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Energiekrise: Land hält seit heute mit 200-Millionen-Mittelstandsfonds dagegen

Um die Härten der Energiekrise für kleine und mittelständische Unternehmen in Schleswig-Holstein abzufedern, können Betriebe seit heute über ihre Hausbanken auf den Mittelstandssicherungsfonds Energie (MSFE) der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) zurückgreifen. Der mit 200 Millionen Euro ausgestattete Fonds ist Teil des von der Landesregierung beschlossenen 500-Millionen-Entlastungspakets. „Mit diesem Programm unterstützen wir Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätten im Land mit Förderdarlehen in Höhe von bis zu 750.000 Euro“, sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen.

Alle gewerblichen, haupterwerblichen, inländischen Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätte in Schleswig-Holstein können Anträge stellen. Gefördert werden Betriebe, deren Energiekosten sich im Vergleich zum letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr mindestens verdoppelt haben und die dadurch jetzt oder absehbar in Liquiditätsschwierigkeiten kommen. Unternehmen können die Förderung als verzinsliches Darlehen über ihre Hausbanken beantragen, das Darlehen wird bonitätsabhängig gewährt. Der Mindest-Darlehensbetrag liegt bei 15.000 Euro, maximal können Unternehmen 750.000 Euro beantragen. Die Antragsfrist läuft bis Oktober 2023.

Madsen sagte weiter – Audio starten…

Der Zinssatz für das Förderdarlehen liegt derzeit bei 3,5 Prozent aufgrund der gestiegenen Zinsen am Kapitalmarkt. Anpassungen aufgrund steigender Refinanzierungskosten sind möglich. Unternehmen wird eine Zinsbindung in den ersten fünf Jahren gewährt, die ihnen laut Madsen in einer volatilen Marktsituation eine verlässliche Kalkulationsgrundlage bietet. Die ersten beiden Jahre sind tilgungsfrei.

Erk Westermann-Lammers, Vorsitzender des Vorstandes der IB.SH, stellt zum Mittelstandssicherungsfonds Energie heraus: „Das Geld kommt zu den Unternehmen, die es brauchen und die beiden tilgungsfreien Jahre sowie die bis zu zwölfjährige Kreditlaufzeit helfen, mittel- bis langfristige Liquiditätsengpässe zu überwinden.“

„Die Darlehen sind zugeschnitten auf Unternehmen, die einen akuten Liquiditätsbedarf haben, aber bei ihrer Hausbank alleine unter den aktuellen Rahmenbedingungen keinen Kredit bekommen würden“, sagt Madsen. Er sehe sieht das Programm – mit dem Schleswig-Holstein als erstes Bundesland startet – als Ergänzung zu den Unterstützungen des Bundes. „Langfristig können betroffene Unternehmen nur überleben, wenn die Energiepreise sinken“, so der Minister.

Alle Einzelheiten zum Fonds finden sich hier: IB.SH Mittelstandssicherungsfonds Energie | IB.SH (ib-sh.de). Auskünfte erteilen auch die Förderlotsen der IB.SH: 0431 9905-3365.

Unscheinbar ökologisch: Oberleitungs-Ausbau für SH-Akkuzüge nimmt Fahrt auf

Mehr Elektro, weniger Diesel: Die Bahn will 2040 klimaneutral sein. In Schleswig-Holstein sollen ab Mai erste Akkuzüge Diesel-Loks ersetzen. Für sie baut die DB Oberleitungsinseln – Minister Madsen hat heute ein Exemplar im Kieler Bahnhof besichtigt.

Madsen unter der Oberleitung am Kieler Hauptbahnhof Fotos: Frank Molter

Mit sogenannten Oberleitungsinseln will die Deutsche Bahn die Elektrifizierung ihrer Strecken vorantreiben. In Schleswig-Holstein hat der Bau erster Inseln begonnen. Dabei werden Strecken nicht komplett mit Oberleitungen ausgerüstet, sondern nur kürzere Abschnitte. Bereits ab Mai sollen auf ersten Strecken zwischen Nord- und Ostsee Akku-Züge zum Einsatz kommen, die ihre Zellen auf elektrifizierten Streckenteilen aufladen und damit dann auf den übrigen Abschnitten fahren können.

«Wir werden dadurch bis zu zehn Millionen Liter Diesel pro Jahr einsparen», sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute nstag in Kiel. Er bezifferte die Kosten für den Umbau der Infrastruktur im Norden auf 48 Millionen Euro. Bis zu 90 Prozent der Kosten könne der Bund davon übernehmen, hofft der Minister.

Planung und Kosten solcher Oberleitungsinseln gelten als deutlich geringer als die Elektrifizierung ganzer Strecken. Die Akku-Züge kommen vom Hersteller Stadler. 55 davon hat das Land Schleswig-Holstein dort bestellt, die ersten werden für Mai des kommenden Jahres erwartet. Nach Angaben der Konzernbevollmächtigten der Bahn für den Norden, Manuela Herbort, sollen Ende kommenden Jahres alle Ausbauten abgeschlossen sein. Ziel bleibe es, dass in 18 Jahren kein Zug mehr mit Diesel unterwegs sei.

Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Nahverkehrsgesellschaft Nah.SH ist im nördlichsten Bundesland derzeit 29 Prozent des Nahverkehrs elektrifiziert, durch die Überleitungsinseln sollen es künftig knapp 70 Prozent sein. Durch die Akkuzüge würden jährlich im Norden 26 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart, sagte Geschäftsführer Arne Beck.

Im Gespräch mit Andreas Otto von Radio Schleswig-Holstein sagte Minister Madsen – Audio starten, Pfeil klicken…

In einer ersten Phase ergänzt die Bahn die Bahnhöfe Kiel und Büchen in Schleswig-Holstein mit zusätzlichem Fahrdraht. 30 neue Oberleitungsmasten sind dort geplant. Bis Ende 2023 sollen entlang der Westküste des Bundeslandes auch Oberleitungsinseln abseits von Bahnhöfen entstehen, in Heide, Husum und Tönning. Auch außerhalb von Schleswig-Holstein plant die Bahn Oberleitungsinseln: im südlichen Rheinland-Pfalz sowie in der Region Rhein-Ruhr in Nordrhein-Westfalen. Bis 2040 will die Bahn ihren gesamten Verkehr klimaneutral abwickeln.

Dabei «helfen uns auch so kreative Lösungen wie die Oberleitungsinseln für Akku-Züge», sagte die DB-Konzernbevollmächtigte Manuela Herbort in Kiel. Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Lediglich rund 62 Prozent der Bahnschienen in Deutschland verfügen über eine Oberleitung. Schleswig-Holstein liegt mit knapp 30 Prozent sogar weit darunter. Mit den Oberleitungsinseln werde sich dort immerhin der Anteil der Strecken, auf denen Loks mit elektrischen Antrieben fahren können, laut Bahn auf fast 68 Prozent mehr als verdoppeln.

Damit könnte die Dieselflotte dort zumindest im Personenverkehr deutlich verkleinert werden. Doch ein Großteil der Dieselloks der Deutschen Bahn ist im Güterverkehr auf Rangierbahnhöfen im Einsatz. Der Konzern will ihre Zahl mittelfristig auf Null reduzieren. Doch Akku-Loks sind wegen mangelnder Kraft dort keine Alternative. Stattdessen setzt die Bahn im Güterverkehr auf Hybrid- sowie Zweikraft-Loks, die zwar auch über einen Dieselmotor verfügen, bei verfügbaren Oberleitungen aber auch diese nutzen können.

Madsen: Weilerbildungsbonus weiterhin wirksamstes Mittel gegen Fachkräftelücke

Der im Juni letzten Jahres vom Land gestartete „Weiterbildungsbonus Pro“ zur Sicherung des Fachkräftebedarfs hat gewirkt: „Die Nachfrage nach Kursen hat sich gegenüber dem früheren Weiterbildungsbonus dank erhöhter Förderquote mehr als verdreifacht – das ist ein gutes Signal für unseren Mittelstand und den Fachkräftebedarf von morgen“, sagt Wirtschafts- und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen. Wegen der großen Nachfrage sind die Mittel aufgebraucht und das Förder-Angebot läuft zum 15. November aus. Es wird ab 16. November durch den „Weiterbildungsbonus Schleswig-Holstein“ ersetzt – allerdings mit reduzierter Förderquote.

Insgesamt sind laut Madsen zwischen Juni 2021 und Oktober dieses Jahres über 3.700 Anträge mit einem Fördervolumen von 4,55 Millionen Euro im Rahmen des Weiterbildungsbonus Pro bewilligt worden – weitere Anträge liegen zudem noch zur Bearbeitung bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) vor. In der vorigen EU-Förderperiode von 2014 und 2020 wurden noch durchschnittlich 1.100 Anträge pro Jahr gestellt. Während ehemals 50 Prozent der Kursgebühren über EU-Zuschüsse übernommen wurden, waren es beim Weiterbildungsbonus Pro insgesamt 90 Prozent – allerdings ist der Höchst-Förderbetrag auf 1.500 Euro pro Fortbildung gedeckelt. Zehn Prozent steuert der Arbeitgeber bzw. der Selbstständige bei.

Beim „Weiterbildungsbonus Schleswig-Holstein“ werden künftig bis zu 40 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten für berufliche Fort- und Weiterbildungen von Erwerbstätigen und Auszubildenden aus dem Europäischen Sozialfonds Plus übernommen. Auch hier ist der Förder-Höchstbetrag auf 1.500 Euro pro Kalenderjahr und Antragstellerin oder Antragsteller gedeckelt. „Die Arbeitgeber oder die Selbstständigen müssen sich dann mit mindestens 60 Prozent an der Finanzierung beteiligen“, so Madsen. Sein Appell: „Nutzen Sie auch dieses Modell für Ihre gezielte Weiterbildung oder die Weiterbildung ihrer Belegschaft und verbessern Sie dadurch Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wappnen sich gegen Fachkräftelücken.“

Anträge zum Weiterbildungsbonus Pro (bis zum 15. November 2022, Posteingang spätestens 21. November 2022) bzw. zum Weiterbildungsbonus Schleswig-Holstein (ab dem 16. November 2022) können bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) eingereicht werden. Dort werden Weiterbildungsinteressierte auch beraten und erhalten Informationen per Mail (foerderprogramme@ib-sh.de) oder Telefon (0431 9905-2222).

Land fördert WLAN auf Inseln und Halligen – Schwarz und Madsen: „Gut angelegtes Geld“

Auch wenn viele Gäste auf die schleswig-holsteinischen Inseln kommen, um dem Alltag zu entfliehen: So ganz von der Internetwelt abgeschnitten wollen die meisten trotzdem nicht sein. Deswegen hat die Insel- und Halligen Konferenz das Projekt „WLAN-Uthlande“ auf den Weg gebracht. Hierbei sollen die Inseln und Halligen ein öffentliches WLAN-Netz bekommen. Das Land fördert ein solches Vorhaben erstmalig mit 580.000 Euro.

„Eine digitale Infrastruktur ist heutzutage mehr als eine Voraussetzung für ein lebendiges Inselleben. Es steigert nicht nur die Attraktivität der touristischen Ziele; in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens, wie beispielsweise Verkehr oder Freizeit, sind leistungsfähige Breitbandnetze inzwischen unverzichtbar. Umso mehr freue ich mich, dass wir mit dem Pilotprojekt den übergreifenden kommunalen Gedanken beim Breitbandausbau unterstützen können“, sagte Minister für Ländliche Räume Werner Schwarz.

„Wir sind beim flächendeckenden Glasfaser-Ausbau Spitzenreiter in Deutschland“, betonte Technologieminister Claus Ruhe Madsen. Auch die Inseln seien bereits gut versorgt. Das mache sich das Projekt zunutze. „Dass auf den Inseln zukunftsweisend gedacht wird, können wir an diesem Projekt sehen. Auch im Urlaub möchte ich einfach mal ein Foto verschicken oder nachgucken können, wo das nächste gute Restaurant ist, und wie das Wetter wird. Deswegen unterstützen wir das Vorhaben gerne“, so Madsen.

Projektträger ist die Amrum Touristik AöR. Sie wurde von 13 beteiligten Gemeinden beauftragt, die Koordinierung des Projektes zu übernehmen. Ziel ist es, alle Inseln und Halligen bis Mitte 2024 an touristisch relevanten Orten mit WLAN-Hotspots auszustatten. Die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer müssen sich nur einmal im kostenfreien WLAN-Netz anmelden und können es anschließend in allen beteiligten Gemeinden nutzen.

Das Pilotprojekt wird auf Basis der Breitbandstrategie des Landes und der Förderung von interkommunaler Zusammenarbeit vom Ministerium für Landwirtschaft, Ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus unterstützt.

Madsen im Gespräch mit Gabor Steingart: „Wir diskutieren uns zu Tode“

Über langwierige Planungsvorhaben, die Folgen der Energiekrise für Wirtschaft und Infrastruktur oder Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Dänen spricht Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen mit dem ehemaligen Chefredakteur des Handelsblatts, Gabor Steingart.

Vor vier Jahren gründete Steingart in Berlin das Medienunternehmen Media Pioneer AG, die unter anderem mit dem Medienschiff „The Pioneer“ rund ums Regierungsviertel auf der Spree unterwegs ist. Die Aktien des Unternehmens können von jedermann erworben werden. Strategischer Partner der AG ist die Axel Springer AG.

Hier die Langfassung des Gesprächs, das vergangene Woche aufgezeichnet wurde:

Und hier der Original-Podcast (ab Minute 6.33)

Land und Arbeitsagentur stellen Weichen neu gegen die drohende Fachkräftelücke

Erstes Treffen: RD-Nord-Chef Biercher mit Minister Madsen

Angesichts einer drohenden Lücke von 180.000 Fachkräften bis zum Jahr 2035 quer durch alle Branchen nehmen Landesregierung und Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA) weitere Weichenstellungen vor: „Unser Ziel ist es, alle Potenziale auf dem Arbeitsmarkt auszuschöpfen. Dazu gehört es, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren, die Erwerbstätigkeit bei Frauen zu erhöhen und die Fachkräfteeinwanderung zu erleichtern“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen heute im Anschluss an ein erstes Treffen mit dem neuen Chef der Regionaldirektion Nord, Markus Biercher.

Einig sind sich Madsen und Biercher darin, dass an der weiteren Anwerbung ausländischer Fachkräfte kein Weg vorbeiführt. Im kommenden Jahr werde deshalb erstmals in Schleswig-Holstein ein „Welcome Center“ entstehen, in dem sowohl ausländische Fachkräfte als auch Unternehmen aus Schleswig-Holstein Hilfe und Informationen bekommen. „Wir wollen die Fachkräfte mit unserer Bürokratie nicht wieder verjagen, sondern sie so gut es geht unterstützen“, sagte Madsen. Das Rahmenkonzept für das Center sei bereits erstellt und werde derzeit mit allen Beteiligten abgestimmt und weiterentwickelt.

Zum Welcome-Center sagte Madsen im Gespräch mit Andreas Otto von RSH – Audio starten, Pfeil klicken…

Biercher betonte: „Trotz der Folgen des Ukraine-Krieges und trotz gesunkener Konjunkturerwartungen ist und bleibt das Thema ‚Fachkräftesicherung‘ die zentrale Herausforderung für alle Arbeitsmarktpartner in Schleswig-Holstein.“ Zwar erwarte das Forschungsinstitut (IAB) in seiner aktuellen Regionalprognose im kommenden Jahr für Schleswig-Holstein einen Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um 1,1 Prozent (Bund: +0,9 Prozent) und nur einen minimalen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 0,1 Prozent (Bund: +2,3 Prozent). Doch dürfe das nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier im Norden die Wettbewerbsfähigkeit und die Wachstumschancen ganzer Branchen und Regionen allein durch ausreichend verfügbare Arbeits- und Fachkräfte gesichert werden könne. „Dabei gibt es nicht den Königsweg, sondern wir müssen ganz unterschiedliche Hebel nutzen“, so Biercher. Als Beispiele nannte er die berufliche Qualifizierung von Arbeitslosen, die Weiterbildung von Beschäftigten und eine faire Erwerbsmigration.

In einem ersten Schritt hat die Landesregierung nach den Worten von Madsen bereits neue Eckpunkte für die Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein (FI.SH) erarbeitet: „Wir nehmen dabei die Erneuerbaren Energien verstärkt in den Fokus. Diese Branche ist entscheidend für die Bekämpfung des Klimawandels. Hier brauchen wir dringend qualifiziertes Personal und dafür werden wir ein spezielles Klimaschutz-Fachkräfteprogramm entwickeln.“ Darüber hinaus werde das Land eine neue Förderrichtlinie erarbeiten, mit der künftig innovative Projekte und Aktionen rund um das Thema Fachkräfte unterstützt werden. Dafür stelle das Land bis zu zwei Millionen Euro bereit.

Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs

Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt haben sich laut Madsen im Vergleich zu den letzten zehn bis zwölf Jahren deutlich verändert. „Früher stand die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Fokus, jetzt ist es die Sicherung von Arbeits- und Fachkräften.“ 2014 habe es in Schleswig-Holstein noch mehr als 100.000 Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent gegeben, vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 waren es weniger als 80.000 Arbeitslose bei einer Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent. Madsen: „Und auf diesen Stand bewegen wir uns jetzt wieder zu.“

Wichtige Weichenstellungen auf der Verkehrsministerkonferenz

Von der Heide: „Bund ist beim Klimaticket und beim Nord-Ostsee-Kanal gefordert“

Ein Aboticket mit einem Einführungspreis von 49 Euro im Monat mit der Option monatlich kündigen zu können – so soll der Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket aussehen. Darauf haben sich die Länder und der Bund heute bei der Verkehrsministerkonferenz nach intensiven Verhandlungen in Bremerhaven geeinigt. Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide begrüßte den Beschluss: „So kommen wir dem Klimaticket für Deutschland einen großen Schritt näher. Es ist aber wichtig, dass die Länder ihre mögliche finanzielle Beteiligung an die Forderung geknüpft haben, dass der Bund deutlich mehr Geld für den Erhalt und den Ausbau des ÖPNV und zum Ausgleich der gestiegenen Kosten in die Hand nimmt.“

Der Bund stellt für die Finanzierung des Nachfolgetickets 1,5 Milliarden Euro jährlich bereit. Die Länder fordern wie bereits in den vorigen Verkehrsministerkonferenzen als Voraussetzung für ein Nachfolgeticket eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für den Ausbau des ÖPNV-Angebots und einen zusätzlichen Ausgleich der Kostensteigerung bei Energie und Personal.

Im Kampf gegen den Klimawandel sei der ÖPNV ein wichtiger Faktor. „Wir wollen ein einfaches und bezahlbares Ticket, um noch mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn zu motivieren. Aber dazu muss es auch Busse und Bahnen geben“, betonte der Staatssekretär. Wenn es keine zusätzlichen Mittel vom Bund gebe, drohe die Abbestellung von Zügen und ein Ausdünnen des Angebots. „Und dann nützt auch das attraktivste Ticket nichts. Deshalb war es während der Konferenz ernüchternd, dass es seitens des Bundes noch keinen Vorschlag für die Steigerung der Regionalisierungsmittel gab. Der Bund ist hier gefordert und muss seiner Verantwortung gerecht werden. Gut ist, dass wir uns nun auf ein Konzept für das Ticket verständigt haben“, so von der Heide weiter.

Neben einer Nachfolgelösung für das Neun-Euro-Ticket waren auch die geplanten Mittelkürzungen für den Ausbau von Bundeswasserstraßen ein Thema. Hiervon ist der Nord-Ostsee-Kanal massiv betroffen. Statt 909 Millionen Euro sollen in 2023 nur noch 594 Millionen Euro für Ausbaumaßnahmen in allen Wasserstraßen zur Verfügung stehen. „Wir brauchen die fünfte Schleusenkammer in Brunsbüttel, die Levensauer Hochbrücke wird neugebaut, die Anpassung der Oststrecke hat auch begonnen. Eine Mittelkürzung ist genau das falsche Signal. Vor allem vor dem Hintergrund, dass weitere Baumaßnahmen wie die kleinen Schleusen in Kiel oder die Vertiefung des NOK schon geplant sind“, sagte der Staatssekretär. Der Bund sei nun gefordert, die Investitionen und die personelle Ausstattung seiner Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung zu verbessern, um den NOK und alle anderen Bundeswasserstraßen attraktiver und zuverlässiger zu machen.

Bild: grafikfoto.de, M.Staudt

Madsen will Industrie im Norden mit Dreier-Bündnis auf der Erfolgsspur halten

Minister Madsen bei der Industriekonferenz

Mit einem Dreierbündnis aus Politik, Arbeitgebern und Arbeitnehmern will die Landesregierung die rund 133.000 Industrie-Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein sicher durch die Krise bringen. «Wir verzeichnen seit Jahren einen Anstieg der industriellen Wertschöpfung – allein seit 2018 um drei auf derzeit über 40 Milliarden Euro jährlich. Und das trotz Pandemie», sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wenige Tage zuvor hatte er Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften zu einem Industrie-Trilog eingeladen. «Gerade für die Industrie sehe ich in der derzeitigen Situation nicht nur Klippen und Untiefen, sondern vor allem Chancen», so Madsen mit Blick auf das 100-Milliarden-Rüstungsprogramm der Bundesregierung.

Bei dem Spitzentreffen der Verbände mit Vertreterinnen und Vertretern des Wirtschafts- und des Energieministeriums (am Mittwoch) waren sich laut Madsen alle Beteiligten einig, dass neben gedeckelten Energiepreisen vor allem Genehmigungsverfahren beschleunigt und der Zugang zu Fachkräften verbessert werden müsse. Dazu habe man sich zu einem dauerhaften Industrie-Trilog verabredet. «Wenn sich alle Partner beispielsweise verpflichten, mehr ausländische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen, dann wäre schon viel gewonnen», so Madsen. Schleswig-Holstein sei dafür attraktiv und biete gerade jungen Familien einen idealen Mix aus guten Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Um Innovationen im forschungsschwachen Mittelstand zu beschleunigen plane das Land unter anderem die Einführung von Forschungsgutscheinen. «Eine entsprechende Richtlinie ist in Arbeit, nach der wir kleinen und mittleren Betrieben die Hälfte der Kosten für Forschungsaufträge erstatten wollen», sagt Madsen. Ein großes Innovationsfeld sei vor allem der Bereich der Erneuerbaren Energien von Windkraft bis Wasserstoff. Hier sei Schleswig-Holstein bundesweit spitze. «Allein die wachsende Zahl von Startups in diesem Bereich ist ermutigend», sagt Madsen. Aber auch die Duale Ausbildung als Garant für  qualifizierte Fachkräfte werde von der Landesregierung weiter gestärkt.

Eine besondere Rolle bei der Schaffung und Sicherung von Industriearbeitsplätzen kommt nach Einschätzung des Ministers vor allem der Wehrtechnik mit ihren landesweit 7.400 direkt und über 10.000 indirekt Beschäftigten zu. Ein Großteil dieser Jobs sei über Werften und andere Großbetriebe wie den Rüstungskonzern Rheinmetall in Kiel verankert. Madsen: «Deshalb ist für die Betriebe elementar, rasch Klarheit über das 100-Milliarden-Rüstungsprogramm der Bundesregierung bekommen, um sich auf die Aufträge vorzubereiten.» 

Auch beim Industriekongress der Landeshauptstadt Kiel am letzten Donnerstag ging es einmal mehr um die Rolle der Wehrtechnik in Schleswig-Holstein – hier ein Mitschnitt der Pressekonferenz:

Neben der Wehrtechnik sieht Madsen für Kiel noch ein weiteres großes Wachstumsfeld: «Dank seiner herausragenden Lage und seiner Kompetenzen im Bereich der Bahntechnik steht Kiel vor allem auch für neue Mobilität und Energie am Wasser.» Rund 17.000 Menschen seien in Kiel im produzierenden Gewerbe in knapp 1.000 Unternehmen beschäftigt. Etwa 17 Prozent der Bruttowertschöpfung werde in der Industrie erwirtschaftet. «Was Kiel nun gut gebrauchen könnte, wären vor allem weitere Ansiedlungen – prädestiniert dafür sei das Gewerbegebiet ,Strandort’ in Friedrichsort», so Madsen. Die Landesregierung sei bereit, die Landeshauptstadt dabei zu unterstützen.  

Lübecker Startup „Naotilus“ überzeugte Jury des Überflieger-Wettbewerbs 2022 am stärksten

Das Lübecker StartUp „Naotilus“ von Christian Rühmann ist der Hauptsieger des diesjährigen „Überflieger“-Wettbewerbs des Vereins StartUp.SH und bekommt damit ein Flugticket ins Silicon Valley. Die Geschäftsidee beruht auf der Steuerung und Optimierung von Wärmenetzen. Auch bei den anderen Gewinnern drehte sich alles um Ideen zur Energie- und Mobilitätswende, zum Fachkräftemangel oder zum nachhaltigem Konsum. Wirtschaftsminister Madsen zeigte sich begeistert.

Die Überflieger-Start-ups 2022: Lena Mertens, Philipp Özren, Julian Rissen von StickTo, Ruben Hammerle und Samira Huber von Sustomer sowie Christian Rühmann von Naotilus freuten sich gemeinsam mit Schrirmherr Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und den Veranstaltern Börrje Schneider, Marketing Club Schleswig-Holstein – oben im Bild mit Anke Rasmus von StartUp SH und Axel Schulz von „The Bay Areas“

In jeweils nur sechs Minuten mussten die Gründerinnen und Gründer am Mittwochabend im Gästehaus der Landesregierung ihre Geschäftsideen vor Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und der Jury aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener schleswig-holsteinischer Unternehmen präsentieren. Ihr Ziel: eine der drei Reisen nach San Francisco und ins Silicon Valley gewinnen. „Mit Ihren innovativen und oft technologischen Ideen und Produkten leisten Sie einen wichtigen Beitrag und fordern durch Ihre Innovationskraft auch etablierte Unternehmen zur Weiterentwicklung auf. Das macht Schleswig-Holstein als Wirtschaftsland insgesamt stärker“, betonte Madsen als Schirmherr des Wettbewerbs die Rolle der jungen Unternehmerinnen und Unternehmer.

Rühmann bei der Vorstellung seiner Geschäftsidee (Fotos: Jan Konitzki)

Nach seiner „Siegerehrung“ sagte Naotilus-Gründer Christian Rühmann mit Blick auf die bevorstehende Reise nach San Francisco: „Die USA sind auf jeden Fall ein interessanter Markt für uns. Wir freuen uns auf die Reise ins Silicon Valley, den Spirit vor Ort und viele gute und nützliche Kontakte“, so Rühmann nach der Preisverleihung.

Auf Platz 2 wählte die Jury Samira Huber und Ruben Hammerle mit Sustomer, einer App für nachweislich nachhaltiges Einkaufen. Lena Mertens, Philipp Özren und Julian Rissen von StickTo sicherten sich Platz 3. Mit ihrer App unterstützen sie Schülerinnen und Schüler bei der Berufsorientierung

„Unsere Finalisten kommen aus ganz Schleswig-Holstein und stehen hier auch stellvertretend für die vielen herausragenden Start-ups im Land“, betonte Dr. Anke Rasmus, 1. Vorsitzende StartUp SH e.V., „Mit dem Überflieger-Wettbewerb bieten wir jungen Unternehmen eine Bühne und eröffnen ihnen neue Netzwerke mit wichtigen Kontakten beiderseits des Atlantiks.“

Eine ganze Woche lang werden die Überflieger das Start-up-Mekka Silicon Valley und San Francisco hautnah erleben. Beim Blick hinter die Kulissen profitieren sie von den engen Kontakten des Vereins The Bay Areas, der den Austausch und die Zusammenarbeit der Regionen San Francisco, Kiel und Schleswig-Holstein fördert. „Für unsere Gewinner-Start-ups organisieren wir Treffen mit Investoren aus dem Silicon Valley, amerikanischen Start-ups und Wirtschaftsvertreter. In den persönlichen Gesprächsrunden erhalten die Überflieger intensives Feedback und Inspiration für die eigene Geschäftsidee“, beschreibt Axel Schulz, 1. Vorsitzender The Bay Areas die für Februar 2023 geplante Reise.

Vor Ort in Schleswig-Holstein kann das Netzwerken sofort starten. Sowohl The Bay Areas als auch der Marketing Club Schleswig-Holstein übergaben den sieben Finalisten eine kostenlose Jahresmitgliedschaft. „Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, müssen gute Ideen und Produkte bei den richtigen Zielgruppen sichtbar werden. Das gilt für junge ebenso wie etablierte Unternehmen“, betont Börrje Schneider vom MCSH-Vorstand und freut sich auf den Austausch mit den Gründerinnen und Gründern.

Der Überflieger-Wettbewerb findet bereits zum vierten Mal statt und wird von den drei Vereinen The Bay Areas, Marketing Club Schleswig-Holstein und StartUp SH zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus Schleswig-Holstein veranstaltet. Startups mit guten Ideen aus Schleswig-Holstein erhalten so die Chance, ihre Geschäftsidee einem breiten Publikum vorzustellen, in den Spirit des Silicon Valley einzutauchen und auf beiden Seiten des Atlantiks neue Kontakte aufzubauen. Der Wert pro Reise beträgt ca. 4.000 Euro.

Madsen im Gespräch mit IHK-Zeitschrift „Wirtschaft zwischen Nord- und Ostsee“

Er stammt aus Dänemark, war lange Jahre selbst Unternehmer, zugleich IHK-Präsident und zeitweise im Wirtschaftsrat des DIHK, danach Oberbürgermeister von Rostock und seit Sommer (noch nicht ganz 100 Tage) Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Schleswig-Holstein.

In der aktuellen Oktober-Ausgabe der schleswig-holsteinischen IHK-Zeitschrift „Wirtschaft zwischen Nord- und Ostsee“ (WNO) spricht Madsen über sein neues Amt, welchen Blickwinkel er aus seiner dänischen Heimat mitbringt und wie er die Herausforderungen der kommenden Jahre stemmen will.

Hier das WNO-Interview als Video-Mitschnitt – Pfeil klicken…

Befragt wird der Minister von Jan Philipp Witt / IHK 24-Redaktion