Fehmarnsundquerung: Land verbibt noch im Dezember die ersten Planungspakete

Bürger und Fachleute diskutieren die Zukunft der Fehmarnsundquerung – Meyer: 5 Varianten im Spiel

kommunalkonferenz
Podium der Kommunalkonfeenz (v.l.): Bernd Homfeld und Manuela Herbort (beide DB AG), Minister Meyer, Britta Lüth (LBV-SH) und Ostholsteins Landrat Reinhard Sager

Neue Phase für die Planungen zum Bau einer leistungsfähigen Querung über den Fehmarnsund: Wie Verkehrsminister Reinhard Meyer heute  in Großenbrode bei der vierten Kommunalkonferenz sagte, sollen noch im Dezember die ersten Planungs-Pakete verschiedener Bauwerksvarianten in Auftrag gegeben werden. „Mit dem Kabinettsbeschluss der Bundesregierung vom August, die Sundquerung in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans zu übernehmen, ist die wichtigste Hürde bereits genommen – auch wenn der Bedarfsplan noch nicht endgültig vorliegt“, sagte Meyer. So oder so stehe für ihn aber schon heute der Ausbau der Querung zur vierspurigen Straße außer Frage. Darüber hinaus sei auch der zweigleisige Schienenausbau gesichert und damit bereits ein Stück mehr erreicht als im deutsch-dänischen Staatsvertrag zur Beltquerung vorgesehen.

Reinhard_MeyerMeyer sagte nach der Fachkonferenz

(Audiopfeil klicken)

Wie Fachleute von der DB AG und des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV-SH) erläuterten, werden in den kommenden Monaten folgende Varianten für eine Vorplanung genauer untersucht:

  • Variante 1: Neubau einer kombinierten Brücke für zwei Gleise und vier Fahrspuren.
  • Variante 2: Neubau von zwei einzelnen Brücken – ebenfalls für den zweigleisigen Schienenverkehr und vierspurigen Straßenverkehr.
  • Variante 3: Neubau eines Absenktunnels. Durch den Tunnel werden sowohl die zwei Bahngleise als auch die vier Fahrspuren geführt.
  • Variante 4: Neubau eines Bohrtunnels, durch den sowohl die zwei Bahngleise als auch die vier Fahrspuren in mehreren Röhren geführt werden.

Laut DB AG und LBV-SH wird neben den vier Neubauvarianten zusätzlich noch eine fünfte Variante untersucht. Dabei geht es um die Frage, inwieweit die bestehende Fehmarnsundbrücke wieder instandgesetzt werden kann, um sie auch längerfristig ohne Einschränkungen weiter nutzen zu können.

skizze

Bei sämtlichen Varianten ist nach den Worten von Meyer auch zu klären, wie der langsame Verkehr – etwa  landwirtschaftliche Fahrzeuge oder auch Fußgänger und Radfahrer – zukünftig den Sund queren werden. Meyer: „Genau das ist das Ziel der Untersuchung – es gilt, alle Vor- und Nachteile herauszuarbeiten.“ Am Ende stehe dann eine Vorzugsvariante, die im nächsten Planungsschritt detailliert untersucht und Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens sein werde.

Laut Meyer haben die Umweltuntersuchungen zur Sundquerung planmäßig in diesem Jahr begonnen und sind hinsichtlich der Festland-Abschnitte abgeschlossen. Die Auswertung dauere zurzeit noch an. Im Meerbereich sei in 2016 ebenfalls ein erheblicher Teil der Analysen abgeschlossen worden – hier sei aber eine insgesamt zweijährige Erfassung von Daten erforderlich. Auch die Untersuchung archäologischer Befunde sei weit vorangeschritten und die Baugrunduntersuchung für den Land- und Meerbereich bereits vergeben.

Der Bau der neuen Sundquerung sei außerdem ein vom Bund gefördertes so genanntes BIM-Pilotprojekt (Building Information Modeling) zur verbesserten Planung des Vorhabens. Meyer: „Diese Planungsmethode soll in Zukunft dazu beitragen, auch in Deutschland Bauprojekte mit geringeren Risiken und einer höheren Kosten- und Terminsicherheit durchzuführen.“

Wie der Minister weiter erfordere das weitere Vorgehen eine Priorisierung der nötigen Instandhaltungsarbeiten, die auch Inhalt der Vor-Ort-Besichtigung durch den Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages vor einer Woche waren. Ergebnis: In den nächsten Jahren wird schwerpunktmäßig der Korrossionsschutz der Seile und teilweise deren Austausch sowie die Erneuerung der Schrammborde und der Auflagerbank vorgenommen. Zusätzlich hat die DB AG angeboten, weitere Finanzmittel für die Erneuerung des restlichen Korrosionsschutzes bereits im Jahr 2019 zur Verfügung zu stellen.

Meyer: „Die notwendigen Arbeiten werden zweifellos zu Verkehrsbeeinträchtigungen führen, für die wir die Menschen in der Region schon heute um Verständnis bitten. Aber im Gegenzug bekommen Sie leistungsfähige Verkehrsverbindung, die sich langfristig für den Tourismus und die übrige Wirtschaft in der Region auszahlen wird.“

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