Staatssekretär Rohlfs kürt „Gesichter des echten Nordens“ und ihre Erfolgsgeschichten

ESF-Preisübergabe Wirtschaftsakademie
Staatssekretär Rohlfs (3.v.r.) gratulierte den Preisträgern Masud Mahmad, Nadine Dibbern, Orhan Ünsal, Peter Beyer und Holger Ketels (v.l.n.r.).        Fotos Sven Janssen

Sie geben dem schleswig-holsteinischen „Landesprogramm Arbeit“ und damit dem „Europäischen Sozialfonds“ (ESF) in diesem Jahr ein Gesicht: Die Gewinner des ESF-Wettbewerbs „Gesichter des echten Nordens“ sind heute in Kiel von Arbeits-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs ausgezeichnet worden. „Mit der Preisverleihung würdigen wir das hohe Engagement und die Motivation von Machern und Teilnehmern verschiedener Angebote unseres Landesprogramms Arbeit, über das wir bis 2020 rund 240 Millionen Euro bereit stellen“, sagte Rohlfs bei der Wirtschaftsakademie in Kiel. Die fünf Gewinner erhielten Tablet-Computer.

ESF-Preisübergabe Wirtschaftsakademie

Rohlfs sagte nach der Preisverleihung weiter:

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Die zahlreichen Bewerbungen hätten eine enorme Vielfalt an persönlichen Erfahrungen und Lebensumständen aufgezeigt – vom Start ins Arbeitsleben als Alleinerziehende ohne Schul- und Berufsabschluss bis hin zur Flucht vor Krieg und einem beruflichen Neustart in einem fremden Land.

Bei den Preisträgerinnen und Preisträgern handelt es sich um:

Masud Mahmad aus Syrien, der seit September 2017 am ESF-Projekt “SELMA” (Stärkung und Eingliederung von langzeitarbeitslosen Menschen in den Arbeitsmarkt) der  Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein teilnimmt. Der 25 Jahre alte ehemalige Friseur lernt über das Projekt die deutsche Sprache, die Kultur und die Gesellschaft kennen.

Nadine Dibbern ist als Coachingfachkraft in den allgemeinbildenden Schulen des Kreises Plön unterwegs. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern und zu unterstützen. Zudem hat die Plönerin über die Jahre ein Netzwerk zur Unterstützung dieser Arbeit aufgebaut und etabliert.

Orhan Ünsal (47) arbeitet seit 2011 als Projektleiter bei der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein für ESF-finanzierte Arbeitsmarktprojekte. Er selbst ist Jurist.

Peter Beyer ist Teilnehmer des Projekts „Leuchtturm Kiel – Gründungszentrum“. Von sich selbst sagt der 55-Jährige, er sei „unheilbar mit dem Puppentheatervirus infiziert“. Über 35 Jahre war der gelernte Tischler in Schulen und Kindergärten unterwegs und bastelte mit Kindern Marionetten aus Tetrapacks, Toilettenrollen oder Plastikflaschen. Vor vier Jahren kam dann der große Durchbruch: Für das Musikvideo zu „Lass uns gehen“ der Band Revolverheld erschuf Peter Beyer innerhalb von drei Wochen die Musiker als Marionetten – und ließ im Video die Puppen tanzen. Das brachte ihm so viel Aufmerksamkeit, dass der inzwischen arbeitslos gewordene Tischler den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Im ESF-Projekt „Leuchtturm Kiel“ tastete er sich gemeinsam mit seinem Coach langsam an seine geplante Selbstständigkeit heran. Denn Business- und Rentabilitätspläne oder Marktanalysen waren für den Macher Neuland, das erobert werden musste.

Holger Ketels ist gelernter Landwirt, Landschaftsgärtner, staatlich geprüfter Wirtschafter und Umweltschutztechniker. Er arbeitet mit Unterbrechung seit 16 Jahren bei der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Flensburg (bequa). Der 59-jährige hat bereits vor vielen Jahren für die bequa aus einer Ackerbrache am Flensburger Stadtrand  eine Gartenanlage für die Beschäftigung und Qualifizierung langzeitarbeitsloser Menschen geschaffen. Dort hat er viele Jahre erfolgreich mit und für arbeitslose Menschen biologischen Gemüseanbau betrieben.

Der Wettbewerb „ESF-Gesichter des echten Nordens“ fand – nach 2015 – bereits zum zweiten Mal statt. Ziel ist es laut Staatssekretär Rohlfs, anhand konkreter Geschichten und Gesichter zu zeigen, wie die Förderung des Landesprogramm Arbeit mithilfe des Europäischen Sozialfonds (ESF) den Menschen in Schleswig-Holstein neue Perspektiven eröffnet. Er soll darüber hinaus deutlich machen, wie der ESF praxisnahe Projekte fördert, die direkt vor Ort Wirkung entfalten.

Weitere Informationen unter www.esf-chance.de

Rohlfs kürt heute die Sieger des EU-Wettbewerbs „Gesichter des echten Nordens“

flag-3167807_1920.jpgHeute  wird Arbeitsstaatssekretär Dr. Thilo Rohlfs vor den Mitgliedern des Begleitausschusses des Europäischen Sozialfonds (ESF) und einer Vertreterin der Europäischen Kommission die Sieger des  ESF-Wettbewerbs „Gesichter des echten Nordens“ auszeichnen. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten Tablets

Ziel des Wettbewerb ist es, anhand konkreter Geschichten und Gesichter zu zeigen, wie die Förderung des Landesprogramm Arbeit mithilfe des Europäischen Sozialfonds (ESF) den Menschen in Schleswig-Holstein neue Perspektiven eröffnet. Er soll nach den Worten von Rohlfs darüber hinaus deutlich machen, wie der ESF praxisnahe Projekte fördert, die direkt vor Ort Wirkung entfalten.

Weitere Informationen zum Wettbewerb können unter www.esf-chance.de, Informationen zum Landesprogramm Arbeit unter www.esf.schleswig-holstein.de aufgerufen werden.

Die Preisverleihung findet heute ab 10.40 Uhr  in der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in der Hans-Detlev-Prien-Straße 10 in Kiel statt.

Land, Gewerkschaft und Kirchen einigen sich auf neue Bäderverordung – erstmals mit Olpenitz

Eckernförde
Besuchermagnet: Verkaufsoffener Sonntag in Eckernförde

Die Einzelhändler in touristisch bedeutsamen Orten in Schleswig-Holstein erhalten hinsichtlich ihrer Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen für die kommenden zehn Jahre Planungssicherheit. Wie Wirtschafts- und Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz heute nach der Sitzung des Landeskabinetts mitteilte, konnten die Gespräche der Landesregierung mit Wirtschaft, Kirchen und der Gewerkschaft Verdi über die künftige Ausgestaltung der Bäderverordnung erfolgreich abgeschlossen werden. „Wir haben uns unter anderem darauf verständigt, dass die Verordnung nicht nur – wie sonst üblich – fünf Jahre gilt, sondern erneut mit der Option auf Verlängerung um weitere fünf Jahre versehen wird. Damit haben wir eine langfristige Rechtssicherheit, um die uns andere Bundesländer beneiden dürften“, sagte Buchholz.

Im Gespräch mit Andreas Otto (RSH) und Cassandra Arden (NDR Welle Nord) sagte Buchholz (Audio starten – „im Browser anhören“)

Nach der absehbar Ende Juni in Kraft tretenden neuen Verordnung dürfen die Geschäfte in 95 ausgewählten Städten und Gemeinden – wie bislang auch – in den Zeiträumen vom 17. Dezember bis zum 8. Januar und vom 15. März bis zum 31. Oktober für sechs Stunden innerhalb eines Zeit-Korridors von 11 bis 19 Uhr öffnen. Verkauft werden dürfen Waren des täglichen Ge- und Verbrauchs. Möbelhäuser, Autohäuser, Baumärkte und Fachmärkte für Elektrogroßgeräte dürfen ausdrücklich nicht öffnen.

Erstmals wird eine Straße im Kappelner Stadtteil Olpenitz (Kreis Schleswig-Flensburg) in die Bäderregelung hineingenommen, im Gegenzug dafür drei andere Bereiche in Kappeln ausgeklammert. „Damit tragen wir der touristischen Entwicklung von Olpenitz maßvoll Rechnung“, sagte Buchholz. Eine zeitliche Ausdehnung der Sonderregelungen über die derzeit gut acht Monate im Jahr hinaus sei nicht konsensfähig gewesen. „Ich bin aber sehr froh, dass sich sowohl die Kirchen als auch die Gewerkschaft ausdrücklich zu den übrigen Verhandlungspunkten bekannt haben. Denn unser Kompromiss gilt einvernehmlich und ungeachtet künftiger gerichtlicher Entscheidungen in anderen Bundesländern“, so der Minister mit Blick auf die im Sommer erwartete Entscheidung im Klageverfahren in Mecklenburg-Vorpommern vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald.

Die beiden Kirchenvertreter, Bischof Gothart Magaard von der Nordkirche und Beate Bäumer vom Erzbistum Hamburg sagten bei der Pressekonferenz:

Die derzeitige schleswig-holsteinische Bäderverordnung tritt formell am 14. Dezember 2018 außer Kraft. Sie war 2013 nach einem Normenkontrollantrag der Kirchen in einem außergerichtlichen Verfahren mit den Kirchen, den Gewerkschaften, den Kammern und den Verbänden ausgehandelt worden.

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Buchholz im Pressegespräch mit Beate Bäumer (links) vom Erzbistum Hamburg und dem stellvertretenden Verdi-Chef Michael Rüther (2.v.l.)

Wie Buchholz weiter sagte, werde der Verordnungsentwurf jetzt in das offizielle Verbandsanhörungsverfahren gehen. Geplant ist danach eine Veröffentlichung am 28. Juni 2018. „Somit besteht vor dem Auslaufen der jetzigen Regelung frühzeitig Klarheit für den Handel“, so der Minister.

Volle Betten zu Pfingsten – Rekord-Zahlen zum Jahresauftakt – SH-Tourismus in Bestform

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Das sommerliche Wetter der vergangenen Wochen beschert dem echten Norden zu Pfingsten volle Betten: Die Tourismuschefs in Ferienorten wie Timmendorfer Strand, Grömitz oder St. Peter-Ording sind mit den Vorbuchungen sehr zufrieden. «Wir freuen uns auf ein sehr starkes Wochenende mit vielen Übernachtungs-und Tagesgästen», sagte der Tourismuschef von Timmendorfer Strand, Joachim Nitz. Auch die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) erwartet angesichts des frühsommerlichen Wetters zu Pfingsten viele Gäste im Land. In einigen Orten an Nord- und Ostsee liege die Auslastung bei mehr als 80 Prozent, sagte TASH-Sprecherin Astrid Hansen.

Und zugleich gibt es neuer Rekordzahlen des Statistischen Landesamtes: Mit knapp 544.000 Gästen und nahezu zwei Millionen Übernachtungen im März lag die Zahl der Gästeankünfte in Schleswig-Holstein um knapp 27 Prozent und die Zahl der Übernachtungen um knapp 40 Prozent höher als im Februar. Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz zeigte sich über die heute vom Statistikamt-Nord vorgelegten Zahlen entsprechend zufrieden.

Er sagte (Audio starten – „im Browser anhören“)

Auch im Jahresvergleich sei die Tendenz weiter positiv: So lag die Gesamtzahl der Gäste in den ersten drei Monaten des Jahres mit knapp 1,2 Millionen um 17,4 Prozent und die Zahl der Übernachtungen mit 4,1 Millionen um 24,7 Prozent höher als im gleichen Zeitraum 2017. „Damit liegt Schleswig-Holstein auch weiterhin klar über dem Bundesdurchschnitt von sieben Prozent“, so Buchholz.

Der Blick auf die Betriebsarten mache deutlich, dass auch bei den Campingplätzen trotz des kalten und winterlichen Wetters im März die Frühjahrssaison mit steigenden Gäste und Übernachtungszahlen gut angelaufen sei.  „Das zeigt, dass der echte Norden als Reisedestination auch bei weniger gutem Wetter attraktiv ist und mit seinem rauen Klima punkten kann“, so der Minister.

Neben dem frühen Osterferien-Termin in diesem Jahr werden die Ergebnisse auch durch die Überprüfung der meldepflichtigen Beherbergungsbetriebe durch das Statistikamt Nord beeinflusst. Dadurch, so Buchholz weiter, seien sie Daten in Teilen nur eingeschränkt vergleichbar. So genannte Berichtskreisprüfungen seien Teil des statistischen Erhebungsverfahrens und führen zu einer besseren und gesicherten Datenbasis der Statistik. Allerdings variieren die Effekte je nach Bereich und Umfang der Prüfungen.

Buchholz: „Doch klar bleibt: Auch ohne diese Effekte können wir uns über Zuwächse freuen. Und um diesen Trend zu verstetigen sind attraktive Reiseanlässe und ein qualitativ hochwertiges Leistungsangebot wichtige Voraussetzungen“.

Windkraftanlagen-Hersteller Senvion setzt weiter auf den Standort Osterrönfeld

Senvion, Gelände in RendsburgDer Windkraftanlagenhersteller Senvion setzt verstärkt auf Digitalisierung und seinen Standort in Osterrönfeld am Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg. Dort arbeiten Experten an der Zukunft des Windradbaus. Sie nutzen Computersimulationen und virtuelle Realität. «Wir können Tests automatisieren und dadurch viel Zeit gewinnen», sagte heute Werksleiter Martin von Mutius gegenüber der Deutschen-Prsse-Agentur. Ingenieure müssten nicht mehr für jeden Test vor Ort sein beziehungsweise die notwendigen Wetterkonstellationen abwarten. «Im Einzelfall kann das Monate an Zeit sparen.»

Bei der Entwicklung künftiger Windradanlagen setzen die Techniker zunehmend auch auf VR-Brillen. «Ingenieure bekommen eine andere Perspektive auf ihre Konstruktion», sagte VR-Experte Andreas Koch.

Sie könnten Entwürfe auf ihre Praktikabilität testen. Techniker könnten mit Hilfe der Brillen Trainings absolvieren. Ab Mitte des Jahres sei es möglich, dass sich Ingenieure aus Osterrönfeld und anderen Standorten wie Hamburg oder Indien in virtuellen Simulationen «nebeneinander stehen» und zusammenarbeiten.

Senvion wartet vom Turbinen-Kontrollzentrum am Nord-Ostsee-Kanal aus rund um die Uhr derzeit 6036 Windräder weltweit, davon 3500 in Deutschland und knapp 1200 in Schleswig-Holstein. «In erster Linie fungieren wir wie eine Art Feuerwehr», sagte Abteilungsleiter Simon Hillmann. «Wir haben permanenten Echtzeitzugriff auf die Anlagen.» In rund 70 Prozent der Störungsfälle gelinge es von Norddeutschland aus durch Fernwartung, Windräder wieder zum Drehen zu bringen. In knapp einem Drittel der Fälle muss aber tatsächlich ein Techniker vor Ort sein, etwa bei einem Bauteildefekt.

Im Schnitt haben die Anlagen mittlerweile knapp drei Megawatt Leistungsvermögen. Die leistungsstärksten Offshore-Windräder des Unternehmens liegen derzeit bei 6,3 Megawatt. In einigen Jahren werden auf See zehn Megawatt möglich sein, bei einem Rotordurchmesser von mehr als 200 Metern, sagte Mutius.

Senvion hat im ersten Quartal 2018 mit schwindenden Umsätzen gekämpft. Zum konzernweiten Rückgang von mehr als einem Drittel auf

256 Millionen Euro trug vor allem das Geschäft mit der Winderzeugung an Land bei. Nach Unternehmensangaben ging das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 21 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 800 000 Euro zurück. Der Hersteller konnte seine Verluste aber spürbar eindämmen – von 50 Millionen im Vorjahr auf rund 30 Millionen in diesem Jahr.

Für 2018 rechnet der Hersteller mit einem Umsatz von 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro. Das wäre etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Senvion leidet wie die Konkurrenz – etwa Nordex oder Vestas – unter einem harten Konkurrenzkampf und schrumpfender Profitabilität. Vor allem bei der Windenergie an Land ist der Markt zunehmend gesättigt, und Subventionen werden heruntergefahren.

Mittelstandsbeirat berät über Wege einer geschmeidigen Unternehmensnachfolge

NachfolgeDie Tücken der wachsenden Alterspyramide – der so genannte demografische Wandel –  stellen auch die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Schleswig-Holstein vor große Herausforderungen: In rund 5400 Betrieben im echten Norden muss in den nächsten Jahren die Nachfolge geklärt werden – ansonsten droht den Betrieben das Aus. Rund 83.000 Jobs im Land wären davon betroffen – zählt man Hamburg dazu, geht es sogar um rund 400.000 Arbeitsplätze.

Nach Zahlen des Unternehmensverbandes Nord (UVNord) fällt der Generationenwechsel womöglich sogar noch drastischer aus. Demnach könnten bis zu 13.000 Betriebe im Norden in den nächsten Jahren betroffen sein. Darum beschäftigte sich heute in Kiel auch der von der Landesregierung vor knapp einem halben Jahr ins Leben gerufene Mittelstandsbeirat mit dem Thema.

Wirtschaftsminister Buchholz sagte nach der Sitzung (Audio starten – „im Browser anhören“)

Gut die Hälfte aller Betriebe wird in Deutschland innerhalb der Familie übergeben. Doch nach Einschätzung Nils Thoralf Jarck von der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein, seinem Kollegen Stefan Seestädt von der Handwerkskammer Lübeck und dem Kieler Unternehmensberater Hartmut Winkelmann bietet die aktuelle Situation im Mittelstand gerade auch jungen Männern oder Frauen ohne familiären Unternehmer-Hintergrund große Chancen. Doch vor allem Frauen reagieren zurückhaltend auf den Sprung in die Selbständigkeit, wie die drei Spezialisten heute nach der Sitzung des Mittelstandsbeirats  sagten:

Auf 30 Abgabe-Wünsche kommen – zumindest im Bereich der IHK Schleswig-Holstein – aktuell rund 70 Nachfolgewillige. Mit Programmen wie Stabwechsel informieren die Kammern Interessierte auf beiden Seiten. „Wir sind dazu übergegangen, individuelle Beratung zu machen“, sagt Jarck. Zumindest hinsichtlich der Teilnehmerzahlen zeichnen sich erste Erfolge ab. Ließen sich 2016 allein in Lübeck 66 Alt-Unternehmer beraten, so waren es ein Jahr später mit 140 Teilnehmern schon mehr als doppelt so viele. Auch bei der Handwerkskammer hat sich die Zahl der Gespräche deutlich gesteigert.

Groffik

 

 

BGH: Dashcam-Video als Beweis nach Unfall zulässig – Dauerfilmen aber nicht

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Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Aufnahmen von Auto-Minikameras können bei Unfällen als Beweis vor Gericht verwendet werden. Das permanente Filmen des Verkehrs bleibt zwar nach wie vor verboten – das verstößt gegen den Datenschutz. Doch die Aufklärung eines Unfalls kann wichtiger sein, zumal der Unfallbeteiligte ohnehin Angaben zur Person, zum Führerschein und zur Versicherung machen muss, urteilte am Dienstag der BGH in Karlsruhe. Die Nutzung der Aufnahmen muss je nach Fall abgewogen werden (VI ZR 233/17).

Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz sagte dazu (Audio starten – „im Browser anhören“)

Gerichte hatten bislang unterschiedlich zum Einsatz der Dashcam-Aufzeichnungen geurteilt. Verkehrsexperten, Polizei und Automobilclubs begrüßten deshalb zumeist das höchstrichterliche Machtwort. Versicherer und der IT-Branchenverband Bitkom bemängelten allerdings, dass die Situation für Autofahrer damit nicht eindeutig geregelt ist.

Vor dem BGH hatte die Revision eines Autofahrers aus Sachsen-Anhalt Erfolg. Er wollte seine Unschuld an einem Unfall in Magdeburg anhand der Aufzeichnungen seiner Dashcam beweisen – doch weder das Amts- noch das Landgericht berücksichtigten diese. Weil die Aufnahmen gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstießen, dürften sie nicht als Beweis herangezogen werden, hatten die Magdeburger Richter argumentiert. Der BGH sieht dies anders. Er hob das Berufungsurteil auf und verwies es zur Neuverhandlung zurück.

Obwohl die Aufnahmen des Klägers nicht erlaubt waren, überwiege in diesem Fall das Interesse an der Aufklärung des Unfalls. Und, so die höchsten deutschen Zivilrichter: «Es wurden nur Vorgänge auf öffentlichen Straßen aufgezeichnet, die grundsätzlich für jedermann wahrnehmbar sind.» Sie wiesen angesichts des schnellen und komplexen Verkehrsgeschehens auf den Straßen auch auf die häufige Beweisnot nach Unfällen hin.

«Da die Beweisführung bei Unfällen oftmals sehr schwierig ist, können die Bilder einer Onboard-Kamera den entscheidenden Ausschlag für eine gerechte Beurteilung des Unfallgeschehens und für die Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche ermöglichen», begrüßte der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, die «notwendige rechtliche Klarstellung».

Auch ADAC-Justiziar Markus Schäpe sieht nun Rechtssicherheit für Autofahrer. Zulässige Videos könnten Autofahrer nun mit Dashcams drehen, die entweder kurz vor dem Unfall anlassbezogen auslösen oder deren Aufnahmen regelmäßig überspeichert werden. «Es kann nicht sein, dass ein Unfallverursacher nicht zahlt, weil er sein Recht am eigenen Bild verletzt sieht.»

Ein Freibrief für «Hobbypolizisten und selbsternannte Hilfssheriffs» ist das Urteil für GdP-Vize Plickert nicht: Nach wie vor sei die Polizei zuständig für die Überwachung des öffentlichen Straßenverkehrs. Denn der BGH gab Dauerfilmern eine Warnung mit: «Verstöße gegen die datenschutzrechtlichen Bestimmungen können mit hohen Geldbußen geahndet werden und vorsätzliche Handlungen gegen Entgelt oder in Bereicherungs- oder Schädigungsabsicht sind mit Freiheitsstrafe bedroht.»

Anders als zum Beispiel in Russland fahren in Deutschland erst wenige Autofahrer mit den kleinen Kameras an Windschutzscheibe oder Armaturenbrett herum. Doch Dashcams werden auch hierzulande immer beliebter: Einer Bitkom-Umfrage zufolge nutzen diese derzeit acht Prozent der Autofahrer. Weitere 13 Prozent wollen das in Zukunft auf jeden Fall tun, 25 Prozent können es sich vorstellen.

In den vergangenen drei Jahren wurden laut Bitkom rund 150 000 Dashcams in Deutschland verkauft. Sie erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als vier Millionen Euro. Im Schnitt lassen sich die Autofahrer die Kameras demnach 88 Euro kosten. Nach dem BGH-Urteil dürfte deren Beliebtheit zunehmen, schätzt Paetrick Sakowski von Wirtschaftrecht-Kanzlei CMS.

Nach einer Umfrage des Automobil-Clubs Verkehr (ACV) würde fast die Hälfte der Befragten eine Dashcam verwenden, wenn ihre Nutzung gesetzlich geregelt wäre. Die Minikameras könnten einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten: «Ihr Einsatz könnte vor allem gefährliches Drängeln und zu dichtes Auffahren reduzieren», meinte der verkehrspolitische Sprecher Jürgen Koglin.

Bitkom-Präsident Achim Berg meint allerdings: «Autofahrer brauchen klarere Regelungen, wann Dashcams eingeschaltet werden dürfen.» Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) fordert einen «verbindlichen datenschutzrechtlichen Rahmen» für den Einsatz. «Eine mögliche Lösung könnten zum Beispiel Kameras sein, die immer nur einen kurzen Zeitraum aufzeichnen und ältere Aufnahmen kontinuierlich löschen. Technisch wäre es möglich, die Aufnahmen einer Dashcam nach einem Unfall – und nur dann – automatisch zu sichern», so Bernhard Gause von der GDV-Geschäftsführung.

Flaute bei Senvion auch im ersten Quartal 2018

Außenstelle der Senvion GmbH in Osterrönfeld
Senvion-Zentrale in Osterrönfeld am Nord-Ostsee-Kanal

Der Windkraftanlagenhersteller Senvion kämpft nach einem schwachen Vorjahr auch im ersten Quartal 2018 mit schwindenden Umsätzen. Dabei hat vor allem das Geschäft mit der Winderzeugung an Land maßgeblich zum konzernweiten Rückgang von mehr als einem Drittel auf 256 Millionen Euro beigetragen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging zudem stark von rund 21 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 0,8 Millionen Euro zurück, wie das Unternehmen heute in Hamburg mitteilte.

Unter dem Strich konnte Senvion seine Verluste allerdings spürbar eindämmen – von 50 Millionen im Vorjahr auf rund 30 Millionen in diesem Jahr. Grund seien unter anderem geringere Restrukturierungskosten und Zinszahlungen gewesen.

Die Jahresprognose bestätigte das Management. Für das laufende Jahr rechnet es weiterhin mit einem Umsatz von 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro und damit in etwa mit einer Stagnation im Vergleich zu 2017. Der Margendruck, also die Minderung der Gewinnspanne, werde dabei anhalten – das Unternehmen geht von einem Rückgang der Ebitda-Marge auf 5,0 bis 6,5 Prozent aus.

Wie auch die Konkurrenz – etwa Nordex oder Vestas – leidet Senvion derzeit unter einem harten Konkurrenzkampf und schrumpfender Profitabilität. Vor allem bei der Windenergie an Land ist der Markt zunehmend gesättigt, und Subventionen werden heruntergefahren. Ausschreibungen für neue Anlagen finden mittlerweile häufig über eine Auktion statt, was die Preise drückt.

Der Windkraftanlagen-Produzent Nordex hat Anfang des Jahres ebenfalls den niedrigen Auftragseingang im vergangenen Jahr zu spüren bekommen. So war etwa in Deutschland durch das 2017 eingeführte Auktionssystem die Nachfrage nach Windanlagen nahezu zusammengebrochen. Auch andere europäische Länder hatten die Vergabeverfahren umgestellt. Das heizte den Konkurrenzkampf an und drückte auf die Preise.

Der Umsatz von Nordex brach im ersten Quartal 2018 um knapp ein Viertel auf 488 Millionen Euro ein, wie das TecDax-Unternehmen ebenfalls heute in Hamburg mitteilte. Der operative Gewinn ging um mehr als die Hälfte auf 20 Millionen Euro zurück.

Die Jahresprognose bestätigte das Unternehmen. Für 2018 wird ein Umsatz von 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro angepeilt. Dabei setzt Nordex vor allem auf das zweite Halbjahr. «In der zweiten Jahreshälfte werden Installationen und Umsätze höher als in den ersten beiden Quartalen ausfallen», sagte Konzernchef José Luis Blanco.

Baubetriebe im echten Norden entscheiden am 25. Mai über Tarifabschluss

Für das Wohnprojekt - Wohnen am Wasserturm - werden die Wänder der ersten Häuser aus Fertigelemente aus Beton erstellt

Im schleswig-holsteinischen Baugewerbe stimmen die Betriebe am Freitag nächster Woche über den Schlichterspruch zu den Tarifverhandlungen in der Branche ab. Dies kündigte eine Sprecherin des Baugewerbeverbandes heute an. Der Verband hatte am Wochenende den Schlichterspruch als «Luxusabschluss» und Katastrophe für die Branche in der Region massiv kritisiert. Hauptgeschäftsführer Georg Schareck sagte, es drohten massive Kostensteigerungen um möglicherweise deutlich mehr als zehn Prozent.

Dem Schlichterspruch zufolge sollen die Beschäftigten im Westen zum 1. Mai rückwirkend eine Lohnerhöhung um 5,7 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 26 Monaten erhalten. Die Ost-Löhne sollen zum 1. Mai um 6,6 Prozent und nochmals um 0,8 Prozent zum 1. Juni 2019 steigen. Zudem soll es künftig wieder ein 13. Monatsgehalt geben, das in Schleswig-Holstein 2003 im Tarifvertrag abgeschafft worden war.

Die zuständigen Gremien von Arbeitgebern und IG Bau müssen ihre Entscheidungen über den Abschluss bis zum 26. Mai treffen.

Garg & Buchholz appellieren: Weiterbildungsangebote in Pflegebranche nutzen!

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Fachkräfte gesucht und gefragt: Die Landesregierung bietet eine ausführliche Info-Broschüre über Finanzierungs- und Fördermöglichkleiten

Anlässlich des internationalen Tags der Pflege am morgigen Sonnabend haben Sozial- und Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg sowie der für die Fachkräfteinitiative der Landesregierung zuständige Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz heute auf die Bedeutung der Weiterbildung in der Pflege hingewisen.

Garg links „Es ist enorm wichtig, Menschen unterschiedlichen Alters für die Pflegeberufe zu interessieren, sie an die Arbeitsfelder heranzuführen und ihnen persönliche Entwicklungs- und Karrierewege aufzuzeigen“, sagte Garg. Pflegeberufe seien „gesellschaftlich wichtige, sinnerfüllte,  tolle Berufe, und Weiterbildungen helfen dabei, die Durchlässigkeit in den Ausbildungswegen zu erhöhen und auch die Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu stärken“.

Minister Bernd Buchholz (FDP)Auch Buchholz unterstrich die Bedeutung der Branche: „Es geht um die Versorgung kranker und alter Menschen, und darum müssen wir in Gesellschaft und Politik mit vereinten Kräften an Lösungen arbeiten.“ Der schon jetzt vielfach zu beobachtende, eklatante Fachkräftemangel in der Pflege sei durch Weiterbildung allein zwar nicht zu lösen, aber Weiterbildung sei neben der Integration ausländischer Arbeitskräfte, der Aktivierung von Frauen für das Erwerbsleben sowie der Verlängerung von Lebensarbeitszeiten ein wichtiger Schlüssel zur Linderung von Fachkräfte-Lücken.

BroschüreBeide Minister verwiesen auf die aktuell erarbeitete Informationsbroschüre der Landesregierung über „Weiterbildungsangebote in Gesundheits- und Pflegeberufen“ (hier zum Download).

Die Publikation informiert über die aktuellen Finanzierungs- und Beratungsangebote für Beschäftigte und Arbeitgeber in der Kranken- und Altenpflege. Sie wurde in Kooperation von Wirtschafts- und Sozialministerium sowie mit Unterstützung des Forums Pflegegesellschaft erarbeitet.  Laut Buchholz werden in der Broschüre die aktuellen Angebote des Bundes und des Landes verständlich und übersichtlich aufgearbeitet. „Die Angebote sind gut, etwa die Möglichkeit, Aufstiegsfortbildungen zur Pflegefachkraft für Leitungsaufgaben mit dem Aufstiegs-BAföG zu fördern“, so Buchholz. Aber bisher gebe es nur Förderanträge in zweistelliger Zahl pro Jahr.

Nach den Worten von Garg müssten vor allem aber auch die Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche verbessert werden – etwa die Vergütung. „Auch wenn die Zeit für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege knapp ist, müssten Führungskräfte Weiterbildung fördern und organisieren. Denn wer bei der Personalentwicklung und Weiterbildung spart, hat bei der Fachkräftesicherung ein dickes Problem“, so der Minister.

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus