Vielfalt statt Einheitsgrün: Die ersten Insekten-Tankstellen an unseren Straßen blühen

Agrar-Experte Björn Schulz (rechts) demonstriert dem Minister zusammen mit Stiftungs-Chef Walter Hemmerling an der Autobahn-Abfahrt Kiel-Mitte den gelben „Klappertopf“. Ihren Namen trägt die Pflanze, weil sie – wenn man sie schüttelt – tatsächlich leise klappert.

Schulterschluss für mehr ökologische Vielfalt an Schleswig-Holsteins Straßen: Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) schaffen gemeinsam mehr Blühflächen für Insekten an Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen. Um im ersten Schritt die dominanten Gräser zugunsten von heimischen Blütenpflanzen zurückzudrängen, lassen sie sich von einer selten gewordenen Pflanze helfen, die eigentlich hier zuhause ist: dem so genannten Klappertopf, einem Halbschmarotzer.

„Die Chance ist riesig“, erklärte Dr. Walter Hemmerling, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz, heute bei einem Ortstermin an der A 215 bei Kiel. „Denn Experten schätzen, dass die Straßenbegleitgrünflächen in etwa so viel Fläche einnehmen, wie alle Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein zusammen“, so Hemmerling. Seit dem Projektstart im Herbst 2019 habe die Stiftung auf bereits zwölf Hektar Straßenbegleitgrün den Klappertopf etabliert. Der Schwerpunkt lag dabei an der A 7 zwischen Neumünster und Norderstedt, aber auch entlang der A 21 und 20 wurde Klappertopf gesät.

Bei dem Ortstermin in Höhe des Kieler City-Parks sagte Verkehrsminister Buchholz weiter…

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Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz, der für die nötige Kofinanzierung des Bundesprojektes in Höhe von 320.000 Euro gesorgt hat, freut sich über den ersten Erfolg nach so kurzer Zeit: „Blütenbunte Straßenränder erfreuen nicht nur die vorbeifahrenden Menschen, wir leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt auf unseren Flächen und versöhnen damit zu einem erheblichen Teil die graue mit der grünen Infrastruktur des Landes.“

Torsten Conradt, Direktor des LBV.SH, erinnert an den Beitrag seines Hauses: „Der Dank richtet sich vor allem an unsere Landschaftspfleger im LBV.SH, die 2014 die Idee dazu hatten, den Klappertopf einmal testweise an den Straßen einzusetzen. Dies hat sich in dem Vorgänger-Pilotprojekt des LBV.SH in Zusammenarbeit mit der Artenagentur Schleswig-Holstein und dem Kieler Umweltministerium als positiver Beitrag zur Steigerung der Biodiversität erwiesen. Und wir unterstützen dieses Projekt weiterhin mit voller Überzeugung“, so Conradt. Derzeit laufen noch die Gespräche mit den einzelnen Straßenmeistereien, um die genaue Ansaatkulisse für weitere 30 Hektar festzulegen, die 2020 folgen sollen.

Der Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz, Walter Hemmerling, sagte zu den Hintergründen und Zielen des Pilotprojekts…

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Der Namensgeber des Projekts, der „Klappertopf“, mit dem wissenschaftlichen Namen „Rhinanthus“, dient in dem mit rund 1,5 Millionen Euro zu zwei Drittel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Projekt als Mittel zum Zweck. Die heimische und von Insekten bestäubte Wildpflanze hat die besondere Eigenschaft, Gräser unterirdisch an der Wurzel anzuzapfen und ihnen Nährstoffe zu rauben. Dadurch wird der oberirdische Grasbewuchs lückiger und der Weg für viele andere Wildpflanzen, wie Wiesen-Margerite, Wilde Möhre und Lichtnelken, ist geebnet.

Das schleswig-holsteinische Vorzeige-Projekt soll als sogenanntes Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben bundesweite Strahlkraft erlangen und den Straßenbauverwaltungen in der ganzen Republik Möglichkeiten aufzeigen, wie blütenbunte Straßenränder mit den Anforderungen der Verkehrssicherung, des Lärmschutzes und der Pflege vereinbar sind.

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