
Erstmals seit 22 Jahren weniger als 100 000 Arbeitslose. 2016 dürfte die Zahl steigen – wegen der Flüchtlinge, die einen Job suchen.
In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit 1993 im Jahresdurchschnitt auf weniger als 100 000 gesunken. «2015 war ein erfolgreiches Jahr auf dem Arbeitsmarkt», zog die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann, heute in Kiel eine positive Jahresbilanz. Im Jahresdurchschnitt seien 97 900 Arbeitslose registriert gewesen – 3100 weniger als im Vorjahr. Die hohe Arbeitskräftenachfrage und ein kräftiges, stetiges Beschäftigungswachstum seien die Hauptgründe. 2016 dürfte die Arbeitslosigkeit wegen der auf den Arbeitsmarkt drängenden Flüchtlinge aber wieder steigen – um 2,5 Prozent auf etwa 101 000.
Arbeitsminister Reinhard Meyer sagte im Gespräch mit RSH-Reporter Andreas Otto
(Audiopfeil klicken)
«Wir schauen verhalten optimistisch auf das neue Jahr», sagte Meyer weiter. Ohne die 2016 voraussichtlich rund 4500 Flüchtlinge in der Statistik würde die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen. Erwartet werde ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze werde nach den Prognosen im nächsten Jahr um 16 000 auf 929 700 weiter zunehmen. 2015 entstanden 22 700 neue Jobs.
Insgesamt bedeuteten die Flüchtlinge mit Bleibeperspektive für die Wirtschaft eindeutig mehr Chancen als Belastungen, betonte Haupt-Koopmann. In zehn Jahren würden 80 000 Fachkräfte aus Altersgründen in Schleswig-Holstein nicht mehr arbeiten. Zwei Drittel der Flüchtlinge seien unter 30 Jahre alt, sie müssten qualifiziert werden. «Wir brauchen dafür einen langen Atem.»
Meyer hob weiter hervor, dass 2015 die Zahl der geringfügig Beschäftigten abgenommen habe und es mehr gute sozialversicherungspflichtige Jobs gebe. «Das heißt, die Qualität der Arbeit nimmt zu», hob Meyer hervor.
Mit Blick auf die Flüchtlinge sagte Meyer, 2016 werde «ein Jahr der Integration», dem noch viele weitere folgen werden. Wichtige Elemente seien dabei Sprache, Ausbildung und Arbeit.
Im nächsten Jahr sollen in Schleswig-Holstein rund 10 000 Flüchtlinge an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Die Flüchtlinge würden in bestehende Programme integriert, aber natürlich müsse auch ihre besondere Ausgangssituation berücksichtigt werden. Am Ende des Tages dürften nicht deutsche Arbeitslose, die es schwer auf dem Arbeitsmarkt haben, gegen Flüchtlinge ausgespielt werden, betonte der Minister.
Der 2015 eingeführte Mindestlohn hat sich laut Haupt-Koopmann nicht negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Meyer erteilte Forderungen, den Mindestlohn für Flüchtlinge auszusetzen, ein klare Absage. «Das wäre das falsche Zeichen für Integration.»
Die Arbeitsmarktpolitik 2016 werde ganz im Zeichen von Qualifizieren stehen, kündigte Haupt-Koopmann an. Ein Großteil der Arbeitslosen habe keine abgeschlossene Berufsausbildung. Meyer erinnerte an die nach wie vor unbefriedigende Situation von Älteren (plus 50), bereits länger im Norden lebenden Migranten, Langzeitarbeitslosen und Schwerbehinderten, die absehbar auch 2016 nur geringfügig von der Konjunkturlage profitieren werden. Um Ältere länger im Erwerbsleben zu halten, sei eine Kombination von Gesundheitsmanagement, Qualifizierung sowie altersgerechten Arbeitszeitmodellen nötig.

Nägele sagte zur Arbeit

Arbeitsminister Reinhard Meyer sagte auf dem Podium
Wie Wirtschaftsminister Reinhard Meyer in seinem Grußwort sagte, sei die grundlegende bauliche und technische Modernisierung des größten Veranstaltungszentrums in Schleswig-Holstein ein gemeinsamer Kraftakt der Stadt Neumünster, des Landes und der Messegesellschaft gewesen.

Verkehrsminister Reinhard Meyer sagte im Interview mit Deutschlandradio-Korrespondent Dietrich Mohaupt
Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer wird heute Vormittag um 9.30 Uhr gemeinsam mit seinem Hamburger Amtskollegen Frank Horch Jahresbilanz der A-7-Baustelle ziehen (Handelskammer). Mit dabei: Vertreter der DEGES (Straßenbaugesellschaft des Bundes) und des Baukonsortiums Via Solution Nord sowie A-7-Verkehrskoordinator Gerhard Fuchs.
Den Planungen der A-20-Trasse westlich der Autobahn 23 bei Hohenfelde im Kreis Steinburg droht ein erheblicher Zeitverzug: Wie Verkehrsminister Reinhard Meyer heute in Kiel mitteilte, ist von Naturschutzverbänden und –behörden in der Nähe des Naturschutzgebiets „Baggersee Hohenfelde“ ein Seeadler-Horst gemeldet worden. „Der Horst war zwar offenbar zuletzt im Frühjahr 2015 von einem Brutpaar bevölkert und ist in diesem Jahr verwaist – dennoch behält er für drei Jahre den rechtlichen Status einer Brutstätte, was erhebliche Auswirkungen auf die weitere Planung dieses 15,2 Kilometer langen Abschnitts haben wird“, sagte Meyer. Die Meldung des Adlerhorstes erzwinge nun weitere umfangreiche Untersuchungen. Mit einem Planfeststellungsbeschluss sei darum nicht mehr Ende dieses Jahres zu rechnen, sondern frühestens Ende 2017, so der Minister.
