Westküsten-Initiative der Landesregierung löst 200-Millionen-Investition aus

1000 Tage Westküsten-Initiative: Land zieht Zwischenbilanz und legt Konzept gegen „Windmühlen-Stillstand“ vor

OffTec
Staatssekretärs-Duo für die Westküste: Ingrid Nestle und FRank Nägele

Um künftig an der Westküste weniger Windstrom durch zwangsweise Abschaltung von Windenergieanlagen zu vergeuden, hat das Land jetzt ein neues Konzept vorgelegt. Wie Energiewende-Staatssekretärin Dr. Ingrid Nestle heute bei der 9. Tagung des Westküsten-Beirats in Enge-Sande (Kreis Nordfriesland) erläuterte, sei die Landesregierung damit auch einem Wunsch aus der Region nachgekommen. „Unser sogenanntes Konzept der „zuschaltbaren Lasten“ bedeutet im Kern: Es sollen in Zukunft bei Netzengpässen Wärme-, Industrie- und Speicheranlagen zugeschaltet statt Windanlagen abgeschaltet werden – also Prozesswärme in der Industrie, Speicher- oder Heizwärmenutzung“, sagte Nestle. Das sei gerade an der Westküste interessant, weil hier das Stromangebot groß sei und es insbesondere in den Industrieschwerpunkten Brunsbüttel und Hamburg große Verbraucherlasten gebe.

Wie die Staatssekretärin weiter sagte, sei ein zügiger Netzausbau  entscheidend und mache insbesondere durch den Bau der Westküstenleitung in Schleswig-Holstein gute Fortschritte. „Gänzlich verschwinden werden die Abregelungen in den kommenden Jahren aber noch nicht, weil der Netzausbau in den anderen Bundesländern nur schleppend vorankommt“, so Nestle mit Blick auf die noch fehlende Gleichstromver­bindung „Süd.Link“ nach Süddeutschland.

Nach den Worten von Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Frank Nägele werde das Konzept zur verbesserten Wertschöpfung beitragen, eine bessere Integration der Windenergie und damit auch neue Perspektiven für die Windbranche insgesamt nach sich ziehen. Zudem liefere das Vorhaben laut Staatssekretärin Nestle Erfahrungs­werte, die für den weiteren Fortgang der Energiewende sehr wertvoll sein werden.

Mit Blick auf die mittlerweile knapp 1000tägige Arbeit des Westküstenbeirats, der im Rahmen der Westküsten-Initiative 2013 von der Landesregierung ins Leben gerufen wurde, erinnerte Staatssekretär Nägele vor allem an die finanzielle Förderung der Zusammenarbeit der Kreise an der Westküste bei diversen Projekten. Unter anderem sei ein Konzept für den Aufbau eines Netzes von E-Mobil-Aufladestationen gefertigt worden und darüber hinaus die Weichen für einen besseren Technologietransfer zwischen Unternehmen sowie Hochschul- und Forschungseinrichtungen gestellt worden. Allles in allem sei ein Investitionsvolumen von 200 Millionen Euro ausgelöst worden.

Frank_NaegeleIm Gespräch mit Journalisten sagte Nägele weiter
(Audiopfeil klicken):

Vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftebedarfs erinnerte Nägele unter anderem auch an die Einrichtung einer Praktikantenbörse sowie die Verabschiedung eines gemeinsamen Gewerbeflächenleitfadens. „Aus einem EU-Sonderprogramm stehen der Region in den kommenden Jahren rund 30 Millionen Euro zur Verfügung, die unter anderem in die Tourismus- und Energiekompetenzregion Westküste investiert werden können – wir haben also kraftvolle Perspektiven“, sagte der Staatssekretär.

Mit Blick auf die Bewerbungen um Geld aus dem EU-Sonderprogramm ITI (Integrierte Territoriale Investition) kündigte Nägele an, dass der Westküstenbeirat noch vor den Sommerferien über Projekte entscheiden werde. Daneben werde die Region aber auch von allen Förderprogrammen des Landes weiter partizipieren können.

Aus dem Westküstenbeirat stammt die Initiative der Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg für eine umsetzungsorientierte Innovationsstrategie, die unter anderem zum Ziel hat, die Windenergie für eine erhöhte Wertschöpfung und somit für mehr wirtschaftliches Wachstum an der Westküste zu nutzen. Sie soll Vorschläge erarbeiten, wie Innovationen im Bereich der kleinen und mittelständischen Betriebe an der Westküste vorangebracht werden können.

Die Sitzung des Beirats fand im Gewerbepark GreenTEC Campus in Enge-Sande statt. Der grüne Gewerbepark ist auf die Ansiedlung von Unternehmen aus dem Bereich der regenerativen Energien spezialisiert. Hier konnten sich die rund 40 Mitglieder des Beirats selbst ein Bild von der Innovationsfähigkeit vor Ort machen. Unter anderem bei der Firma OffTEC, die sich auf Sicherheits- und Rettungstrainings für Offshore-Beschäftigte spezialisiert hat.

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