Schleswig-Holstein baut seine Spitzenposition bei Glasfaser weiter aus: „Bei 70 Prozent aller Hausadressen liegt Glasfaser mindestens vor der Tür und knapp 50 Prozent aller Haushalte nutzen bereits einen Anschluss“, sagte Technologie-Staatssekretärin Julia Carstens heute bei den Glasfasertagen des Deutschen Instituts für Breitbandkommunikation (dibkom) in Kiel.
Fast jedes zweite Haus sei damit an das leistungsstarke Internet angeschlossen. Bundesweit liege die Anschlussquote derzeit bei rund 26 Prozent, so Carstens.
Nach den Worten der Staatssekretärin ist das Ziel der Landesregierung, bis 2025 eine weitgehend flächendeckende Versorgung in Schleswig-Holstein sicherzustellen. Dieses Ziel sei schon sehr greifbar. Der Fokus liege dabei aber längst nicht mehr nur darauf, im ländlichen Raum Glasfaserleitungen zu verlegen, sondern auch in den Städten. „Es bleibt wichtig, den Glasfaserausbau weiter voranzutreiben. Schleswig-Holstein ist ein gutes Vorbild, wie durch kluge Nutzung von Fördermitteln neben dem eigenwirtschaftlichen Ausbau der Telekommunikationsunternehmen ein schneller und möglichst lückenloser Ausbau erreicht werden kann“, so Carstens.
Die diesjährigen dibkom-Glasfasertage setzen einen Schwerpunkt auf die Breitbandkabel-Verlegung innerhalb von Wohnhäusern. Laut Carstens spiegele sich darin die Entschlossenheit wider, nicht nur die Hausadressen zu erreichen. „Es geht auch darum, sicherzustellen, dass die leistungsstarke Infrastruktur in die inneren Bereiche der Wohngebäude vordringt und somit alle Wohnungen mit Glasfaser erschlossen werden können.“ Ziel von Landesregierung und Breitband-Kompetenzzentrum sei die umfassende Erschließung der städtischen Gebiete. „Dieser Schwerpunkt unterstreicht das Engagement des Landes nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in urbanen Zentren ein modernes und zukunftssicheres Glasfasernetz zu etablieren“, sagte Carstens.
Die Landesregierung berät mit Wirtschaft und Wissenschaft über die Zukunft der maritimen Industrie im Norden. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen setzt vor allem auf eine Branche.
Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sieht große Chancen für Schleswig-Holstein in der Entwicklung und dem Bau klimaneutraler Schiffe und Antriebstechnologien. «Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten und zugleich unsere maritime Branche im Land mit ihren rund 2300 Betrieben und 37 000 Beschäftigten wetterfest zu machen», sagte der CDU-Politiker heute zum Auftakt der Dialog-Reihe mit Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung.
Eine besondere Rolle in der maritimen Wirtschaft könnte in den kommenden Jahren der Meerestechnik zukommen. Das Deutsche Institut für Luft und Raumfahrt (DLR) entwickelt an einem Institut für maritime Energiesysteme in Geesthacht zusammen mit der Industrie emissionsarme und emissionsfreie Energiesysteme. «Hierzu gehören neben Transportkonzepten für alternative Kraftstoffe unter anderem Brennstoffzellen für Schiffe, aber auch Energiespeicher-, Verteilungs- und Beladungs-Infrastrukturen für emissionsarme oder -freie Kraftstoffe», sagte Professor Sören Ehlers. Das Institut baue in Kiel eine Testinfrastruktur auf, um modulare Energie- und Schiffskonzepte zu entwickeln. Der Transport von reinem flüssigem Wasserstoff habe große Potenziale, künftig riesige Energiemengen zu transportieren – es fehle aber noch an erprobten Tank- und Transfersystemen.
Hier ein Mitschnitt des Pressegesprächs zum Maritimen Zukunftsdialog:
Der maritime Koordinator der Landesregierung, Andreas Burmester, betonte, «vor allem die Windenergiebranche wird trotz aller Herausforderungen dafür sorgen, dass wir weitgehend autark und damit attraktiv für weitere Ansiedlungen vom Kaliber des schwedischen Batterieherstellers Northvolt sind». In Nordseehäfen könnten langfristig Industriearbeitsplätze für die Wartung von Offshoreanlagen entstehen und den Wandel zum grünen Industrieland beflügeln. «Der damit verbundene Strukturwandel wird neue Produkte wie beispielsweise autonome Fähren oder intelligente Verfahren zur Entsorgung von Munition im Meer entstehen lassen und so für hochwertige Arbeitsplätze sorgen.»
Madsen und Burmester erneuerten auch noch einmal ihren Appell an die Bundesregierung, dass im Zuge des Auf- und Ausbaus von Offshore-Windparks im deutschen Teil von Nord- und Ostsee künftig auch stärker die heimische Werftindustrie zum Zuge kommen müsse. „Die Bundesregierung muss den Netzbetreibern klare Vorgaben machen, dass die Aufträge an deutsche Standorte vergeben werden.“ Zudem könnten „lokale Vergabequoten“ helfen, die Wettbewerbsnachteile gegenüber hochsubventionierten ausländischen Anbietern auszugleichen.
Der Minister und der Maritime Koordinator halten es vor allem für geboten, dass etwa bei Vorhaben wie dem Bau von Komponenten für Konverter-Plattformen die Werften in Schleswig-Holstein berücksichtigt werden sollten. Für beide sei es nicht nachvollziehbar, dass die vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), der maritimen Industrie und von den Nordländern seit Jahren klar geforderten Maßnahmen für eine funktionierende Vergabe von Aufträgen an die heimischen Werften noch immer nicht umgesetzt worden seien.
„Unsere Werften verlieren den Anschluss an Europa und die Welt, wenn sie sich im Wettbewerb nicht positionieren können“, warnte Madsen. Dabei hätten sie die technische Kompetenz und die Erfahrung, um zu Deutschlands Ausbau der Offshore-Windkraft-Leistung beizutragen.
Startschuss der Planungen zum Ausbau einer der wichtigsten Bahnstrecken in Schleswig-Holstein: Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG, unterzeichneten heute in Tornesch (Kreis Pinneberg) eine entsprechende Vereinbarung für das lang ersehnte dritte und vierte Gleis zwischen Pinneberg und Elmshorn.
Minister Madsen mit der DB-Konzernbevollmächtigten Ute Plambeck (rechts) und Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (links) beim Pressegespräch im Heimathaus Tornesch
«Die Landesregierung bekennt sich zur Verkehrswende und finanziert die Planungskosten von fast 17 Millionen Euro in voller Höhe allein», sagte Madsen. Erst nach Abschluss der Vorplanungen werde eine genauere Abschätzung der Investitionskosten möglich sein, die zu 75 Prozent der Bund tragen soll. Laut Madsen werde der Ausbau der Strecke auch durch umfangreiche Schienenprojekte in Hamburg beeinflusst. So werden etwa der neue Bahnhof in Altona Nord und der geplante Verbindungsbahnentlastungstunnel wesentliche Auswirkungen auf das Projekt haben. Daher laufen die Planungen in enger Abstimmung mit Hamburg.
Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs:
Senator Tjarks sagte: «Die Schienenverbindung zwischen Elmshorn und Pinneberg ist eine der wichtigsten in Schleswig-Holstein. Mit ihrem Ausbau von zwei auf vier Gleise soll die Zuverlässigkeit im Bahnbetrieb maßgeblich erhöht werden. Mehr Schienen bedeuten gleichzeitig Platz für mehr Züge und damit mehr Zuverlässigkeit, Resilienz und Flexibilität im gesamten System. Das hat auch für Hamburg eine große Bedeutung, denn die täglichen Pendler-Verkehre machen nicht an der Landesgrenze halt. Die Mobilitätswende gelingt nur, wenn sie länderübergreifend gelingt. Deshalb werden wir Länder gemeinsam mit der DB die gesamte Achse Elmshorn – Pinneberg – Hamburg in den Blick nehmen, unter Berücksichtigung von Ausbauprojekten auf Hamburger Gebiet. Gemeinsam wollen wir die beste Lösung für den gesamten Korridor von Elmshorn über Hamburg bis nach Niedersachsen finden – mit zuverlässigeren Verbindungen und besserer Taktung für die Fahrgäste in der gesamten Metropolregion.»
Die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck erläuterte: «Wir begrüßen jeden Ausbau des Schienennetzes im Norden. Die Strecke Pinneberg-Elmshorn hat für die Mobilität der Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg eine enorme Bedeutung. Wir schaffen mit der Starken Schiene auf der Westachse Schleswig-Holsteins mehr Platz für unsere Züge – und damit auch mehr schnelle Verbindungen für unsere Kundinnen und Kunden. Ein wichtiges Signal geht auch von der länderübergreifenden Perspektive nach Hamburg aus.»
Nach den Worten von NAH.SH-Chef Dr. Arne Beck sei der Streckenabschnitt ein Nadelöhr im Bahnnetz und seit Jahren Gegenstand vieler Betriebsstörungen mit Auswirkungen auf große Teile Schleswig-Holsteins. „Zusammen mit dem Ausbau des Bahnhofes Elmshorn und des fast abgeschlossenen Umbaus des Bahnhofes in Pinneberg wird die Bahnstrecke zukünftig eine wesentlich bessere Betriebsqualität erreichen“, so Beck.
Torsten Conradt mit Minister Madsen und Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide
Ein prall gefülltes Berufsleben für den schleswig-holsteinischen Straßenbau: Nach 40 Jahren Dienstzeit hat Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute den Chef des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) in den Ruhestand verabschiedet. Torsten Conradt stand 14 Jahre lang an der Spitze des LBV.SH und war dort zuletzt unter anderem für 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 8.000 Kilometer Straßen, 1.700 Brücken und 5.200 Kilometer Radwege verantwortlich. Zuvor war der gelernte Ingenieur mehrere Jahre in leitender Funktion im Verkehrsministerium und verschiedenen Straßenbauämtern des Landes tätig. Seine Nachfolge tritt sein bisheriger Stellvertreter Frank Quirmbach an.
„Ich kenne nur wenige Experten, die so hochkompetent und leidenschaftlich ihren Job gemacht haben wie Torsten Conradt“, sagte Madsen heute im Kieler LBV.SH-Betriebssitz bei der Abschiedsfeier. Der 65-Jährige hinterlasse riesige Fußstapfen und ein gut bestelltes Haus. „Er kennt das Straßen- und Radwegenetz wie kein anderer und ist in der Szene vernetzt wie kein anderer“, sagte Madsen weiter. Er hätte ihm deshalb von Herzen gewünscht, dass die Autobahn A 20 – die ihn durch sein gesamtes Berufsleben begleitet habe – in seiner Amtszeit fertig gebaut worden wäre. „Aber wir bleiben dran“, versprach der Minister. Hier ein paar Eindrücke vom heutigen Abschied des Spitzenbeamten – Video starten
Conradt war nach dem Studium an der TU Braunschweig in der 70er Jahren in seine Heimat Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Nach dem Referendariat arbeitete der dreifache Vater und leidenschaftliche Golfspieler im damaligen Straßenneubauamt West in Heide. 1988 wechselte er als Abteilungsleiter ins Straßenbauamt Itzehoe und ging 1992 als Dezernent ins damalige Landesamt für Straßenbau und Verkehr nach Kiel. Seit 1998 bis zur Übernahme des Landesbetriebes im August 2009 leitete Conradt dann das Referat „Straßenbau, Straßenbautechnik, Kommunaler Straßenbau“ im Verkehrsministerium.
Conradt bei einer der unzähligen Straßenfreigaben während seiner Zeit als LBV.SH-Direktor
Madsen: „Meine beiden Staatssekretäre und ich haben den LBV-Chef stets als sehr verantwortungsbewussten Menschen kennengelernt, der sich mit seinen Aufgaben hundertprozentig identifiziert. Er hat den Landesbetrieb nicht nur getragen, sondern auch gestaltet und immer wieder weiterentwickelt.“
Conradts Nachfolger Quirmbach tritt seine neue Funktion offiziell am 1. Dezember an. Auch er ist bereits seit knapp 30 Jahren im Landesdienst und seit 1996 im Verkehrsressort tätig. Die Funktion des „LBV.SH-Vize“ hat der Betriebswirt seit zehn Jahren inne. „Er ist auf die neue Aufgabe also bestens vorbereitet“, sagte Madsen.
Quirmbach (58) hat Betriebswirtschaftslehre, Soziologie sowie Berufspädagogik an der Universität Siegen studiert. 1995 begann er seine Laufbahn in der Landesverwaltung Schleswig-Holstein. Zunächst war er Referent für Organisation und Automation im Wirtschafts- und Verkehrsministerium, 1998 übernahm er die Referatsleitung für das Referat Organisation, Informationstechnik und Service; später die Leitung des Referats Finanzen. Schwerpunkt seiner Arbeit war die Konzeption und Durchführung von Veränderungsprozessen im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung.
Die Wirtschaftsminister von Bund und Ländern haben heute in Berlin auf Einladung von Robert Habeck über die geplante Milliarden-Förderung von Wirtschaftsprojekten beraten. Es ging auch um das Northvolt-Batteriewerk bei Heide. Denn nachdem das Bundesverfassungsgericht vor zwei Wochen 60 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) der Bundesregierung gestrichen hat, ist weiter unklar, wie die Ampelkoalition die ursprünglich geplante staatliche Förderung der Vorhaben bezahlen will.
Habeck machte klar, dass er und seine Kollegen das Vertrauen der Wirtschaft darin erhalten wollen, «dass alle Projekte, die mit dem KTF erarbeitet wurden, auch möglich gemacht werden sollen». Weiter sagte er bei einer Pressekonferenz – Video starten…
Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen machte nach dem Treffen unterdessen klar, dass er vom Bund Klarheit für Northvolt erwarte. «Wir brauchen ein klares Signal an den Investor, dass wir zu den Zusagen auch stehen, die wir bereits getroffen haben – zumal der ,Point of no return’ bei dem Heider Großprojekt bereits überschritten ist», sagte er. Nun müsse auch der Bund den Weg ebnen, damit keine Zweifel entstünden. Dies gelte aber auch generell für Ansiedlungsprojekte: Hier müsse Investoren signalisiert werden, dass Deutschland auch das umsetzt, was es verspricht. Madsen sagte weiter – Video starten…
Der schwedische Investor Northvolt will in einer Fabrik in Heide ab 2026 Batteriezellen für Elektroautos herstellen. Durch die 4,5 Milliarden Euro teure Investition sollen 3000 Arbeitsplätze entstehen. Das Unternehmen habe in das Bauvorhaben in Heide bislang bereits rund 100 Millionen Euro an eigenen Mitteln investiert, heißt es im Umfeld des Projekts.
Madsen zeigte sich zufrieden, dass bei den Beratungen immerhin ein Festhalten an allen Projekten beschlossen wurde. Er habe sich allerdings gewünscht, dass die Wirtschafts- und Energieminister mehr über Lösungsansätze und den Weg dorthin diskutieren, als darüber, was alles noch offen ist.
Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetzes bietet aus Sicht von Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen gute Chancen, die für 2035 für den Norden prognostizierte Fachkräftelücke von 180.000 Arbeitskräften einzudämmen. Derzeit würden in Schleswig-Holstein nur rund 2.200 Menschen aus so genannten Drittstaaten jährlich eine Beschäftigung im Rahmen des beschleunigten Fachkräfteverfahrens aufnehmen. «Um aber unsere Lücke zu schließen benötigen wir eine jährliche Netto-Zuwanderung zwischen 10.000 und 13.000 qualifizierten Menschen», sagte Madsen der Deutschen Presse-Agentur. Das neue Gesetz bahne dafür den Weg – könne allerdings nur ein erster Schritt sein, so der CDU-Politiker.
Neu an dem vor wenigen Tagen in Kraft getretenen Gesetz – weitere Schritte sollen 2024 folgen – ist unter anderem die Einführung einer sogenannten Chancenkarte auf Basis eines Punktesystems. Zu den Auswahlkriterien für arbeitswillige Einwanderer, die diesen Weg wählen, gehören Sprachkenntnisse, Berufserfahrung, Alter und Deutschlandbezug. Ausländische Fachkräfte müssen künftig ein Mindestgehalt von rund 43.800 Euro erreichen, statt wie zuletzt 58.400 Euro brutto jährlich. Asylbewerber, die vor dem 29. März 2023 eingereist sind und eine Qualifikation sowie ein Jobangebot haben, sollen – wenn sie ihren Asylantrag zurücknehmen – eine Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft beantragen können. Bislang musste man dafür erst ausreisen und sich dann vom Ausland aus um ein Arbeitsvisum bemühen.
Madsen beim jüngsten Fachkräfte-Kongress in Kiel
Den größten Schub erhofft sich Madsen vor allem durch die Einführung des Branchenwechsels für alle so genannten nicht-reglementierten Berufe. «Für Unternehmen in Schleswig-Holstein bedeutet das, dass sie internationale Fachkräfte mit einer in ihrem Heimatland abgeschlossenen Berufsausbildung auch für solche Tätigkeiten einstellen können, die nicht ihrem erlernten Beruf entspricht.» Auf diese Weise hätten Arbeitgeber künftig einen deutlich größeren Spielraum bei Einstellungen, so Madsen. Als Beispiel nannte er, dass eine ausländische Fachkraft im Bereich Büromanagement künftig auch in der Logistik beschäftigt werden könne.
Hoffnung setzt Madsen auch auf die Änderungen für Berufskraftfahrer aus Drittstaaten. In diesem Bereich werde das Verfahren zur Einreise vereinfacht. «Zukünftig kann der Arbeitgeber entscheiden, ob die Deutschkenntnisse für die Tätigkeit ausreichen», sagt Madsen. Zudem trage der Arbeitgeber künftig die Verantwortung dafür, dass eine EU- beziehungsweise EWR-Fahrerlaubnis und die beschleunigte Grundqualifikation vorliege. Er erinnerte allerdings daran, dass weiterhin Stichproben-Kontrollen durch die zuständigen Stellen vorgenommen würden und bei Verstößen empfindliche Strafen drohen.
Nachbesserungsbedarf sieht Madsen bei der Erhöhung der Kontingente für die Westbalkan-Regelung und die kontingentierte kurzzeitige Beschäftigung. Dadurch könnten saisonalen Personalengpässe in den für Schleswig-Holstein wichtigen Bereichen Landwirtschaft und Gastronomie reduziert werden. Zudem sei der Bund gefordert, in Abstimmung mit den Ländern für Verfahrenssicherheit in der Umsetzung des Gesetzes zu sorgen. «Dafür braucht es eine Aufstockung der personellen Ressourcen in Visa-Stellen und Ausländerbehörden, um den aktuellen Bearbeitungsstau rasch abzubauen», so der Minister.
Der schwedische Investor Northvolt hat die Bundesregierung aufgefordert, schnell den Weg für in Aussicht gestellte staatliche Finanzhilfen für seine geplante Batteriefabrik im schleswig-holsteinischen Heide freizumachen. Sein Unternehmen brauche jetzt innerhalb von Tagen Klarheit in dieser Frage, sagte der Deutschlandgeschäftsführer Christofer Haux der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Wir haben keinen Grund an den bestehenden Zusagen der Bundesregierung an uns zu zweifeln, aber es ist auch klar, dass wir bei einer Lösung nicht über Wochen oder Monate reden.»
Haux
Wie das Blatt unter Berufung auf eigene Informationen berichtet, geht es um staatliche Finanzhilfen von 550 Millionen Euro, die bisher aus dem Klimatransformationsfonds stammen sollten. Nach dem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts sei unklar, ob und wie das Geld tatsächlich bereitgestellt werden könne. Die Richter hatten die Umwidmung von Geldern in der Finanzplanung des Bundes für unzulässig erklärt.
Unterdessen hat der Landtag in Kiel heute per Dringlichkeitsantrag beschlossen, zugesagte Landesmittel in Höhe von bis zu 137 Millionen Euro aus einem Ukraine-Notkredit zu nehmen, sollten die Mittel noch im laufenden Jahr fließen müssen. Zuvor hatte das Parlament eine Haushaltsnotlage für 2023 und 2024 festgestellt.
Dazu sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen im Landtag weiter – Video starten:
Wie die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise weiter berichtete, soll eine kürzlich bekanntgegebene 600 Millionen Euro schwere Wandelanleihe der Staatsbank KfW für Northvolt von dem Urteil der Verfassungsrichter nicht betroffen sein. Northvolt will in der Fabrik in Heide ab 2026 Batteriezellen für Elektroautos herstellen.
Durch die 4,5 Milliarden Euro teure Investition sollen 3000 Arbeitsplätze entstehen. Das Unternehmen habe in das Bauvorhaben in Heide bislang bereits rund 100 Millionen Euro an eigenen Mitteln investiert, heißt es im Umfeld des Projekts.
Die neue „Missunde III“ kurz nach ihrem Start in Sachsen-Anhalt
Erleichterung in der Schlei-Region: Die neue Fähre „Missunde III“ hat nach monatelanger Wartezeit die Werft in Sachsen-Anhalt verlassen und befindet sich nun auf dem Weg nach Schleswig-Holstein. Sie wird vermutlich Anfang kommender Woche Kappeln erreichen und von dort Ende Januar an ihren neuen Liegeplatz gebracht. Dann, wenn an den Anlegern in Kosel (Schwansen) und Bordersby (Angeln) die letzten Arbeiten an den Rampen abgeschlossen sind. «Das ist eine gute und beruhigende Nachricht für die Region», freute sich Verkehrs- und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen.
Eigentlich sollte die neue, solarbetriebene „Missunde III“ schon im April dieses Jahres die „Missunde II“ ablösen. Doch dann verzögerten als Folge des Ukraine-Krieges Lieferengpässe bei elektronischen Bauteilen den Neubau und das Hochwasser auf der Schlei die für die deutlich größere E-Fähre erforderlichen Umbauarbeiten. Und zuletzt machte es das dauerhafte Niedrigwasser auf der Elbe unmöglich, dass die „Missunde III“ die Barthel-Werft in Derben verlassen konnte.
Sie wird in den kommenden Tagen Hamburg passieren und über den Nordostseekanal schließlich ihren vorübergehenden Liegeplatz in Kappeln erreichen. Da die Wagenseilfähre keinen eigenen Antrieb hat, wird sie die rund 460 Kilometer lange Strecke geschleppt werden.
„Wir freuen uns alle sehr darüber, dass die Missunde III nun endlich nach Hause kommt“, sagt auch Fabian Lücht, Geschäftsbereichsleiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein. Der LKN.SH ist Betreiber der Fähre. „Jetzt können wir auch verbindlich planen, wann sie die Missunde II ersetzen wird und welchen zeitlichen Rahmen die Umbauarbeiten haben werden.“ Das schaffe endlich Klarheit, auch für die Nutzer und Nutzerinnen der Fähre.
Im Kanaltunnel Rendsburg im Zuge der Bundesstraße 77 stehen die ersten größeren Wartungen durch den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) an: Heute wurden die annähernd 300 Lampen in beiden Tunnelröhren ausgetauscht.
Von der Heide (links) mit Tunnel-Manager Burkhard Miksch im Gespräch
Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide machte sich davon heute gemeinsam mit dem stellvertretenden LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach ein Bild und warb bei Autofahrerinnen und Autofahrern um Verständnis: „Betrieb und Erhalt eines Tunnels sind aufwändig, zumal die Sicherheit in Tunnelbauwerken naturgemäß noch sensibler ist als an regulären Bundesstraßen“, sagte von der Heide. Täglich würden immerhin rund 35.000 Menschen den Tunnel nutzen.
Hier ein paar Impressionen vom heutigen Ortstermin – Video starten:
Laut Quirmbach konnte durch optimierte Arbeitsabläufe die Wartung bereits heute – einen Tag früher als geplant – abgeschlossen werden. Die für morgen angekündigte Sperrung des Tunnels zwischen 8:30 und 15:30 Uhr entfällt. «Für 2023 sind somit alle regulären Arbeiten im Tunnel abgeschlossen», so Quirmbach. Die nächsten Wartungs-, Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten finden planmäßig im ersten Quartal 2024 statt.
Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland soll zur klimaneutralen Verkehrsachse der Westküste werden. Züge sollen dort ab Anfang der 2030er-Jahre statt mit Diesel elektrisch unter Oberleitung fahren. Dafür hat das Land heute die Weichen gestellt.
Heute noch per Dieselantrieb unterwegs: Der Verkehr nach Sylt/Westerland auf dem Hindenburgdamm,
Aktuell ist die sogenannte Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Sylt auf einer Länge von 173 Kilometer zwischen Itzehoe und Westerland nicht elektrifiziert. Und gehört damit bundesweit zu einer der letzten vielbefahrenen Strecken ohne Oberleitung. Damit sich das in sieben bis acht Jahren ändert, hat das das Land Schleswig-Holstein nun eine Ausschreibung für die Planungsleistungen zur Elektrifizierung der Strecke veröffentlicht. Mit der Ausschreibung werden sogenannte Generalplaner gesucht. Das sind Ingenieurbüros, die die technische Planung aller Fachrichtungen übernehmen und beispielsweise auch Umwelt-Planungsleistungen aus einer Hand anbieten. Für das Projekt geht das Land zunächst mit rund 20 Millionen Euro in Vorleistung.
«Die Marschbahnstrecke wird mit diesem umfangreichen Ausbauvorhaben fit für die Zukunft gemacht: Damit werden die Züge künftig nicht nur umweltfreundlicher und sparen jährlich 15 Millionen Liter Diesel ein. Nach Abschluss aller Arbeiten wird auch der Betriebsablauf zuverlässiger und die Züge damit auch pünktlicher», sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen in Kiel. Die Elektrifizierung per Oberleitung sei unbedingt notwendig. Dass das Land hier in erhebliche finanzielle Vorleistung gehe, sei ein deutliches Zeichen für die Verkehrswende an der Westküste. Madsen: «Damit wird auch ein bisheriger Standortnachteil für die Wirtschaft beseitigt.»
Die in der Ausschreibung gesuchten Ingenieurbüros sollen nicht nur die Elektrifizierung des 173 Kilometer langen Streckenabschnitts zwischen Itzehoe und Westerland planen. Nicht zuletzt für einen stabilen Betrieb in der Bauphase soll auch die 26 Kilometer lange, wichtige Umleiterstrecke Jübek – Husum mit Oberleitung ausgestattet werden. Zudem wird untersucht, ob weitere Infrastrukturverbesserungen zusammen mit der Elektrifizierung umgesetzt werden können: Neue Weichenverbindungen, Geschwindigkeitserhöhungen, Maßnahmen an Bahnhöfen und Haltepunkten und auch der Ausbau von Abstellkapazitäten verbessern die Robustheit des Netzes und ermöglichen im Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) vorgesehene Angebotsverbesserungen. Außerdem wird geprüft, ob und wie die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik nach neuestem europäischem Standard umgesetzt werden kann. All diese Vorhaben, die über die Elektrifizierung der Strecke hinausgehen, können jedoch nur umgesetzt werden, wenn sie sich sinnvoll in die Planung und den Bau integrieren lassen und die Finanzierung sichergestellt ist.
Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH) hat die Ausschreibungsunterlagen erstellt und verfolgt mit der Inhaberin der Streckeninfrastruktur, DB Netz, den Ausbau. Die ersten Phasen der Planung werden durch die NAH.SH beauftragt. Im weiteren Verlauf geht das Projekt an die DB Netz über, die dann auch den Bau der Oberleitung verantworten wird. Die Planungsbüros, die durch die Ausschreibung des Landes gebunden werden, begleiten das Projekt nach Möglichkeit aber über alle Leistungsphasen von der Grundlagenermittlung bis zur Ausschreibung der Bauleistungen. Beim Projektübergang an die DB Netz muss also nicht, wie bei anderen Großprojekten teilweise üblich, ein neuer Planungsdienstleister gefunden werden, was viel Zeit sparen soll.
Mit der europaweiten Ausschreibung der Planungsleistungen zur Marschbahnelektrifizierung startet die NAH.SH ein Verhandlungsverfahren, das für die in drei Lose aufgeteilte Strecke den besten Planungs-Anbieter sucht. NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck: «Durch die Elektrifizierung wird der Verkehr auf der Schiene im echten Norden noch klimafreundlicher. Ein wichtiges Ziel ist aber auch, mehr Betriebsstabilität und damit spürbar mehr Verlässlichkeit für die Fahrgäste auf der Marschbahn zu erzeugen. Mit den geplanten Maßnahmen wollen wir da einen großen Schritt nach vorn gehen.»
Die Vorteile der Elektrifizierung auf einen Blick:
Die Marschbahn nimmt als nicht elektrifizierte, aber stark befahrene Bahnstrecke deutschlandweit eine Sonderrolle ein. Züge aus dem Rest des Bundesgebietes müssen derzeit in Itzehoe von E-Lok auf Diesellok umgekuppelt werden, was betrieblich nachteilig ist und zudem auch Zeitverluste und Mehrkosten mit sich bringt. Die vollständige Elektrifizierung soll diesen Sonderzustand beseitigen und außerdem noch folgende Vorteile mitbringen:
höhere Betriebsqualität auf der gesamten Marschbahnstrecke durch leistungsfähigere E-Lok, die eine geringere Anfälligkeit für Ausfälle zeigen und leichter zu warten sind,
klimaneutraler und CO2-freier Nah- und Fernverkehr durch lokal produzierten Windstrom,
Möglichkeit der ICE-Anbindung,
umsteigefreie, zuverlässige und schnellere Verbindungen für Pendler*innen und zu Schleswig-Holsteins touristischen Premium-Destinationen an der Westküste,
Kosteneinsparungen im Betrieb von ca. 8 Millionen Euro pro Jahr.
Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus