IHK-Spitzen bei Minister Madsen mit Themen von Ausbildung über Bürokratie bis zur A 20

Aus Sicht der Spitzenvertreter der schleswig-holsteinischen Industrie- und Handelskammern hapert es an vielen Schulen im Land nach wie vor an einer guten Vorbereitung auf das Berufsleben. Das war eines der Kernthemen, die von den IHK-Hauptgeschäftsführern und ihren Präsidenten heute bei einem Arbeitstreffen an Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen adressiert wurden. Pro Jahrgang würden aktuell deutlich zu viele Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein ohne Berufsabschluss bleiben. Das sei angesichts des wachsenden Fachkräftemangels eine problematische Größenordnung, hieß es. Auch bei einigen Berufsbildungszentren im Land beklagen die Wirtschaftsvertreter in einigen Bereichen zu praxisferne Ausbildungsangebote. Es gebe allerdings auch exzellente und marktgerechte Ausbildungsangebote.

Madsen – zuständig für die Fachkräfte-Initiative Schleswig-Holstein (FI.SH) – regte unterdessen an, dass die Wirtschaft von sich aus über eine Lehrplatz-Angebotsgarantie nachdenken könne. «Auch, wenn darüber mit Sicherheit nicht jeder angehende Azubi in seinem Wunschberuf unterkommt», so der Minister.   

Arbeitstreffen mit den IHK-Spitzen des Landes (v.l.): Björn Ipsen (Flensburg), Lars Schöning (Lübeck), Minister Madsen, Jörg Orlemann und Knud Hansen (Kiel), Hagen Goldbeck (Lübeck) und Thomas Jensen (Flensburg)

Erst in der jüngsten IHK-Mitgliederbefragung hatten sich die Unternehmen bessere Rahmenbedingungen gewünscht, um die Fachkräftesituation in ihren Betrieben zu verbessern. Am häufigsten genannt wurde dabei der Bürokratieabbau, damit Beschäftigte mehr Zeit für ihre eigentliche Tätigkeit haben (49,5 Prozent). Die Unternehmen sprechen sich aber auch die Stärkung der beruflichen Bildung durch eine praxisorientierte Berufsorientierung und die Aufwertung der Berufsschulen aus (48,4 Prozent), ebenso für Erleichterungen bei der Einstellung ausländischer Fach- und Arbeitskräfte (36,6 Prozent).

Ein weiteres Thema des Spitzentreffens: Die explodierenden Strom- und Energiepreise und die von Bund und Land aufgesetzten Entlastungen und Härtefallregelungen. Madsen erinnerte in dem Zusammenhang erneut an das vom Land aufgesetzte 200-Millionen-Euro-Bürgschaftsprogramm für Darlehen. Die IHK-Spitzen mahnten unterdessen an, dass es vielmehr dringend an der Zeit sei, die Kosten für den Um- und Ausbau der Energienetze bundesweit gerecht zu verteilen: Länder wie Schleswig-Holstein, die einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der bundesweiten Klima- und Ausbauziele für Erneuerbare Energien leisten, würden besonders benachteiligt – dabei müsse es eigentlich umgekehrt sein.

Last not least spielte bei dem Treffen einmal mehr auch der stockende Weiterbau der A 20 eine Rolle: Nachdem Madsen bereits am Vortag klargestellt hatte, dass für die Landesregierung ein von Naturschützern gefordertes Moratorium nicht in Betracht komme, machten auch die IHK-Chefs deutlich: „Wenn Bundesverkehrsminister Volker Wissing einen nationalen „Infrastrukturkonsens“ fordere, sei dies im Interesse der Wirtschaft. Lübecks IHK-Präsident Hagen Goldbeck: «Natürlich sind auch wir am Dialogprozess interessiert, aber fragen uns, wann wir vom Reden endlich ins Machen kommen.» In der öffentlichen Diskussion fehle, dass der motorisierte Individualverkehr in der Fläche häufig die effizienteste Form des Verkehrs darstelle. Es müsse folglich daran gearbeitet werden, den Straßenverkehr unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen. «Nicht der Verkehrsträger Straße an sich ist das Problem, sondern die verzögerte Energie- und Antriebswende», sagte Goldbeck. Madsen kündigte unterdessen ein Schreiben an Bundesverkehrsminister Wissing an, in dem er den Bund auffordert, planerisch weit fortgeschrittene Großvorhaben wie die A 20 ausdrücklich vom angestrebten „Infrastrukturkonsens“ auszunehmen. «Das sind wir unter anderem den staugeplagten Menschen rund um Bad Segeberg schuldig», sagte Madsen.

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