Der Countdown läuft: Bekommt Itzehoe die bundesweit erste Batterie-Forschungsfabrik?

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Die Bewerbung ist auf dem Weg (v.r.): Staatssekretär Rolfs, ISIT-Chef Müller-Groeling, Bürgermeister Koeppen und der Steinburger CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich

Die Kugel rollt – nichts geht mehr: Im Wettbewerb um die vom Bund ausgeschriebene erste Batteriezell-Forschungsfabrik in Deutschland hat die Landesregierung im Schulterschluss mit dem Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) seine Bewerbung für den Standort Itzehoe endgültig auf den Weg gebracht. „Auch wenn wir bei dem 550-Millionen-Projekt einer enormen Konkurrenz durch Länder wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen gegenübersehen – einen Gewinn können wir heute schon verbuchen: Wir haben unsere Kompetenzen auf dem Feld der Speichertechnologien die letzten Monaten so effizient gebündelt, dass wir auch für weitere Projekte einen ausgezeichneten Nährboden haben“, sagte Technologie-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs heute (24. Mai) in Kiel. Die von einem Expertengremium unter Leitung von ISIT-Chef Dr. Axel Müller-Groeling erarbeitete 500 Seiten starke Bewerbung für Itzehoe ist dem Bundesforschungsministerium am 22. Mai übersandt worden.

Staatssekretär Rohlfs dankte allen Beteiligten für die intensive Arbeit an der Bewerbung sowie der Stadt Itzehoe und dem Kreis Steinburg für die regionale Unterstützung des Projekts. „Hier hat sich eine ganze Region mit großer Begeisterung untergehakt, um dieses Vorhaben zu unterstützen. Diesen Schwung nehmen wir mit, um Schleswig-Holstein noch mehr zum Land der Energiewende zu machen.“ Die in Europa angestrebte Mobilitätswende sei nur dann konsequent, wenn Batterien mit sauberem Strom produziert werden. Und die schleswig-holsteinische Westküste habe mit ihrer regenerativen Energie eindeutig das Potenzial,  d e r  Industriestandort der Zukunft zu werden, so Rohlfs weiter.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Rohlfs weiter (Audio starten – „im Browser anhören“)

Im Falle eines Zuschlags stellt die Landesregierung für den Bau der Forschungsfertigung insgesamt 145 Millionen Euro zur Verfügung und würde die Batterieforschung künftig zu einem Förderschwerpunkt machen. Die Stadt Itzehoe und der Kreis Steinburg haben zugesagt, sich finanziell mit insgesamt 15 Millionen Euro an dem Projekt zu beteiligen.

Beitrag

Hier das gesamte Pressegespräch als Livestream-Mitschnitt:

Nach den Worten von ISIT-Chef Müller-Groeling bietet Itzehoe neben perfekten örtlichen Rahmenbedingungen eine einzigartige Kombination von Standortfaktoren, Kompetenzen und Partnern. Als wichtige Pluspunkte des Standorts Itzehoe listet die Bewerbung neben der gesicherten Finanzierung unter anderem folgende weiteren Aspekte auf:

Batteriekompetenz:  Schleswig-Holstein verfüge durch universitäre, angewandte und unternehmerische Forschung über umfangreiche Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette von Batterieprodukten. Zudem gebe es umfangreiche Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft sowie im Transfer von Forschungsergebnissen in die Pilotfertigung. Der geplante Neubau der Batterieforschungsfabrik grenze direkt an das Fraunhofer ISIT an, wo seit Jahren erfolgreich die Zusammenarbeit zwischen universitärer und angewandter Wissenschaft sowie Industrie auf den Gebieten Leistungselektronik, Batteriezellentwicklung und -fertigung und Mikroelektromechanische Systeme praktiziert werde.

Forschungsinfrastruktur: Durch den Betrieb großer Reinräume im ISIT (ca. 4.000m²) ist der Standort in diesem überaus kritischen Bereich der Forschungsinfrastruktur äußerst versiert. Zusammen mit der am ISIT ansässigen US-Firma Vishay verfügt das Forschungszentrum über einen etablierten Personalstamm und bildet laufend weiteres Fachpersonal aus, das perspektivisch für die Forschungsfabrik eingesetzt werden kann.

Verfügbarkeit von Facharbeitern:  Die Region um Itzehoe verfügt über hervorragende Berufsbildungseinrichtungen – insbesondere in den relevanten Bereichen Mikroelektronik, Elektronik und Mechatronik – und einen großen Pool an gut ausgebildeten Fachkräften.

Unterstützung aus der mittelständischen Wirtschaft: Das industrielle Umfeld in der Region Itzehoe und den angrenzenden Ländern deckt alle wesentlichen Aspekte der Wertschöpfungskette einer Zellfertigung ab. Die große Anzahl an Absichtserklärungen zur Unterstützung und Beteiligung an den Tätigkeiten einer Forschungsfabrik beweist laut Müller-Groeling das enorme Interesse und die Motivation der Partner aus der überwiegend mittelständischen Industrie.

Mittelständische Industriepartner: Bei der Vorbereitung der Bewerbung hat das Expertengremium eine Vielzahl von flexiblen und agilen mittelständischen Industriepartnern gewonnen, die an den Erzeugnissen aus der geplanten Forschungsfabrik interessiert sind, um ihren Zellbedarf zu decken. Müller-Groeling: „Die Produkte aus der Fabrik würden somit nicht nur sinnvoll genutzt, sondern schaffen auch erheblichen Mehrwert bei den Anwendern durch bessere Endprodukte.“

Zusätzliche Verwendungsschwerpunkte der Erzeugnisse: Zwei Industriezweige der regionalen Industrielandschaft haben ein besonders großes Interesse an der Ansiedlung der Forschungsfabrik erkennen lassen: Der starke maritime Sektor – inklusive Schiff- und U-Boot-Bau –  sowie die angeschlossene Logistik. Alle sind auf leistungsfähige Batterien angewiesen. Zugleich besteht riesiger Bedarf an Speichertechnologien zur sinnvollen und netzdienlichen Bereitstellung der im Übermaß vorhandenen Erneuerbaren Energien.

Batteriezellenrecycling mit lokalen Partnern: Die komplette Recyclingkette von Lithium-Akkus lässt sich durch Firmen aus der Region bereits heute abdecken. Die Unternehmen sind offen für innovative Ansätze zu effizienteren Verfahren, die unter dem Dach der der geplanten Forschungsfabrik entwickelt werden sollen. In diesem Zusammenhang wurden mit mehreren Partnern bereits erfolgreiche Vorabstimmungen zur zukünftigen, gemeinsamen Entwicklung und Erprobung von Recyclingverfahren vorgenommen.

CO2-freier Betrieb durch Einsatz Erneuerbarer Energien: In Schleswig-Holstein, dem Land der Energiewende, steht im Jahr 2025 voraussichtlich mehr als doppelt so viel Erneuerbare Energie zur Verfügung als im Land verbraucht wird. Durch ein intelligentes Versorgungskonzept kann ein Teil davon für die Forschungsfabrik genutzt werden und so den so genannten CO2-Footprint der produzierten Batteriezellen drastisch reduzieren.

Hervorragende logistische Anbindung. Durch die unmittelbare Nähe zur Autobahn A 23 mit direkter Verbindung zum internationalen Flughafen Hamburg in weniger als 60 Kilometern Entfernung ist der Standort für regionale wie für überregionale Besucher schnell erreichbar. Müller-Groeling: „Eine gute Bahnanbindung rundet diesen Aspekt ab. Die Nähe zu Binnen- und Tiefseehäfen in Brunsbüttel bietet hervorragende Potentiale für einen günstigen Materialumschlag per Schiff.“

Und so wirbt der Kreis Steinburg für das ISIT als Standort der Batteriefabrik:

 

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