SH-Tourismusbarometer steht auf „Sonne“ – Branche bleibt aber ehrgeizig

Der Tourismus boomt in Schleswig-Holstein – und das nicht mehr nur im Sommer. Für den Wettbewerb mit den Nachbarländern sieht sich das nördlichste Bundesland gut gewappnet. Doch die Branche bleibt ehrgeizig. Vor allem die Qualität soll weiter steigen.

Sylt_3Über dem Tourismus in Schleswig-Holstein scheint die Sonne. Mit kräftigen Zuwächsen auf Rekordwerte im Vorjahr und einem guten Start 2015 steuert das Land zwischen den Meeren wieder eine gute Sommersaison an. Doch von dieser allein hängt der Erfolg nicht mehr so stark ab wie jahrzehntelang in der Vergangenheit. «Schleswig-Holstein ist auf gutem Weg, zu einer Ganztagsdestination zu werden», sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer heute zum sogenannten Sparkassen-Tourismusbarometer für den Norden. «Wir haben den größten Zuwachs in den Monaten der Nebensaison.»

Die Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten hatten 2014 die Zahl ihrer Übernachtungsgäste um nahezu sieben Prozent auf die Rekordmarke von fast 6,8 Millionen erhöht und die der Übernachtungen auf 26,35 Millionen. In den ersten beiden Monaten 2015 gab es weitere kräftige Zuwächse. Dabei soll es nicht bleiben: 30 Millionen Übernachtungen, 30 Prozent mehr Bruttoumsatz und Platz 3 unter den Ländern bei der Gästezufriedenheit nannte Meyer als Ziele bis 2025. Beim letzten Punkt hat der Norden zwar aufgeholt, steht aber noch auf Platz 7. Die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum und Modernisierung. Im laufenden Jahr kommen insgesamt 2000 neue Betten hinzu, noch einmal 4500 sollen es bis 2019/2020 sein.

Im Gespräch mit RSH-Reporterin Anne Brauer sagte Meyer weiter (Audiopfeil klicken):

Mit höherer Qualität und einem besseren Marketing auch im Hinblick auf junge Gäste will Schleswig-Holstein im harten Wettbewerb mit der Konkurrenz noch besser abschneiden. Bei den Zuwachsraten lag das Land 2014 auf dem vierten Platz nach dem Saarland, Bremen und Hamburg. Die Konkurrenz aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen landete auf den Rängen 13 und 14. Schleswig-Holstein hatte aber auch Nachholbedarf.

Das Land sei auf gutem Weg, müsse aber wachsam bleiben, sagte der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Jörn Klimant. Die Tourismusstrategie des Landes greife. «Gerade die deutschen Urlauber entdecken Schleswig-Holstein neu.» Problematisch bleibe zum Teil die Verkehrsanbindung. Im vorigen Jahr erwirtschaftete der Tourismus mit 144 000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 6,9 Milliarden Euro.

Branchenexperten warnten davor, sich auf den zuletzt guten Ergebnissen auszuruhen. «Viele Betriebe müssen weiterhin mit allem Einsatz an der Qualität ihrer Angebote arbeiten», sagte Sparkassenverbandspräsident Reinhard Boll. «Einen schwer enttäuschten Urlauber bekommt man kaum zurück.»

2015 scheine sich der positive Trend fortzusetzen, sagte Karsten Heinsohn von der Beratungsfirma dwif, die das Tourismusbaromter erstellt. «Man spricht wieder über Schleswig-Holstein im Reiseland Deutschland», sagte er. Auch die Auslandsmärkte seien keine Nische mehr. Seit 2000 sei die Zahl der Übernachtungen von Ausländern um eine Million gestiegen. Vor allem Gäste aus der Schweiz, Österreich und Dänemark sorgten für das Plus.

Der Norden müsse die Dynamik des Vorjahres weiter unterlegen, sagte dwif-Geschäftsführer Mathias Feige. Zu viele Gastbetriebe – sie sind mit durchschnittlich 8 Mitarbeitern und 281 000 Euro Jahresumsatz ganz überwiegend sehr klein, hätten keine oder nur eine unzureichende Strategie. In einer Befragung hätten auch nur 18 Prozent angegeben, das internationale Geschäft sei für sie wichtig. In anderen Ländern liege der Wert über 60 Prozent. Im Norden hätten viele lange nur auf den Inlandsmarkt gesetzt. Zudem habe jeder vierte Betrieb erklärt, Marketing sei für den Erfolg nicht wichtig, sagte Feige. Immerhin aber meinten neun von zehn, Qualität sei wirklich wichtig.

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