Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt und Sprengel-Bischof Magaard mit Minister Madsen
Die Bedeutung der Kirche und Kirchengebäude für die Wirtschaft und den Tourismus in Schleswig-Holstein – und natürlich die mühsam ausgehandelte Bäderverordnung. Das waren heute einige der Themen eines ersten Kennlern-Treffens von Minister Claus Ruhe Madsen mit Kristina Kühnbaum-Schmidt – Landesbischöfin der Nordkirche – und Gothart Magaard – Bischof Sprengel Schleswig und Holstein.
Beide Bischöfe machten dabei deutlich, welche Rolle die Nordkirche im Land sowohl als Arbeitgeberin wie auch als Auftraggeberin für Handwerk und Handel spiele. Einig waren sich alle drei, dass die derzeitige Regelung der Ladenschlusszeiten in den Bäderorten in Schleswig-Holstein gut austariert und auskömmlich ist. „Natürlich muss man alle paar Jahre einmal schauen, ob es möglicherweise Änderungsbedarf gibt – aber den sehen wir derzeit weder in Richtung Lockerung noch in Richtung Ausdehnung“, sagte Madsen.
Till Sander – Azubi der Meisterei Klausdorf – mit Ute Ojewski und Minister Madsen
Wer denkt bei Schneeregen schon an brummende Hummeln, summende Bienen und andere lebensdienliche Insekten? Unter anderem unser LBV.SH, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen. Und zwar heute früh am Rastorfer Kreuz bei Preetz: Zusammen mit dem angehenden Straßenwärter Till Sander (19) säten Ute Ojowski, Madsen sowie LBV.SH-Vizechef Frank Quirmbach einige Quadratmeter der seltenen Pflanze Klappertopf aus neben dem Rastplatz zwischen B 76 und B 202 aus . „Damit legen wir hier den Grundstein für weitere Insekten-Tankstellen an unserem Straßennetz“, freute sich Madsen. Und Ute Ojewski von der Stiftung erinnerte: „Immerhin übertrifft die bisher ungenutzte Fläche entlang unserer Straßen bei weitem alle Naturschutzflächen im Land.“
Hintergrund: Gemeinsam mit der Stiftung Naturschutz hat der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Grünstreifen entlang aller Straßenkategorien in Schleswig-Holstein – vom Feldweg bis zu Bundesstraßen und Autobahnen – in blütenbunte Insektenparadiese verwandelt. Quirmbach: „Der Klappertopf sorgt dafür, dass sich im Straßenbegleitgrün mehr Kräuter, Gräser und Wildblumen ansiedeln können. Das heißt: Mit dieser Aussaat engagieren wir uns für die heimischen Insekten, Hummeln und Bienen, die dann an den Blühpflanzen mehr Nahrungsquellen neben unseren Straßen finden werden“. Die Umweltexperten des Landesbetriebs hätten das Konzept zur Steigerung der Biologischen Vielfalt mit der Stiftung weiterentwickelt und die Nachwuchskräfte gut geschult.
Im vergangenen Jahr haben die 22 Straßenmeistereien des LBV.SH auf einer Gesamtfläche von rund 100 Hektar – das entspricht in etwa 500 Kilometern Straßenrand – die Samen der gelb-blühenden heimischen Wildpflanze ausgebracht und damit viele wertvolle „Insekten-Tankstellen“ geschaffen. Das Klappertopf-Projekt verbindet damit auf beispielhafte Weise Ökologie und Verkehr. „Ein Projekt mit bundesweiter Strahlkraft: Wir verwandeln die Straßenränder Stück für Stück in bunte Biotope“, so Ute Ojowski.
Die kostspieligen Samen der heimischen Wildpflanze – pro Kilo über 300 Euro – werden in einem ersten Schritt an den meist gräserdominierten Straßenrändern sowie Begleitflächen wie Parkplätzen oder Lärmschutzwällen durch den LBV.SH ausgebracht. Dort keimt die Saat, die Klappertopfwurzeln wachsen in die Wurzeln benachbarter Gräser hinein und zapfen unterirdisch Wasser und Nährstoffe ab, so dass die Gräser schwächer werden und sich ihr Wachstum verlangsamt. Das schafft Platz für andere Wildkräuter und es muss weniger gemäht werden. Das gemeinsame Naturschutz-Projekt von Stiftung, dem LBV.SH und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat ein Volumen von rund 1,5 Millionen Euro und wird vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der Straßenwärterinnen- und Straßenwärter-Nachwuchs in einem speziell konzipierten Workshop auf die insektenfreundliche Pflege vorbereitet. Darunter auch Till Sander von der Straßenmeisterei Klausdorf. Das Straßenbetriebsdienstpersonal und insbesondere die Auszubildenden des LBV.SH wurden dabei über die neue Mäh-Praxis weitergebildet. Nun werden in 2023 rund 250 Kilogramm Klappertopf in ganz Schleswig-Holstein zwischen List und Lauenburg und von Meldorf bis Fehmarn ausgesät. Damit soll Stück für Stück die insektenfreundliche Strategie an den Grünflächen und Straßenrändern der vom LBV.SH betreuten 7.600 Straßenkilometer in Schleswig-Holstein umgesetzt werden.
Bürgermeister Hess und Minister Madsen vor einem Bild der ehemaligen Wyker Mittelbrücke
In Wyk auf Föhr entsteht mit Hilfe des Landes ein neuer touristischer Leuchtturm: Die aus dem vorigen Jahrhundert stammende marode Mittelbrücke wird abgerissen und durch eine neue ersetzt. Das Land steuert neun Millionen Euro bei. Tourismusminister Claus Ruhe Madsen überreichte dazu jetzt den Förderbescheid an Wyks Bürgermeister Hans-Ulrich Hess. „Die neue Brücke wird ein attraktiver Aufenthaltsort für Gäste und Einheimische und schafft so einen erheblichen touristischen Mehrwert“, sagte Madsen. Damit bekomme die ohnehin schon positive touristische Entwicklung einen ordentlichen Schub.
Die erste Wyker Mittelbrücke wurde im 19. Jahrhundert als feste Landungsbrücke für Dampfschiffe errichtet. Die letzte Grundinstandsetzung fand in den 1980er Jahren statt. Die neue Brücke soll auf einer Länge von 150 Metern zum Spazieren, Flanieren oder Ausruhen einladen. Besonderes Merkmal wird der Spielbereich „Wal“ sowie eine wasserseitig verglaste „Meereslounge“ mit einem Sonnendeck. „Hier lässt es sich auch im Winter gut aushalten. Das trägt damit zur Saisonverlängerung bei“, so der Minister. Auf der großen Endplattform erhöht eine Sitzlandschaft und Sitzstufen die Aufenthaltsqualität und zugleich sorgt eine Badeplattform mit barrierefreiem Zugang und Hublift für behindertengerechten Einstieg ins Wasser. Der Baubeginn der insgesamt zehn Millionen Euro neuen Seebrücke ist für Februar 2023, die Fertigstellung für Oktober geplant.
Allen Hemmnissen durch Kriegs- und Pandemiefolgen zum Trotz: Das Land hat auch 2022 über 90 Millionen Euro in den Erhalt des rund 3.600 Kilometer umfassenden Landesstraßennetzes investiert.
„Mit genau 93 Millionen Euro Investitionsvolumen – davon allein 7,8 Millionen Euro für Radwege und 16 Millionen Euro für Brückensanierungen – halten wir damit auch in Krisenzeiten das hohe Niveau unseres vor fünf Jahren aufgelegten Landesstraßen-Sanierungsprogramms“, sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Kiel. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 135 Kilometer Landesstraßen und 62 Kilometer Radwege auf Vordermann gebracht worden. „Damit ist wieder mehr als ein Drittel des Netzes in einem Top-Zustand“, so Madsen. Für das laufende Jahr peile der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) eine ebenso hohe Investitionsquote an. Madsen: „Auch, wenn die Rahmenbedingungen nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels zunehmend schwieriger werden.“
Wie der Minister zusammen mit LBV.SH-Vizechef Frank Quirmbach und Geschäftsbereichsleiter Christoph Köster erläuterte, konnten bereits seit 2019 insgesamt über 542 Kilometer Landesstraßenfahrbahnen und gut 261 Kilometer Radwege saniert werden. Hinzu kamen punktuelle Erhaltungsmaßnahmen der Straßenmeistereien im ganzen Land mit einem Volumen von knapp elf Millionen Euro.
Hier ein Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs – Video starten
Madsen und Köster erinnerten daran, dass die Landesregierung bereits 2018 ein mehrjähriges Landesstraßen-Entwicklungskonzept aufgelegt hatte. Damals hatte sich herausgestellt, dass die Schäden in der Grundsubstanz zahlreicher Landesstraßen deutlich weitreichender waren als zunächst angenommen. „Entgegen unseren Erwartungen waren die Schäden an vielen Straßen nicht nur größer, sondern buchstäblich auch tiefgründiger. Das machte die Reparaturen langwieriger und teurer“, so Köster. Die Folge: Das damalige Erhaltungsprogramm für die Jahre 2019 bis 2022 konnte bei Weitem nicht im geplanten Umfang umgesetzt werden.
Vor diesem Hintergrund schreibt die Landesregierung die Landesstraßenstrategie in den kommenden Monaten fort. Sowohl Köster als auch der stellvertretende LBV.SH-Direktor Quirmbach betonten: „Das künftige Sanierungsprogramm muss sich an den Realitäten bei den Fachkräften orientieren. Denn neben den bekannten Materialengpässen und damit verbundenen Kostensteigerungen seit Kriegsbeginn fehlen uns und der gesamten Baubranche beispielweise Ingenieure, Techniker und Planer.“
Als größte Brocken des laufenden Sanierungsprogramms für 2023 nannte Köster unter anderem:
den Ersatzneubau der Schleibrücke Lindaunis im Kreis Schleswig-Flensburg
die Sanierung der L 57 zwischen Schönwalde und Lensahn mit Neubau eines Radwegs im Kreis Ostholstein
die Sanierung der Landesstraße L 21 zwischen Sterup und Schrepperie im Kreis Schleswig-Flensburg
Madsen im Sommer beim Besuch der Baustelle auf der Schleibrücke Lindaunis
Als neue Vorhaben stehen 2023 auf der To-do-Liste des LBV.SH unter anderem die:
Sanierung der L 6 zwischen Galmsbüll und Emmelsbüll (Kreis Nordfriesland)
Sanierung der L 125 zwischen Bargstedt und Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde)
Sanierung der L 245 zwischen Achtrup (Kreis Nordfriesland) und Nordmark
Sanierung der L 269 zwischen Sillerup (L12) und B 200 (Kreis Schleswig-Flensburg)
Sanierung der L 28 zwischen Esperstoft und Gammellund (Kreis Schleswig-Flensburg)
Verkehrsminister Madsen bekräftigte: „Unser Erhaltungsprogramm wird mit Hochdruck fortgesetzt, denn für den eingeschlagenen Weg der nachhaltigen Sanierung gibt es keine Alternative.“ Gerade die jüngsten Krisen hätten gezeigt, wie wichtig für die Daseinsvorsorge intakte Verbindungen vor Ort sind.“ Mit Blick auf den Klimawandel und die angestrebte Mobilitätswende sagte Madsen: „Auch E-Autos und ÖPNV-Busse sind auf eine intakte Straßeninfrastruktur angewiesen.“
LBV-Erhaltungschef Köster: „Wir werden die Landesstraßenstrategie unter Berücksichtigung der gewonnenen Erfahrungen fortschreiben, um die zukünftigen Programme noch zielgenauer ausrichten zu können.“ So habe der Landesbetrieb externe Gutachter mit der Bewertung des Erhaltungsbedarfs an Fahrbahnen, Radwege und Brücken beauftragt. Auf dieser Basis werde die Landesstraßenstrategie fortgeschrieben und im Frühjahr von der Landesregierung beschlossen.
Weitere Einzelheiten zum Landesstraßenbauprogramm 2022 finden sichHIER
Minister Madsen mit Regional-Direktionschef Biercher während der Pressekonferenz.
Senioren, Zuwanderer und Menschen mit Handicap – mit ihnen will Minister Madsen dem Fachkräftemangel im Norden begegnen. Der Bedarf ist groß, wie der Politiker betont. Die Arbeitslosenzahlen rücken mehr in den Hintergrund.
Mit mehr arbeitenden Senioren will Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen gegen den immer gravierender werdenden Mangel an Arbeits- und Fachkräften ansteuern. «Mein Vorschlag zielt eindeutig auf Freiwilligkeit», betonte er heute bei einem Treffen mit dem Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Markus Biercher. Madsen sprach dabei vom «grauen Gold». Über die hier bestehenden Möglichkeiten müsse mehr gesprochen werden. «Ich will natürlich jetzt hier nicht, dass wir von einem Pflegeheim zum nächsten laufen, um da die Leute rauszuholen.»
Er wolle niemanden verpflichten, sagte Madsen. Arbeitgeber mit Weitsicht sollten die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, damit Senioren ihre Kompetenzen und Fähigkeiten im Betrieb erhalten können. «Wir brauchen jedes Potenzial.»
Hier das gesamte Pressegespräch als Stream-Aufzeichnung:
Livestream-Aufzeichnung der Pressekonferenz
Madsen und Biercher, machten deutlich, dass auf dem Arbeitsmarkt der Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel zunehmend die Arbeitslosigkeit als Kernproblem in den Hintergrund drückt. Auch mit Zuwanderern und Menschen mit Behinderung will Madsen dem Mangel begegnen. Zwischen 14.000 und 18 000 Zuwanderer jährlich werden laut Arbeitsagentur benötigt. Im Norden drohe bis 2035 eine demografisch bedingte Fachkräftelücke von 180.000 Menschen.
«Der Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein hat sich insgesamt als äußerst robust erwiesen», stellte Biercher fest. Daran habe auch die Übernahme in die Statistik der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine nichts geändert. Die Zahl der Arbeitslosen sank 2022 im Jahresdurchschnitt um 8,2 Prozent auf 81 600. Ohne die Ukraine-Flüchtlinge würde das Minus 11,7 Prozent betragen. Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gab es ein Plus von 17 000 auf fast 1,05 Millionen. Dies bedeute ein Allzeithoch, sagte Biercher. Auch die Personalnachfrage nahm zu. 2023 werde die Arbeitslosigkeit weiter rückläufig sein.
Madsen wünschte sich auch, dass ukrainische Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden. In Dänemark sei von den arbeitsfähigen Ukrainern schon die Hälfte in Arbeit, hier noch nicht. Dem Argument fehlender Sprachkurse hielt Madsen entgegen, die Deutschen sollten sich darauf einstellen, dass man im Sportgeschäft oder im Hotel auch einmal nicht deutsch spricht. «Wir können nicht mehr die Erwartungserhaltung haben, dass jeder Busfahrer Deutsch spricht. Ich weiß allerdings auch nicht, warum man unbedingt mit dem Busfahrer sprechen muss.» Ihm fehle ein bisschen der Pragmatismus.
Man könne nicht erwarten, dass Menschen nach wenigen Monaten im Land Abiturdeutsch sprechen. «Das werden die Leute schon lernen, wenn sie arbeiten, und das werden auch die Kinder lernen, wenn sie zur Schule gehen.»
Aus Sicht der Landesregierung sei die Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften die größte Herausforderung für den Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren, sagte Madsen. Sie werde dagegen ein ganzes Instrumentarium an Maßnahmen etablieren. Dazu gehörten ein Klimaschutzfachkräfteprogramm, ein Pakt für Gesundheits- und Pflegeberufe, ein Förderprogramm für Projekte zur Fachkräftesicherung und ein Welcome Center für Zuwanderer. Als besonders positiv wertete der Minister den Rückgang der Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit.
Markus Biercher, neuer Chef der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen blicken heute ab 10 Uhr in einem Pressegespräch auf den Arbeitsmarkt 2022 zurück – und wagen einen Ausblick auf die kommenden Monate. Eine Rolle dabei spielt vor allem das vom Land geplante Welcome-Center…
Blicken optimistisch ins neue Jahr (v.l.): OHT-Chefin Lauritzen, Minister Madsen, OHT-Vizechefin Bünting, Bürgermeister Weber und Tourismuschef Behncke
Die Tourismusorganisation «Ostsee Schleswig-Holstein» startet mit einem neuen Entwicklungskonzept ins Jahr 2023. Es setzt nicht mehr nur die Gäste als Zielgruppe in den Fokus, sondern berücksichtigt ebenso Einheimische und Mitarbeitende.“ Die neue Strategie stellten Katja Lauritzen und Julia Bünting vom Ostsee-Holstein-Tourismus e. V. (OHT) heute Wirtschafts- und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen bei einem Ortstermin auf Fehmarn vor.
Nach den Worten von OHT-Chefin Lauritzen orientiere sich das Entwicklungskonzept eng an der Tourismusstrategie des Landes. «Wir setzen dabei auf eine enge Verzahnung der beiden Strategien und möchten so mit unseren Mitgliedern dazu beitragen, dass zukünftige Maßnahmen aller Beteiligten darauf einzahlen», so Lauritzen. Dabei spiele unter anderem Wohnraum für Mitarbeitende, aber vor allem die Tourismusakzeptanz in der Bevölkerung eine entscheidende Rolle. Fehmarns Bürgermeister und OHT-Vorsitzende Jörg Weber zeigte sich in dem Zusammenhang zuversichtlich, dass das geplante JUFA-Hotelvorhaben in Meschendorf auf Fehmarn in einem neuen Anlauf realisiert wird. «Deshalb ist es wichtig, dem Wirtschaftsministerium die aktuellen Herausforderungen auf Fehmarn in Sachen Hotelansiedlung darzulegen. Hilfestellungen sind dabei immer willkommen», so Weber.
Erst zwei Tage zuvor hatte die „Ostsee Tourismuskonferenz“ mit der IHK Schleswig-Holstein und dem Tourismusverband Schleswig-Holstein stattgefunden, in dem es um Wohnraum für Mitarbeitende ging. „Unsere Aufgabe als Verband ist es, über wichtige Themen zu informieren und den Austausch im Netzwerk zu organisieren“, erklärte Weber. «Die Umsetzung erfolgt bei uns auf Fehmarn zum Beispiel in dem 4,2 Hektar großen und innovativen, nachhaltigen und sozialverträglichen Wohngebiet, das nördlich der Gorch-Fock-Straße in Burg erschlossen werden soll.»
Bei seinem Besuch ließ sich Madsen auch über Infrastrukturprojekte informieren, die vom Land gefördert wurden. Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke zeigte die Maßnahmen der letzten Jahre auf und gab einen kurzen Ausblick auf künftige Vorhaben. «Der Tourismus auf Fehmarn hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und wir streben an, trotz der zu erwartenden Belastungen durch die Großbaustellen insbesondere mit unseren Hotelprojekten, Wassersportangeboten und Premium-Radwegen auf der Sonneninsel den Ganzjahrestourismus weiter auszubauen», sagte Behncke.
Mit Blick auf den entstehenden Fehmarnbelt-Tunnel zeigte sich Madsen erleichtert, dass der Tunnel durch den Fehmarnsund absehbar in ein Programm des Bundesverkehrsministeriums aufgenommen werde, mit dem Großprojekte durch beschleunigte Planungsverfahren schneller realisiert werden. „Dann werden wir die Baugenehmigung schneller bekommen“, meinte Madsen. Ein beschleunigtes Planungsverfahren für den Sundtunnel bedeute gut zwei Jahre weniger «Papierkrieg» als bei einem traditionellen Planungsverfahren.
Möglicherweise würden zudem weitere Abschnitte der Hinterlandanbindung in das Programm aufgenommen. Madsen: «Die Anbindung von Lübeck bis Puttgarden ist das wichtigste Bahnprojekt für die nächsten zehn Jahre. Das ist in Berlin scheinbar erkannt worden, und deswegen richtet sich die volle Aufmerksamkeit darauf.» Er werde sich Anfang Februar mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bahn, Richard Lutz, treffen, um sich das beschleunigte Verfahren bestätigen zu lassen.
Es geht vorwärts im echten Norden – doch viele Infrastruktur-Vorhaben sind dicke Bretter, nicht nur die A 20. Hier eine Bestandsaufnahme der Deutschen-Presse-Agentur zum Start in das Jahr 2023:
Madsen mit Femern-AS-Chef Henrik Vincentsen vor einem Modell der dänischen Tunnel-Baustelle auf Lolland im Sommer Foto: Frank Molter
Fehmarnbelt-Tunnel
Dänemark arbeitet eifrig an dem Straßen- und Eisenbahntunnel, der ab 2029 Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden soll. Dann muss auch der Anschluss auf deutscher Seite fertig sein. Für die Arbeiten am Fehmarnsund und die Baustellen zur Hinterlandanbindung des Tunnels gibt es mit dem Unternehmensberater Carsten Behnk, Ex-Bürgermeister von Eutin, jetzt einen zentralen Ansprechpartner. Zu koordinieren ist viel: Die Schienenverbindung Lübeck-Puttgarden und die Bundesstraße 207 werden ausgebaut. Eine 380-Kilovolt-Stromtrasse wird verlegt. Der Tunnel soll die Fahrzeiten zwischen den Boom-Regionen Hamburg und Kopenhagen deutlich verkürzen.
«Nach über zehn Jahren Planung sind alle verfahrensrechtlichen Hindernisse beseitigt», sagt Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen. «Ich hoffe, dass wir jetzt durchstarten und die Chancen, die der Tunnel bietet, endlich nutzen können.» Naturschutzverbände waren mit Klagen beim Bundesverwaltungsgericht gescheitert.
Fehmarnsund-Querung
Die alte Brücke («Kleiderbügel») zwischen dem Festland und Fehmarn wird den Verkehr nach Eröffnung des Belt-Tunnels nicht bewältigen. Die Kosten für einen Tunnel als Ersatz bezifferte die Bahn ursprünglich auf 714 Millionen Euro. Angesichts dramatisch gestiegener Preise wird die Summe höher ausfallen.
Das gilt auch für die Sanierung der Sundbrücke, die zunächst mit rund 30 Millionen Euro veranschlagt war. 2024 soll die Sanierung fertig sein. «Im Frühjahr 2023 werden alle 80 Tragseile aus Stahl ausgetauscht», sagt Bahnsprecher Peter Mantik. Viel zu tun sei auch beim Korrosionsschutz. Die Sundbrücke soll für Fußgänger, Radfahrer und langsame Fahrzeuge erhalten bleiben.
Autobahn A 20
Die unendliche Geschichte. Der Landtag hat sich klar zum Weiterbau der A20 bekannt, die seit 13 Jahren östlich von Bad Segeberg endet. Für die Befürworter ist die Nordwestumfahrung Hamburgs als Bestandteil des europäischen Straßennetzes von herausragender Bedeutung. Umweltschützer und Grüne halten sie für zu teuer und klimaschädlich.
In den kommenden Jahren stehen wichtige Entscheidungen an, aber nach aktuellem Stand erwartet Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) eine Fertigstellung samt Querung der Elbe nicht vor 2030. Mehrere Abschnitte sind beklagt. Der nächste Planfeststellungsbeschluss – für die Querung der Elbe – sollte im November kommen. Nun ist der Januar im Visier. Im ersten Halbjahr 2023 steht der Beschluss für die Trasse von Glückstadt zur A23 an. Für Weede-Wittenborn (inklusive Umfahrung Bad Segeberg) und den anschließenden Abschnitt bis zur A7 werden die Planfeststellungsbeschlüsse 2024 erwartet. Der Rest in Schleswig-Holstein ist für 2026 terminiert.
Für Madsen ist klar: Die A20 werde als Teil der Infrastruktur gebraucht. «Die Anbindung der Westküste ist ein entscheidender Faktor sowohl für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand als auch für soziale Teilhabe der Menschen.»
Weiter sagte Madsen im Gespräch mit der dpa
Nord-Ostsee-Kanal
Die knapp 100 Kilometer lange Wasserstraße bleibt eine Großbaustelle.In Brunsbüttel ist der Bau der fünften Schleusenkammer im Zeitplan. Sie soll Ende 2026 fertig sein. Kosten: 1,2 Milliarden Euro. Beim Ausbau der Oststrecke soll der erste Abschnitt Großkönigsförde-Schinkel 2024 fertig sein. Die Gesamtkosten für den Ausbau zwischen Großkönigsförde und Kiel betragen voraussichtlich 500 Millionen Euro.
Für den Ersatzneubau der ersten Levensauer Hochbrücke westlich von Kiel sei das Gesamtprojekt gut im Zeitplan, teilt das zuständige Amt mit. Hier soll für 215 Millionen Euro gebaut werden. Für die Erneuerung der Kleinen Schleuse in Kiel laufen die Vorbereitungen. Ein Datum für die Inbetriebnahme nennt die Kanalverwaltung noch nicht.
Rader Hochbrücke
Die Planungen für eine sechsspurige Zwillingsbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal im Zuge der A7 laufen. Der Auftrag für die östliche Brückenhälfte ist vergeben. Die Bauarbeiten sollen Anfang 2023 beginnen. Die alte Brücke ist so marode, dass sie nach derzeitigem Stand nur bis 2026 halten wird. Dann soll die erste Ersatzbrücke freigegeben werden.
Für die zweite Brücke, die Richtung Hamburg führen wird, ist die Freigabe für 2029 vorgesehen. Über 62 000 Fahrzeuge täglich nutzen die Querung. Die Projektgesellschaft Deges gibt allein die Kosten für das erste Teilbauwerk mit 307 Millionen Euro an. Zuvor sollten die Gesamtkosten 380 Millionen betragen. Wegen des wachsenden Verkehrs soll die A7 auch zwischen dem Anschluss Rendsburg/Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg auf sechs Spuren erweitert werden – für 300 Millionen Euro.
Autobahn A 21
Der Ausbau der B404 zur A21 soll die Erreichbarkeit Kiels aus dem Südosten Schleswig-Holsteins sowie aus den südlichen und östlichen Bundesländern verbessern. Auch das geht mühsam voran. Die Freigabe eines 6,2-Kilometer-Abschnitts zwischen Klein Barkau und Nettelsee – nordöstlich von Neumünster – ist für 2026 geplant. Dann wird die A21 durchgängig vom Dreieck Bargteheide bis Klein Barkau befahrbar sein. Von dort aus fehlen dann noch ein paar Kilometer bis Kiel. Für diesen Anschluss rechnet die Deges noch einmal mit maximal drei Jahren Bauzeit. 1972 war es mit der A21 losgegangen.
LBV.SH-Chef Conradt (rechts) erläutert dem Minister den Blitzer-Anhänger
Die nächtliche Sperrung der Holtenauer Prinz-Heinrich-Brücke wird aufgehoben. An dem bei einer Schiffshavarie beschädigten Bauwerk hat der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) jetzt Blitzer-Wagen aufgestellt. „Damit ist die Brücke ab sofort für Pkw und Lastwagen mit bis zu zwölf Tonnen Gesamtgewicht wieder rund um die Uhr befahrbar“, sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen eben bei einem Ortstermin. Für die Busse der Kieler Verkehrsgesellschaft KVG und der Firma Autokraft war die Brücke bereits vor knapp zwei Wochen freigegeben worden.
Madsen sagte im Gespräch mit Journalisten weiter – Audio starten, Pfeil klicken…
„Damit erleichtern wir Tausenden von Berufstätigen im Schichtdienst – etwa dem Personal des UK.SH – auch ihren Arbeitsalltag und den Unternehmen nördlich und südlich des Kanals ihre Erreichbarkeit und Logistik. Und für die Kielerinnen und Kielern wird auch ihre Besuchsplanung an den Festtagen hoffentlich einfacher“, so Madsen. Er mahnte alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer aber weiterhin zu Vorsicht und Disziplin. „Schon der kleinste Unfall auf der Brücke kann massive Folgen für den Verkehrsfluss haben. Das gilt es, gemeinsam zu verhindern.“ Der Minister hatte sich zusammen mit LBV.SH-Direktor Torsten Conradt vor Ort ein Bild von der neuen Kontrolltechnik an der Brücke gemacht. Mit den Blitzer-Anhängern können Fahrzeuge über zwölf Tonnen per Lasertechnik erkannt und von der Polizei verfolgt werden.
Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zeigte sich erleichtert: „Das ist ein guter Start in die Weihnachtsfeiertage. Der Nachtverkehr ist ein wichtiger Punkt auf dem Weg zu mehr Normalität. Mein Dank gilt allen, die sich hier mit viel Fachwissen, Engagement und einem guten Krisenmanagement dafür eingesetzt haben, dass die Folgen der Havarie an der Hochbrücke für die Menschen aus Holtenau, Schilksee, Friedrichsort und Pries überschaubar blieben. Nun hoffen wir, dass beide Brücken spätestens zur Kieler Woche wieder repariert und voll funktionstüchtig sind.“ Die benachbarte und bei der Schiffskollision deutlich stärker beschädigte Olympiabrücke bleibt – mit Ausnahme von Rettungsfahrzeugen – weiterhin voll gesperrt.
Lasertechnik erkennt größere Fahrzeuge für die Polizei
Möglich wird die dauerhafte Freigabe der Prinz-Heinrich-Brücke durch zwei sogenannte Enforcement Trailer (Laserblitzer), die jeweils vor den Auffahrten zum Bauwerk – aus Norden und Süden kommend – installiert sind. Mithilfe von spezieller Lasertechnik können diese Geräte größere Fahrzeuge erkennen und für die Polizei dokumentieren bzw. weiterverfolgen, so dass der enorme Personaleinsatz der Polizei zum Abweisen schwerer Fahrzeuge über zwölf Tonnen entfällt.
LBV.SH-Direktor Conradt mahnte: „Jeder verbotenen Überfahrt wird die Polizei ab heute sofort nachgehen. Denn das ist kein Kavaliersdelikt. Wir müssen für die Allgemeinheit sicherstellen, dass auch diese Brücke nicht noch weiter geschädigt wird, sondern wir diese Überfahrten über den Nord-Ostsee-Kanal den Bürgerinnen und Bürger und Handwerkern überhaupt ermöglichen können. Jede ungeplante Erschütterung, die hauptsächlich von Fahrzeugen über zwölf Tonnen ausgeht, ist absolut unakzeptabel und von den Berechnungen zur Statik nicht gedeckelt.“
Sanierungskonzeption mit Hochdruck
Nach den Worten von Madsen und Conradt arbeiten die Sanierungsexperten des LBV.SH bereits mit Hochdruck mit externen Brückenspezialisten daran, ein Konzept zur Behebung der Schäden – zunächst an der stärker getroffenen Olympiabrücke zu erstellen. „Wir erwarten, dass wir hier in der zweiten Januarhälfte eine erste Arbeitsfassung mit Zeitplan erhalten.Klar sei aber schon jetzt, vor Hochsommer könne nicht von einer Instandsetzung ausgegangen werden“, so Conradt.
Hintergrund: In der Nacht zum 30. November hatte ein finnischer Spezialfrachter mit seinen hohen Kranauslegern bei der Durchfahrt des Nord-Ostsee-Kanals beide Brücken gerammt und massiv beschädigt. Nach einer knapp 33-stündigen Vollsperrung waren beide Brücken zunächst für Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger freigegeben worden – und am Mittwoch (7. Dezember) die 26 Jahre alte Prinz-Heinrich-Brücke auch für Pkw mit maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Seit Montag (12. Dezember) waren Busse des ÖPNV und der Autokraft wieder zur Überfahrt zugelassen worden. Die parallel verlaufende 50 Jahre alte Olympiabrücke darf nach wie vor ausschließlich von Rettungsfahrzeugen befahren werden. Sie ist deutlich stärker beschädigt.
Auf der Baustelle für den geplanten Ostseetunnel auf der Insel Fehmarn tut sich etwas. Der Arbeitshafen bei Puttgarden, über den ein Großteil des Baumaterial angeliefert werden soll, sei bereits deutlich erkennbar, sagte die Sprecherin von Femern A/S Deutschland, Denise Juchem. «An Land bereiten wir den Bau einer Brücke über die geplante Bahnstrecke vor, der 2023 beginnen soll.» Auch die Umrisse des Tunnelportals seien erkennbar: «Im Laufe des Jahres 2023 kann ein Großteil des Baumaterials für die deutsche Tunnelbaustelle auf dem Seeweg angeliefert werden.»
Der dänische Bauherr Femern A/S hatte zugesagt, einen Großteil des Baumaterials mit Schiffen nach Deutschland zu transportieren, um die Straßen auf Fehmarn zu entlasten. «Das ist auch dringend notwendig, sonst bricht im Sommer der Verkehr auf der Insel zusammen», befürchtet der Regionalmanager der Stadt Fehmarn, Jürgen Zuch. Der 18 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll von 2029 an die Insel Fehmarn und die dänische Insel Lolland verbinden. Die Kosten betragen nach Angaben von Femern A/S 7,1 Milliarden Euro.
Der Bau des Tunnels und die Anbindung an das Schleswig-Holsteinische Bahnnetz haben bereits jetzt Auswirkungen für Bahnreisende. So ist die Bahnstrecke von Oldenburg im Kreis Ostholstein auf die Insel seit Ende August unterbrochen. Bis voraussichtlich Ende 2029 werden Züge durch Busse ersetzt. «Derzeit läuft der Schienenersatzverkehr gut, aber ich befürchte, dass die Busse vor allem im Sommer in Stau stehen werden, wenn es mit den Bauarbeiten richtig los geht», sagte Zuch.
Die Bahnanbindung des Tunnels zwischen Lübeck und Fehmarn ist 88 Kilometer lang, 55 Kilometer davon werden neu gebaut. «Auf diesen 55 Kilometern müssen insgesamt sieben Haltepunkte verlegt werden», sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Dazu zählten die Bahnhöfe Scharbeutz, Lensahn und Großenbrode/Heiligenhafen und Ratekau/Timmendorfer Strand. Der neue Bahnhof für Timmendorfer Strand wird rund sieben Kilometer vom Ort entfernt liegen, weil die neue Bahntrasse weiter nach Osten an die Autobahn 1 heranrückt. Auch Oldenburg in Holstein soll einen neuen Bahnhof bekommen.
Unklar ist, was aus der sogenannten Bäderbahn wird, die bislang in Timmendorfer Strand und Scharbeutz hält. «Derzeit ist noch offen, ob diese Strecke weiter genutzt wird», sagte der Bahnsprecher. Es liefen Gespräche mit potenziellen Nutzern: «Fest steht dagegen, dass nach 2029 regionale Züge zwischen Fehmarn und Dänemark pendeln werden.»
Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus