundesverkehrsministerium und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer gaben die angepasste Anschlussstelle gemeinsam frei.

In knapp drei Jahren und mit Gesamtkosten von 22,276 Millionen Euro wurden neue Verbindungen von und zur Autobahn, eine Brücke über die A 215 und Anschlussstraßen am Citti-Park gebaut. Der Spatenstich erfolgte am 12. Dezember 2016. Die Baukosten wurden von Bund und Land bezuschusst.

Im Gespräch mit Andreas Otto von RSH sagte Buchholz weiter (Audio starten – „im Browser anhören“

Als besonders erfreulich bezeichnete Buchholz, dass auch der 1,5 Kilometer lange  Lärmschutz rund um die Anschluss-Stelle Kiel-West fertig geworden ist.  „Hier fahren täglich fast 70.000 Fahrzeuge, und wir sind froh, den Menschen in der Umgebung nun eine deutliche Lärm-Entlastung bieten zu können“, sagte er.  Alles in allem wurden für rund zehn Millionen Euro knapp 600 Meter Lärmschutzwand mit bis zu sechs Metern Höhe errichtet und auf knapp einem Kilometer so genannter Flüster-Asphalt verlegt.

Die neuen kurzen Wege für Autofahrer sollen den Verkehr auf Kieler Straßen deutlich verringern: im südlichen Westring um bis zu 10.000 Kfz am Tag und im östlichen Mühlendamm um bis zu 5000. Für den ersten Abschnitt der A 215 zwischen Westring und Anschlussstelle Kiel-Mitte wird mit etwa 8.000 Fahrzeugen weniger pro Tag gerechnet. Zudem konnte die Landeshauptstadt Kiel im Zuge der Arbeiten den Premiumradweg Veloroute 10 über die Autobahn hinaus verlängern.

Wie Kämpfer sagte, wurden auf engem Raum am Ende der Autobahn 215 die Verkehre von Autobahn sowie Bundes-, Land-, Kreis- und Stadtstraßen gebündelt und verteilt. „Gerade zu Stoßzeiten werden der Westring und der Mühlendamm deutlich entlastet. Großartig ist auch, dass die Veloroute 10 jetzt von Hassee bis zur Universität und zum Holsteinstadion reicht“, so Kämpfer. Er  lobte zudem das städtische Tiefbauamt, das eher selten im Autobahnbau aktiv ist. „Diese Riesenaufgabe wurde hervorragend gemeistert. Gleichzeitig haben die städtischen Straßenbauer ja auch noch diverse Kieler Straßen saniert und asphaltiert“, sagte Kämpfer.

Einen Eindruck der Bauausmaße vermitteln diese Zahlen: 100.000 Kubikmeter Boden wurden bewegt und 50.000 Quadratmeter Straße wurden asphaltiert. 100.000 Tonnen Füllkies, 10.000 Tonnen Schottertragschichten, 3.300 Kubikmeter Beton, 825 Tonnen Spundwandstahl und 475 Tonnen Bewehrungsstahl wurden verbaut. Fünf neue Verkehrszeichenbrücken weisen den Weg, 3.950 Meter Schutzplanken sichern die Fahrbahnen, auf denen 7.700 Meter neue Markierung aufgebracht wurden. Unter der Autobahn liegen außerdem 5000 Meter neue Kanalrohre. Das Tiefbauamt schätzt, dass alle anliefernden Lkw hintereinander aufgestellt eine Strecke von rund 250 Kilometern ergeben hätten.

Hier der Live-Mitschnitt der Rede von Buchholz anlässlich der Freigabe:

 

Fachkräftemangel: Buchholz lobt Bereitschaft von Betrieben, Geflüchtete zu beschäftigen 

Die Zahl der Flüchtlinge, die in Schleswig-Holstein eine Arbeit aufgenommen haben, ist deutlich gestiegen. Bis Ende vergangenen Jahres kamen fast 13 000 Menschen aus den wichtigsten acht Asylherkunftsländern in Beschäftigung. Nach Angaben von Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP) hätten davon fast 10 000 Frauen und Männer eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen aufgenommen. Bei diesen sei das eine Steigerung zum Vorjahr von fast 50 Prozent.
Wie Buchholz im Gespräch mit dem „Flensburger Tageblatt“ (Sonnabendausgabe) weiter sagte, stelle er in Unternehmen nach wie vor eine große Bereitschaft fest, Flüchtlinge zu beschäftigen. Die positive Entwicklung habe sich in diesem Jahr fortgesetzt. Bis August seien rund 3400 Geflüchtete in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt worden. Alles deute darauf hin, dass das gute Vorjahresergebnis noch deutlich übertroffen werden wird. 

Buchholz zufolge steigt aber auch die Zahl von arbeitslosen Geflüchteten. Derzeit seien es über 8000. Ohne ausreichendes Deutschkenntnisse könne Integration nicht gelingen. Dafür gebe es ein breites Sprachförderangebot von Bund und Land. (Siehe auch Bericht über Logistik-Projekt von Land, DRK und UVL) Es könne aber dauern, bis die deutsche Sprache hinreichend beherrscht wird. Aktuell seien fast 6000 Geflüchtete in solchen Sprach- und Integrationskursen. Flüchtlinge könnten Fachkräfte von übermorgen sein, wenn sie gut qualifiziert und weitergebildet werden.

Fast so stark wie Bayern? Fast! Denn es gibt für die Wirtschaft noch eine Menge zu tun

„Fast so stark wie Bayern“, titelten diese Woche die „Kieler Nachrichten“ auf ihrer Wirtschaftsseite – und dürften damit bei so manchem Leser ungläubiges Staunen ausgelöst haben. Doch die freundliche Zuspitzung hat einen harten Fakten-Kern: In der Tat lag Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr zum ersten Mal seit langer Zeit auf Rang 4 im Vergleich der Wirtschaftsleistungen aller Bundesländer. Denn im echten Norden erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt, also der Wert aller erzeugten Güter und Dienstleistungen, um real 0,9 Prozent. Deutschland insgesamt kam nur auf ein Plus von 0,4 Prozent. Für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz verständlicherweise seine „Meldung der Woche“ – auch, wenn es noch eine Menge zu tun gibt. (Video starten)

 

Damit die Logistik auch in Zukunft brummt: Land, Verband und DRK starten Flüchtlings-Projekt

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Rohlfs (rechts) bei der Übergabe des Förderbescheids an Björn Prüß (2.v.r.), Jürgen Hoffmeister und DRK-Landesvorstandssprecherin Anette Langner

Schulterschluss von Land, Unternehmensverband Logistik (UVL) und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) zur Linderung des Fachkräftemangels in der Logistikbranche: DRK-Geschäftsführer Jürgen Hoffmeister, UVL-Vorstandsmitglied Bernd Moser und Arbeitsstaatssekretär Dr. Thilo Rohlfs gaben heute beim Kieler Agrarhandelsunternehmen HaGe Nord AG zusammen mit DRK-Vorstandssprecherin Anette Langner den Startschuss für ein zweijähriges Pilotprojekt zur beruflichen Integration von Geflüchteten. „Damit setzten wir heute zugleich einen symbolischen Schlusspunkt hinter die bundesweite Aktionswoche ,Menschen in Arbeit – Fachkräfte in den Regionen‘“, sagte Rohlfs. Ziel des schleswig-holsteinischen Projekts sei die Ausbildung junger Menschen in den Berufen der Logistikbranche – vom Berufskraftfahrer bis zur Fachkraft für Lagerlogistik oder Umzugsservice. In einer späteren Phase soll das Projekt auch auf andere Branchen ausgedehnt werden.

Rohlfs sagte im Gespräch mit Journalisten – Audio starten (im Browser anhören)

Das Land unterstützt das rund eine Million Euro teure Vorhaben mit 878.000 Euro, der UVL beteiligt sich mit rund fünf Prozent an den Kosten. Für die Landesförderung überreichte Rohlfs einen entsprechenden Förderbescheid an Björn Prühs vom „Mobilen Integrationsteam“ (MiT) der DRK Betreuungsdienste Region Kiel gGmbH. Das MiT vermittelt und begleitet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts. „Angesichts einer bis 2035 drohenden Lücke von bis zu 300.000 Fachkräften in Schleswig-Holstein sowie aktuell über 1.300 offenen Stellen in der schleswig-holsteinischen Verkehrs- und Logistikbranche ist dieser Vorstoß gut angelegtes Geld und ein wichtiger Baustein unserer Fachkräfte-Initiative Schleswig-Holstein, kurz FI.SH“, sagte Rohlfs. Das Projekt stehe allen Unternehmen der Logistikbranche offen, die sich in der Ausbildung von Flüchtlingen engagieren und zugleich ihrem Fachkräftemangel entgegenwirken wollen. Rohlfs dankte zugleich Dirk Westphal, Ausbildungsleiter der Hauptgenossenschaft Nord AG, für das Engagement innerhalb des Projekts.

Presse
v.l.: Bernd Moser (UVL), Anette Langner, Mostafa Sharifi, Jürgen Hoffmeister, Thilo Rohlfs und Björn Prüß während des Pressegesprächs bei der HaGe-Logistik in Schwentinental

Die Hauptgenossenschaft Nord, mit 1,8 Milliarden Euro Umsatz eines der größten Agrarhandelsunternehmen Deutschlands, beschäftigt einen der ersten Teilnehmer des Projekts: Der 25-jährige Mostafa Sharifi war vor vier Jahren allein nach Deutschland geflohen – ein Jahr später kamen seine Mutter und seine Schwester nach. Mit seiner Ausbildung tritt er nun nach eigenen Worten in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters. „Ohne die Unterstützung des DRK wäre ich das Risiko, einen Flüchtling einzustellen, der nur sechs Jahre in Kabul zur Schule gegangen ist, vermutlich nicht eingegangen“, sagte Westphal. Da die Kenntnisse für eine Ausbildung nicht ausreichten, habe das DRK Sharifi zunächst einen Deutsch- und Mathekurs bei einem Bildungsträger vermittelt. Das Deutsche Rote Kreuz wird ihm und dem Ausbildungsbetrieb nun auch in der gesamten Ausbildungszeit zur Seite stehen.

bleib„Für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt und das Verhindern von Ausbildungsabbrüchen setzen wir auf eine individuelle und flexible Betreuung. Dabei arbeiten wir eng mit der IHK, den Jobcentern sowie den Agenturen für Arbeit, den Ausländerbehörden, den Berufsschulen und allen relevanten Trägern in ganz Schleswig-Holstein zusammen“, so MiT-Leiter Prühs. Anette Langner, Sprecherin des Vorstandes des DRK-Landesverbandes, dankte dem Land für die hohe Förderung: „Damit wird unser Integrationsprojekt und die wichtige Arbeit im DRK-Kreisverband Kiel auf eine stabile finanzielle Grundlage gestellt.“

rz-nur fishStaatssekretär Rohlfs erinnerte daran, dass unter dem Dach der 2012 gegründeten Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein das Land, die Arbeitsagentur sowie Kammern und Sozialpartner unter Beteiligung der Wirtschaft einzelne Branchen beraten und unterstützen, die besonders vom Fachkräftemangel bedroht sind. „Teil des Logistik-Pilotprojektes ist daher auch, zu prüfen, ob sich dieses Modell auf andere Bereiche wie etwa die Pflege oder den Hotel- und Gaststättenbereich übertragen lässt“, so Rohlfs.

Hier der gesamte Mitschnitt des Pressegesprächs

 

Bundesrat stellt Weichen für Buchholz-Vorstoß zur Bahn-Elektrifizierung

Grünes Licht für den Vorstoß von Verkehrsminister Bernd Buchholz für eine rasche Elektrifizierungsoffensive im deutschen und ganz besonders im norddeutschen Bahnnetz: Der Verkehrsausschuss des Bundesrats hat die Initiative des Nord-Liberalen gestern einstimmig und fast unverändert übernommen. In ihrem Beschluss fordern die Länderminister ihren Bundeskollegen Andreas Scheuer auf, das von ihm bereits angekündigte Elektrifizierungsprogramm zügig umzusetzen – darüber berichtete das „Flensburger Tageblatt“. Zudem solle der Bund auch auf Regionalstrecken neue Oberleitungen komplett selbst bezahlen. 

Bisher tragen die Länder 40 Prozent. Schließlich verlangen die Minister, dass CSU-Politiker Scheuer in seinem Programm „den niedrigen Elektrifizierungsgrad bestimmter Bundesländer berücksichtigt“. Das ist vor allem ein Passus zugunsten Schleswig-Holsteins – denn nirgends gibt es so wenig Oberleitungen wie hier: Nur 29 Prozent der Gleise sind elektrifiziert. Im Bundesschnitt sind es 54. Buchholz freut sich daher über das Votum des Verkehrsausschusses: „Das ist ein wichtiger Schritt für die Verkehrswende im Norden.“

Ab 15. Dezember werden Züge zwischen Niebüll und Westerland auf mindestens 6 Wagen erweitert

Erleichterung für Pendler und andere Reisende auf der Marschbahn: Mit dem Fahrplanwechsel zum 15. Dezember werden alle Züge der Deutschen Bahn (DB) zur Hauptverkehrszeit zwischen Niebüll und Westerland mit mindestens sechs Wagen unterwegs sein. Dazu wird DB Regio zwei der bisherigen Vier-Wagen-Züge zu Sechs-Wagen-Zügen umbauen. Die Züge bieten dann künftig 500 statt heute 319 Sitzplätze. Das haben Verkehrsminister Bernd Buchholz und die landesweite Verkehrsgesellschaft NAH.SH jetzt beschlossen.

Zwei Vier-Wagen-Züge wird die DB allerdings weiter behalten, um zu nachfrageschwächeren Zeiten auf der Gesamtstrecke angemessene Kapazitäten anbieten zu können. Diese Züge dienen außerdem als Reserve. Mit der Umstellung wird ab dem Fahrplanwechsel an den Wochenenden ein Zwölf-Wagen-Zug eingesetzt. Nebeneffekt der Umstellung sei, dass weniger Rangierfahrten nötig werden. „Davon erwarten Buchholz und die NAH.SH eine positive Wirkung auf die Betriebsqualität.

„Es ist gut, dass DB Regio nun mehr Platz für die Pendler anbietet. Ich weiß, dass die Pendler lange darauf gewartet haben. Und auch ich wünsche mir, dass solche Prozesse künftig schneller laufen können“, sagt Buchholz. Das Land finanziere die zusätzlichen Kapazitäten mit einem mittleren sechsstelligen Betrag. „Natürlich können wir jeden Euro nur einmal ausgeben. Und natürlich wollen wir auch auf der Marschbahn keine ,heiße Luft‘ durch die Gegend fahren“, sagt der FDP-Politiker. „Hier war es aber wichtig, für die Pendler Verbesserungen zu erreichen. Auch wegen der besonderen Situation auf der Marschbahn ist das gut investiertes Geld.“ Das Land, NAH.SH und DB Regio hätten vereinbart, die Nachfrage weiter genau zu beobachten, um dann über mögliche Anpassungen zu entscheiden. 

Für Achim Bonnichsen ist das laut einem Bericht des Flensburger Tageblatts aber zu wenig: „Wir brauchen mindestens zwei Zwölf-Wagen-Züge in der Woche und noch einen mehr an den Wochenenden“, sagt der Sprecher der Pendlerinitiative. „Die Bahnsteige an der Strecke werden gerade verlängert, wofür brauchen wir die, wenn nicht auch eine größere Zahl an Zügen länger wird?“

Die Maßnahmen der Landes-Verkehrsgesellschaft NAH.SH begrüßt er zwar, sie seien aber seit zweieinhalb Jahren überfällig und ein „Tropfen auf den heißen Stein“. Die Pendler stünden in den Vier-Wagen-Zügen dicht an dicht gedrängt, sie bräuchten einfach mehr Platz. „Wir haben immer mehr Touristen und Arbeitsplätze auf Sylt, und immer mehr Leute pendeln – darauf muss die Bahn endlich mal eingehen.“

Buchholz: Neue IfW-Analyse stützt Industrie- und Ansiedlungspolitik der Landesregierungt

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Das IfW in Kiel veröffentlicht morgen eine Studie zur Standortpolitik in Schleswig-Holstein 
Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht sich angesichts einer Analyse  des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in seinem Kurs bestätigt, die Industriepolitik des Landes neu zu justieren und die StartUp-Szene noch stärker zu beleben. Nach einer Expertise der beiden IfW-Wissenschaftler Klaus Schrader und Claus-Friedrich Laaser weist die schleswig-holsteinische Wirtschaft nämlich Strukturschwächen auf, durch die das Land in Bundesländervergleichen nur auf den hinteren Plätzen landet. Dazu zählt, dass in den letzten knapp 20 Jahren gut bezahlte Stellen etwa im Verarbeitenden Gewerbe wegfielen und neue Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich vor allem im Niedriglohnsektor entstanden. Die Arbeitnehmerentgelte sind die niedrigsten aller westdeutschen Bundesländer inklusive Berlin und haben sich in den letzten Jahren sogar noch weiter vom Bundesdurchschnitt entfernt.

Ihre Analyse  „Schleswig-Holsteins Wirtschaft in Zeiten des Aufschwungs – eine Bestandsaufnahme“ veröffentlichen die beiden Autoren morgen in der Schriftenreihe „Kieler Beiträge zur Wirtschaftspolitik“

Schrader
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Laaser
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Die Autoren stellen darin fest, dass sich Schleswig-Holsteins Wirtschaft im Aufschwung der letzten Jahre zwar durchaus gut entwickelt habe. Im Nachkrisenzeitraum 2010 bis 2018 wuchs die Wirtschaft um 1,7 Prozent pro Jahr, die Arbeitslosigkeit erreichte 2018 mit 5,5 Prozent den niedrigsten Stand seit der deutschen Einheit und die Exportquote, also der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt, stieg von 12 Prozent im Jahr 1995 auf 22 Prozent im Jahr 2018. Während Schleswig-Holstein damit bei Wachstum und Arbeitslosigkeit nur leicht hinter dem Bundesdurchschnitt zurückblieb, stieg die Exportquote im Bund sogar auf 39 Prozent.

Buchholz sagte dazu – Audio starten („im Browser anhören“)

Aus Sicht von Schrader und Laaser ist es bedenklich, dass per Saldo auch in den Aufschwung-Jahren sehr produktive und gut bezahlte Jobs in der Industrie und in unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen verloren gingen. Das auch in Schleswig-Holstein überdurchschnittlich produktive Verarbeitende Gewerbe hat nur noch einen Anteil von 12 Prozent an der Erwerbstätigkeit und etwa 15 Prozent an der Bruttowertschöpfung des Landes. Dienstleistungsbereiche mit geringer Produktivität und schlechter Entlohnung, zu denen etwa auch tourismusnahe Bereiche gehören, dominieren die schleswig-holsteinischen Beschäftigungsstrukturen.

Hinzu kommt eine höhere Teilzeitquote als auf Bundesebene. Sie wuchs von 18 Prozent in den frühen 2000er Jahren auf nunmehr 31 Prozent an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Daher bezieht ein größerer Anteil der Beschäftigten nur ein relativ geringes Einkommen aus ihrer Arbeit und kann damit den Lebensunterhalt nicht vollständig bestreiten.

So berichtet der NDR 

„Die ungünstige sektorale Struktur der Beschäftigung mit einem relativ hohen Gewicht von Niedriglohnbranchen und das Defizit bei Vollzeitstellen führen dazu, dass die schleswig-holsteinischen Arbeitnehmerentgelte im Bundesländervergleich einen hinteren Platz einnehmen – nur die ostdeutschen Bundesländer stehen schlechter da“, so Schrader.

Damit erklärt sich auch, warum Schleswig-Holstein beim Pro-Kopf-Einkommen dem Bundesdurchschnitt hinterherhinkt und der Abstand in den letzten Jahren sogar weiter zugenommen hat. Schon zu Beginn der 2000er Jahre lag das Pro-Kopf-Einkommen nur bei etwas mehr als 89 Prozent des Bundesdurchschnitts. Bis zum Jahr 2018 schrumpfte es auf nur noch 82 Prozent. Am höchsten ist das Pro-Kopf-Einkommen in Hamburg, dort liegt es mit 160 Prozent des Bundesdurchschnitts praktisch doppelt so hoch wie in Schleswig-Holstein. „Die schwache industrielle Basis und vergleichsweise wenige gut bezahlte Dienstleistungsjobs reichen nicht aus, um in der Einkommenshierarchie der Bundesländer wieder nach oben zu klettern“, sagt Schrader.

Tabelle

„Die Analyse wirft Fragen für die Standortpolitik des Landes auf. Die Zahl der Startups und der internationalen Patentanmeldungen ist in Schleswig-Holstein vergleichsweise niedrig, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind unterdurchschnittlich, es gibt weniger Innovationen und der Anteil hochqualifizierten Personals in Industrie und unternehmensnahen Dienstleistungen ist deutlich niedriger als in anderen Bundesländern. An diesen Schwächen müssen entsprechende Initiativen ansetzen, um die Zahl attraktiver Arbeitsplätze im Land zu steigern und damit auch Anreize für den Verbleib gut ausgebildeter Fachkräfte und Akademiker in Schleswig-Holstein zu schaffen. Antworten auf die Frage, was andere Bundesländer besser machen, könnten bei einer Neuausrichtung der Standortpolitik hilfreich sein. Der Standort Schleswig-Holstein sollte auch stärker Synergien mit dem Nachbarn Hamburg entwickeln, die über den unmittelbaren Hamburger Rand hinausgehen.“

Buchholz erinnerte vor diesem Hintergrund daran, dass die jüngst vorgelegte OECD-Studie für die Metropolregion Hamburg (MRH) zu dem Ergebnis komme, dass die ganze MRH im Vergleich zu anderen Metropolregionen in Deutschland (und Europa) beim Thema Innovation recht weit zurück liege. „Darum sind die Anstrengungen der Landespolitik darauf gerichtet, beim Thema Innovation insgesamt aufzuholen“, so der Minister.

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus