Rohlfs bei der Bescheidübergabe an Cebel Kücükkaraca mit Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen der Kieler Anwaltskanzlei „Aykac, Yilmaz, Tuncel“
Das seit Jahren bewährte Projekt „Ausbildung und Integration für Migranten – AIM“ geht für zwei Jahre in die Verlängerung: „Unser Ziel ist es, jungen Migrantinnen und Migranten, aber auch Geflüchteten und Asylsuchenden einen gleichberechtigten Zugang zum Ausbildungsmarkt zu ermöglichen und sie damit besser in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft einzubinden“, sagte Arbeitsstaatssekretär Dr. Thilo Rohlfs heute in Kiel. Dies sei gerade jetzt angesichts vieler junger Geflüchteter in Schleswig-Holstein wichtiger denn je. Rohlfs übergab einen Förderbescheid über 370.000 Euro an den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein, Dr. Cebel Kücükkaraca.
Rohlfs sagte bei dem Termin unter anderem
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Wie Rohlfs weiter sagte, sei das Ziel der Projektarbeit der Türkischen Gemeinde die Schärfung des Bewusstseins für die Notwendigkeit einer Berufsausbildung, um eine erfolgreiche Integration junger Menschen in den deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Das Land fördere mit dem Projekt „AIM“ Beratungsbüros in Lübeck, Elmshorn, Kiel und Neumünster, in denen erfahrene Mitarbeiter mit Zuwanderungshintergrund für Fragen rund um das Thema Ausbildung zur Verfügung stehen.
„Sie helfen bei der beruflichen Orientierung, unterstützen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, vermitteln Computer-Kurse und individuelle Coachings und hören den jungen Menschen auch einfach nur zu“, sagte Rohlfs. Auch Betriebe würden bei der Einrichtung von Ausbildungsplätzen und während der Ausbildung beraten und unterstützt, um die Ausbildungsbereitschaft zu schaffen oder zu erhalten.
Rohlfs erinnerte auch an den wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften und appellierte an die Betriebe im Land: „Überwinden Sie ihre vielleicht bestehenden Sorgen vor sprachlichen oder kulturellen Stolpersteinen.“ Als Beispiel nannte er die Kieler Anwaltskanzlei „Aykac, Yilmaz, Tuncel“, die sich als Gastgeber der Bescheidübergabe zur Verfügung gestellt hatte. Neben einer Auszubildenden zur Steuerfachangestellten werden in dem Büro Praktikantinnen und Praktikanten beschäftigt, um sie mit den Tätigkeitsfeldern einer Kanzlei vertraut zu machen. Künftig sollen mit tatkräftiger Unterstützung von „AIM“ noch zwei oder drei weitere Ausbildungsplätze geschaffen und besetzt werden.
Traditionsbetrieb in Not: Verpackungshersteller Feldmuehle in Uetersen
Für die Papierfabrik Feldmuehle in Uetersen (Kreis Pinneberg), die am 25. Januar einen Insolvenzantrag gestellt hat, bestehen nach Angaben des Sanierungsexperten Tjark Thies gute Chancen, dass der Betrieb weitergeführt werden kann. Neun Investoren hätten ihr Interesse an einer Übernahme angemeldet. Es würden aber europaweit noch weitere Interessenten gesucht. Ziel sei es, das Unternehmen direkt im Anschluss an die Insolvenzeröffnung Anfang April an einen Investor zu übertragen. Die Papierfabrik hat 420 Beschäftigte.
Gestern traf sich Wirtschaftsminister Bernd Buchholz vor Ort mit dem Insolvenzverwalter und Belegschaftsmitgliedern, um sich selbst ein Bild über die Situation zu machen.
Im Anschluss an das Treffen sagte Buchholz (Audio starten – „im Browser anhören)
Die Uetersener Nachrichten berichten heute:
Stipvisite beim „Maschinenfinder mworks“
Nach den Gesprächen bei der Feldmuele besuchte Buchholz das Uetersener Pharma-Unternehmen Nordmark-Arzneimittel GmbH und das junge und für den deutschen Mittelstandspreis nominierte Unternehmen mworks.
Buchholz mit Sebastian Dröber (links), Susanne Dröber und Lars Kobialka
Buchholz bescheinigte der Belegschaft „Power, Innovationskraft und eine kreative Idee“. mworks sei ein herausragendes Beispiel dafür, wo die Wirtschaftskraft im Norden zu finden ist: bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Außerdem gratulierte Buchholz den Gründern und Geschäftsführern von mworks, Lars Kobialka und Sebastian Dröber, zur Auszeichnung als Finalist beim Großen Preis des Mittelstands 2017.
Er sagte unter anderem (Audio starten – „im Browser anhören“)
Buchholz weiter: „Ein Start-up muss nicht immer ein Produkt neu erfinden. Ich finde es sensationell, wenn ein Unternehmen mit einer kreativen Idee eine neue Dienstleistung schafft.“
Um welche Dienstleistung es sich bei mworks handelt, erläuterte Geschäftsführer Kobialka: „Wir finden für Unternehmen die passende Maschine. Und wenn es die nicht gibt, dann erfinden wir sie.“ In einem kurzen Abriss der Unternehmensgeschichte beschrieb er, wie es mit mworks angefangen hatte: mit einem Freund Kobialkas nämlich, der auf der Suche nach einer Maschine war, die Gummibänder durch ein Anhänge-Etikett zieht und dann verknoten kann. Eigentlich sollte Kobialka als gelernter Ingenieur diese Maschine bauen. Doch der empfahl seinem Freund stattdessen, sich per Internet auf die Suche nach einer Maschine zu machen, die dazu in der Lage sein würde. Der Freund scheiterte daran, doch Kobialka wurde fündig. Eine Maschine, die Spargelstangen bündeln und mit einem Gummiband umwickeln konnte, musste nur noch ein wenig modifiziert werden – und das Problem war gelöst.
Aus diesem Erlebnis entwickelte er das Geschäftsmodell von mworks. Im April 2011, als Garagen-Start-up gemeinsam mit Dröber als erfahrenem IT-Unternehmer gegründet, dauerte es nur wenige Monate, bis namhafte Kunden wie Siemens oder Audi mit Aufträgen auf die Uetersener Maschinenfinder zukamen.
Mittlerweile hat mworks mehr als 25 Mitarbeiter und bietet Dienstleistungen auf unterschiedlichen Ebenen an.
Auch Buchholz sprach sich dafür aus, die Digitalisierung positiv zu sehen und ihre Chancen zu ergreifen. Als Beitrag der Politik nannte er das Ziel der Landesregierung, bis 2025 einen flächendeckenden Ausbau mit Glasfaserkabeln zu erreichen. Und noch weitere Versprechen für den Mittelstand brachte er nach Uetersen mit: den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Norden sowie den Abbau bürokratischer Hemmnisse. „Der Mittelstand muss geschätzt werden, damit er gedeiht“, sagte Buchholz.
Forschungs-U-Boot des Kieler Helmholtz-Zentrums Geomar
Um die Meere von Müll und Munition zu säubern und der Menschheit das Meer als Ressource für Ernährung, Energie und Rohstoffe zu erhalten, stehen Wissenschaft und Wirtschaft nach den Worten von Technologie-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs vor einer Herkulesaufgabe: „Nur wenn es uns rasch gelingt, die Kommunikation auch unter Wasser zu verbessern, werden wir den Wettlauf gegen die Meeresverschmutzung gewinnen“, sagte Rohlfs heute (7. Februar) in Kiel beim Kongress „Maritime Zukunft gestalten – Innovative Dienstleistungen und Technologien made in Schleswig-Holstein“. Dazu sei unter dem Dach der Landesinitiative „Zukunft Meer“, die die maritimen Zuständigkeiten der Landesregierung bündelt, jetzt ein Bündnis aus Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft sowie Hochschulen und Wirtschaft im Land geschmiedet worden.
Staatssekretär Rohlfs bei der Eröffnung des Kongresses im Kieler Wissenschaftszentrum
„Unser Ziel ist es, Forschungsergebnisse schneller in industrielle Anwendungen zu verwandeln“, sagte der Staatssekretär vor rund 120 Experten der Branche im Kieler Wissenschaftszentrum. Hintergrund der neuen Allianz: Für einen effektiven Meeresschutz sei nicht nur die Kontrolle großflächiger Unterwassergebiete zur Beseitigung von Plastikmüll und Munition erforderlich. Es gehe auch um eine autonome Überwachung und Erkundung der maritimen Umwelt bei der Inspektion von Offshore-Windenergieanlagen, Seekabeln oder Pipelines sowie um die Gewinnung von Marinen Mineralischen Rohstoffen durch die elektronische Vernetzung von autonomen Robotern. Rohlfs: „Wir müssen in Zukunft also auch unter Wasser deutlich digitaler werden – und das möglichst schnell.“
Wie der Staatssekretär weiter sagte, gestalte sich die Kommunikation unter dem Meeresspiegel wegen der extrem dämpfenden Wirkung von Wasser auf elektronische Signale deutlich schwieriger als etwa in den mobilen Funknetzen an Land. „In der Tiefsee herrscht nicht nur absolute Finsternis, hier funktionieren bislang auch weder GPS noch WLAN – aber genau so etwas brauchen wir, wenn wir eine autonome Überwachung der Meere erreichen oder die Schwarm-Intelligenz von Robotern einsetzen wollen“, so Rohlfs.
Um auf diesem Forschungsfeld rasch voran zu kommen, hat sich ein Konsortium aus den Unternehmen „CPL Competence in Ports and Logistics GmbH“ (Lübeck), SCOPE Engineering GmbH (Kiel), UBS Unternehmens-Beratung Schümann GmbH (Barmstedt) und dem Büro für Umwelt und Küste (Kiel) für eine Studie zusammengeschlossen. Damit sollen die maritimen Kompetenzen im Land künftig gebündelt und Synergien genutzt werden. „Auf diese Weise soll ein maritimer Kristallisationspunkt mit großer Strahlkraft entstehen“, sagte Rohlfs. In der Studie würden Potenziale ermittelt, erste konkrete Projektansätze skizziert sowie Standorte geprüft. Der Staatssekretär erinnerte vor diesem Hintergrund daran, dass bereits erhebliche Kompetenzen auf diesem Feld in Schleswig-Holstein vorhanden seien. So beschäftige sich unter anderem auch die Geschäftsstelle Schleswig-Holstein des Maritimen Clusters Norddeutschland (MCN) mit Innovationen und Standards intelligenter Meerestechnik sowie der Vernetzung im Bereich Kommunikation und Navigation.
Es brummt: Der IHK-Konjunkturklima-Index sprang im letzten Quartal 2017 auf ein Sechs-Jahres-Hoch – das Problem des Fachkräftemangels aber bleibt.
Bestens gelaunt gibt sich zu Jahresbeginn die Wirtschaft in Schleswig-Holstein: Die Unternehmen seien mit besten Vorzeichen und optimistisch wie lange nicht in das neue Jahr gestartet, sagte heute der Vizepräsident der IHK Schleswig-Holstein, Klaus-Hinrich Vater. Er stützte sich auf die jüngste Umfrage der IHK. Dabei kletterte der Konjunkturklima-Index im letzten Quartal 2017 auf 125,5 Punkte und damit auf ein Sechs-Jahres-Hoch. Der Wert des Vorquartals wurde um 1,2 Punkte übertroffen. Maximal möglich sind 200 Punkte.
Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz zeigte sich von dem Ergebnis erfreut, wenngleich wenig überrascht: „Die Zahlen spiegeln meine Eindrücke wieder, die ich bei meinen zahlreichen Firmenbesuchen seit vergangenem Sommer gewinnen konnte.“ Auch heute war Buchholz zu Besuch bei Betrieben im Land – unter anderem bei den Uetersener Firmen Nordmark Arzneimittel und der „mworks GmbH“. Zuvor hatte der Minister auch den im April in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Papierhersteller Feldmühle besucht
Bei der IHK-Umfrage bezeichneten 47 Prozent der Unternehmen im letzten Quartal 2017 ihre Geschäftslage als gut und 47,7 Prozent als befriedigend. Auch die weiteren Erwartungen sind überwiegend positiv. 23,9 Prozent der Betriebe rechnen für die nächsten zwölf Monate mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 63,5 Prozent mit einer konstanten und 12,6 Prozent mit einer schlechteren. An der Umfrage beteiligten sich 540 von rund 2000 angefragten Unternehmen.
Die gute Konjunktur trage auch Früchte am Arbeitsmarkt, sagte der IHK-Vizepräsident. So sei die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten von Januar bis November von 945 000 auf gut 981 000 gestiegen. Die Arbeitslosenquote fiel 2017 von 6,1 auf 5,8 Prozent.
Unter den Branchen hat sich im letzten Quartal 2017 die Stimmung in der Industrie im Vorjahresvergleich deutlich verbessert. Die Bauwirtschaft eilt von einem Rekord zum nächsten. Ein weiteres Wachstum sei hier kaum zu erreichen, sagte Vater. Ähnlich boomen personenbezogene und unternehmensnahe Dienstleistungen. Nur der Einzelhandel konnte nicht mithalten. Besonders für kleinere Läden blieben die Umsätze im Weihnachtsgeschäft hinter den Zielen zurück, während der Online-Handel weiter wuchs.
Vater
Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf planen mehr als 36 Prozent der Unternehmen höhere Ausgaben für Investitionen und nur etwa 14 Prozent Kürzungen. 27 Prozent wollen ihre Belegschaft vergrößern, 13 Prozent planen einen Personalabbau. Industrie und Dienstleistungen wollen aufstocken, auf dem Bau bremst der Fachkräftemangel weitere Einstellungen. Insgesamt werden Schleswig-Holstein laut einer Studie von 2013 im Jahr 2030 rund 100 000 Fachleute fehlen, darunter nur 15 000 Akademiker.
Gut 56 Prozent aller Unternehmen bezeichneten in der IHK-Umfrage Ende 2017 den Fachkräftemangel als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Das war im Vorjahresvergleich noch einmal ein kräftiger Anstieg. Energie- und Rohstoffpreise sowie Finanzierungskosten spielten dagegen eine weit geringere Rolle. Viel Potenzial gegen den Fachkräftemangel sieht IHK-Vize Vater noch bei Zugewanderten, wenn diese ihre schulische und berufliche Ausbildung fertig haben. In fünf Jahren werde dies mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Vater bekräftigte die Forderung nach einer gesteuerten Einwanderung von Fachkräften.
Solide Ansiedlungsbilanz: WT.SH-Chef Bösche, Buchholz und KiWi-Geschäftsführer Kässens während der Pressekonferenz bei der WTSH
Mit Hilfe der Wirtschaftsförderung haben sich im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein 153 Unternehmen mit geplant 1715 Beschäftigten angesiedelt. «Wir haben ein solides Ergebnis erreicht, es gibt aber durchaus Luft nach oben», sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) heute bei der Vorstellung der Ansiedlungsbilanz. Die Zahl der neu angesiedelten Betriebe lag nach Angaben von Buchholz und dem Chef der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WT.SH), Bernd Bösche, geringfügig (2016: 155 Unternehmen) unter dem Vorjahresergebnis, die Zahl der damit verbundenen Arbeitsplätze aber darüber (2016: 1374). 17 Firmen stammen aus dem Ausland. Im Logistikbereich schufen fünf neu angesiedelte Betriebe 265 Arbeitsplätze im Norden.
Im Gespräch mit Andreas Otto (RSH) sagte Buchholz nach der Pressekonferenz (Audio starten – „im Browser anhören“)
Nach den Worten von Buchholz und Bösche , die die Ansiedlungsbilanz gemeinsam mit Werner Kässens, Chef der Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungs GmbH (KiWi), präsentierten, stehen die Zahlen für Stabilität und Kontinuität. „Die Konjunktur ist robust und vor allem unser Mittelstand sorgt für Wachstum, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und Investitionen. Wir arbeiten derzeit daran, die Rahmenbedingungen für Ansiedlungen weiter zu verbessern – unter anderem durch einen beschleunigten Breitband-Ausbau und Investitionen in die Verkehrs-Infrastruktur“, sagte Buchholz.
Erfreulich entwickelt hat sich die Bilanz laut WTSH-Chef Bösche unter anderem bei der Größe der angesiedelten Firmen: „Mit durchschnittlich elf Arbeitsplätzen pro Unternehmen ist gegenüber dem Vorjahr eine leichte Steigerung zu verzeichnen, denn 2016 waren es noch neun Arbeitsplätze pro Betrieb.“ Die Bandbreite bei den Ansiedlungen reiche von der digitalen Wirtschaft über den Tourismus und die Ernährungswirtschaft bis hin zu erneuerbaren Energien sowie Logistik und maritimer Wirtschaft.
Als herausragend wertete Buchholz das Arbeitsplatz-Plus von 37 Prozent in der digitalen Wirtschaft: Insgesamt siedelten sich 28 Unternehmen mit 134 Arbeitsplätzen an. „Die digitalen Unternehmen sind Innovationstreiber, Impulsgeber und zugleich Multiplikatoren bei der Digitalisierung anderer Wirtschaftsbranchen und insofern bestimmen sie die Entwicklung des gesamten Standortes mit“, so der Minister.
Nach Aussage von KiWi Geschäftsführer Werner Kässens entschieden sich allein für die Landeshauptstadt Kiel insgesamt 13 Unternehmen aus der digitalen Wirtschaft. Die Bilanz zeige, dass sich aktuell insbesondere junge Unternehmen mit zukunftsfähigen Arbeitsplätzen ansiedeln. „Eine große Rolle bei der Standortwahl spielen die Faktoren Fachkräfte und Innovationskraft“, ist Kässens überzeugt, „und genau hier liegen die Stärken des Wirtschafts-standortes Kiels“.
„Digitalisierung ist ein Innovationstreiber sowohl für Start-ups als auch für traditionelle Unternehmen“, so Kässens weiter. Auch die derzeitigen Ansiedlungen aus dem produzierenden Gewerbe lassen erkennen, dass sich die Unternehmen zunächst auf ihre F&E-Aufgaben konzentrieren wollen. Damit legen die Unternehmen die Basis für eine langfristige Wachstumsstrategie in Kiel fest, denn im nächsten Schritt für ihre Produktion benötigen sie weitere Wirtschaftsflächen in Kiel.
Eines der Unternehmen aus der digitalen Wirtschaft ist die YOMA Solutions GmbH. Der Betrieb wurde 2017 als Start-up gegründet und bietet als Cloud-Dienstleister Lösungen für Fuhrparks und Fahrzeugflotten an. Am Standort Norderstedt sollen mittelfristig 20 Arbeitsplätze entstehen.
Vergleichbar positiv sind die Arbeitsplatzeffekte in der Logistik: Während im Vorjahr von drei Betrieben noch 15 Arbeitsplätze geschaffen wurden, waren es vergangenes Jahr 265 Arbeitsplätze, die von fünf neu angesiedelten Firmen geschaffen wurden.
Der Höhenflug des Tourismus im Jahr 2017 schlägt sich ebenfalls in der Ansiedlungsbilanz nieder: In dieser Branche schafften 16 neue Unternehmen – vor allem Hotels mit hochwertigen Angeboten – 234 Arbeitsplätze.
So entsteht im Kreis Ostholstein auf Gut Rothensande, besser bekannt als „Immenhof“, ein ganzjährig geöffnetes, hochwertiges Ferienresort. Mittelfristig sollen hier mindestens 50 Arbeitsplätze entstehen. Die Eröffnung erfolgt in 2019. Das Projekt wird im Rahmen der einzelbetrieblichen Investitionsförderung mit 1,19 Millionen Euro aus dem Landesprogramm Wirtschaft (LPW) gefördert. „Dieses Ansiedlungsprojekt zeigt, wie die unterschiedlichen Aspekte der Wirtschaftsförderung sich ergänzen: gezielte Beratung der WTSH, Förderung durch die Investitionsbank und beides auf fachlicher Basis der Tourismusstrategie“, sagte Buchholz.
Im Bereich der erneuerbaren Energien blieb die Anzahl mit acht Unternehmen, die sich für den echten Norden entschieden, gegenüber 2016 identisch. Als Beispiel nannten Bösche und Buchholz die „EnspireMe GmbH“. In dem Unternehmen haben sich das niederländische Energieunternehmen Eneco und der japanische Mischkonzern Mitsubishi Corporation für den Bau von Lithium-Ionen-Batteriespeichern zusammengeschlossen. Die Firma wird in Jardelund (Kreis Schleswig-Flensburg), in unmittelbarer Nähe zum Windpark, ein Batteriespeichersystem mit einer Leistung von 48 Megawatt und einer Speicherkapazität von über 50 Megawattstunden errichten.
Die Anzahl neu angesiedelter ausländischer Unternehmen blieb mit 17 (Vorjahr: 16) nahezu identisch, während die Zahl der Arbeitsplätze (Vorjahr 118) auf 158 angestiegen ist. Neun Unternehmen kommen aus China, drei aus Dänemark, jeweils zwei aus Schweden und Japan und eines aus Finnland. Damit haben sich im vergangenen Jahr insgesamt sechs Unternehmen aus Skandinavien in Schleswig-Holstein niedergelassen. Buchholz: „Diese Entwicklung werden wir aufnehmen und gemeinsam mit Hamburg die deutsch-skandinavischen Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Oberstes Ziel dabei ist natürlich, weitere Ansiedlungen aus Skandinavien im echten Norden zu realisieren.“ Nach den Worten von Bösche ist China seit 2012 einer der Top Investoren in Deutschland und spielte auch letztes Jahr in Schleswig-Holstein die größte Rolle: „Diese Entwicklung belegt, dass sich Schleswig-Holstein im Wettbewerb um ausländische Ansiedlungen auch im vergangenen Jahr erfolgreich positioniert hat.“
Im Wettbewerb um neue Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze waren die Wirtschaftsförderungsgesellschaften des Landes – allen voran die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WT.SH) – im vergangenen Jahr wieder weltweit unterwegs.
Ob Schleswig-Holstein dabei beispielsweise vom boomenden Deutschland-Tourismus oder der zunehmenden Digitalisierung profitieren konnte, erläuern heute Wirtschaftsminister Buchholz sowie WT.SH-Chef Bösche und der Chef der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft KiWi, Werner Kässens.
Pressekonferenz: 12.30 Uhr bei der WT.SH in Kiel am Lorenzendamm beim „Haus der Wirtschaft“
Um für mehr Entlastung und damit für mehr Sicherheit im Bereich der A-1-Autobahnabfahrt Stapelfeld/Braak (Kreis Stormarn) zu sorgen, hat Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz grünes Licht für den Ausbau der Landesstraße 222 gegeben. „Die örtlichen Wirtschaftsförderer und auch der Kreis haben im vergangenen Jahr ein Konzept vorgelegt, mit dem der tägliche Rückstau zu den Verkehrs-Stoßzeiten deutlich gemildert werden kann – und dieses Konzept werden wir nun umsetzen“, sagte Buchholz heute (5. Februar) nach einem Treffen mit den Verkehrsexperten der Regierungsfraktionen des Kieler Landtags.
Buchholz sagte dazu weiter (Audio starten – „im Browser anhören“):
Nach den Worten von Buchholz bestehe das Problem bereits seit Jahren: An der Auf- und Abfahrt komme es an Werktagen regelmäßig morgens und abends zu langen Rückstaus. Die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn hatte gemeinsam mit den Kommunen daraufhin im letzten Jahr bei einem Ingenieurbüro die Erstellung eines Verkehrskonzepts in Auftrag gegeben. Fazit der Experten: In Stapelfeld ließe sich die Situation dadurch verbessern, dass die Landesstraße 222 dort auf zwei Spuren in Richtung Hamburg verbreitert wird.
Laut Buchholz werde der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) jetzt mit der näheren Planung und Umsetzung beauftragt. Dabei sei auch die Frage zu klären, ob für den Ausbau ein Planfeststellungsverfahren erforderlich werde.
So berichtet das Hamburger Abendblatt in seiner Mittwochausgabe (7. Februar)
Fünf Wochen nach einem tödlichen Unfall auf der A 23, bei dem bei Itzehoe ein Staßenwärter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV-SH) ums Leben gekommen ist, gab es gestern bei Eisglätte erneut einen Zwischenfall – diesmal mit halbwegs glimpflichem Ausgang. Ein betrunkener Autofahrer hatte auf der A23 bei Halstenbek (Kreis Pinneberg) ein Streufahrzeug von der Straße gedrängt. Das Räumfahrzeug krachte in die Leitplanke und war nicht mehr fahrbereit, wie ein Sprecher der Polizei heute sagte.
Der Autofahrer hatte zum Überholen angesetzt, prallte aber gegen das Heck des Streufahrzeuges. Die Autobahn wurde in Richtung Norden für mehrere Stunden teilweise gesperrt. Ein Alkoholtest beim Unfallverursacher ergab dem Sprecher zufolge 2,29 Promille. Der Hamburger wurde bei dem Unfall leicht verletzt.
Verkehrsminister Bernd Buchholz appellierte vor diesem Hintergrund erneut an alle Verkehrsteilnehmer, sich grundsätzlich nicht unter Alkoholeinfluss hinter das Lenkrad zu setzen. Zugleich mahnte er mehr Umsicht bei schwierigen Straßenverhältnissen wie an diesem Wochenende an: „Nehmen Sie bei Schneefall und Glätte den Fuß vom Gas und nehmen Sie vor allem Rücksicht auf die, die Ihnen die Straßen räumen und damit sicherer machen.“ Wer Streufahrzeuge zu überholen versuche, der gefährde nicht nur sich, sondern vor allem andere und sorge obendrein dafür, dass – wie aktuell auf der A 23 – Hunderte unnötig im Stau stehen müssen.
Der von der Landesregierung ins Leben gerufene Mittelstandsbeirat will neben weniger Bürokratie vor allem mehr Frauen in Führungspositionen der schleswig-holsteinischen Wirtschaft sehen: „Wir müssen gemeinsam noch viel mehr tun, um Frauen zu Gründerinnen von Unternehmen zu machen oder sie dazu zu bewegen, Betriebe zu übernehmen“, sagte die Präsidentin der Industrie und Handelskammer Schleswig-Holstein, Friederike Kühn. Zusammen mit Handwerkskammer-Präsident Günther Stapelfeldt wurde sie heute bei der zweiten Sitzung des Mittelstandsbeirats zur Sprecherin des Gremiums gewählt.
Im Anschluss an die heutige Sitzung zogen Kühn, Stapelfeldt und Buchholz das folgende Fazit (Vodeo starten):
Nach den Worten von Handwerkskammer-Präsident Stapelfeldt würden sich Frauen in der Wirtschaft noch viel zu häufig unterschätzen: „Dabei ist unsere Erfahrung, dass gerade Frauen, die sich im Handwerk selbständig machen, besonders zielorientiert und leistungsstark sind.“ Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz sieht vor diesem Hintergrund auch für das Land Ansatzpunkte, Frauen stärker als bislang den Weg in die Selbständigkeit zu bahnen: „Viele unserer Förderinstrumente für Gründungen zielen bislang stark auf Technik und Naturwissenschaft ab und sprechen somit potenziell eher Männer an.“ Für Gründerinnen und Gründer hingegen, die sich beispielsweise in Pflegeberufen selbständig machen wollen, sei das Angebot noch zu dünn.
Buchholz und Kühn erinnerten daran, dass es im Land – unter anderem von der IHK zu Lübeck oder dem Jackstaedt-Kompetenzzentrum – bereits zahlreiche Hilfestellungen gebe. „Aber wir müssen ganz offensichtlich noch mehr Impulse geben, um das Gründungsgeschehen in Schleswig-Holstein – nicht nur für Frauen – weiter voran zu treiben: von Beratung über Mentoring bis hin zu finanzieller Unterstützung“, so Kühn.
Mit Blick auf das Thema Unternehmensnachfolge erinnerte Buchholz an eine aktuelle Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW). Demnach sind 46 Prozent der Inhaber von Betrieben in Schleswig-Holstein 55 Jahre und älter. „Mit anderen Worten: In den nächsten zehn Jahren wird in Schleswig-Holstein fast jeder zweite Unternehmer in den Ruhestand gehen. Hier geeignete Nachfolgerinnen oder Nachfolger zu finden, ist eine unserer zentralen Herausforderungen, die wir gemeinsam mit dem Mittelstand in unserem Land stemmen müssen“, so Buchholz.
Tagten heute imWirtschaftsministerium: Mitglieder des Mittelstandsbeirats SH
Staatssekretär Rohlfs bei seiner Eröffnungsrede bei Yara
Neuer Superlativ für den Chemchoast-Park Brunsbüttel: Der norwegische Chemie-Konzern Yara hat am Vormittag in Anwesenheit von Wirtschafts- und Technologie-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs die weltweit größte Anlage für den Diesel-Zusatz AdBlue in Betrieb genommen. „Das ist nicht nur ein tolles Bekenntnis zum Standort und ein starkes Signal für Unternehmen, die sich für diesen Standort interessieren und überlegen, herzukommen. Es setzt auch einen hervorragenden Akzent in der aktuellen Debatte über die Zukunft der Mobilität.“, sagte Rohlfs vor über 150 Gästen.
Die Anlage, in die Yara 28 Millionen Euro investiert habe, kann mit einer Kapazität von 1,1 Millionen Tonnen pro Jahr die Hälfte der europäischen Nachfrage bedienen. Dazu gehört laut Firmenangaben ein neuer Tiefwasseranleger, ein Lagertank mit einem Fassungsvermögen von 17 500 Kubikmetern und eine vollautomatische Beladestation für Lkw, die rund um die Uhr in Betrieb sei.
„Die gestiegene Nachfrage nach AdBlue für schwere Nutzkraftfahrzeuge ebenso wie für Personenautos in Europa und den USA macht eine zuverlässige und pünktliche Lieferung aus Sicht unserer Kunden unerlässlich“, sagte Yara-Chef Svein Tore Holsether. Der norwegische Konzern unterhält weltweit fünf Produktionsstätten für AdBlue. Die Anlage in Brunsbüttel wurde nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt.
Nach den Worten von Staatssekretär Rohlfs können mit AdBlue Emissionen von Stickoxiden erheblich reduziert werden. Die Anlage werde einen wichtigen Beitrag leisten, die Luft vor schädlichen Einträgen aus Dieselmotoren zu schützen. „Und damit ist diese Anlage ein perfektes Beispiel für die Philosophie der Landesregierung: Wir wollen Ökonomie und Ökologie intelligent miteinander verbinden, damit daraus nachhaltige Wertschöpfung und Wohlstand entstehen“, so der FDP-Politiker.
Wie Rohlfs weiter sagte, sei Brunsbüttel mit dem ChemCoastPark Schleswig-Holsteins wichtigster und größter Industriestandort. Er sei von der strategischen Lage her bestens geeignet für Industrieunternehmen, die auf verlässliche Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen setzen und auf eine gute logistische Anbindung angewiesen seien.
„Und wie es aussieht, bekommt der Park künftig noch prominenten Zuwachs durch das erste deutsche LNG-Importterminal. Und auch dafür spielt das Unternehmen Yara eine bedeutende Rolle, und zwar nicht nur als potenzieller Kunde, sondern vor allem auch als Treiber von Innovation.“
Rohlfs mit Yara-Chefin Lindland und Konzernchef Svein Tore Holsether (Mitte) auf dem Podium mit NDR-Moderator Yared Dibaba
Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus