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Ab Montag: Neuer Fahrplan mit mehr Zügen und mehr Verbindungen im SH-Netz

nordbahn übernimmt Strecken von DB Regio +++ anfangs mit Ersatzfahrplan +++ demnächst mehr Verbindungen ab Kiel Richtung Eckernförde und Rendsburg +++ neuer Haltepunkt in Lübeck-Moisling +++ Bauarbeiten sorgen weiter für Einschränkungen

Auch wenn es auf dem Schienennetz momentan gewaltig ruckelt und klemmt – ab dem 10. Dezember gilt ein neuer Fahrplan für Nahverkehrszüge. Nach den Worten von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen gibt es damit viele Änderungen und vor allem Verbesserungen im Schienennetz des Landes. Im Einzelnen:

Neuer Betreiber im Bahnnetz Nord: Die nordbahn übernimmt auf den Linien RB 64 Husum – Bad St. Peter-Ording, RE 72 / RB 73 Kiel – Eckernförde – Flensburg und RE 74 / RB 75 Kiel – Rendsburg – Husum den Betrieb von der DB Regio. Die nordbahn hatte sich bei der Ausschreibung der Akkunetze durchgesetzt und ist auch weiterhin u. a. auf den Linien RB 61 / RB 71 Hamburg – Elmshorn – Wrist/Itzehoe und RB 63 Neumünster – Heide – Büsum sowie RB 82 Neumünster – Bad Oldesloe unterwegs.

Neuer Haltepunkt, neue Verbindungen: In Lübeck-Moisling geht ein neuer Bahnhalt in Betrieb. Die Züge der RE-Linien 8 und RE 80 halten dort. Es entsteht für Moisling ein attraktiver Halbstundentakt nach Hamburg und Lübeck. Auf einigen Linien konnten die Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH (NAH.SH) und das Land Schleswig-Holstein Verbindungen optimieren oder neue schaffen.

Zwischen Neumünster und Bad Oldesloe wird der Zugbetrieb morgens und abends jeweils um ein bzw. zwei Stunden ausgedehnt. Der bestehende Halbstundentakt zwischen Kiel und Eckernförde wird in den Abendstunden bis 23 Uhr ausgeweitet. Auch zwischen Kiel und Rendsburg gibt es ab vsl. Mitte 2024 mehr Verbindungen. Ab Fahrplanwechsel gilt jedoch zunächst noch ein Ersatzkonzept zwischen Kiel und Rendsburg und Kiel und Eckernförde.

Akkuzüge sollen flächendeckend rollen: erixx Holstein und nordbahn ersetzen im neuen Fahrplanjahr weiter die bisherigen Dieseltriebzüge durch moderne Akkuzüge, die das Land Schleswig-Holstein bestellt hat. Der Prozess hat sich verzögert, weil die Infrastrukturarbeiten noch nicht abgeschlossen waren und es zwischenzeitlich, bedingt durch Corona-Krise und Ukraine-Krieg, Lieferprobleme bei den Fahrzeugteilen gab. Mit den Akkuzügen werden jährlich rund zehn Millionen Liter Diesel eingespart und etwa 26.000 Tonnen CO2. erixx Holstein setzt die Fahrzeuge bereits seit Oktober zwischen Kiel – Kiel-Oppendorf und Kiel – Lübeck – Lüneburg ein. Die nordbahn will Anfang 2024 im Los Ost-West starten. Bis Ende 2024 sollen alle 55 Fahrzeuge fahren.

Die Änderungen zum Fahrplanwechsel, sortiert nach Linien, im Detail, finden Sie hier:

Land bleibt bei Bäderbahn-Entscheidung Ab 2029 Verkehre nur noch auf neuer Trasse

Die Gemeinde Timmendorfer Strand und die Hansestadt Lübeck kämpfen um den Erhalt der Bäderbahn. Land und Bahn halten aber an ihrer Entscheidung fest, ab 2029 – nach Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels – keine Verkehre mehr auf der Strecke zu bestellen.

Bahnhof Timmendorfer Strand vor zehn Jahren: Schleswig-Holsteins damaliger Ministerpräsident Torsten Albig besuchte im Zuge des Raumordungsverfahrens mit Bahn-Chef Grube den Bäderort. Ein Jahr später wurde – mit Zustimmung der Gemeinde – das Aus der Bäderbahn zugunnsten der Neubautrasse an der A 1 beschlossen.

Die geplante Stilllegung der Strecke zwischen Lübeck und Neustadt im Kreis Ostholstein würde die Planung der Schienenanbindung zum Ostseetunnel erheblich verzögern, weil Teile des Planungsvorgangs wiederholt werden müssen, sagte heute der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Das Land bekräftigte unterdessen den Plan, die Bäderbahn mit Fertigstellung des Ostseetunnels ab 2029 nicht mehr zu betreiben.

Die beiden Kommunen hatten den Hamburger Verwaltungsrechtler Ulrich Ramsauer mit der Prüfung der Entscheidung beauftragt, die das Land und die Deutsche Bahn im Herbst bekannt gegeben hatten. Danach soll die Bäderbahn – wie von der SPD-Landesregierung bereits 2014 nach einem umfangreichen Raumordungsverfahren beschlossen – spätestens mit der Eröffnung der neuen Schienenanbindung des Ostseetunnels stillgelegt werden.

Land und Bahn wollen allerdings in Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium daran festhalten, dass die DB Netz die Bäderbahn nicht weiterbetreiben werde, sagte ein Bahnsprecher. Das Land werde den Schienenpersonennahverkehr künftig auf der Trasse der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung und nicht auf der Bäderbahn bestellen.

Im Gespräch mit Journalisten sagte von der Heide – Video starten

«Die von der Gemeinde Timmendorfer Strand und der Stadt Lübeck vorgebrachten Argumente sind uns und der Deutschen Bahn gut bekannt, ändern aber an der Entscheidungslage nichts», sagte Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide. Dass neben dem Güterverkehr ab 2029 auch der Personenverkehr auf der neuen Schienentrasse entlang der A 1 abgewickelt werden solle, sei – mit ausdrücklicher Zustimmung von Lübeck und Timmendorfer Strand – bereits 2014 in einem breit angelegten Raumordnungsverfahren entschieden worden.

Hintergrund der neu entfachten Debatte ist vor allem das Interesse des Eisenbahnunternehmens RDC Deutschland, die Bäderbahn zu betreiben. Dazu sagte von der Heide: «Am Ende ist es unerheblich, ob und wann die Strecke stillgelegt wird. Entscheidend ist allein, dass das Land – wie 2014 beschlossen – keine Verkehre auf der Bäderbahn, sondern allein auf der neuen Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung bestellen wird. Natürlich verstehe ich den Wunsch des Bürgermeisters von Timmendorfer Strand, möglichst beides zu haben – aber das birgt auch nach mehrmaliger Abwägung die riesige Gefahr, dass Deutschland nicht startklar ist, wenn die Dänen 2029 mit ihrem Tunnel auf Fehmarn ankommen.»  

Nach den Worten des Staatssekretärs würde ein Weiterbetrieb der Bäderbahn eine zeitraubende und damit für die Fertigstellung der Beltquerung gefährliche Anpassung der Planungen erfordern. «Die mit einem Weiterbetrieb der Bäderbahn verbundenen Auswirkungen auf die planfeststellungsrechtlich relevanten Belange wie Umwelt, Lärm oder die Inanspruchnahme von Flächen müssten neu gutachterlich untersucht und bewertet werden». Anschließend müssten die Planfeststellungsunterlagen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Aus diesem Grund bekräftige das Land einmal mehr den „Letter of Intent“ aus 2014 und halte daran fest, nach der Fertigstellung der Belttrasse auf der Bäderbahn keine Nahverkehre mehr zu bestellen. Aktuell sei zudem gerade in Abstimmung mit dem Kreis Ostholstein und den Gemeinden Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Ratekau eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung alternativer Verkehrskonzepte im Bereich der Bäderbahn in Arbeit.

Von der Heide verwies darüber hinaus auf die nötigen massiven baulichen Investitionen, die ein Erhalt der Bäderbahn nach sich ziehen würde. So müssten unter anderem die Bahnsteige am Bahnhof Timmendorfer Strand komplett erneuert werden, während der neu geplante Haltepunkt Scharbeutz an der Neubaustrecke entfallen würde. Zudem müsste der Bahnhof Haffkrug an der Neubaustrecke um ein Gleis erweitert und der heutige Haltepunkt Haffkrug an der Bestandsstrecke zurückgebaut werden.

Auch die Investitionen in die Strecke selbst seien erheblich: So sei eine neue Südspange zwischen Scharbeutz und Haffkrug ebenso nötig wie der Erhalt der Bahnübergänge sowie eine vollständige Elektrifizierung der eingleisigen Strecke. «Die Forderung der Gemeinden in der Lübecker Bucht war stets, dass die Güterverkehre nicht durch die Bäderorte rollen und durch Lärm und Erschütterung deren Attraktivität gefährden. Deshalb wurde vor genau zehn Jahren nach umfassender Beteiligung der Öffentlichkeit eine Trasse gefunden, die insbesondere Timmendorfer Strand, Haffkrug und Scharbeutz umfährt. Und genau das lösen wir ein», sagte von der Heide.

Er erinnerte an die Vorteile der bestehenden Planung: So entstehe in Ratekau ein neuer Bahnhof, während sich der Bahnhof in Scharbeutz lediglich um 900 Meter und der Bahnhof in Haffkrug um 300 Meter verschiebe. Angesichts von Geschwindigkeiten von 200 km/h auf der Neubautrasse würden zudem die Orte für Gäste und als Wohnort noch attraktiver: «Im Nahverkehr wird man zwischen Burg auf Fehmarn und Lübeck nur 49 Minuten statt wie heute anderthalb Stunden brauchen und nach Oldenburg knapp 30 statt heute 60 Minuten», so von der Heide.

Northvolt-Ansiedlung nimmt weitere Hürde: Bund genehmigt Förder-Millionen

Auch wenn das Go der EU-Kommission noch aussteht: Das Land ist der Realisierung der Northvolt-Batteriefabrik trotz Haushaltssperre im Bund einen großen Schritt näher. Das Bundeswirtschaftsministerium hat Mittel in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro freigeben.

Madsen und Staatskanzlei-Chef Schrödter (rechts) im Gespräch mit Northvolt-Geschäftsführer Christofer Haux

Trotz Haushaltssperre hat die Ampelregierung in Berlin gut eine halbe Milliarde Euro für die Ansiedlung der Batteriefabrik von Northvolt bei Heide (Kreis Dithmarschen) freigegeben. Ein entsprechender Förderbescheid sei dem Unternehmen vom Bundeswirtschaftsministerium nun übermittelt worden, teilte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck heute mit. «Die Absicherung der Förderung für Northvolt ist ein wichtiger Schritt, um eine große private Investition auszulösen, die Wertschöpfung und Arbeitsplätze in einer Zukunftsbranche bringt», sagte er. «Und es ist gut, dass wir die Ausnahmegenehmigung von der Haushaltssperre erreichen konnten.»

Habeck machte allerdings auch klar, dass dies nur ein erster Schritt, weil es noch viele andere ähnliche Projekte gebe, um deren Realisierung sich der Bund kümmern müsse. «Deshalb überwiegt im Moment noch die Sorge, auch wenn wir einen ersten wichtigen Erfolg erzielt haben», sagte Habeck.

Bei der Landesregierung löste der Förderbescheid Erleichterung aus. «Das sind tolle Nachrichten, Northvolt will Milliarden investieren und das ist eine Riesenchance für Schleswig-Holstein und ganz Deutschland», sagte Wirtschaftsminister Madsen und erklärte weiter – Audio starten.

Auch der Chef der Staatskanzlei, Dirk Schrödter, begrüßt die Entscheidung: «Sie ist ein wichtiges Signal und ein entscheidender Schritt für den Aufbau einer Batteriezellproduktion in Deutschland als Teil der für unsere Industrie so wichtigen Wertschöpfungskette Mobilität, auch, wenn das finale Go der Europäischen Kommission und damit die beihilferechtlichen Genehmigung noch fehlt», sagte er und betonte, dass die Landesregierung bereits zuvor signalisiert hatte, zu den finanziellen Zusagen zu stehen. Der Landtag hatte im November beschlossen, bis zu 137 Millionen Euro aus dem Ukraine-Notkredit bereitzustellen, falls die Förderung noch 2023 fließen muss. Schrödter: «Sofern die EU den beihilferechtlichen Prüfprozess zeitnah beendet, ist der Weg einer Beschlussfassung der Gemeinden über die Bauleitplanung im Januar 2024 geebnet.» Dieser Zeitplan sei zwischen Amt und Gemeinden, Land, Bund und Northvolt besprochen.

Erleichterung auch bei Northvolt selbst: Ein Sprecher sagte, der vorliegende Bescheid schaffe unmittelbar Planungssicherheit und ermögliche Northvolt, «die bereits begonnenen baulichen Maßnahmen vor Ort fortzusetzen». Das Bundeswirtschaftsministerium hatte nach eigenen Angaben angesichts der Dringlichkeit für die finale Standortentscheidung beim Bundesfinanzministerium eine Freigabe der Mittel trotz aktueller Haushaltssperre beantragt. Diese sei genehmigt worden.

Der schwedische Konzern will in einer Fabrik bei Heide ab 2026 Batteriezellen für Elektroautos herstellen. Durch die 4,5 Milliarden Euro teure Investition sollen 3000 Arbeitsplätze entstehen. Das Unternehmen habe in das Bauvorhaben in Heide bislang bereits rund 100 Millionen Euro an eigenen Mitteln investiert, heißt es im Umfeld des Projekts.

Insgesamt geht es bei dem nun überreichten Bescheid nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums um eine Förderung in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 564 Millionen Euro auf den Bund und rund 136 Millionen Euro auf das Land. Die Förderung verteilt sich auf mehrere Jahrestranchen.

Tourismustag in Eckernförde: Von Sturmflut bis zu KI in der Gastronomie

Madsen bei der Eröffnung des Tourismustages Fotos: Jan Konitzki

Stelldichein der Tourismusbranche des Landes in Eckernförde: Rund 270 Fachleute aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung diskutierten heute beim Tourismustag 2023 über die Herausforderungen der kommenden Jahre – von der Anwendung künstlicher Intelligenz über veränderte Ansprüche der Mitarbeitenden bis hin zum Wandel zu mehr Nachhaltigkeit. Nicht nur für Wirtschafts- und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen war klar: Angesichts der sich schnell ändernden Rahmenbedingungen muss sich auch Schleswig-Holstein als beliebte Urlaubsdestination weiterentwickeln, um zukunftsfähig zu bleiben.

«Wir haben uns mit der Tourismusstrategie 2030 zum Ziel gesetzt, den Tourismus in Schleswig-Holstein nachhaltig und qualitativ weiterzuentwickeln. Wir jagen keinen Übernachtungsrekorden nach, sondern stellen Themen wie Naturschutz, Tourismusakzeptanz und Mitarbeitendengewinnung in den Vordergrund. Das treiben wir gemeinsam mit unseren Partnern voran.

Der Tourismustag ist eine wichtige Veranstaltung, um in den direkten Austausch zu kommen. Die vielen Herausforderungen wie die Corona-Pandemie, die hohen Energiepreise, die Inflation und jetzt die Sturmflut zeigen, dass die gute Zusammenarbeit aller Akteure ein Erfolgsrezept ist», sagte Madsen.

Auch Sedef Atasoy,Tourismus-Fachfrau der IHK Schleswig-Holstein erinnerte daran, dass die Branche trotz beeindruckender Zahlen vor vielen Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel, den hohen Energie- und Arbeitskosten oder komplexen Bürokratiepflichten stehe. Zusätzlich müssten die Betriebe sich zunehmend stärker mit Extremwetterereignissen auseinandersetzen, so Atasoy mit Blick auf die letzte Ostsee-Sturmflut. «Insbesondere unsere Betriebe stehen unter einem permanenten Innovations- und Qualitätsdruck», so Atasoy.

Hans-Jürgen Lütje, Vorsitzender des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, lieferte ein paar aktuelle Zahlen: «Erstmals konnte der durch den schleswig-holsteinischen Tourismus generierte Bruttoumsatz die Zehn-Milliarden-Euro-Grenze um 36 Millionen Euro übertreffen.» Damit gehöre der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftsbranchen Schleswig-Holsteins. Jedoch lasse sich die Aufwärtsentwicklung der letzten Jahre nicht automatisch in die Zukunft fortschreiben, denn die Preisentwicklungen und die sinkenden Reallöhne auf Konsumentenseite wirken einschränkend und müssten aufmerksam beobachtet werden. «Wichtige Schlüsselthemen sind die Qualitätsentwicklung und ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis, das Finden und Binden qualifizierter und motivierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Schaffung attraktiven und bezahlbaren Wohnraums für diese Mitarbeitenden», so Lütje. Wesentlicher Erfolgsfaktor dabei sei die konsequente und wirkungsstarke Umsetzung der Tourismusstrategie 2030, die im Mittelpunkt tourismuspolitischen Handelns stehen müsse.

LBV.SH-Chef: „Werden Streik-Folgen für Winterdienst so gering wie möglich halten

Angesichts des von der Gewerkschaft Verdi für heute Nacht und Morgen angekündigten Warnstreiks beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) müssen sich alle Pendlerinnen und Pendler auf Einschränkungen beim Winterdienst einstellen. Der neue LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach und Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide machten am Abend allerdings auch deutlich, dass sämtliche 22 Straßenmeistereien bezirksübergreifend arbeiten werden, um sicherzustellen, dass die stark frequentierten Bundes- und Landesstraßen sowie Kreisstraßen geräumt und gestreut werden.

LBV.SH-Direktor Quirmbach (links) und Staatssekretär von der Heide

«Absehbar werden wir aber natürlich nicht alle Nebenstrecken in der gewohnten Zeit und Qualität räumen können», sagte Quirmbach. Der Ausfall der streikenden Kolleginnen und Kollegen werde aber so gut wie möglich durch Fremdfirmen kompensiert. Aufgrund der Witterung sei insbesondere in den Morgenstunden mit Glätte auf den Fahrbahnen zu rechnen. Alle Verkehrsteilnehmenden sollten daher in besonders hohem Maße achtsam, vorausschauend und rücksichtsvoll unterwegs sein.

Sowohl Quirmbach als auch Staatssekretär von der Heide bedauerten, dass es – wie schon bei den Arbeitskämpfen 2019 und 2021 – nicht gelungen sei, eine Notdienstvereinbarung abzuschließen. «Das Streikrecht ist ein zu Recht geschütztes hohes Gut in Tarifkonflikten», sagte von der Heide. Angesichts der Wetterlage, bei der es auf nicht geräumten und nicht gestreuten Straßen zu schweren Unfällen mit Verletzten kommen könnte, stelle sich für ihn allerdings die Frage der Verhältnismäßigkeit. «Ich hoffe, dass die Gewerkschaft hier besonnen agiert“, so der Staatssekretär.

Verdi fordert für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Tarifgemeinschaft der Länder hatte in der zweiten Verhandlungsrunde hingegen deutlich gemacht, dass sie die Forderungen für viel zu hoch und nicht leistbar hält. Bei der dritten Gesprächsrunde geht es ab dem 7. Dezember in Potsdam in den Verhandlungen für die bundesweit rund 1,1 Millionen Angestellten weiter.

Staatssekretärin Carstens: SH baut seine Glasfaser-Spitzenposition weiter aus

Schleswig-Holstein baut seine Spitzenposition bei Glasfaser weiter aus: „Bei 70 Prozent aller Hausadressen liegt Glasfaser mindestens vor der Tür und knapp 50 Prozent aller Haushalte nutzen bereits einen Anschluss“, sagte Technologie-Staatssekretärin Julia Carstens heute bei den Glasfasertagen des Deutschen Instituts für Breitbandkommunikation (dibkom) in Kiel.

Fast jedes zweite Haus sei damit an das leistungsstarke Internet angeschlossen. Bundesweit liege die Anschlussquote derzeit bei rund 26 Prozent, so Carstens.

Nach den Worten der Staatssekretärin ist das Ziel der Landesregierung, bis 2025 eine weitgehend flächendeckende Versorgung in Schleswig-Holstein sicherzustellen. Dieses Ziel sei schon sehr greifbar. Der Fokus liege dabei aber längst nicht mehr nur darauf, im ländlichen Raum Glasfaserleitungen zu verlegen, sondern auch in den Städten. „Es bleibt wichtig, den Glasfaserausbau weiter voranzutreiben. Schleswig-Holstein ist ein gutes Vorbild, wie durch kluge Nutzung von Fördermitteln neben dem eigenwirtschaftlichen Ausbau der Telekommunikationsunternehmen ein schneller und möglichst lückenloser Ausbau erreicht werden kann“, so Carstens.

Die diesjährigen dibkom-Glasfasertage setzen einen Schwerpunkt auf die Breitbandkabel-Verlegung innerhalb von Wohnhäusern. Laut Carstens spiegele sich darin die Entschlossenheit wider, nicht nur die Hausadressen zu erreichen. „Es geht auch darum, sicherzustellen, dass die leistungsstarke Infrastruktur in die inneren Bereiche der Wohngebäude vordringt und somit alle Wohnungen mit Glasfaser erschlossen werden können.“  Ziel von Landesregierung und Breitband-Kompetenzzentrum sei die umfassende Erschließung der städtischen Gebiete. „Dieser Schwerpunkt unterstreicht das Engagement des Landes nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in urbanen Zentren ein modernes und zukunftssicheres Glasfasernetz zu etablieren“, sagte Carstens.

Für eine wetterfeste Zukunft der Branche: Land startet Maritimen Zukunftsdialog

Die Landesregierung berät mit Wirtschaft und Wissenschaft über die Zukunft der maritimen Industrie im Norden. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen setzt vor allem auf eine Branche.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sieht große Chancen für Schleswig-Holstein in der Entwicklung und dem Bau klimaneutraler Schiffe und Antriebstechnologien. «Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten und zugleich unsere maritime Branche im Land mit ihren rund 2300 Betrieben und 37 000 Beschäftigten wetterfest zu machen», sagte der CDU-Politiker heute zum Auftakt der Dialog-Reihe mit Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung.

Eine besondere Rolle in der maritimen Wirtschaft könnte in den kommenden Jahren der Meerestechnik zukommen. Das Deutsche Institut für Luft und Raumfahrt (DLR) entwickelt an einem Institut für maritime Energiesysteme in Geesthacht zusammen mit der Industrie emissionsarme und emissionsfreie Energiesysteme. «Hierzu gehören neben Transportkonzepten für alternative Kraftstoffe unter anderem Brennstoffzellen für Schiffe, aber auch Energiespeicher-, Verteilungs- und Beladungs-Infrastrukturen für emissionsarme oder -freie Kraftstoffe», sagte Professor Sören Ehlers. Das Institut baue in Kiel eine Testinfrastruktur auf, um modulare Energie- und Schiffskonzepte zu entwickeln. Der Transport von reinem flüssigem Wasserstoff habe große Potenziale, künftig riesige Energiemengen zu transportieren – es fehle aber noch an erprobten Tank- und Transfersystemen.

Hier ein Mitschnitt des Pressegesprächs zum Maritimen Zukunftsdialog:

Der maritime Koordinator der Landesregierung, Andreas Burmester, betonte, «vor allem die Windenergiebranche wird trotz aller Herausforderungen dafür sorgen, dass wir weitgehend autark und damit attraktiv für weitere Ansiedlungen vom Kaliber des schwedischen Batterieherstellers Northvolt sind». In Nordseehäfen könnten langfristig Industriearbeitsplätze für die Wartung von Offshoreanlagen entstehen und den Wandel zum grünen Industrieland beflügeln. «Der damit verbundene Strukturwandel wird neue Produkte wie beispielsweise autonome Fähren oder intelligente Verfahren zur Entsorgung von Munition im Meer entstehen lassen und so für hochwertige Arbeitsplätze sorgen.»

Madsen und Burmester erneuerten auch noch einmal ihren Appell an die Bundesregierung, dass im Zuge des Auf- und Ausbaus von Offshore-Windparks im deutschen Teil von Nord- und Ostsee künftig auch stärker die heimische Werftindustrie zum Zuge kommen müsse. „Die Bundesregierung muss den Netzbetreibern klare Vorgaben machen, dass die Aufträge an deutsche Standorte vergeben werden.“ Zudem könnten „lokale Vergabequoten“ helfen, die Wettbewerbsnachteile gegenüber hochsubventionierten ausländischen Anbietern auszugleichen.

Der Minister und der Maritime Koordinator halten es vor allem für geboten, dass etwa bei Vorhaben wie dem Bau von Komponenten für Konverter-Plattformen die Werften in Schleswig-Holstein berücksichtigt werden sollten. Für beide sei es nicht nachvollziehbar, dass die vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), der maritimen Industrie und von den Nordländern seit Jahren klar geforderten Maßnahmen für eine funktionierende Vergabe von Aufträgen an die heimischen Werften noch immer nicht umgesetzt worden seien.

„Unsere Werften verlieren den Anschluss an Europa und die Welt, wenn sie sich im Wettbewerb nicht positionieren können“, warnte Madsen. Dabei hätten sie die technische Kompetenz und die Erfahrung, um zu Deutschlands Ausbau der Offshore-Windkraft-Leistung beizutragen.

Aufgegleist: Land und DB starten Planung für den Ausbau Pinneberg-Elmshorn

Startschuss der Planungen zum Ausbau einer der wichtigsten Bahnstrecken in Schleswig-Holstein: Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG, unterzeichneten heute in Tornesch (Kreis Pinneberg) eine entsprechende Vereinbarung für das lang ersehnte dritte und vierte Gleis zwischen Pinneberg und Elmshorn.

Minister Madsen mit der DB-Konzernbevollmächtigten Ute Plambeck (rechts) und Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (links) beim Pressegespräch im Heimathaus Tornesch

«Die Landesregierung bekennt sich zur Verkehrswende und finanziert die Planungskosten von fast 17 Millionen Euro in voller Höhe allein», sagte Madsen. Erst nach Abschluss der Vorplanungen werde eine genauere Abschätzung der Investitionskosten möglich sein, die zu 75 Prozent der Bund tragen soll. Laut Madsen werde der Ausbau der Strecke auch durch umfangreiche Schienenprojekte in Hamburg beeinflusst. So werden etwa der neue Bahnhof in Altona Nord und der geplante Verbindungsbahnentlastungstunnel wesentliche Auswirkungen auf das Projekt haben. Daher laufen die Planungen in enger Abstimmung mit Hamburg.

Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs:

Senator Tjarks sagte: «Die Schienenverbindung zwischen Elmshorn und Pinneberg ist eine der wichtigsten in Schleswig-Holstein. Mit ihrem Ausbau von zwei auf vier Gleise soll die Zuverlässigkeit im Bahnbetrieb maßgeblich erhöht werden. Mehr Schienen bedeuten gleichzeitig Platz für mehr Züge und damit mehr Zuverlässigkeit, Resilienz und Flexibilität im gesamten System. Das hat auch für Hamburg eine große Bedeutung, denn die täglichen Pendler-Verkehre machen nicht an der Landesgrenze halt. Die Mobilitätswende gelingt nur, wenn sie länderübergreifend gelingt. Deshalb werden wir Länder gemeinsam mit der DB die gesamte Achse Elmshorn – Pinneberg – Hamburg in den Blick nehmen, unter Berücksichtigung von Ausbauprojekten auf Hamburger Gebiet. Gemeinsam wollen wir die beste Lösung für den gesamten Korridor von Elmshorn über Hamburg bis nach Niedersachsen finden – mit zuverlässigeren Verbindungen und besserer Taktung für die Fahrgäste in der gesamten Metropolregion.»

Die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck erläuterte: «Wir begrüßen jeden Ausbau des Schienennetzes im Norden. Die Strecke Pinneberg-Elmshorn hat für die Mobilität der Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg eine enorme Bedeutung. Wir schaffen mit der Starken Schiene auf der Westachse Schleswig-Holsteins mehr Platz für unsere Züge – und damit auch mehr schnelle Verbindungen für unsere Kundinnen und Kunden. Ein wichtiges Signal geht auch von der länderübergreifenden Perspektive nach Hamburg aus.»

Nach den Worten von NAH.SH-Chef Dr. Arne Beck sei der Streckenabschnitt ein Nadelöhr im Bahnnetz und seit Jahren Gegenstand vieler Betriebsstörungen mit Auswirkungen auf große Teile Schleswig-Holsteins. „Zusammen mit dem Ausbau des Bahnhofes Elmshorn und des fast abgeschlossenen Umbaus des Bahnhofes in Pinneberg wird die Bahnstrecke zukünftig eine wesentlich bessere Betriebsqualität erreichen“, so Beck.

Nach 40 Jahren: „Mr. Straßenbau“ Torsten Conradt geht von Bord…

Torsten Conradt mit Minister Madsen und Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide

Ein prall gefülltes Berufsleben für den schleswig-holsteinischen Straßenbau: Nach 40 Jahren Dienstzeit hat Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute den Chef des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) in den Ruhestand verabschiedet. Torsten Conradt stand 14 Jahre lang an der Spitze des LBV.SH und war dort zuletzt unter anderem für 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 8.000 Kilometer Straßen, 1.700 Brücken und 5.200 Kilometer Radwege verantwortlich. Zuvor war der gelernte Ingenieur mehrere Jahre in leitender Funktion im Verkehrsministerium und verschiedenen Straßenbauämtern des Landes tätig. Seine Nachfolge tritt sein bisheriger Stellvertreter Frank Quirmbach an.

„Ich kenne nur wenige Experten, die so hochkompetent und leidenschaftlich ihren Job gemacht haben wie Torsten Conradt“, sagte Madsen heute im Kieler LBV.SH-Betriebssitz bei der Abschiedsfeier. Der 65-Jährige hinterlasse riesige Fußstapfen und ein gut bestelltes Haus. „Er kennt das Straßen- und Radwegenetz wie kein anderer und ist in der Szene vernetzt wie kein anderer“, sagte Madsen weiter. Er hätte ihm deshalb von Herzen gewünscht, dass die Autobahn A 20 – die ihn durch sein gesamtes Berufsleben begleitet habe – in seiner Amtszeit fertig gebaut worden wäre. „Aber wir bleiben dran“, versprach der Minister.  Hier ein paar Eindrücke vom heutigen Abschied des Spitzenbeamten – Video starten

Conradt war nach dem Studium an der TU Braunschweig in der 70er Jahren in seine Heimat Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Nach dem Referendariat arbeitete der dreifache Vater und leidenschaftliche Golfspieler im damaligen Straßenneubauamt West in Heide. 1988 wechselte er als Abteilungsleiter ins Straßenbauamt Itzehoe und ging 1992 als Dezernent ins damalige Landesamt für Straßenbau und Verkehr nach Kiel. Seit 1998 bis zur Übernahme des Landesbetriebes im August 2009 leitete Conradt dann das Referat „Straßenbau, Straßenbautechnik, Kommunaler Straßenbau“ im Verkehrsministerium.

Conradt bei einer der unzähligen Straßenfreigaben während seiner Zeit als LBV.SH-Direktor

Madsen: „Meine beiden Staatssekretäre und ich haben den LBV-Chef stets als sehr verantwortungsbewussten Menschen kennengelernt, der sich mit seinen Aufgaben hundertprozentig identifiziert. Er hat den Landesbetrieb nicht nur getragen, sondern auch gestaltet und immer wieder weiterentwickelt.“ 

Conradts Nachfolger Quirmbach tritt seine neue Funktion offiziell am 1. Dezember an. Auch er ist bereits seit knapp 30 Jahren im Landesdienst und seit 1996 im Verkehrsressort tätig. Die Funktion des „LBV.SH-Vize“ hat der Betriebswirt seit zehn Jahren inne. „Er ist auf die neue Aufgabe also bestens vorbereitet“, sagte Madsen.

Quirmbach (58) hat Betriebswirtschaftslehre, Soziologie sowie Berufspädagogik an der Universität Siegen studiert. 1995 begann er seine Laufbahn in der Landesverwaltung Schleswig-Holstein. Zunächst war er Referent für Organisation und Automation im Wirtschafts- und Verkehrsministerium, 1998 übernahm er die Referatsleitung für das Referat Organisation, Informationstechnik und Service; später die Leitung des Referats Finanzen. Schwerpunkt seiner Arbeit war die Konzeption und Durchführung von Veränderungsprozessen im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung.

Madsen nach Minister-Gipfel: „Wir brauchen ein klares Signal an Northvolt“

Die Wirtschaftsminister von Bund und Ländern haben heute in Berlin auf Einladung von Robert Habeck über die geplante Milliarden-Förderung von Wirtschaftsprojekten beraten. Es ging auch um das Northvolt-Batteriewerk bei Heide. Denn nachdem das Bundesverfassungsgericht vor zwei Wochen 60 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) der Bundesregierung gestrichen hat, ist weiter unklar, wie die Ampelkoalition die ursprünglich geplante staatliche Förderung der Vorhaben bezahlen will.

Habeck machte klar, dass er und seine Kollegen das Vertrauen der Wirtschaft darin erhalten wollen, «dass alle Projekte, die mit dem KTF erarbeitet wurden, auch möglich gemacht werden sollen». Weiter sagte er bei einer Pressekonferenz – Video starten…

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen machte nach dem Treffen unterdessen klar, dass er vom Bund Klarheit für Northvolt erwarte. «Wir brauchen ein klares Signal an den Investor, dass wir zu den Zusagen auch stehen, die wir bereits getroffen haben – zumal der ,Point of no return’ bei dem Heider Großprojekt bereits überschritten ist», sagte er. Nun müsse auch der Bund den Weg ebnen, damit keine Zweifel entstünden. Dies gelte aber auch generell für Ansiedlungsprojekte: Hier müsse Investoren signalisiert werden, dass Deutschland auch das umsetzt, was es verspricht. Madsen sagte weiter – Video starten…

Der schwedische Investor Northvolt will in einer Fabrik in Heide ab 2026 Batteriezellen für Elektroautos herstellen. Durch die 4,5 Milliarden Euro teure Investition sollen 3000 Arbeitsplätze entstehen. Das Unternehmen habe in das Bauvorhaben in Heide bislang bereits rund 100 Millionen Euro an eigenen Mitteln investiert, heißt es im Umfeld des Projekts.

Madsen zeigte sich zufrieden, dass bei den Beratungen immerhin ein Festhalten an allen Projekten beschlossen wurde. Er habe sich allerdings gewünscht, dass die Wirtschafts- und Energieminister mehr über Lösungsansätze und den Weg dorthin diskutieren, als darüber, was alles noch offen ist.