Buchholz kündigt in Brunsbüttel neue industriepolitische Strategie für SH an

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Vor der Kanaltour: Frank-Michael Biel (TOTAL), Covestro-Chef Dr. Steffen Kühling, Minister Buchholz, Gastgeber Frank Schnabel und Landrat Stefan Mohrdieck

Die Themen Investitionen, Innovationen und neue Technologien standen am Nachmittag im Mittelpunkt des 29. Brunsbütteler Industriegesprächs, zu dem sich rund 150 Gäste an Bord der „Adler Princess“ zu einer Kanalfahrt trafen. Denn diese drei Säulen – darin waren sich alle teilnehmerinnen und teilnehmer einig – sind die Basis für eine weiterhin positive Entwicklung des Industrie- und Hafenstandorts Brunsbüttel.

Wirtschaftsminister Dr. Bernd  Buchholz unterstrich in seiner Eingangsrede die große Bedeutung, die der Industrie- und Hafenstandort Brunsbüttel als größter und wichtigster industrieller Kern in Schleswig-Holstein für die Landesregierung hat und kündigte für die nächsten Wochen eine neue industriepolitische Strategie an: „Wenn wir als Schleswig-Holstein unseren Anteil am bundesdeutschen Bruttoinlandsprodukt erhöhen und uns nicht damit abfinden wollen, dass das Lohn- und Einkommensniveau bei uns unter dem Bundesdurchschnitt liegt, dann müssen wir unsere industriepolitischen Anstrengungen verstärken. Denn beide Kennzahlen werden sich nur verbessern, wenn es mehr Industrie in Schleswig-Holstein gibt, als bisher.“

In der anschließenden Diskussionsrunde stellte sich Buchholz gemeinsam mit Frank Schnabel (Sprecher der Werkleiterrunde des ChemCoast Park Brunsbüttel) sowie Dr. Steffen Kühling (Geschäftsführer Covestro Deutschland AG), Frank-Michael Biel (Geschäftsführer der Total Bitumen Deutschland AG) und Stefan Mohrdieck (Landrat Dithmarschen) den Zukunftsthemen in einer Diskussionsrunde.

Schnabel unterstützte die Aussage des Wirtschaftsministers zur Bedeutung des ChemCoast Park Brunsbüttel mit Zahlen: „Rund 12.500 Arbeitsplätze beeinflusst der ChemCoast Park Brunsbüttel, darunter knapp 4.500 direkt am Standort. Mit ca. 2.000 Hektar Fläche ist es das größte zusammenhängende Industriegebiet in Schleswig-Holstein und hat sich zu einem pulsierenden Cluster für Unternehmen aus der Chemie-, Energie- und Logistikbranche entwickelt. In den vergangenen Jahren bis heute haben die ansässigen internationalen Großkonzerne der chemischen Industrie dreistellige Millionenbeträge in ihre Produktionsanlagen investiert. Weitere Investitionen sind in Planung. Dies stellt ein klares und zudem langfristiges Bekenntnis von verschiedenen Unternehmen zum Standort Brunsbüttel dar. Zudem ist Brunsbüttel mit rund 13 Millionen Tonnen Ladung pro Jahr der sechstgrößte und einer der dynamischsten Seehafenstandorte Deutschlands.“

Neben den Investitionen der bereits ansässigen Unternehmen lassen auch weitere Pläne am Standort Brunsbüttel ein weiteres Wachstum des Industriestandortes erwarten. Brunsbüttel ist seit vielen Jahrzehnten einer der bedeutendsten Energiestandorte in Norddeutschland. In der Region werden große Mengen regenerativer Energien produziert. Außerdem treffen in der Region die Stromautobahnen Nord- und Südlink aufeinander und auch die Energie der Offshore-Windparks landet hier an. Im Rahmen von NEW 4.0, der Norddeutschen Energiewende, wird im Zuge der Digitalisierung eine nachhaltige Energieversorgung der Region angestrebt, sodass die nachhaltige Energie direkt vor Ort, beispielsweise durch die Industrie, genutzt werden kann. Die Digitalisierung bietet im Rahmen der Energiewende durch die intelligente Vernetzung der Systeme, aber auch in vielen weiteren Bereichen große Chancen.

Neben der Verfügbarkeit von elektrischer Energie ist aber auch der Zugang zu Erdgas von elementarer Bedeutung. Die German LNG Terminal GmbH plant derzeit die Errichtung eines LNG-Terminals in Brunsbüttel. In Brunsbüttel könnte damit ein LNG Import- und Distributionsterminal für Deutschland mit bundesweiter Bedeutung für die Transport-, die Industrie- und die strategische Energieversorgung der Bundesrepublik Deutschland entstehen. Ein LNG-Terminal könnte neben der Seeschifffahrt am starkbefahrenen Schnittpunkt Elbe und Nord-Ostsee-Kanal auch die vor Ort ansässigen Industrieunternehmen versorgen, die einen hohen Bedarf an Erdgas als Rohstoff und Energiequelle haben. Die Errichtung eines LNG-Importterminals in Brunsbüttel wäre ein wichtiger Impuls und ein Gewinn für Brunsbüttel, die gesamte Unterelberegion und auch für den Hamburger Hafen.

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Buchholz und Biel mit NDR-Moderatorin Harriet Heise bei der Posiumsdiskussion

Buchholz stellte zur Debatte über das geplante LNG-Terminal und potenziellen Lieferungen aus den USA klar: „Es gibt diverse Lieferanten von LNG auf dem Weltmarkt. In Deutschland entscheiden die Kunden, von wem sie kaufen und diesen Grundsatz der Privatautonomie werden wir sicher nicht zugunsten von Donald Trump aufgeben.“

Um diese Wachstumspotenziale nutzen zu können, muss die infrastrukturelle Anbindung des ChemCoast Park Brunsbüttel weiter verbessert werden. Ein zweigleisiger Ausbau inklusive Elektrifizierung der Bahnstrecke vom Industriegebiet Brunsbüttel bis Wilster/Itzehoe ist absolut notwendig. Straßenseitig liegt das Hauptaugenmerk auf der Weiterführung der A20 inklusive westlicher Elbquerung bei Glückstadt und auf dem dreispurigen Ausbau der Bundestraße 5 über Wilster hinaus bis nach Brunsbüttel. „Für uns hat Sicherheit, sowohl Arbeits- als auch Anlagensicherheit aller höchste Priorität. Desweiteren ist eine hohe  Verfügbarkeit unserer Produktionsbetriebe von wirtschaftlicher Bedeutung. Hierfür ist eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur wie Schiene, Straße und Hafen zur Anlieferung von Rohstoffen und zum Abtransport von Fertigprodukten zum Kunden strategisch wichtig“, so Dr. Steffen Kühling.

Die Werkleiterrunde begrüßt den derzeitigen Ausbau der B5 und die Initiative des Landes Schleswig-Holstein und des Wirtschaftsministers Dr. Buchholz, mit den Vorplanungen der Elektrifizierung der Bahnstrecke Brunsbüttel-Itzehoe in Vorleistung zu gehen. Dies zeigt, dass die noch offenen Infrastrukturthemen auf der politischen Agenda verankert sind, um endlich die Hinterlandanbindung des größten zusammenhängenden Industriestandortes in Schleswig-Holstein zu verbessern.

„Die Investitionen der Unternehmen und die neuen Technologien bieten Brunsbüttel und der gesamten Region große Chancen. Sie ermöglichen die Sicherung tausender Arbeitsplätze und den Ausbau des ChemCoast Park Brunsbüttel und machen den Industrie- und Hafenstandort bereit für die Zukunft. So können wir es schaffen, die großen Potenziale, die unser Standort hat, weiter umzusetzen und ein dynamisches Brunsbüttel fortzuentwickeln“, so Schnabel abschließend.

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