Madsen vor Minister-Meeting: Besseres Angebot muss Vorfahrt vor Billig-Ticket haben

Ein günstiges neues Ticket für Bus und Bahn soll kommen – darüber gibt es weitgehende Einigkeit. Doch die Ausgestaltung und Finanzierung ist offen. Im Vorfeld der morgigen Sonderkonferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern setzt  Verkehrsminister Madsen klare Prioritäten.

Im Tauziehen um ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket fordert Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen klare finanzielle Zusagen des Bundes. «In erster Linie brauchen wir ein entsprechendes Angebot für Bus und Bahn», sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur vor der Sonderkonferenz. «Ich habe so ein bisschen das Gefühl, wir sitzen alle im Zug und wenn wir nach vorne schauen, sehen wir, dass unsere Gleise aufhören, aber wir diskutieren darüber, ob wir nicht unsere Fahrkarten preiswerter machen sollen.»

Priorität haben die Sicherung des Betriebs und der Ausbau der Infrastruktur, also die Schaffung eines besseren Angebots, sagte Madsen. «Es nützt ja nichts, wenn ich in Schleswig-Holstein irgendwo in einem Dorf stehe, wo Bus und Bahn nicht fahren, aber dafür gibt es das Ticket künftig zum halben Preis.» Trotzdem müsse es ein Nachfolgeticket geben, sagte der Minister. Es sollte aus seiner Sicht keine Zahl im Namen bekommen, sondern Klima- oder Mobilitätsticket heißen. «Sonst wären wir ja auf ewig auf eine Summe fixiert.» Die Bundesregierung strebt eine Spanne zwischen 49 und 69 Euro im Monat an. Dies würde auch Madsen mittragen.

Hier das komplette Interview von Madsen mit dem Kieler dpa-Korrespondenten Wolfgang Schmidt:

«Zuerst aber muss uns der Bund zusichern, dass wir die Mittel, die wir brauchen, um unser aktuelles Angebot zu erhalten und unsere Infrastruktur auszubauen, auch sicher haben», nannte er als Voraussetzung. Auch die erhöhten Energiekosten müssten berücksichtigt werden. Nicht nur Bäckereien haben mit höheren Energiekosten zu kämpfen.

Es gehe darum, dass der Bund in ausreichender Höhe die Regionalisierungsmittel für Ausbau, Erhalt und Betrieb der Infrastruktur und zusätzlich für ein gefördertes Ticket fest zusagt, betonte Madsen. Dies sei keine freiwillige Leistung sondern seine im Grundgesetz verankerte Pflicht. «Wir brauchen in den nächsten zehn Jahren allein für Schleswig-Holstein weit über eine Milliarde Euro, wahrscheinlich sogar zwei Milliarden oder mehr.» Allein für die Aufrechterhaltung des bestehenden Nahverkehrsangebots benötige das Land aufgrund der explodierenden Kosten für Energie und Personal einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. «Wir reden also über riesige Summen und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir richtig an die Sache herangehen.»

Im Erfolgsfall könnte das neue Ticket zügig starten. «Wir warten dann nicht, bis wir 2030 die letzte Ausbaustufe erreicht haben», sagte Madsen. «Aber meine Befürchtung ist: Wir einigen uns auf ein Ticket und diskutieren dann über die Regionalisierungsmittel.» Sollten diese nicht wie erforderlich kommen, werde es nicht um einen Ausbau des Angebots gehen, sondern um Streichungen.

Madsen zeigte sich überzeugt, dass ein neues Ticket bald beschlossen wird. Das 9-Euro-Ticket sei auch in Schleswig-Holstein mit über 700.000 verkauften Exemplaren ein großer Erfolg gewesen, habe aber auch die Grenzen des Systems verdeutlicht. Es werde ein Ringen geben. «Ich glaube, innerhalb der nächsten Wochen werden wir eine Lösung bekommen; wir reden nicht über Monate.» Die Bürger wollten ein einfaches, verständliches und preiswertes Angebot. «Die Menschen wollen aber auch Qualität und Verlässlichkeit. Und das bekommen wir nur hin, wenn wir auch investieren.»

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