Volldampf für mehr Fachkräfte: Land investiert 6,3 Millionen Euro in Beschäftigungsprojekte

Erst die Corona-Pandemie, nun die absehbare Welle von flüchtenden Menschen aus der Ukraine: Trotz stabiler Verfassung steht der Arbeitsmarkt vor massiven Herausforderungen. Um einerseits Arbeitslosen mit Kindern und andererseits Menschen mit Migrationshintergrund den Weg in eine auskömmliche Beschäftigung zu bahnen, fördert das Arbeitsministerium für die kommenden sechs Jahre landesweit 14 Hilfsprojekte mit insgesamt 6,3 Millionen Euro. Die Projekte sind Ergebnis eines Ideenwettbewerbs.

Thilo Rohlfs

„In den letzten sieben Jahren gab es bereits 85 ähnliche Arbeitsmarkt-Projekte, mit denen wir 4.900 Menschen gecoacht, begleitet, qualifiziert und so größtenteils in eine sichere Beschäftigung gebracht haben“, sagte Arbeitsstaatssekretär Dr. Thilo Rohlfs am Wochenende in Kiel. Zuvor hatte er an die Verantwortlichen aller 14 Projektträger Förderbescheide überreicht.

Cebel Kücükkaraca

Eine Förderung in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro erhält die Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein mit ihren Standorten in Kiel, Neumünster und Pinneberg. In ihrem Projekt „JobSteps“ werden nach den Worten ihres Vorsitzenden Cebel Kücükkaraca arbeitslose und langzeitarbeitslose Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund schrittweise und unter Berücksichtigung ihrer Potenziale in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Ein besonderer Fokus wird laut Rohlfs hierbei auf langzeitarbeitslose Frauen oder Eltern mit erziehungspflichtigen Kindern gelegt. Wichtige Schlüsselkompetenzen erlangen die Teilnehmenden durch Deutschkurse und Digitalisierungs-, Bewerbungs- sowie Motivationscoachings.

Meier-Ahrens

Einen Bescheid über zusammen rund 1,14 Millionen Euro nahmen Projektleiter Thomas Meier-Ahrens und Dr. Dagmar Bez für die „AWO Bildung und Arbeit gGmbH“ mit ihren Standorten Elmshorn, Pinneberg, Uetersen, Itzehoe und Plön entgegen. Kern ihres Projekts „Ich schaffe das!“ ist ein begleitendes, individuelles und regelmäßiges Einzelcoaching unter Einbeziehung der familiären und sozialen Strukturen.

Dagmar Bez

Das Angebot umfasst eine sozialpädagogische Unterstützung der jeweiligen Bedarfsgemeinschaft und verschiedene Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Zusätzlich können sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Tagesmutter oder zum Tagesvater qualifizieren. In einer so genannten Aktivierungs- und Stabilisierungsphase werden die Frauen und Männer direkt in Betrieben eingesetzt, um sich dort passgenau zu qualifizieren.

Henseleit

Einen Bescheid über 643.000 Euro wurden stellvertretend von Michael Henseleit für die „Fortbildungsakademie der Wirtschaft“  in Lübeck angenommen.  Das Projekt „Familienexpress-Reiseziel: Job!“ der Fortbildungsakademie der Wirtschaft richtet sich insbesondere an Eltern mit Migrationshintergrund, die wegen notwendiger Kinderbetreuung dem Arbeitsmarkt nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Rohlfs: „Hier werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in kleinen Schritten über 12 bis 24 Monate qualifiziert und für einen Job fit gemacht.“

Nißen

Die „Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe“ erhielt einen Bescheid über 433.000 € für das Projekt „PedAL“ in Lübeck, dass sich an arbeitslose Eltern wendet. Nach den Worten von Geschäftsführerin Annette Nißen bieten die Betreuerinnen und Betreuer eine pädagogische, ganzheitliche Betreuung im Rahmen von Einzel- und Gruppencoaching. Dabei geht es unter anderem um digitale Kompetenzen, aber auch um Förderung von Mobilität und Gesundheit.

Rund 782.000 Euro gehen für zwei Projekte an die „Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Flensburg“. Ihr Förderprojekt „DABEI“ zielt auf die Teilhabe von Migrantinnen am gesellschaftlichen und beruflichen Leben. Dabei geht es neben psychosozialer Begleitung und eine berufsbezogene Sprachförderung unter anderem um die Förderung der Mobilität der Teilnehmerinnen.

Christoph Fels von „DABEI“ und Friederike Schultz von „LISA“

Das Projekt „LISA“ betreut in enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Arbeitslose unter Einbeziehung aller Familienmitglieder. Bestandteil ist unter anderem ein Online-Lernportal sowie der Abschluss von Zielvereinbarungen und deren Überprüfung als Grundlage einer Integrationsstrategie für alle Mitglieder der jeweiligen Bedarfsgemeinschaft.

Natalie Kohlmorgen von der Dithmarscher „hoelp gGmbH“ aus Meldorf freute sich ebenfalls über einen Förderbesceid

Knapp über 571.000 Euro gehen an die „hoelp gGmbH“ in Meldorf und Heide mit ihrem Projekt „Ich schaffe das!“.  Es handelt sich um ein begleitendes, individuelles und regelmäßiges Einzelcoaching von Arbeitslosen mit oder ohne Migrationshintergrund. Dabei werden die familiären und sozialen Strukturen der Betroffenen eng einbezogen. Das Angebot umfasst eine sozialpädagogische Unterstützung der Bedarfsgemeinschaft und verschiedene Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Auch hier sollen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Tagesmutter oder zum Tagesvater qualifiziert werden. Die Teilnehmenden sollen zudem direkt in Betrieben eingesetzt werden.

Asmussen

Einen Förderbescheid über knapp 500.000 Euro übergab Rohlfs an Ole Asmussen für das Rendsburger Projekt „O.Hana – Familie, Arbeit“ der Fortbildungsakademie der Wirtschaft. „O.Hana“ richtet sich an Erziehende und junge Familien und soll mit Hilfe innovativer Selbstmotivationsansätze zu einer Verbesserung der Familiensituationen der Betroffenen führen und zugleich das Thema Arbeit wieder in den Fokus rücken. Im Mittelpunkt steht unter anderem ein Bewerbungs- sowie Qualifizierungscoaching. Zudem geht es um das schrittweise Erlernen der Vereinbarkeit von Familie, Beruf oder Ausbildung.

Das Hilfsangebot „KAKADU“ der Neumünsteraner „AWO Service GmbH“ wurd mit knapp 443.000 Euro gefördert. Es richtet sich an Arbeitslose mit oder ohne Migrationshintergrund und gliedert sich in drei Phasen: Nach Ermittlung des Unterstützungsbedarfs – insbesondere mit Blick auf eine mögliche Kinderbetreuung – werden im Rahmen einer Kompetenzanalyse fachliche und überfachliche Fähigkeiten ermittelt. Die AWO Service GmbH unterhält dazu eine Kreativwerkstatt. Die dritte Phase beinhaltet die Teilnahme an verschiedenen arbeits- und lebensweltbezogenen Bausteinen. Darunter ein Mobilitätsworkshop, die Erprobung und Teilqualifizierung in den Bereichen Metall, Bau, Lager, Handel und Hauswirtschaft. Über die betriebliche Erprobung werden sogenannte „Klebeeffekte“ erwartet, die im Idealfall mit einer Integration in den Arbeitsmarkt enden.

An die „Frauen-Initiative e.V.“ im Kreis Herzogtum-Lauenburg gehen für das Projekt „Los geht’s“ rund 254.000 Euro. Hier erden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Einzel- und Gruppencoaching, Beratung und vielseitiger Bildung an drei Standorten im Kreis Herzogtum Lauenburg gefördert.

Rohlfs mit Jennifer Guhl von der Fraueninitiative in Lauenburg

„Dabei sollen etablierte Abwehrmechanismen und Komfortzonen aufgebrochen werden“, erläutert Rohlfs. Das Projekt umfasse Aktivitäten in den Bereichen Bewegung, Sport, Gesundheit, Ernährung und Hygiene sowie Veranstaltungen, Betriebsbesichtigungen und Praktika in unterschiedlichen Branchen. Über die Angebote sollen eigene Interessen der Frauen und Männer gefördert werden sowie neue Gruppen und Freundschaften entstehen, die soziale Kompetenz und gegenseitige Anerkennung stärken.

Laut Rohlfs liegt die Langzeitarbeitslosigkeit mit 31.108 Menschen in Schleswig-Holstein derzeit weit über dem Stand vor der Pandemie (25.000) „Wir müssen also weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um Arbeitssuchende und den hohen Bedarf an Fachkräften im Land klug zusammen zu bringen. Dazu ist die Förderung aller 14 Einzelprojekte in den kommenden Jahren sehr gut angelegtes Geld“, sagte er. Über die 6,3 Millionen Euro für die aktuellen Projekte hinaus, stehen bis 2026 weitere 24 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln zur Verfügung, um andere innovative Vorhaben für Wege in Beschäftigung zu fördern.

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