51. Seeschiffahrtstag endet mit Appell an den Bund und Kritik an Kieler Opposition

Seeschifffahrtstag appelliert an Bund: Test-Projekt für Tiefsee-Rohstoffe wagen

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Volles Haus bei Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS): 51. Seeschiffahrtsstag     (Foto: dpa)

Der 51. Deutsche Seeschifffahrtstag hat an die Bundesregierung appelliert, Tiefsee-Rohstoffe in einem Testprojekt abzubauen. «Ein Pilot-Mining-Test sollte durch die deutsche Wirtschaft mit Unterstützung des Bundes durchgeführt werden», hieß es zum Abschluss des Seeschifffahrtstages heute in Kiel. Dies böte eine Superchance, internationale Umweltstandards etwa für den Abbau von Manganknollen und Kobaltkrusten mitzugestalten und zudem neue Perspektiven für die deutsche Wirtschaft zu eröffnen, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, Monika Breuch-Moritz. Zudem könne ein Beitrag zur künftigen Rohstoffsicherung geleistet werden.

Breuch-Moritz stellte die Ergebnisse des Arbeitskreises «Ressource Meer – Rohstoffe für die Zukunft» vor. Rund 200 Experten hatten auf dem Seeschifffahrtstag in drei Arbeitskreisen über Probleme und die Zukunft der deutschen Seeschifffahrt diskutiert.

Deutschland hat sich seit 2006 zwei Gebiete im Pazifik südwestlich von Hawaii gesichert. Bisher wurden die 4000 bis 6000 Meter tiefen Gebiete weitgehend nur erforscht. Der Seeschifffahrtstag forderte Leuchtturmprojekte, «um umweltschutztechnisch hochstehende Lösungen sichtbar zu machen und Fehlentwicklungen zu vermeiden». Und es sollten die Umwelt- und Sicherheitsvorschriften der International Seabed Authority (IS) auch für Küstengewässer, ausschließliche Wirtschaftszonen und Festlandsockel als Mindestanforderungen gelten.

Die Ausbildung und Beschäftigung deutscher Seeleute stand im Fokus eines weiteren Arbeitskreises. Die Förderung des Nachwuchses durch die «Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland» sei noch zu wenig bekannt, sagte der Leiter Seefahrtschule Cuxhaven, Rudolf Rothe. Auch wenn es auf deutschen Schiffen für Junior-Offiziere schwierig sei, einen Job zu finden, seien international die Chancen gut. Bund und Länder sollten alle Möglichkeiten zur Beschäftigung nautischer und technischer Absolventen an deutschen Fach- und Fachhochschulen ausschöpfen, um langfristig das maritime Know-how zu sichern.

«Die hervorragende Ausbildung und das Know-how der deutschen Seeleute sind ein zentraler Wettbewerbsvorteil für die maritime Wirtschaft am Standort Deutschland», betonte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann. Ausbildung und Beschäftigung für den maritimen Nachwuchs auch in Zukunft zu sichern, sei eine gemeinsame Aufgabe für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

So sehr die Innovationskraft und Qualität der deutschen maritimen Wirtschaft in Kiel gelobt wurde, belastet die seit Jahren andauernde Schifffahrtskrise die Branche. «Der größte Knackpunkt sind die Überkapazitäten der Reeder – die Frachtraten sind im Keller», sagte Rothe. Es werde in nächster Zeit zu weiteren Konsolidierungen – Insolvenzen oder Übernahmen – kommen.

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Rohweder

Der Nautische Verein zu Kiel hat unterdessen die Opposition im schleswig-holsteinischen Landtag kritisiert, weil Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Eröffnung des Deutschen Seeschifffahrtstages verlassen und ins Parlament zurückkehren musste. «Das ist Ausdruck großer Inkompetenz, denn die maritime Wirtschaft spielt in Schleswig-Holstein eine große Rolle», sagte der Vereinsvorsitzende Jürgen Rohweder. Er habe sich sehr gewundert, dass Schleswig-Holstein als Gastgeber seine Gäste nicht begrüße. Bei einem solchen Treffen sei das Image ganz wichtig.

Albig hatte sich nicht – wie üblich – vorher beim Ältestenrat des Parlaments abgemeldet. Die Opposition von CDU, FDP und Piraten tobte, bestellte den SPD-Politiker zurück ins Landeshaus und unterbrach kurzerhand die Landtagsberatungen. Er könne nur erstaunt den Kopf schütteln, sagte Rohweder. «Es wäre gut wenn hier etwas mehr maritime Kompetenz vorhanden wäre.» Über CDU-Fraktionschef Daniel Günther sagte Rohweder: «Herr Günther hätte sich mal bei Herrn Liebing erkundigen sollen, was maritime Wirtschaft ist.» Der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing war bis 2014 Vorsitzender des Arbeitskreises Küste der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

 

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