Grünes Licht: Ab 2022 sollen 55 nagelneue Stadler-Triebwagen durch den echten Norden rollen

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So sieht er aus, der Akku-getriebene „Flirt“ der Firma Stadler
Das Vergabeverfahren „XMU“ zur Auswahl innovativer Triebwagen für Schleswig-Holstein neigt sich dem Ende zu. Nachdem in der vergangenen Woche das OLG Schleswig die Beschwerde eines Bieters gegen das Verfahren abgewiesen hatte, haben heute der Wirtschafts- und Finanzausschuss des Landtages dem Vergabevotum der NAH.SH GmbH zugestimmt. Demnach soll der Zuschlag an den international tätigen Bahnhersteller Stadler gehen, dem deutschen Ableger der Schweizer Stadler Rail AG. In den kommenden zehn Tagen haben allerdings die unterlegenen Bieter noch Zeit, gegen diese Entscheidung ein Nachprüfverfahren anzustrengen.

Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz: „Ich danke den beiden Ausschüssen für ihr Vertrauen. Mit dieser Vergabe wird Schleswig-Holstein bundesweit Vorreiter im Bahnverkehr sein.“

LokstandWeiter sagte Buchholz

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Stadler soll nach Zuschlag insgesamt 55 neue Triebwagen vom Typ „Flirt Akku“ liefern. Die Fahrzeuge sollen von einem Fahrzeugvorhalter finanziert werden, der gerade per Ausschreibung gesucht wird. Der Fahrzeugvorhalter stellt die Triebwagen dann den Bahnunternehmen in den Bahnnetzen Nord und Ost zur Verfügung. Die neuen Triebwagen sollen ab Dezember 2022 auf den Strecken Kiel-Lübeck-Lüneburg, Bad Oldesloe-Neumünster-Heide-Büsum, Kiel-Husum, Husum-Bad St. Peter Ording, Kiel-Rendsburg und Kiel-Eckernförde-Flensburg fahren.

Neu an dieser Vergabe war, dass künftig der Fahrzeughersteller für die Instandhaltung der Fahrzeuge verantwortlich sein wird – über 30 Jahre. Stadler will dafür in Rendsburg und Neumünster Werkstätten errichten.

Buchholz: „Gerade nach den Erfahrungen auf der Marschbahn, aber auch in anderen Netzen, war es uns wichtig, den Hersteller hier ganz stark mit in die Alltagsverantwortung zu nehmen.“

Die Triebwagen vom Typ „Flirt Akku“ sind zweiteilige Triebwagen mit 124 Sitzplätzen. Die Triebwagen sind barrierefrei, klimatisiert und mit WLAN ausgestattet. Die Fahrzeuge verfügen über Akkus, die auf dem Dach montiert sind. Die Reichweite einer Batterieladung liegt bei bis zu 150 Kilometern, die Batterien werden an den heute vorhandenen Oberleitungen vor allem in den Bahnhöfen Kiel, Neumünster, Flensburg, Lübeck, Lüneburg sowie auf der Strecke Osterrönfeld – Jübek aufgeladen. Außerdem wird das Land die DB Netz AG beauftragen, an einigen Stellen im Land zusätzliche Ladevorrichtungen zu bauen und bestehende Oberleitungen zu verlängern. Die Triebwagen sind leiser, spurtstärker und wesentlich energiesparender als die bisherigen Dieseltriebwagen.

Buchholz: „Die Triebwagen sind emissionsfrei. Wir schaffen hier ein Stück der nötigen Elektrifizierung des Bahnverkehrs, ohne in die teuren Oberleitungen investieren zu müssen. Mich freut besonders, dass diese Lösung auch so wirtschaftlich ist. Über den Investitionszeitraum gerechnet liegen wir hiermit etwas günstiger als mit Dieseltriebwagen.“

Das Vergabeverfahren fand in Form einer so genannten Investitionspartnerschaft statt. Im Verfahren gab es immer wieder intensive Abstimmungen mit den Herstellern. Gestartet war das Verfahren im August 2016.

Buchholz: „Ich danke NAH.SH dafür, dies für uns alle neue Verfahren jetzt so erfolgreich bis zu diesem Punkt geführt zu haben. Ich weiß, dass einige im Land hier gerne eine Lösung mit Wasserstofffahrzeugen gesehen hätten. Aber erstens wollen und müssen wir natürlich das beste, was bedeutet, das wirtschaftlichste Angebot bedenken. Und zweitens hat kein Bieter ein Angebot für Wasserstofftriebwagen abgegeben.“ Die jetzt anstehende Lösung führt dazu, dass im Land kaum noch Dieseltriebwagen fahren werden. Besonders für die Landeshauptstadt Kiel bedeutet dies: Ab Mitte der zwanziger Jahre fahren nur noch elektrisch betriebene Fahrzeuge in den Kieler Hauptbahnhof.

Buchholz geht davon aus, dass alle Bundesländer mit großem Interesse auf das schleswig-holsteinische Verfahren blicken werden: „Das Ergebnis stimmt, aber auch der Weg dahin war spannend. Dieser sehr enge Austausch mit den Herstellern scheint mir ein erfolgversprechender Weg zu sein, um Innovationen im Bahnbereich voranzubringen.“

Mehr zum Nahverkehr in Schleswig-Holstein gibt es unter: www.nah.sh

So berichten die LN in ihrer Donnerstagausgabe:

3 Kommentare zu „Grünes Licht: Ab 2022 sollen 55 nagelneue Stadler-Triebwagen durch den echten Norden rollen“

  1. Bin in den Ferien mit der Nordbahn von Hamburg nach Itzehoe gefahren, um ein Gefühl für diesen Zug zu bekommen. Leider war ich vom Fahrkomfort des FLIRT im Vergleich zum LINT echt enttäuscht. In Gleichbögen schwingt der Wagenkasten mit deutlicher Geräuschbildung. Das klingt dann so und fühlt sich so an, wie die Berliner U Bahn in engen Kurven – unangenehm. Auch die Federung/Dämpfung vertikal ist härter. Da bleibt nur zu hoffen, dass da in Sachen Fahrwerk – Wagenkasten noch nachgebessert wird.
    Und ich frage mich, wie man mit der Reichweite von 150 km auf 80 km Strecke wieder zurückkommen will. Lässt sich der Akku beispielsweise in Flensburg bei einer planmäßigen Aufenthaltszeit von 8 Minuten so schnell wieder aufladen? Und wie ist es bei Verspätung?

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  2. Bin in den Ferien mit der Nordbahn von Hamburg nach Itzehoe gefahren, um ein Gefühl für diesen Zug zu bekommen. Leider war ich vom Fahrkomfort des FLIRT im Vergleich zum LINT echt enttäuscht. In Gleichbögen schwingt der Wagenkasten mit deutlicher Geräuschbildung. Das klingt dann so und fühlt sich so an, wie die Berliner U Bahn in engen Kurven – unangenehm. Auch die Federung/Dämpfung vertikal ist härter. Da bleibt nur zu hoffen, dass da in Sachen Fahrwerk – Wagenkasten noch nachgebessert wird.
    Und ich frage mich, wie man mit der Reichweite von 150 km auf 80 km Strecke wieder zurückkommen will. Lässt sich der Akku beispielsweise in Flensburg bei einer planmäßigen Aufenthaltszeit von 8 Minuten so schnell wieder aufladen? Und wie ist es bei Verspätung?

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