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Buchholz will Einzelhandel rasch öffnen – und schlägt als Minimallösung click&meet vor

Vor der Konferenz der Länder-Wirtschaftsminister drängt Schleswig-Holsteins Ressortchef Bernd Buchholz auf eine rasche Öffnungsperspektive für den Einzelhandel: «Es wird immer schwerer verständlich und vermittelbar, dass nach den Friseuren auch die Gartencenter öffnen können, der übrige Einzelhandel aber geschlossen bleiben soll», sagte Buchholz heute in Kiel. Sollte sich angesichts der momentan immer noch zu hohen Inzidenzwerte von 50 bis 60 eine rasche Öffnung des Einzelhandels nicht realisieren lassen, fordert Buchholz als «Minimal-Lösung» für die Branche die Einführung des Click&Meet-Systems sowie umfangreichere Entschädigungen für die Branche.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will morgen mit seinen Länder-Kollegen über eine Öffnungsstrategie beraten. Nach derzeitigem Stand sollen ab 8. März weitere Läden öffnen dürfen – aber nur in Regionen, in denen es nicht mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen gibt. Die Bund-Länder-Konferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten findet Mittwoch (3. März) statt.

Wie Buchholz sagte, zeige insbesondere der Stufenplan des RKI selbst, dass im Einzelhandel das Infektionsrisiko und auch der Anteil am gesamten Übertragungsgeschehen als gering anzusehen sei. «Dies kann auch das Bundeskanzleramt nicht länger ignorieren. Insoweit ist die Schließung des Einzelhandels nicht länger zu rechtfertigen», sagte Buchholz.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz weiter – Audio starten

Sollten die Werte bundesweit wieder ansteigen, sei für den Einzelhandel zumindest das „Click & Meet“-Terminshopping zu ermöglichen, wie es bereits Länder wie Rheinland-Pfalz ab 1. März tun. Dabei handele es sich um eine Erweiterung der „Click & Collect“-Regelungen, die vor allem der Bekleidungs- und Schuhbranche, Küchen- und Wohnstudios sowie kleineren Firmen eine Perspektive biete, so Buchholz. Danach dürfen nach vorheriger Vereinbarung Mitglieder eines Hausstandes ein Geschäft zu Beratung und Einkauf betreten. «Und angesichts von Maskenpflicht, Hygiene-Konzepten samt Kontakt-Erfassung und Flächenbeschränkungen ist das Infektionsrisiko maximal überschaubar», sagt Buchholz.

Auch mit Blick auf die bisherigen Entschädigungen für geschlossene Betriebe verlangt Buchholz einen deutlichen Schritt der Ausweitung: «Sollte der Lockdown nach dem 8. März weiter andauern, ist eine Erhöhung der finanziellen Entschädigungen für den Einzelhandel zwingend notwendig – und zwar eher auf der Basis eines Verlustausgleichs für die vergangenen Monate als den bisherigen Fixkostenausgleich.» Denn dies, so der Nord-Liberale, führe zu einer immer weiteren Verlust-Anhäufung bei den Einzelhändlern, deren Eigenkapitaldecke derzeit ohnehin schmelze wie Butter in der Sonne.

Unterdessen appellierte Buchholz an alle Bürgerinnen und Bürger im Land, trotz verständlicher Pandemie-Müdigkeit die Abstands- und Hygieneregeln weiterhin streng zu befolgen. «Aus dem Lebensmittel-Einzelhandel erreichen uns vermehrt Meldungen, dass die Disziplin in Teilen der Kundschaft nachlässt – das birgt die große Gefahr, dass einige Wenige den mühselig erarbeiteten Erfolg der Maßnahmen zurückwerfen und damit Existenzen in Gefahr bringen», so der Minister.

Nach den Worten der Handelsexpertin Julia Körner von der IHK Schleswig-Holstein tragen die Unternehmen durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Hygienemaßnahmen dazu bei, «dass möglichst schnell auch andere Sortimente wieder auf der Fläche verkauft und weitere Dienstleistungen angeboten werden können». Auch den Vorstoß, Meet & Collect als kontaktarme Übergangslösung zu ermöglichen, begrüße die Wirtschaft ausdrücklich. «Das wäre ein Lichtblick – nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für ihre Kundschaft», so Körner.

Rohlfs: Freizeit-Skipper haben bald wieder die nötige Handbreit Wasser unter’m Kiel

Gute Nachrichten für die Besitzer von Sportbooten an Nord- und Ostsee: Nach den Plänen der Landesregierung für die neue Corona-Verordnung dürfen sie ihre Motorboote und Segeljachten ab Montag wieder ins Wasser lassen. «Nach den Erfahrungen in 2020 haben wir gesehen, dass die Wassersportler weit überwiegend verantwortungsvoll mit der Situation umgehen», sagte Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs heute in Kiel. Die neue Verordnung mit bereits angekündigten Lockerungen will die Landesregierung morgen beschließen.

Zwar ist gemeinsames Segeln oder eine Fahrt mit dem Motorboot unter Einhaltung der Corona-Kontaktregeln möglich – also mit einer Person aus einem anderen Haushalt. Sogenannte Ausflugsfahrten sind aber nicht erlaubt. «Auch gerade bei den Aufslippaktionen im Herbst 2020 haben die Wassersportler das gemeinschaftliche Boote-Rausholen so organisiert, dass es hierbei nicht zu kritischen Infektions-Situationen kommt», sagte Rohlfs. Beim sogenannten Abslippen dürfe es auch keine Vermischung der Kohorten geben.

Scandlines unterliegt: Bau des Belttunnels nimmt eine weitere juristische Hürde

Im Bereich des Fährhafens Puttgarden kann mit vorbereitenden Baumaßnahmen für die feste Fehmarnbeltquerung begonnen werden. Das Verwaltungsgericht Schleswig hat es heute abgelehnt, eine sogenannte Zwischenentscheidung zu erlassen, mit der diese Baumaßnahmen verhindert werden sollten (Az. 12 B 10/21). Die Zwischenentscheidung hatten die die Scandlines Deutschland GmbH und die Scandlines Bordershop Puttgarden GmbH als Eigentümerinnen mehrerer Grundstücke dort beantragt, wie das Gericht mitteilte.

Hintergrund ist, dass die Enteignungsbehörde des Landes Schleswig-Holstein die Vorhabenträgerinnen der Fehmarnbeltquerung vorzeitig in den Besitz mehrerer Grundstücke eingewiesen hat, damit diese noch vor dem Abschluss des Enteignungsverfahrens mit den Baumaßnahmen für den Tunnel beginnen können. Dagegen haben die Eigentümerinnen der Grundstücke ein Eilverfahren angestrengt. Sie beantragten zudem die Zwischenentscheidung. Damit kann ein Verwaltungsgericht die Umsetzung von Behördenentscheidungen bis zu einer Entscheidung in der Sache untersagen.

Das Gericht entschied nun, dass die Folgenabwägung zwischen dem Schutz des Eigentums und dem Interesse der Vorhabenträgerinnen am Beginn der Baumaßnahmen zugunsten der Vorhabenträgerinnen ausgehe.

Durch die noch im Februar und im März beabsichtigten Maßnahmen würden den Eigentümerinnen voraussichtlich keine derartigen Nachteile entstehen, die einen Baustopp rechtfertigen würden. Andererseits sei die Durchführung der Arbeiten zum jetzigen Zeitpunkt für die Vorhabenträgerinnen essenziell.

Das siegreiche Dutzend: Diese zwölf Startups werden in Lübeck fit für die Zukunft gemacht

Sie tüfteln an hochwertigen Bio-Snacks und Brotaufstrichen, an Bluttest-Abos für Sportlerinnen und Sportler, an Recycling-Verfahren für Neoprenanzüge oder an Software zur Entlastung von Pflege- und Hospizkräften: Von 66 bundesweiten Bewerbungen um einen Platz im Lübecker StartUp-Beschleuniger „GATEWAY 49“ haben nun zwölf junge Firmen mit den besten Ideen den Zuschlag erhalten. „Allein das breite Bewerberfeld aus Schleswig-Holstein zeigt mir, wie kreativ, leistungsstark und lebendig unsere StartUp-Szene ist“, sagte heute Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. Nicht nur die von der Jury gekürten zwölf Firmen – darunter Gründerinnen und Gründer aus Kiel, Lübeck und Schleswig – seien dabei auf einem vielversprechenden Erfolgskurs.

Buchholz sagte zu der Auswahl und dem Wettbewerb weiter – Audio starten

Die Auswahlkriterien der Jury waren neben dem Geschäftsmodell die wirtschaftlichen Auswirkungen der Gründungsidee sowie die Kompetenzen und die Zusammensetzung der Teams.

Folgende Firmen mit folgenden Geschäftsideen sind für die kommenden neun Monate zu Gast im GATEWAY 49 (verlinkt). Dabei erwartet sie ein Coaching-, Mentoring- und Ausbildungs-Programm. Jedes Team erhält zudem 30.000 Euro, ohne dafür Anteile an seinem StartUp abgeben zu müssen. „Auch dies ist einzigartig in der vielfältigen Landschaft der Unterstützungsprogramme für Startups“, sagt Buchholz.

• ActiveLab bieten das erste Bluttest-Abo speziell für Sportler:innen und Athleten:innen, um Mängel in der Nährstoffaufnahme festzustellen und die Versorgung mit relevanten Vitaminen zu optimieren. Basierend auf den Ergebnissen geben ActiveLab personalisierte Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen: https://www.myactivelab.de

• FABRIKANT entwickeln eine Lösung, mit der Prototypen und Kleinserien aus Metall in Sekunden bestellt und in wenigen Tagen geliefert werden können, sodass Produktentwicklungen beschleunigt und ein schnellerer, günstigerer Markteintritt von neuen Produkten ermöglicht wird.

• Haman-Tech bieten ein neuartiges Food-Produkt bestehend aus Schokolade und Tahini (Sesampaste). Als Brotaufstrich oder Snackriegel ohne Konservierungsmittel, Palmöl oder Gluten, bieten Haman-Tech den Konsumenten:innen eine völlig neue Geschmacksrichtung als veganer Ernährungssnack mit wenig Zucker.

• KEY2BE.ME gestalten eine Berufsorientierungs-Community mit online Netzwerk-Events sowie einem individuellen Berufsorientierungs-Guide als Plattform bzw. App. Die Ziele sind u. a. weniger Menschen im Übergangssystem, mehr zufriedene Menschen im Beruf und mehr Digital- und Selbstlernkompetenz für Berufseinsteiger:innen: https://key2be.me

• Land and Sea recyceln alte, defekte Neoprenanzüge zu Sportmatten, die am Ende ihres „Lebens” wieder zu 100% recycelbar sind. Damit wollen Land and Sea sowohl die ansteigende Ressourcenverschwendung als auch die Umweltverschmutzung reduzieren: https://www.landandsea-yogamats.com

• Medventi ermöglichen eine schnelle Übertragung von komplexen Patienteninformationen und vermeiden so zeitaufwendige sowie teure, redundante Laufwege in der Patientenbetreuung. Als digitales System zur Pflegeentlastung kann ihr HelpChat den Pflegeprozess erheblich beschleunigen und qualitativ verbessern: https://helpchat.care

• PALLIA ist ein digitales Portal, das bundesweit, orts- und zeitunabhängig Koordinatoren:innen und Hospizarbeiter:innen vernetzt. Zudem bietet es ein digitales Schulungskonzept zur Qualifizierung von Sterbebegleiter:innen: https://pallia-gemeinsam-gehen.jimdosite.com

• PLANTObelly ist ein System zur professionellen Feuchtigkeitsüberwachung von Straßenbäumen und Stadtbegrünung, das im Internet den Status der Pflanzen anzeigt. So können Wartungstouren optimal geplant werden. PLANTObelly nutzt die LoRa-Funktechnologie und ist damit perfekt für SmartCity-Konzepte geeignet: https://plantobelly.de/plantobelly-de/index.html

• Silolytics entwickeln eine intelligente Sensorplattform, um die Futterkonservierung in landwirtschaftlichen Betrieben effizienter und einfacher zu gestalten. Wichtige Qualitätsparameter werden automatisiert erfasst, die zur Verfügung stehenden Produktionsressourcen optimal genutzt und Emissionen durch Effizienzsteigerung verringert: https://silolytics.de

• Den alten, fehleranfälligen Letter-of-Credit (LCs)-Prozess, den Banken derzeit anbieten, ersetzt SmartLoc durch den Einsatz von IoT-Tracking-Geräten und verwandelt LCs (Akkreditive) so in einen digitalen, zeitgemäßen Zahlungsdienst: https://smartloc.egerlink.com

• Unleash Future Boats entwickeln autonom fahrende und umweltfreundliche Schiffe, die über einen elektrischen Antrieb mit Brennstoffzelle und grünem Wasserstoff verfügen. Die ersten Elektro-Passagierfähren sollen im Frühjahr 2022 auf der Schlei zum Einsatz kommen: https://www.unleash-future-boats.com

• Ganz nach dem Motto „We put the OAT in Yog-Oat“ bietet das StartUp eine leckere vegane Joghurtalternative auf Basis von Hafer, hergestellt aus regionalen Zutaten, ohne künstlichen Geschmack und in einem Mehrwegglas ohne Verpackungsmüll: http://www.yog-oat.de

GATEWAY49 ist ein Startup-Accelerator aus Lübeck, der das Ziel verfolgt, neue Gründungen und Innovationen aus der Region zu befördern. Der Fokus liegt auf der gezielten Unterstützung von Gründerinnen und Gründern, die (digitale) Geschäftsmodelle insbesondere in den Fokusbranchen Medizintechnik, Logistik, Smart City oder Nahrungsmittelindustrie verfolgen. Durch die enge Zusammenarbeit mit namhaften Unternehmen der Fokusbranchen, den Expertinnen und Experten in den Lübecker Hochschulen sowie den Transfereinrichtungen am Standort, wird die Etablierung neuer Innovationen und die Verknüpfung zwischen StartUps, Wirtschaft und Institutionen vorangetrieben.

Initiiert wurde der Accelerator vom Technologiezentrum Lübeck, der IHK zu Lübeck und Glocal Consult. Das Projekt wird federführend vom TZL betreut und ist aus Landes- bzw. EFRE-Mitteln sowie durch Partner und Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft gefördert.

Buchholz blickt auf solide Ansiedlungs-Bilanz und gibt Hoffnung auf Oster-Geschäft nicht auf

Keine Frage und schon gar keine Überraschung: Die Eisdecke, die unser wirtschaftliches Leben trägt, ist im letzten Jahr dünner geworden. Aber Tatsache ist auch: Sie trägt. Das belegt die Zahl der im letzten Jahr frisch angesiedelten Betriebe in Schleswig-Holstein und die vergleichsweise stabile Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Schleswig-Holstein. Für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, der obendrein auch das Tourismus-Ostergeschäft noch lange nicht verloren gibt, seine „Meldung der Woche“. Video starten

Land legt solide Ansiedlungsbilanz vor – Buchholz: „Rahmenbedingungen stimmen“

Chef-Wirtschaftsförderer Bernd Bösche (rechts) präsentierte mit Minister Buchholz die Ansiedlungszahlen.

Trotz deutlich schlechterer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen im Zuge der Corona-Pandemie haben sich 2020 in Schleswig-Holstein 114 Unternehmen neu angesiedelt. Dabei seien 1872 neue Arbeitsplätze entstanden, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz bei der heutigen Vorstellung der Ansiedlungsbilanz der „Wirtschaftsförderung und Technologie Transfer Schleswig-Holstein GmbH“.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der neu angesiedelten Unternehmen zwar nur leicht um vier Betriebe, die Zahl der neuen Arbeitsplätze aber deutlich. 2019 waren durch neue Unternehmen noch 3408 neue Jobs geschaffen worden. Davon gingen allein rund 500 auf das Konto von Amazon in drei Verteilzentren. Der Geschäftsführer der WTSH, Bernd Bösche, sprach von einem soliden Ergebnis: «Wir sind gut durch die Krise gekommen im Vergleich zu vielen Mitbewerbern.» In anderen Bundesländern seien die Rückgänge deutlich höher ausgefallen.

Buchholz sagte, «wir arbeiten derzeit daran, die Rahmenbedingungen für Ansiedlungen weiter zu verbessern – unter anderem durch einen beschleunigten Breitband-Ausbau und Investitionen in die Verkehrs-Infrastruktur». Als positiv werteten Buchholz und Bösche die durch Neuansiedlungen von 18 Unternehmen im vergangenen Jahr geschaffenen 954 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe. 2019 waren in diesem Bereich 284 Jobs in 16 Firmen entstanden. Das Land arbeitet derzeit an einer landesweiten Ansiedlungsstrategie. Im vergangenen Jahr war Schleswig-Holstein offensichtlich besonders attraktiv für die digitale Wirtschaft (26 Unternehmen, 130 Arbeitsplätze), die erneuerbaren Energien (14 Unternehmen, 250 Arbeitsplätze) und die Gesundheitswirtschaft (11 Unternehmen, 694 Arbeitsplätze).

Hier eine Aufzeichnung der gesamten Pressekonferenz:

Laut WTSH entfielen bei den erneuerbaren Energien und der Gesundheitswirtschaft der Großteil der Arbeitsplätze auf das produzierende Gewerbe. Dazu zählte beispielsweise die Ansiedlung einer Hamburger Firma, die in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) Gelenktransplantate baut und dort 500 Arbeitsplätze schaffen will.

Beim Werben um Unternehmen geht es oft um Subventionen. «Das Thema Förderung spielt eine Rolle», sagte Bösche. Konkrete Zahlen habe er aber nicht. Buchholz betonte, Hilfen bewegten sich «im Rahmen dessen, was in allen anderen Bundesländern üblich ist». Auffällig ist, dass im vergangenen Jahr 19 Unternehmen aus anderen Bundesländern nach Schleswig-Holstein kamen. 2019 waren es nur neun. Wie viele Unternehmen dem nördlichsten Bundesland den Rücken kehrten, konnte die WTSH nicht angeben. «Das Thema Abwerbeversuche von Unternehmen aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahren aber deutlich entspannt», sagte Bösche.

Aus dem Ausland entschieden sich 2020 zehn (2019: elf) Unternehmen für einen Standort in Schleswig-Holstein. Drei von ihnen stammten aus Dänemark, drei aus Lettland und jeweils eines aus der Schweiz, Estland, Australien und China. Im Durchschnitt wurden in den Unternehmen 19 Arbeitsplätze geschaffen.

Land verdoppelte 2020 Investitionen in Häfen, Promenaden und andere öffentliche Projekte

Corona zum Trotz: Durch eine Verdoppelung der Bund-Länder-Fördermittel aus der so genannten „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)“ hat Schleswig-Holstein im Jahr 2020 massiv in öffentliche Anlagen wie Häfen, Strandpromenaden oder andere touristische Einrichtungen investiert. Wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz heute mitteilte, seien im letzten Jahr 91,5 Millionen Euro in Gemeinschaftsaufgabe gesteckt worden – davon rund 45 Millionen Euro aus Landesmitteln. „Über 82 Prozent dieser Gelder haben wir in die öffentliche Infrastruktur stecken können wie den Ausbau des Lübecker Skandikais, die Landstromanlage im Kieler Hafen oder die Promenaden von St. Peter-Ording und Wassersleben in Harrislee“, sagte Buchholz. Einige Projekte befinden sich noch im Bau. 

Die Jamaika-Koalition habe damit ihr selbst gestecktes Ziel erfüllt, die so genannten GRW-Mittel nicht primär zur Förderung einzelner Betriebe einzusetzen. „Denn dabei besteht immer die Gefahr von Mitnahme-Effekten oder Wettbewerbsverzerrungen“, sagte Buchholz. Die von SPD, Grünen und SSW gebildete Vorgänger-Regierung habe zuletzt im Jahr 2016 noch 56 Prozent der GRW-Mittel in die einzelbetriebliche Förderung gesteckt. Über die „Gemeinschaftsaufgabe“ unterstützen Bund und Länder seit über 40 Jahren je zur Hälfte besonders vom Strukturwandel betroffene Regionen, um dort „dauerhafte und hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern“.

Im Wirtschaftsausschuss des Landtags sagte Buchholz dazu in dieser Woche:

Wie Buchholz weiter sagte, hätten andere Bundesländer im vergangenen Jahr nicht alle GRW-Mittel abgerufen, während Schleswig-Holstein einige Projekte bereits fertig in der Schublade gehabt hätte. „Insofern hat das Pandemie-Jahr in dieser Hinsicht auch mal etwas Positives“, so der Minister.

Buchholz: Das Akku-Netz schafft nochmal deutlich mehr Wettbewerb auf der Schiene

Fünf Bieter, drei Sieger: Gleich drei Eisenbahnunternehmen sollen ab dem kommenden Jahr das so genannte Akku-Netz in Schleswig-Holstein bedienen. Das heißt: Bereits vom Land beschaffte Elektro-Triebwagen überall dort zum Einsatz bringen, wo bislang keine Elektrifizierung vorhanden ist. Es geht dabei mit 10,5 Millionen so genannter Zugkilometer um fast die Hälfte des gesamten Schienennetzes im Land. Neben der Osthannoverschen Eisenbahn-Aktiengesellschaft (OHE) hat der Landtag diese Woche auch der RDC AUTOZUG Sylt GmbH und der NBE nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG einen Zuschlag für Streckenabschnitte erteilt. Für Verkehrsminister Bernd Buchholz seine Meldung der Woche. Video starten.

Bundesrat lehnt Vorstoss zu TV- und Internet-Nebenkosten ab: Buchholz will weiterkämpfen

Wie geht es weiter mit dem Glasfaserausbau in Deutschland? Fakt ist: Mehr Tempo ist dringend nötig, da sind sich alle Seiten einig. Doch was genau tun? Schleswig-Holstein brachte heute einen Vorschlag im Bundesrat ein – mit ernüchterndem Ergebnis. Aber Wirtschaftsminister Bernd Buchholz gibt noch lange nicht auf

Im Ringen um die Streichung von TV-Kosten aus der Nebenkostenabrechnung von Mietern ist Schleswig-Holstein mit einem eigenen Vorschlag im Bundesrat gescheitert. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) forderte in der Länderkammer in Berlin, den Mietern Wahlfreiheit beim Bezug des TV-Signals zu ermöglichen, sie zugleich aber an Kosten für die Verlegung von neuen Glasfaserleitungen zu beteiligen. Der Bundesrat lehnte den Antrag ab.

Dazu sagte Buchholz im Anschluss an die heutige Bundesratssitzung – Audio starten

Es geht um die sogenannte Umlagefähigkeit, auch Nebenkostenprivileg genannt. Bisher können Vermieter die TV-Kosten auf alle Mieter umlegen. Dadurch bekommen die Kabelnetzbetreiber – allen voran Vodafone – sehr große Verträge mit Wohnungsbaugesellschaften, die geringe Verwaltungskosten haben und daher pro Mieter relativ günstig sind. Nachteil: Die Mieter müssen zahlen – ob sie wollen oder nicht.

Diese Regelung will die Bundesregierung streichen, um mehr Wettbewerb zu erzeugen. Ein möglicher Haken: Die Kosten pro Mieter könnten steigen – schließlich müssten die Mieter Einzelverträge abschließen, bei denen der Verwaltungsaufwand für die Anbieter höher wäre. Derzeit zahlen Mieter über die Nebenkosten etwa 8 bis 10 Euro pro Monat, Einzelverträge kosten grob gesagt das Doppelte. Auf diese Differenz machen Kabelnetzbetreiber sowie Mieterbund und Vertreter der Wohnungswirtschaft aufmerksam. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet wegen des angefachten Wettbewerbs hingegen nicht mit steigenden Preisen.

Minister Buchholz schlug vor, dass die Mieter für Glasfaser-Verlegungskosten im Gebäude bezahlen müssen, beim Bezug des TV-Signals hingegen freie Wahl haben. «Wir wollen das Nebenkostenprivileg in der bisherigen Form nicht, aber wir wollen es dann, wenn tatsächlich ein Glasfaserausbau im Haus stattfindet.» Würde das Nebenkostenprivileg einfach gestrichen, würde das den Ausbau hemmen, so der Liberale. Die Logik dahinter: Die Firmen würden keine Highspeed-Leitungen verlegen, wenn sie nicht wissen, dass sie diese Kosten wieder reinholen werden.

Buchholz sagte dazu im Bundesrat:

Schleswig-Holsteins Vorschlag wurde abgewiesen. Stattdessen verständigten sich die Bundesländer auf die eher vage Position, dass das Nebenkostenprivileg nicht ersatzlos gestrichen, aber für Investitionsanreize geändert werden soll – wie genau, ist offen.

Buchholz im Bundesrat: Wir können nicht das Taxigewerbe und den ÖPNV gleichzeitig schützen

Die Grünen im Bundestag machen Druck auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU): Sie wollen Mietwagenverkehre wie Uber und FreeNow strenger zu regulieren. „Wohin weitgehend ungeregelte Verkehrsmärkte Städte bringen können, konnte man in den USA beobachten“, heißt es in einem Positionspapier von Hermann. Heute beschäftigte das Thema den Bundesrat – im Plenum sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz…