DB kündigt für morgen Besserungskonzept für den Marschbahn-Verkehr an

Morgen Sondersitzung des Husumer Kreistags zur Marschbahn – Buchholz erwartet Besserungskonzept der DB

Titel
Morgen ab 10 Uhr in Husum dabei (v.l.): Achim Bonnichsen, Sylter Unternehmer Max Hellner, DB-Regio-Chef Torsten Reh und Minister Buchholz (hier bei ihrem letzten Treffen auf Sylt)

Das Vorgehen ist jeden Morgen dasselbe. Zumindest werktags: Kaum klingelt der Wecker um 5 Uhr fällt der Blick von Achim Bonnichsen aufs Handy. «Hiobsbotschaften» checken, die er als Sprecher der Marschbahnpendler direkt auf sein Mobiltelefon geschickt bekommt. Diese postet er dann umgehend in die Facebook-Gruppe «NOB Pendler Husum-Westerland», in der mehr als 4000 Menschen organisiert sind, die täglich mit der Bahn vom Festland auf die Insel Sylt pendeln.

Bonnichsen ist ein großer Mann mit festem Blick und Händedruck. Seit mehr als 30 Jahren pendelt der Fliesenlegermeister nach Sylt, wo seine Familie einen Fliesenbetrieb hat. Gewohnt hat er auf der Insel nie. Er wirkt wie ein Mann, den nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Spricht man den 51-Jährigen aber auf die Situation bei der Marschbahn an, kann er sich schnell in Rage reden.

Überfüllte Züge, Verspätungen, Ausfälle und das Gefühl, dass sich niemand verantwortlich fühlt, die Situation wirklich zu ändern. Viele Pendler leiden unter der Situation.

Rückblende: Vor gut einem Jahr, am 10. November 2016, hatte der damalige Streckenbetreiber Nord-Ostsee-Bahn (NOB) alle Wagen auf der sogenannten Marschbahn stillgelegt, weil eine Kupplung defekt war. Von den daraus resultierenden Beeinträchtigungen waren tausende Pendler und viele Urlauber betroffen. Die Deutsche Bahn übernahm die Strecke im Dezember 2016 und stellte ein Ersatzkonzept auf die Beine. Seit Mitte November dieses Jahres sollten die Züge eigentlich wieder planmäßig rollen. Doch dies ist nur eingeschränkt der Fall, Verspätungen und auch Zugausfälle gibt es weiterhin.

Auf einer Sondersitzung des Kreistags von Nordfriesland soll nun morgen über die Situation bei der Marschbahn beraten werden. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) hat sein Kommen angekündigt. Der Minister erwartet von der Deutschen Bahn (DB) vor allem Antworten auf die Frage, warum es trotz der reparierten Kupplungen der 90 Marschbahn-Waggongs weiter zu Problemen kommt und wie die DB Regio an der Stelle besser werden will. Vor allem muss die DB nach Ansicht von Buchholz ein überzeugendes Instandhaltungskonzept vorlegen und für mehr Verlässlichkeit und Qualität auf der Strecke sorgen. Bislang laufe es einfach alles andere als gut.

Buchholz sagte weiter (Audio starten – „in browser anhören“)

Das sehen auch die Pendler so. Im Gegensatz zu «normalen» Pendlern können die Sylt-Pendler bei Zugausfällen nicht auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen. «Wir haben keine Alternative», schimpft Bonnichsen. Wenn die Bahn den Zugverkehr wegen Sturms in ganz Norddeutschland vorsichtshalber einstellt oder in der Nähe von Hamburg ein Zug entgleist – die Pendler sitzen fest. Die Pendler rund um Bonnichsen wollen daher gerne, dass ein Ersatzzug plus Lokführer in Westerland oder Niebüll stationiert wird. Wenn dann der Zugverkehr weiter südlich ausfällt, kämen die Pendler wenigstens zur Arbeit und auch wieder zurück.

«Wir brauchen Hilfe», stellt Bonnichsen fest. Man könne sich auf nichts anderes mehr konzentrieren als auf die Frage, ob die Bahn pünktlich und man rechtzeitig bei der Arbeit sei oder ob die Kita auf dem Festland noch zu Öffnungszeiten erreicht werde.

«Wegen dieser psychischen Belastung sind sehr viele krank geworden», sagt der 51-Jährige. Mit Folgen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch die Betriebe auf der Insel, die auf die Arbeitskräfte vom Festland angewiesen sind. «Wir haben eine massive Abwanderung von Fachkräften, die sich auf dem Festland was suchen», sagt Bonnichsen.

Ein Problem, das auch Karl Max Hellner kennt. Hellner besitzt sieben Modehäuser auf Sylt und ist Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer. Aktuell habe er wieder von einem Handwerksbetrieb erfahren, dass zwei gute Mitarbeiter gekündigt haben, die auf dem Festland Arbeit gefunden haben, sagt Hellner. Ein Problem, das sich noch verschärfen könnte, denn «ein Großteil unserer Mitarbeiter kommt vom Festland», sagt er.

Warteschlangen auch vor dem Sylt-Shuttle in der Saison: Auf Dauer kann nach Überzeugung der örtlichen Politiker nur ein zweigleisiger Ausbau Entlasung bringen…

Die Sylter Unternehmer fordern endlich den zweigleisigen Ausbau auf der Strecke Niebüll-Westerland. Bislang können sich Züge zwar auf dem Hindenburgdamm, der Sylt mit dem Festland verbindet, begegnen, auf den Strecken davor und dahinter allerdings nicht. Wirkliche Hoffnung, dass dieser Wunsch in Berlin und Kiel Gehör findet, hat Hellner indes nicht.

«Für viele Menschen ist Sylt nur die Insel der Reichen und Schönen», moniert Hellner. Die Alltagsprobleme der Insulaner und Pendler seien nur wenigen bekannt. «Das muss viel mehr in die Köpfe der Menschen.»

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