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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Ein Jahr Fachkräfte-Einwanderung – oder: Warum eine junge Iranerin „Sylter Bürgermeister“ backt

Die iranische Bäckergesellin Sepideh Ojaghi bei der Zubereitung der beliebten Sylter „Bürgermeister“.

Als das vom Wirtschaftsministerium geförderte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung (KoFW) vor anderthalb Jahren erstmals eine Online-Abfrage zum Fachkräftebedarf in Schleswig-Holstein startete, war die Resonanz gewaltig: Mehr als die Hälfte der Unternehmen meldete Interesse an Fachkräften aus so genannten Drittstaaten an. Heute – genau ein Jahr nach Inkrafttreten des Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes – arbeiten 39 junge Frauen und Männer aus Ländern außerhalb der EU im echten Norden.

Torsten Zimmermann, Bäckermeister, Lebensmitteltechniker und Assistent der Geschäftsführung bei Raffelhüschen hatte schon lange nach Verstärkung für das mittelständische Unternehmen gesucht. Aber der Arbeitsmarkt für Handwerker und besonders für Bäcker ist leergefegt. Qualifizierte deutsche Bewerberinnen und Bewerber sind Mangelware. „Als wir eine Bewerbung aus dem Iran bekamen, waren wir zunächst skeptisch: Dort backt man doch sicher ganz anders als hier.“ erinnert sich Zimmermann. Aber dann entschied er gemeinsam mit seinem Chef: „Wir geben ihr eine Chance.“

Zu Recht: Bei der Bäckerei Raffelhüschen hat Sepideh Ojaghi schnell Fuß gefasst. Viele Kenntnisse und Fähigkeiten hat sie durch ihre Ausbildung – sie hat einen Bachelor der Lebensmittelindustrie – bereits mitgebracht, die Besonderheiten der deutschen Backkunst lernt sie schnell. Ihr Arbeitgeber hat ihr eine Betriebswohnung auf der Insel zur Verfügung gestellt. Nach der Arbeit sitzt sie dort und büffelt deutsch.

Sepideh Ojaghi und Torsten Zimmermann vor Stickenöfen in der zentralen Bäckerei in Tinnum.

Das Berufs-Spektrum der inzwischen 39 angekommenen Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern reicht nach Angaben von Jörg Seiffert, Leiter Zentrale Stelle für Fachkräfteeinwanderung, von Ärztinnen und Ärzten über Pflegerinnen und Pfleger, Köchinnen und Köche bis hin zu Nautikern, IT-Fachkräften und Bauhandwerkern.

Jörg Seiffert

Allerdings erweise sich auch hier die Corona-Pandemie als erheblicher Bremsklotz – dazu sagte Seiffert gegenüber Radio-Schleswig-Holstein (RSH) – Audio starten, Pfeil klicken:

Nach den Worten von Arbeitsminister Bernd Buchholz sieht die Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein (FI.SH) sich durch die Zahlen in ihrer Arbeit bestätigt: „Die gezielte Gewinnung von Fachkräften aus Drittstaaten bildet neben den vielfältigen Maßnahmen zur Erhöhung und Verbesserung der inländischen Erwerbsbeteiligung eine wichtige Säule beim Ausbau des Fachkräftepotenzials im Land“, sagt Buchholz.

Die FI.SH ist eine Initiative der Landesregierung. Beteiligt ist die Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Nord (BA RD Nord). Im letzten Jahr wurde auch das Landesamt für Zuwanderung und Flüchtlinge Schleswig-Holstein (LaZuF) eingebunden. Die Behörde berät und unterstützt insbesondere Arbeitgeber, aber auch potenzielle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei den aufenthaltsrechtlichen Fragen der Fachkräfteeinwanderung. Das LaZuF hat 2020 mehr als 260 Anfragen und Anträge zur Durchführung des beschleunigten Fachkräfteverfahrens bearbeitet. In 81 Fällen wurden bereits konkrete Vereinbarungen abgeschlossen.

Die BA sieht weiterhin einen großen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in Schleswig-Holstein. Im September 2020 waren bei den Agenturen für Arbeit in SH 21.700 offene Stellen gemeldet, rund 80 Prozent davon für Fachkräfte.

Buchholz bewertet das erste Jahr der Umsetzung des FEG positiv: „Das Interesse der Unternehmen in Schleswig-Holstein ist groß. Und ich gehe fest davon aus, dass die Fachkräfteeinwanderung noch einmal deutlich Fahrt aufnehmen wird, wenn wir die Corona-Krise mit seinen Reisebeschränkungen und den wirtschaftlichen Herausforderungen für die Unternehmen in Schleswig-Holstein hinter uns lassen können.“

Wieder Schleusen-Crash im NOK – Buchholz appelliert an Berlin: „Reservetor bereit stellen“

Der Ort der Havarie in der Kieler Nordschleuse

Die schwarze Serie der Havarien im Nord-Ostsee-Kanal (NOK) reißt nicht ab: Gestern Abend krachte der unter Malta-Flagge fahrende Frachter „Wilson Goole“ in eines der letzten funktionsfähigen Schleusentore in Kiel-Holtenau. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden aber ist erheblich und der Verkehrsfluss auf dem NOK deutlich ausgebremst. Erste Frachter drehen bereits ab und nehmen den Umweg über Skagen.

Verkehrsminister Bernd Buchholz forderte den Bund einmal mehr auf, für solche Fälle Vorsorge zu treffen und stets ein vollständiges Ersatz-Tor bereit zu halten. Angesichts der Tatsache, dass noch nicht einmal das Schleusentor von der letzten Havarie repariert ist, sagte Buchholz im Gespräch mit Journalisten (Audio starten – Pfeil klicken)

Weiter erinnerte Buchholz daran, dass ein reibungsloser Verkehrsfluss der wichtigste wirtschaftliche Erfolgsfaktor für den Kanal sei: „Am NOK hängen nicht nur weit über 2000 direkte und indirekte Arbeitsplätze, er ist auch für den Hamburger Hafen mit dessen gewaltigen Beschäftigungs-Effekten für Schleswig-Holstein ein Lebensnerv.“ Das gelte auch in teilen für den Brunsbüttler Hafen und die Häfen im NOK selbst.

Die 90 Meter lange „Wilson Goole“ war gegen 19 Uhr von der Ostsee kommend in die große Nordkammer der Schleuse Kiel-Holtenau eingelaufen und gegen das geschlossene, kanalseitige Schleusentor gefahren. Nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung steht der Schifffahrt die große Südkammer der Schleuse weiter zur Verfügung. Morgen sollen sich Taucher ein Bild vom Ausmaß des Schadens machen.

Hier ein Video des NDR-Schleswig-Holstein-Magazins von der Havarie:

Anders als bei der Havarie im letzten Jahr, bei der der Frachter „Else“ in ein Tor krachte oder als vor drei Jahren die „Akacia“ ein Tor rammte, blieb die 26 Jahre alte „Wilson Goole“ allerdings nicht stecken. In der Nacht wurde das Schiff mit zwei Schleppern zur nahe gelegenen Lindenau-Werft gebracht.

Buchholz zur Achterbahnfahrt des Tourismus in 2020 und zum bangen Blick auf Ostern

Das Zeitfenster für unsere Beherbergungsbetriebe, sich bei stabilen Corona-Infektionszahlen auf eine Öffnung an Ostern vorzubereiten, wird zwar langsam enger, aber Tourismusminister Bernd Buchholz bleibt dabei: Noch ist vieles drin.

Die entscheidende Weiche dürfte am 22. März bei der nächsten Konferenz aller Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin gestellt werden. Nach dem Ausfall des Ostergeschäfts 2020 wäre eine vorsichtige Öffnung in diesem Jahr für die Branche ein wichtiger warmer Regen. Unsere Meldung der Woche – Video starten.

Nun ist das neue SHIBB komplett: Jörn Krüger zum Direktor des Berufsbildungs-Instituts ernannt

Jörn Krüger (rechts) ist heute von Wirtschaftsminister Buchholz zum SHIBB-Direktor ernannt worden.

Mit der Ernennung von Jörn Krüger (54) zum Direktor des Schleswig-Holsteinischen Instituts für berufliche Bildung (SHIBB) hat Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz heute die Spitzenposition des neuen Landesamtes besetzt. „Ich freue mich, dass wir mit Jörn Krüger einen ausgewiesenen Experten für diese wichtige Position gewinnen konnten“, sagte er. Als Projektleiter zur Errichtung des SHIBB sei Krüger bereits seit drei Jahren am Aufbauprozess der neuen Behörde beteiligt gewesen.

Vor seiner Ernennung war der gebürtige Kieler unter anderem als Leiter der Emil-Possehl-Schule in Lübeck und als Schulaufsichtsbeamter für den Bereich der berufsbildenden Schulen tätig. Neben seiner Arbeit als Lehrer und Schulleiter sammelte der ehemalige Bundeswehr-Offizier unter anderem auch in der freien Wirtschaft Erfahrungen als Vertriebstrainer eines Mobilfunk-Konzerns. Mit Blick auf seine neue Funktion sagte Krüger: „Wir haben eines der besten Bildungssysteme der Welt mit vielfältigen Karrierechancen. Ich möchte mit meinen Kolleginnen und Kollegen im SHIBB dazu beitragen, dass noch mehr junge Leute diese Möglichkeiten für ihre Zukunft erkennen und nutzen können.“

Das SHIBB war zum 1. Januar 2021 als Landesamt im Geschäftsbereich des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums gegründet worden. Hier werden Aufgaben der beruflichen Bildung, die bislang in verschiedenen Ministerien und nachgeordneten Behörden verortet wurden, gebündelt. Dazu gehören unter anderem Angelegenheiten der betrieblichen Berufsausbildung und des Überganges von der Schule in den Beruf sowie Angelegenheiten der nicht-akademischen Gesundheits- und Pflegeberufe. Darüber hinaus ist das SHIBB obere Aufsichtsbehörde für berufsbildende Schulen und für deren Personalverwaltung sowie die Aus- und Weiterbildung der Berufsschullehrkräfte zuständig. Rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im SHIBB tätig. Sitz der Behörde ist Kiel.

Buchholz und TA.SH-Chefin Bunge setzten auf ein schnelles Comeback des SH-Tourismus

Die Tourismuswirtschaft in Schleswig-Holstein hat im Corona-Jahr 2020 einen herben Dämpfer erhalten, ist aber glimpflicher davongekommen als in fast allen anderen Bundesländern. In diesem Jahr, vielleicht schon zu Ostern, soll der Wiederaufschwung des Tourismus im Land zwischen den Meeren beginnen. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) setzt auf Corona-Impfungen, strenge Hygienekonzepte und Schnelltests, um den Tourismus im Land «wieder in die Erfolgsspur zurückzubringen».

Noch sei die Nachfrage zwar extrem zurückhaltend. Er erwarte aber, «dass die Buchungen massiv anspringen werden», sagten Buchholz und Bettina Bunge, Chefin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH) bei ihrer heutigen Jahrespressekonferenz in Kiel. Über die Frage einer Öffnung der Beherbergungsbetriebe schon zu Ostern solle bei den Beratungen von Bund und Ländern am 22. März entschieden werden. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte sich in den vergangenen Tagen wiederholt optimistisch über eine Öffnung zu Ostern geäußert.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche zwischen Nord- und Ostsee wegen langer Schließungen dramatische Einbußen. So sank die Zahl der Übernachtungen in Häusern mit mindestens zehn Betten um fast 20 Prozent auf knapp 29 Millionen und die der Gäste um gut 30 Prozent auf 6,2 Millionen. Der Rückgang war aber deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. Schleswig-Holstein fiel bei der Übernachtungszahl fast auf das Niveau von 2016 zurück.

Das Land zwischen Nord- und Ostsee verbesserte sich im Ranking der Bundesländer bei den Übernachtungen um einen Platz auf den vierten Rang hinter Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Der unangefochtene Tourismus-Spitzenreiter Bayern musste mit 40,6 Prozent einen im Vergleich zu Schleswig-Holstein mehr als doppelt so starken Einbruch bei den Übernachtungen verkraften.

Größter Gewinner im Krisenjahr war der Campingtourismus in Schleswig-Holstein mit einem Plus von fast neun Prozent.

Auch Ferienwohnungen und -häuser zählten zu den Gewinnern. Auf der Verliererseite schnitten Jugendherbergen und der Städtetourismus besonders schlecht ab.

Die Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, Bettina Bunge, sagte, sie erwarte einen starken Wettbewerb um Touristen. «Alle wollen etwas vom Kuchen abhaben.» In Schleswig-Holstein solle in diesem Jahr besonders für Ziele abseits der Küsten geworben werden. Die Gäste wollten reisen, ist sie überzeugt. «Die Koffer sind gepackt, die Sehnsucht der Menschen nach Reisen ist groß.»

Buchholz plädierte dafür, nicht nur auf den Inzidenzwert zu schauen, der in Schleswig-Holstein seit Tagen stabil unter der Marke von 50 Infektionen je 100 000 Menschen innerhalb von sieben Tagen liegt. Man müsse auch die Situation im Gesundheitssystem beachten. Er halte nichts von tageweisen Entscheidungen. Kurzfristiges Öffnen und wieder Schließen von Geschäften oder Hotels sei keine Perspektive.

Mit Blick auf Tagestouristen sagte der Minister, er könne sich eine Abschottung des Landes nicht vorstellen. Auf lokaler Ebene könnten aber entsprechende Entscheidungen getroffen werden, wenn etwa an einem Strand eine Überfüllung drohe.

Der Minister unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung der Tourismuswirtschaft für Schleswig-Holstein. Vor der Corona-Krise hatte der Tourismus einen Bruttoumsatz von 9,7 Milliarden Euro im Jahr erwirtschaftet und damit 5,6 Prozent zum gesamten Volkseinkommen beigetragen. Nach seinen Angaben leben fast 160 000 Menschen im Land als Beschäftigte vom Tourismus.

Hier ein Mitschnitt der gesamten Pressekonferenz:

https://fb.watch/48CtIkHpZF/

TA.SH-Chefin Bunge und Minister Buchholz analysieren heute die Lage des SH-Tourismus

Über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Tourismus und mögliche Perspektiven für dieses Jahr berichtet heute Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, Bettina Bunge, will der FDP-Politiker die Situation der für den Norden besonders wichtigen Branche analysieren. Derzeit ist noch offen, wann Hotels, Ferienwohnungen und Urlauberzentren für Touristen wieder öffnen können. Am 22. März beraten Bund und Länder darüber.

Buchholz und auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatten sich in den vergangenen Tagen wiederholt optimistisch für eine Öffnung zu Ostern gezeigt. Die Branche selbst betont immer wieder, Beherbergungsbetriebe seien kein Pandemietreiber. Wegen langer Schließungen verzeichnete der Tourismus im vergangenen Jahr erhebliche Einbußen. So sank die Zahl der Übernachtungen in Häusern mit mindestens zehn Betten um fast 20 Prozent auf knapp 29 Millionen und die der Gäste um gut 30 Prozent auf 6,2 Millionen.

Die heutige Pressekonferenz kann ab 12.30 Uhr im Livestream unter: www.facebook.com/Wirtschaftsministerium.aktuell verfolgt werden.

Buchholz erfreut über guten Start des Handels – mahnt aber zur Vorbereitung auf «Plan B»

Einen Tag nach Öffnung des Einzelhandels in Schleswig-Holsteins hat sich Wirtschaftsminister Bernd Buchholz erfreut gezeigt, dass sich Kunden wie Personal äußerst diszipliniert verhalten haben und – trotz Ansturm auf manche Geschäfte – keine Verstöße gegen Abstands- und Hygienevorschriften gemeldet worden seien. Auch die Händler zeigten sich zufrieden und sprachen von einem «Stück Rückkehr zur Normalität». Der landesweite Inzidenzwert – also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen – liegt unverändert bei knapp 45. «Das zeigt, dass die Öffnung seit Montag gut zu vertreten ist», so Buchholz.

Gleichwohl rief der FDP-Politiker die Branche dazu auf, sich rechtzeitig auf möglicherweise nötig werdende Beschränkungen einzustellen. So müsse sich der Einzelhandel darauf einrichten, dass die Zahlen angesichts zunehmender Testungen eventuell wieder steigen könnten. Dann werde der Handel nicht komplett wieder geschlossen. «Sondern dann muss man Kontaktnachverfolgung auch im Einzelhandel gewährleisten, und dann muss man dort auch eine Terminvereinbarung hinbekommen», so Buchholz. «Darauf kann man sich im Einzelhandel jetzt vorbereiten.»

Buchholz sagte weiter – Audio starten

Seit Montag dürfen die Geschäfte im Norden bei begrenzter Kundenzahl in Bezug auf die Verkaufsfläche wieder öffnen. Sollte die Inzidenz wieder auf über 50 steigen, was in den vergangenen Tagen landesweit nicht der Fall war, müssten die Kunden vor dem Einkauf einen Termin vereinbaren. Darüber hinaus gäbe es strengere Kundenbegrenzungen und die Laden-Betreiber müssten die Kontaktdaten ihrer Kunden erfassen.

Stiege der Inzidenzwert landesweit über 100, müsste der Einzelhandel wieder schließen und Kunden könnten nur noch bestellte Waren nach Voranmeldung abholen.

«Ich möchte nicht hören, dass dann alles viel zu kurzfristig ist», sagte Buchholz der Deutschen Presse-Agentur angesichts der angekündigten Regelungen für den Fall höherer Inzidenzen. «Denn wir haben ja angesagt, dass es natürlich bei steigenden Werten auch wieder in die andere Richtung gehen kann.» Doch Kontaktnachverfolgungen und Terminvereinbarungen zu gewährleisten, könne man vorbereiten. «Aber das ist alles vorsorglich», betonte der Minister. «Denn wir hoffen natürlich, dass die Dinge so bleiben wie sie jetzt sind – dann kann der Einzelhandel auch ganz normal geöffnet bleiben.»

Industriebetriebe im Norden mit Corona-Umsatzdelle – SH im Bundesvergleich auf Platz 3

Vom Lockdown schwer getroffen: Raffinerie in Hemmingstedt bei Heide

Corona-Dämpfer für die größeren Industriebetriebe in Schleswig-Holstein: Die Umsätze der Branche sind im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro gesunken. Dies war im Zuge der Corona-Krise das niedrigste Jahresvolumen seit 2010 (28,8 Mrd), wie das Statistikamt Nord heute mitteilte. Während die Einbußen im ersten (minus 1,1 Prozent) und letzten Quartal (minus 1,8 Prozent) moderat ausfielen, ging der Umsatz im zweiten (minus 9,7 Prozent) und im dritten Quartal (minus 9,5 Prozent) deutlich zurück.

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz landet Schleswig-Holstein zusammen mit Brandenburg trotz dieser Delle immerhin auf dem dritten Platz bundesweit hinter Berlin (+ 2,7 %) und Mecklenburg-Vorpommern V (+2,2 %). «Das deutliche Umsatzminus ist aus meiner Sicht aber keineswegs überraschend, weil beispielsweise gerade die mineralölverarbeitenden Betriebe durch die allgemein heruntergefahrene Mobilität leiden. Aber auch Rückgänge bei der Herstellung elektrischer Ausrüstungen schlagen sich hier nieder», so Buchholz. Positiv stimme ihn, dass die schleswig-holsteinische Industrie im vierten Quartal wieder zugelegt und die Erholung vergleichsweise schnell eingesetzt habe. „Das zeigt Robustheit wie Resilienz unserer mittelständischen Betriebe», so der Minister.

Die verbesserte Lage im vierten Quartal führte das Statistikamt auf das wieder anziehende Auslandsgeschäft mit Ländern außerhalb der Euro-Zone zurück. Die Exportquote lag mit 41 Prozent leicht über dem Vorjahreswert (40 Prozent). Die Statistik erfasste 551 Betriebe mit jeweils mindestens 50 Beschäftigten.

Den stärksten Umsatzverlust unter den führenden Branchen hatte mit minus 39,4 Prozent die Mineralölverarbeitung. Auch in der Elektro- (minus 27,3 Prozent) und Metallindustrie (minus 13,6 Prozent) sanken die Umsätze überdurchschnittlich stark. Medizintechnik und Schiffbau legten dagegen zu.

Die weitere Entwicklung der Industrie-Umsätze im Norden wird nach Einschätzung von Buchholz auch weiterhin vom Verlauf der Pandemie bestimmt. «Je disziplinierter und umsichtiger wir Öffnungsschritte wagen, umso schneller kann die Wirtschaft wieder Tritt fassen.» Er appellierte an die Betriebe, ihre Fachkräfte zu halten. Die Auswirkungen der Umsatz-Delle in der Industrie auf die Beschäftigung sei Dank der Kurzarbeit derzeit noch gering.

Buchholz dankbar für IHK-Vorstoß zu Corona-Tests und verwundert über Oppositionskritik

Kiels IHK-Chef Jörg Orlemann mit Buchholz (Archivbild)

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz hat den Vorstoß der Industrie und Handelskammern in Schleswig-Holstein begrüßt, auf flächendeckende Corona-Tests in den Betrieben hinzuwirken: «Damit unterstreichen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber des Landes eindrucksvoll, dass sie zu Ihrer Verantwortung stehen und sich aktiv an der Pandemiebekämpfung beteiligen. Das ist ein deutlich besseres Signal, als derzeit von manchem Kritiker unseres Stufenplans ausgeht“, sagte Buchholz heute in Lübeck.

Die IHK Schleswig-Holstein wird nach Angaben des Kieler Hauptgeschäftsführers Jörg Orlemann ab Montag einen ersten Leitfaden an die Betriebe für ein flächendeckendes und regelmäßiges Testen am Arbeitsplatz herausgeben. „Das ist ein wichtiger Beitrag für das frühzeitige Erkennen und Einschränken von Infektionen“, schreibt Orlemann an Buchholz und Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Das geplante Merkblatt für die Betriebe sei derzeit noch auf der Basis von Antigen-Schnelltests aufgebaut, soll laut IHK aber schon baldmöglichst um eine Option für Selbsttests erweitert werden. „Diese Initiative der Kammern für kleine wie große Betriebe ist außerordentlich nützlich und wohltuend“, sagte Buchholz.

Kritik übte Buchholz in diesem Zusammenhang an Äußerungen des Kieler SPD-Oppositionsführers Ralf Stegner, der der Landesregierung in den „Lübecker Nachrichten“ (Sonnabendausgabe) einen «Alleingang» vorwirft. „Schon unser Perspektivplan, dem die Opposition im Landtag klipp und klar zugestimmt hat, sah bei einer stabilen landesweiten Inzidenz von unter 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen die Öffnung des Einzelhandels vor – und exakt das tun wir jetzt», so Buchholz. Da sei es rätselhaft, „dass Herr Stegner nun versucht, mit dem Argument auzubüxen, dass Hamburg seinen Handel auch nicht öffnet». Denn es sei ja genau der Sinn eines Stufenplans, regionale Differenzierungen zu ermöglichen.

Buchholz sagte weiter – Audio starten – Pfeil klicken

Buchholz: «Ich glaube, am meisten wünschen sich die Menschen derzeit, dass sich die Politik an ihre selbst aufgestellten Regeln hält – und genau das tut die Landesregierung mit ihrer neuen Verordnung, die Montag in Kraft treten wird.»

Aufgrund niedriger Corona-Infektionszahlen im Ländervergleich treten in Schleswig-Holstein am Montag weitere, vorsichtige Öffnungsschritte in Kraft. Neben Fahrschulen, Kosmetikschulen und Museen darf im Norden mit einer Ausnahme der Einzelhandel unter Hygieneauflagen wieder öffnen. Im Einzelnen gibt es folgende Lockerungen.

EINZELHANDEL: Ab Montag dürfen die Geschäfte wieder öffnen – mit Ausnahme von Flensburg. Dort gibt es weiter relativ viele Corona-Neuninfektionen. Haben die Läden weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche, dürfen die Betreiber einen Kunden je 10 Quadratmeter Fläche hineinlassen, bei größeren Geschäften ist es ein Kunde je 20 Quadratmeter. Steigt die landesweite Inzidenz über 50, ist nur Termin-Shopping («Click and Meet») möglich. Dabei ist in kleineren Läden ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche, in größeren ein Kunde je 40 Quadratmetern erlaubt.

Steigt der Inzidenzwert landesweit über 100, muss der Einzelhandel schließen. Kunden können dann nur bestellte Ware nach Voranmeldung abholen («Click and Collect»). Die Regierung will das Infektionsgeschehen zu Stichtagen bewerten und die Öffnungsmodalitäten jeweils für die folgende Woche festlegen.

KÖRPERNAHE DIENSTLEISTUNGEN: Nach den Friseuren und Nagelstudio-Betreibern dürfen auch Tattoo-, Sonnen-, Kosmetik- und Massagestudios wieder öffnen. Wenn bei der Behandlung aber nicht dauerhaft eine medizinische Maske getragen werden kann, ist ein tagesaktueller negativer Corona-Test der Kunden nötig. Erforderlich ist auch ein Testkonzept für das Personal.

WEITERE ÖFFNUNGEN: Museen, Galerien, Zoos und botanische Gärten dürfen im Land wieder öffnen. Steigt die Inzidenz über 50, müssen Besucher vorher jedoch Termine buchen. Zudem können Fahr- und Flugschulen ihre Arbeit wieder vollständig aufnehmen.

PRIVATE TREFFEN: Es sind wieder private Treffen von bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten erlaubt. Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgezählt. Getrennt wohnende Paare gelten dabei als ein Hausstand. Bislang durfte sich ein Hausstand nur mit einer weiteren Person treffen, Begegnungen sind demnach nicht möglich.

SPORT UND MUSIK: Sportgruppen mit bis zu 20 Kindern können in Vereinen wieder draußen trainieren. Gruppen mit bis zu zehn Personen können bei einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 Sport im Außenbereich treiben, ohne dass ein Verein dahinter steht. In Musikschulen wird wieder Einzelunterricht möglich und die Gemeinschaftsräume von Pflegeheimen sollen 14 Tage nach erfolgter Zweitimpfung der gesamten Einrichtung wieder für Gruppenangebote nutzbar sein.

Buchholz setzt im nächsten Schritt auch auf Öffnungen in der Tourismus-Branche

Beim Blick auf die jüngsten Corona-Beschlüsse von Ministerpräsidentinnen und -präsidenten und dem Bundeskanzleramt sieht Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz Licht und Schatten: Licht, weil der Einzelhandel in Schleswig-Holstein mit Ausnahme der Stadt Flensburg Montag wieder öffnen wird. Schatten, weil für Gastronomen und den Tourismus samt Veranstaltungsbranche noch keine echte Perspektive vorliegt. Aber auch hier bleibt Buchholz optimistisch. Seine „Meldung der Woche“. Video starten.