Maschinenbauer setzen nach Top-Jahr 2018 auf Investitionen und Künstliche Intelligenz

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Diskussion in der Produktion von Oerlikon Neumag in Neumünster (v.l.): EDUR-Chef Jürgen Holdhoff, Minister Buchholz, Oerlikon-Geschäftsführer Matthias Pilz, VDMA-Vizepräsident Norbert Basler und Ties Petersen von Oerlikon-Neumag
„Made in Schleswig-Holstein“ – heiß begehrt rund um den Globus: Hinter den rund 150 Unternehmen und 20.000 Beschäftigten des Maschinenbaus im echten Norden liegt ein glänzendes Jahr. Das bestätigten Spitzen-Vertreter des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) heute bei einem ganztägigen Treffen mit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Weitgehend unbeeindruckt von Handelskonflikten, Brexit oder eingetrübten Konjunktur-Prognosen verkaufen sich Maschinen und Anlagen aus dem echten Norden scheinbar besser denn je. Bereits 2017 erzielten die Betriebe aus Schleswig-Holstein einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Unter den 20 wichtigsten Auslandsmärkten liegen derzeit allein Großbritannien und die Türkei im Minus. In den übrigen Ländern florieren die Geschäfte, vor allem in China Russland, Mexiko, Korea und Japan, aber auch in den meisten europäischen Ländern.

Dank der guten Auftragslage hat etwa der in Neumünster ansässige Maschinenbauer „oerlikon neumag“, Produzent von Anlagen zur Herstellung von Textilfasern und Teppichgarnen, seinen Personalbestand in den letzten zwei Jahren um rund 100 auf aktuell 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hochgefahren. „Und wir erwägen bereits für dieses Jahr weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung“, sagt Geschäftsführer Matthias Pilz, ohne bereits Einzelheiten nennen zu wollen.

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Buchholz mit LESER-Chef Klaus
Das  über 200 Jahre alte Familien-Unternehmen LESER in Hohenwestedt bei Rendsburg, europäischer Marktführer für Sicherheitsventile, hat die Erweiterung seines Werks im vergangenen Jahr gerade abgeschlossen. „Eine Investition, um weiter zu wachsen, die Produktivität weiter zu steigern – um langfristig die Wertschöpfung im Land zu behalten“, sagt Geschäftsführer Joachim Klaus.

Um dieses Ziel dauerhaft zu erreichen, sieht Klaus zusammen mit Pilz und Branchenkollegen wie Norbert Basler (Basler AG Ahrensburg), Frank Starke (Caterpillar, Kiel) oder Jürgen Holdhof (EDUR Pumpen, Kiel) eine große Chance im Feld der Künstlichen Intelligenz (KI).

Wirtschaftsminister Buchholz sagte dazu am Rande des heutigen Treffens (Audio starten – „im Browser anhören“)

„Mit dem VDMA und seinem Know-how müssen wir dringend  die Chancen nutzen, die künstliche Intelligenz in der Produktion bietet und damit eine führende Rolle in Deutschland besetzen“, sagt Buchholz. Als Beispiel nannte er die Kieler EDUR-Pumpenfabrik, die zusammen mit anderen Pumpenherstellern eine intelligente Plattform installiert habe, mit der Kunden nicht nur bedient werden, sondern über die auch künftige Anforderungen und Serviceleistungen von Kunden vorausgesagt werden sollen.

Weitere VDMA-Stimmen zum Thema Künstliche Intelligenz:

„Wir brauchen jetzt Tempo und einen innovativen politischen Rahmen“, fordert Norbert Basler, Aufsichtsratsvorsitzender der Basler AG, dem Spezialisten für Industriekameras in Ahrensburg. „Die neuen Anwendungsfelder für unsere Technik wachsen exponentiell und wir können aus den vielen Daten ganz neue Lösungen und Geschäftsideen generieren. Dazu ist aber eine gemeinsame und abgestimmte Entwicklung notwendig, die nicht durch enge Vorschriften vorschnell abgebremst wird. Es gilt einen Flickenteppich in der Digital- und Datenpolitik zu vermeiden.“

Joachim Klaus, Geschäftsführer der LESER GmbH in Hohenwestedt stellt Sicherheitsventile für viele Branchen weltweit her. „Wir erwarten, dass KI in Zukunft eine zunehmende Rolle spielen wird und beispielsweise selbstlernende Maschinen zu einer effizienteren Produktion und damit zu mehr Wettbewerbsfähigkeit beitragen“.

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Bei Catarpillar-Chef Frank Starke (2.v.l.) in der Produktion
Aus Sicht der effizienten Schifffahrt und der Klimaneutralität sieht Dr. Frank Starke, Geschäftsführer Caterpillar Motoren, Kiel, die neuen digitalen Möglichkeiten. „KI-Technologien wie beispielsweise „maschinelles Lernen“ werden in der Industrie bereits erfolgreich angewandt, etwa bei der Erkennung von Mustern zur Fehlererkennung oder bei der Fernwartung von Maschinen. Hier haben wir bereits viel Erfahrungen im Service und nutzen die neuen Entwicklungen zur Verminderung des Kraftstoffverbrauchs im weltweiten Seehandel. Gleichzeitig wollen wir mit dem Projekt „Maritime Energiewende“ in Richtung des klimaneutralen Schiffverkehrs forschen und so die gesetzten CO2- Ziele gemeinsam mit der Politik in Schleswig- Holstein erreichen.“

Matthias Pilz, Standortleiter bei Oerlikon Neumag in Neumünster sieht die Digitalisierung der Arbeitswelt als wichtigen Baustein bei der Umsetzung neuer Geschäftsideen. „Die neue Arbeitswelt mit KI (er-)fordert den Menschen. Wir müssen unsere Mitarbeiter beim lebenslangen Lernen unterstützen und sie frühzeitig in unsere Überlegungen mit einbeziehen. Dazu gilt es gemeinsam mit der Politik jetzt einen Masterplan für Aus- und Weiterbildung zu erstellen,“ erläutert Pilz. „Auch in unserem Unternehmen nutzen wir die neuen Möglichkeiten, um den Vorsprung im globalen Wettbewerb auszubauen. Wir brauchen aber den richtigen Nachwuchs mit dem Know-how im Software und Hardware-Umfeld“.

Jürgen Holdhof, Geschäftsführer EDUR-Pumpenfabrik Kiel: „Wir müssen die Chancen für unsere Industrie jetzt nutzen und unsere Führungsrolle in unserer Branche verteidigen. Wir haben jetzt zusammen mit anderen Pumpenherstellern eine intelligente Plattform installiert, mit der wir neue Kunden mit Systemlösungen bedienen können und die Kundenanforderungen und Serviceleistungen in Zukunft mit KI voraussagen möchten.“

VDMA-Geschäftsführer Jörg Mutschler ist zufrieden: „KI ist eine Schlüsseltechnologie, um unseren Vorsprung in der industriellen Produktion ausbauen zu können. Im Industrieland Deutschland und hier in Schleswig- Holstein wird eine erfolgreiche Umsetzung der KI-Strategie wesentlich über den Maschinenbau führen. Der heutige Tag hat gezeigt, wie wichtig der Informationsaustausch und die konstruktive Diskussion zwischen Politik und Wirtschaft für den Standort ist. Wir danken Minister Buchholz für sein großes Engagement“.

Und so berichten die „Kieler Nachrichten“

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