Bald rollt auf Sylt der erste autonome Bus – Rohlfs: Ein Riesensprung für den ländlichen Raum

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Staatssekretär Rohlfs im NAF-Bus mit Offtec-Chef Marten Jensen.     Fotos: Julia Wolf

Die nächste Bushaltestelle ist weit weg, ein Auto nicht vorhanden und der Arzt im nächst größeren Ort: Auf dem Land ist so ein Szenario keine Seltenheit. Der ländliche Raum sei der mobilitätssensibelste Raum, sagt Florian Dünckmann, Professor für Kulturgeografie an der Kieler Universität. Er ist einer der Partner, die in den kommenden Jahren im Projekt «Nachfragegesteuerter Autonom-Fahrender»-Bus – kurz «NAF-Bus» – ein Mobilitätskonzept «ÖPNV-on-Demand» auf Basis autonomer, elektrisch angetriebener Kleinbusse entwickeln wollen. Heute stellte er sein Konzept bei der Firma OffTec im nordfriesischen Enge-Sande vor.

Nach den Worten von Technologie-Staatssekretär Thilo Rohlfs ist dies einerseits ein wichtiger Schritt zum autonomen fahren, zugleich aber auch ein notwenddiger Schritt zur Verbesserung der  Lebensverhältnisse im ländlichen Raum – und eine Antwort auf den demographischen Wandel.

img_0181Rohlfs sagte nach seinem Besuch im Gespräch mit RSH

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Das vom Bundesverkehrsministerium mit rund 2,3 Millionen Euro geförderte Projekt ist im vergangenen Jahr gestartet und läuft noch bis Sommer 2020. An diesem Mittwoch trat es in eine neue Phase: Der erste von drei selbstfahrenden Minibussen ist in Enge-Sande (Kreis Nordfriesland) eingetroffen. Zunächst soll der fahrerlose Bus mit Elektroantrieb auf dem Gelände des GreenTEC Campus getestet werden. In einigen Monaten soll ein weiterer Bus in Keitum auf Sylt auf einer ausgewählten Strecke im realen ÖPNV eingesetzt werden. Auch in Dithmarschen soll eines der Fahrzeuge erprobt werden. Wo genau, steht noch nicht fest. Langfristig erhoffen sich die Macher durch die selbstfahrenden Busse eine bessere Verkehrsanbindung für Menschen auf dem Land.

Dünckmann glaubt nicht, dass demnächst nur autonome Busse über die Straßen der ländlichen Regionen an der Westküste rollen. Und dies sei auch nicht das Ziel. Individualverkehr werde immer wichtig sein und auch den normalen ÖPNV werden und sollen die selbstfahrenden Busse nicht ersetzen, wie Dünckmann betonte. Sie seien eher als Ergänzung zu sehen, etwa um Ortschaften anzubinden, die nur wenige Kilometer abseits der Linienbusrouten liegen. Durch Einbeziehung von ÖPNV-Unternehmen in die drei unterschiedlichen Anwendungsszenarien und die Betrachtung von rechtlichen Aspekten soll mit den erzielten Ergebnissen eine hohe Anwendungsrelevanz und Umsetzbarkeit nach Projektende erreicht werden.

Zu den Projektpartnern gehören neben Dünckmann und seinem Team unter anderem die Verkehrsbetriebe Sylter Verkehrsgesellschaft und DB Autokraft Ingenieure, Softwaresystem-Experten und Rechtswissenschaftler von Unternehmen und der Kieler Universität. Neben technischen und juristischen Fragen ist zudem von Interesse, wie das neuartige ÖPNV-Angebot von der Bevölkerung angenommen wird. Dies ist Dünckmanns Gebiet. Er und seine Mitarbeiter der AG Kulturgeographie der Kieler Uni erarbeiten unter anderem eine Akzeptanzstudie und organisieren Bürgerbeteiligungsverfahren.

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