Deutsche Werften nach Gewerkschaftsangaben in sicherem Fahrwasser

Werften-Betriebsräte sehen Beschäftigung auf Jahre gesichert – Meyer: SH-Betriebe haben Nischen gefunden

Stapellauf einer Ro-Ro-Fähre bei der FSG in Flensburg: Das Unternehmen steht erneut vor einer Umstrukturierung

Auf den deutschen Werften geht es für die Beschäftigten wieder aufwärts. Gegenwärtig arbeiten fast 15 900 Arbeitnehmer bei den Schiffbaubetrieben im Norden, das sind 1,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das teilte jetzt die IG Metall Küste als Ergebnis einer Befragung der Bremer Agentur für Struktur- und Personalentwicklung (AgS) in Hamburg auf dem Museumsfrachter MS „Bleichen“ mit. Damit habe die Beschäftigung auf den Werften den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht.

«Die Schiffbaubetriebe sind wichtige industrielle Kerne in Norddeutschland», sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. Daran habe sich seit der ersten Schiffbau-Umfrage der IG Metall Küste vor 25 Jahren nichts geändert, auch wenn heute weitaus weniger Menschen direkt auf den Werften beschäftigt seien.

Auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer ist – trotz der derzeiten Unsicherheit über den künftigen Kurs der Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) – zuversichtlich: „Der Strukturwandel in dieser Branche hat dazu geführt, dass unsere Schiffbauunternehmen zukunftsträchtige Nischen gefunden haben – vom hochspezialisierten Reparaturbetrieb bis zur Herstellung von Megayachten.“ Das Land stehe seinen Werften auch auf dem weiteren Weg zur Seite. Meyer erneuerte in dem Zusammenhang seinen Appell an den Bund, bei der Ausschreibung des geplanten Nachfolgebaus für das Forschungsschiff „Polarstern“ die Bedingungen so zu gestalten, dass auch deutsche Werften Gebote abgeben werden. Diesen Wunsch habe er von seinem jüngsten Besuch auf der Hamburger Schiffbaumesse SMM mitgenommen.

Die Perspektiven für die nähere Zukunft sind laut Gewerkschafts-Umfrage günstig. In den kommenden zwölf Monaten könnten bei den 37 erfassten Betrieben in den fünf Küstenländern bis zu 670 neue Arbeitsplätze entstehen. Dazu arbeiten bei den Werften rund 8600 Zeitarbeitskräfte und Beschäftigte mit Werkverträgen. Der Anteil der Leiharbeiter sei zwar leicht von 14,6 auf 13,1 Prozent zurückgegangen, aber im Vergleich zu anderen Industriebranchen immer noch sehr hoch. «Wer nur noch mit einer Rumpfmannschaft antritt, verliert wichtiges Knowhow und setzt damit die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens aufs Spiel», erklärte Bezirksleiter Geiken.

Die Auslastung der Werften sei gestiegen; Kreuzfahrtschiffe, Jachten und Fähren sowie der Marineschiffbau sorgen für Arbeit. «Besonders gut sind die Aussichten in Mecklenburg-Vorpommern, wo der malaysische Genting-Konzern die Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund ausbauen will», sagte Geiken. Nur in einzelnen Unternehmen, etwa bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft und bei der Lloyd-Werft in Bremerhaven, gebe es Probleme mit der Beschäftigung.

Im Jahr 1958: Stapellauf des Mehrzweckfrachters „Bleichen“ bei der Rendsburger Werft Nobiskrug. Damals arbeiteten mehr als 100.000 Menschen auf deutschen Werften

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