Auch wenn die Entstehung der Giga-Batteriefabrik des schwedischen Konzerns Northvolt bei Heide seit Monaten alle Aufmerksamkeit auf sich zieht: In unmittelbarer Nachbarschaft im Kreis Steinburg wird „Hightech“ schon seit Jahrzehnten groß geschrieben – spätestens seit Gründung des Fraunhofer-“isit“-Instituts für Siliziumtechnologie.

Dort investiert das Unternehmen Vishay derzeit knapp 400 Millionen Euro in eine vollautomatische Produktion elektronischer Bauteile – überwiegend für die Autoindustrie. Die Entscheidung zum Ausbau des Standorts sei auch durch Kundenwünsche ausgelöst worden, sagt Geschäftsführer Leif Henningsen. Diese wünschten sich, dass in Deutschland produziert werde. In Itzehoe sei das Know-how vorhanden.
Nicht nur die Lokalpolitik, auch die Landesregierung blickt hoffnungsvoll auf die Entwicklung in Schleswig-Holsteins Westen. Aus Sicht von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen spielt die Achse Hamburg-Elmshorn-Itzehoe-Heide für Schleswig-Holstein eine herausragende Rolle. «Auch ein Grund, warum wir dringend die Anbindung der Westküste durch die A 20 benötigen», sagt der CDU-Politiker.

Die winzigen Transistoren – so genannte Mosfets – von Vishay werden in einer vollautomatischen Linien produziert. «Diese wird ganz anders als unsere jetzige Linie.» Künftig werden Siliziumscheiben (Wafer) mit 300 Millimetern parallel neben denen mit 200 Millimetern Durchmesser bearbeitet. Damit steigt die Leistungsfähigkeit der Produktion stark an. Auf einen Wafer passen nach Henningsens Angaben je nach Größe zwischen 400 und 180 000 Produkte.
Vishay produziert seit fast 27 Jahren in Itzehoe Mosfets. «Die Wachstumsraten aufgrund der E-Mobilität sind extrem», sagt Henningsen. Für jedes Auto würden Hunderte Mosfets gebraucht, in sämtlichen Steuergeräten und Sicherheitssystemen, überall, wo Ströme geschaltet werden müssen. Die Anforderungen an das Produkt sind nach Angaben von Projektmanager Otto Graf: «höchst zuverlässig, möglichst wenig Schaltverluste und möglichst klein». In dieser Technologie sei Vishay «ganz vorne mit dabei.»

Für die Erweiterung des Werks sucht Vishay zu den bisherigen rund 550 etwa 150 neue Mitarbeiter. «Das ist natürlich herausfordernd», sagt Henningsen. Man versuche, eigene Mitarbeiter weiter zu fördern, brauche aber auch externes Personal, zum Teil mit Erfahrung, aber auch Hochschulabsolventen. Es gehe um Arbeitsplätze vom IT-Experten und Mechatroniker bis zum Chemiker und Physiker.
Mitarbeiter kommen aus ganz Deutschland und anderen Ländern gerne nach Itzehoe, ist Grafs Erfahrung. Besonders die Nähe zu Hamburg sei attraktiv. Der überwiegende Teil der Beschäftigten wohne aber im Umfeld des Werks. Im Vergleich zur Technologieregion Dresden sei der Wettbewerb um Fachkräfte weniger scharf. Vishay profitiert nach Angaben der Manager als energieintensives Unternehmen von der Lage in Schleswig-Holstein, wo das Angebot an Wind- und Solarstrom groß ist.
Kritik am Standort haben die beiden Manager vor allem in zwei Punkten: Die Verkehrsanbindung an Hamburg, vor allem der Bahnverkehr, müsse verbessert werden. Das gelte auch für die Busanbindung des am Rande Itzehoes gelegenen Werks. Und es fehlten Wohnungen in der Region und die Versorgung zum Beispiel mit Kitaplätzen könnte besser sein. Mit Blick auf die Ansiedlung der Northvolt-Batteriefabrik im nahen Heide spricht Henningsen von spannenden Jahren. «Es bringt uns viel Innovation nach Schleswig-Holstein. Das hilft uns.» Aber gerade der Ausbau der Infrastruktur werde spannend.

Nach Madsens Angaben war für die Ansiedlung von Vishay die Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut ISIT ausschlaggebend. Über die Jahre hätten sich aus dem ISIT innovative Firmen wie Custom Cells (Batterietechnologien) und OQmented (Laserscanning) ausgegründet. «Mit der Ansiedlung der Firma Northvolt in Heide, das die grünsten Batterien der Welt produzieren und dafür den grünen Strom Schleswig-Holsteins nutzen will und bereits mit dem ISIT kooperiert, hat die Region ein weiteres Kapitel in der sehr erfolgreichen Entwicklung der Achse von Hamburg bis Heide aufgeschlagen», sagt Madsen. Er sieht die Basis für weitere technologieorientierte Ansiedlungen gelegt.
Zur Verkehrsanbindung verweist Madsen auch auf bestehende Pläne im Schienenverkehr. Zwischen Horst an der Bahnstrecke Elmshorn – Neumünster und Lägerdorf an der Bahnstrecke Elmshorn – Itzehoe soll eine Neubaustrecke parallel zur A 23 entstehen. Mit dem Neubau von 16 Kilometern Strecke könnte der Weg zwischen Elmshorn und Itzehoe von 34 auf 24 Kilometer verkürzt werden. Die Fahrzeit zwischen beiden Städten würde sich von 22 auf 12 Minuten verkürzen.

Itzehoes Bürgermeister Ralf Hoppe (parteilos) sieht die Stadt durch Norddeutschlands modernste Chipfabrik geadelt. «Vishays Investment ist ein starkes Bekenntnis zum Technologiestandort, das unserem InnoQuarter überregionale Aufmerksamkeit bringt.» Die Zeichen stünden auf Wachstum und Neuansiedlungen. Ein Selbstläufer ist die Entwicklung aus Hoppes Sicht aber nicht. Deshalb habe die Stadt Itzehoe in zusätzliche Flächen für die Westerweiterung des Technologieparks investiert. «Zudem laufen die Planungen für ein neues Wohngebiet inmitten der Stadt. Damit schaffen wir rund 400 Wohnungen in einer Mischung aus Doppel-, Reihen und Mehrfamilienhäusern», sagt der Bürgermeister.

















