Bündnis gegen Holper-Pisten: Land und Verbände sagen Wurzelaufbrüchen den Kampf an

Verkehrs-Staatssekretär Rohlfs (rechts) besuchte im April ein LBV.SH-Pilotprojekt in Giekau bei Plön: Hier wird mit einer Kombination aus Vliesschicht und Beton-Granulat versucht, Wurzeln „unter der Decke zu halten“

Radfahren ist klimafreundlich, umweltschonend und zugleich Baustein der Tourismusstrategie Schleswig-Holstein. Um die Attraktivität des weit über 5000 Kilometer langen Radwegenetzes im echten Norden zu erhalten und weiter zu steigern, sagen Landesregierung und Verbände den vielen Holper-Pisten im Land, die vor allem durch Wurzelaufbrüche entstehen, geschlossen den Kampf an. Verbände für Naturschutz und Radfahrende, Fachbehörden sowie das Umwelt- und das Verkehrsministerium haben dazu mit Unterstützung der kommunalen Landesverbände eine Vereinbarung zum Umgang mit Wurzelaufbrüchen unterzeichnet.

Das Problem: Bei der Sanierung beschädigter Radwege kollidieren unterschiedliche Interessen. Für die öffentliche Hand sind die Bauarbeiten mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden, der Naturschutz befürchtet durch Sanierungsarbeiten Schäden an Bäumen. Verkehrs-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs zeigte sich über das Bündnis entsprechend erleichtert: „Mit diesem Schulterschluss machen wir die betroffenen Radwege sicherer und bringen die widerstreitenden Interessen zusammen. Ich danke allen, die an den Handlungsempfehlungen mitgearbeitet und so den Weg zu Kompromisslösungen bereitet haben.“

Dorit Kuhnt

Umweltstaats-Sekretärin Dr. Dorit Kuhnt: „Die Vereinbarung ist eine wichtige Entscheidungshilfe, um Aspekte des Naturschutzes, des Fahrkomforts und der nachhaltigen Nutzbarkeit bei der Sanierung von Radwegen in Einklang zu bringen. Eine Patentlösung gibt es hierfür nicht. Jeder Radweg muss mit Blick auf die örtlichen Gegebenheiten individuell betrachtet werden.“

Die Strategie beinhaltet unter anderem eine Analyse der Vor- und Nachteile verschiedener Sanierungsarten. Klar sei allen Beteiligten, dass eine landesweit einheitliche Bauweise weder praktikabel noch zielführend sei. Deshalb würden keine starren Pauschallösungen aufgezeigt, sondern ein großer Handlungsspielraum eröffnet, so Kuhnt und Rohlfs.

Auch Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV.SH), freute sich: „Wir werden alternative Bauvarianten in der Praxis erproben und schauen, welche die besten Ergebnisse liefern. Dies werden wir zudem regelmäßig auswerten.“

Lars Münchau, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs Schleswig-Holstein e.V.: „Mit der stetigen Zunahme des Radverkehrs in den letzten Jahren steigen auch die Anforderungen an Radwegenetz, Instandhaltung und Maßnahmen zur Sicherheit. Deswegen muss neben der Planung von Neubauten zur Erweiterung des Radwegenetzes der Fokus auch auf Wartung und Sanierung der vorhandenen Radwege gelegt werden. Denn dort lauern wegen zum Teil immenser Schäden – beispielsweise durch Wurzelaufbrüche – erhebliche Gefahren. Nur eine attraktive und sichere Gestaltung der Infrastruktur für den Radverkehr wird der Bedeutung des Fahrrads als alltägliches und umweltbewusstes Verkehrsmittel gerecht.“

Der BUND Schleswig-Holstein bewertet die Initiative zur Sanierung von Wurzelaufbrüchen in Radwegen grundsätzlich positiv: „Wir begrüßen, dass von Seiten des Landesverkehrsministeriums die Umwelt- und Radverkehrsverbände von vornherein mit eingebunden wurden. In der nun folgenden Umsetzungsphase muss sich erweisen, wie sich das gemeinsam erarbeitete Konzept bewährt. Es wird sich zeigen, wie den Verbänden die angekündigte Beteiligung ermöglicht werden wird“, resümierte Ole Eggers, BUND-Landesgeschäftsführer.

Hermann Schultz, NABU-Landesvorsitzender: „Die Initiative der verschiedensten Akteure, den Umgang mit Wurzelaufbrüchen in Radwegen zu regeln, wird vom NABU sehr begrüßt. Denn hiermit wird ein wichtiger Grundstein gelegt, um den Radfahrenden unter Berücksichtigung der naturschutzrechtlichen und -fachlichen Anforderungen sicher und komfortabel zu befahrende Radwege zur Verfügung zu stellen.“

Und Dr. Iris Pretzlaff, Geschäftsführerin des Landesnaturschutzverbandes Schleswig-Holstein, sagte: „Wichtig ist uns auch, dass die gemeinsame Arbeit fortsetzt wird und sich auch für den Neubau von Radwegen auf eine nachhaltige Bauweise verständigt wird. Dabei ist von Beginn an darauf zu achten, dass Wurzelaufbrüche und andere Schäden langfristig verhindert werden.“

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