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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Schleswiger OVG beendet Tauziehen um Aldi Nord

Familienstreit bei Aldi Nord entschieden: Einfluss von Berthold Albrecht wird beschnitten

Der Machtkampf um den Einfluss beim Discounter-Riesen Aldi Nord ist entschieden: Das schleswig-holsteinische Oberverwaltungsgericht hat heute nach rund achtstündiger Verhandlung das Urteil der Vorinstanz aufgehoben. Damit kann der Einfluss von Familienerben in dem Discounter beschränkt werden. Dagegen hatten die Frau und die fünf Kinder des 2012 verstorbenen Firmenerben Berthold Albrecht geklagt. Nach dem OVG-Urteil ist eine entsprechende Satzungsänderung bei einer Familienstiftung, die rund ein Fünftel der Anteile an dem Discounter hält, rechtens. Das Unternehmen begrüßte das Urteil.

Dem langjährigen Aldi-Nord-Anwalt und Theo-Albrecht-Vertrauten, Emil Huber, ist die Erleichterung nach dem anstrengendem Prozess deutlich anzumerken. «Berthold Albrecht würde sich freuen, wenn er das erleben könnte», sagte Huber sichtlich mitgenommen. «Die Labilität, die das Vorgehen der anderen Seite erzeugt hat, weicht einer Stabilität, und im Unternehmen kann aufgeatmet werden.»

Durch die Satzungsänderung von Dezember 2010 war nach dem Tod von Gründersohn Berthold Albrecht der Einfluss seiner Familie in der Stiftung spürbar eingeschränkt worden. Die Änderung war auch vom Kreis Rendsburg-Eckernförde als Stiftungsaufsicht akzeptiert worden. Doch die Erben Bertholds klagten dagegen. Das Verwaltungsgericht in Schleswig gab ihnen aus formalen Gründen Recht. Das OVG hingegen sagte, die Vorinstanz habe zu Unrecht die Unzulässigkeit der Satzungsänderung festgestellt. Die Revision wurde nicht zugelassen.

Die Vorsitzende des dritten OVG-Senats, Birgit Voß-Güntge sagte, der Vorstandsbeschluss vom 23. Dezember 2010 sei wirksam, obwohl einer der drei Vorstandsmitglieder erkrankt war und am Beschluss nicht persönlich mitwirken konnte. Es sei rechtlich zulässig, sich vertreten zu lassen. Zudem habe das damals erkrankte Mitglied des Stifungsvorstandes am Donnerstag als Zeuge glaubwürdig dargestellt, dass eine entsprechende Vollmacht vorgelegen habe.

Hintergrund der öffentlich ausgetragenen Fehde in einer reichen Familie, die lange Zeit als verschwiegen galt, ist die etwas komplizierte Eigentümerstruktur. Hinzu kommen Differenzen zwischen den Familienstämmen über den Lebensstil.

Aldi Nord ist im Besitz von drei Stiftungen: der Markus-, der Lukas- und der Jakobus-Stiftung. Die Markus- und die Lukas-Stiftung werden von der Gründerwitwe Cäcilie Albrecht und ihrem Sohn Theo Albrecht Junior kontrolliert. Bei der Jakobus-Stiftung hatten Babette Albrecht und ihre Kinder das Sagen. Große Investitionen und wichtige Entscheidungen können von den Stiftungen nur einstimmig freigegeben werden.

Um den Einfluss in der Jakobus-Stiftung wurde vor Gericht mit allen juristischen Finessen gekämpft. Akribisch wurde von den Juristen beider Seiten darüber gestritten, ob Formfehler die Satzungsänderung unwirksam machten oder nicht. Strittig war auch, ob der schwer kranke Berthold Albrecht zum Zeitpunkt der Satzungsänderung noch geschäftsfähig war. Die Anwälte der Klägerseite stellten auch am zweiten Verhandlungstag diverse Anträge. Sie wollten unter anderem Babette Albrecht und Huber noch befragen lassen, was das Gericht ablehnte.

Das Unternehmen begrüßte das Urteil. Der Gleichklang der Stiftungen sei mit der OVG-Entscheidung wieder hergestellt, teilte Aldi Nord mit. «Damit kommt das Unternehmensinteresse in den Stiftungen weiterhin zum Tragen.» Das Urteil und die dadurch entstandene Situation der Klarheit seien wichtig für die Zukunftssicherheit der Unternehmensgruppe Aldi Nord.

Der Anwalt der Berthold-Albrecht-Erben, Andreas Urban, sagte, es werde jetzt das schriftliche Urteil abgewartet und dann entschieden, ob Rechtsmittel eingelegt werden. Er sehe durchaus Anhaltspunkte dafür. Da die Revision nicht zugelassen ist, müsste zunächst eine Nichtzulassungsbeschwerde gestellt werden. Die Gründe für das Urteil könne er nicht nachvollziehen, sagte Urban.

In einem zweiten Verfahren, in dem die Berthold-Erben Einsicht in die Satzung der Markus-Stiftung fordern, steht eine Entscheidung weiterhin aus.

Ausgezeichnet: Dachdecker-Meister Witt hat ein ganz eigenes Rezept gegen Fachkräftemangel

Buchholz zeichnet pfiffige Betriebe mit dem VR-Förderpreis Handwerk aus

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Günther Stapelfeldt (Präsident HWK SH) mit Buchholz und Preisträger Jan Witt (Jan Witt GmbH), Rechts: Lutz Peterson (Volksbank-Raiffeisenbank im Kr. Rendsburg eG)
Zum 16. Mal haben die Volks- und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein am Abend in Kooperation mit der Handwerkskammer Schleswig-Holstein vorbildliche Handwerksbetriebe ausgezeichnet.Wirtschaftsminister Buchholz als Schirmherr des Wettbewerbs überreichte Geldpreise in Höhe von 15.000 Euro an die Gewinner. 

Den mit 6000 Euro dotierten ersten Platz belegt die Jan Witt GmbH aus Jevenstedt bei Rendsburg. Der familiengeführte Dachdecker-Meisterbetrieb verbindet professionelle Leistungen mit der Förderung von Auszubildenden und Fachkräften. Das Besondere dabei ist, dass Jan Witt sein Vertrauen in junge Leute setzt, die trotz ungenügender Abschlussnoten Potenzial für den Ausbildungsberuf beweisen. Sein Engagement trägt Früchte: Seine Azubis gehören zu den besten Deutschlands. Um einem Fachkräftemangel im Betrieb vorzubeugen, ermöglicht Jan Witt auch Quereinsteigern (wie beispielsweise einem Versicherungskaufmann, KFZ-Elektriker etc.) eine Umbildung.

Buchholz sagte zum Wettbewerb und zu den Preisträgern (Audio starten – „im Browser anhören“)

Auf den zweiten Platz mit 4.000 Euro Preisgeld wählte die Jury die OT-Kiel GmbH & Co. KG. Das Unternehmen für Orthopädietechnik aus Kiel setzt sich seit 2012 für den Aufbau eines professionellen und hocheffizienten Netzwerks für Menschen mit Amputationen ein. Dabei steht nicht nur die medizinische Versorgung im Vordergrund, sondern ebenso der therapeutische Ansatz, der den Menschen ganzheitlich in den Mittelpunkt stellt.

„Zwei Geschäfte unter einem Dach“, so heißt das Marktkonzept für das die Brühl Friseure mit dem dritten Platz und somit 3.000 Euro ausgezeichnet werden. Die konsequent differenzierte Ansprache der Zielgruppen führte den Salon nachhaltig zum Erfolg: Es werden sowohl Friseur- und Serviceleistungen im gehobenen Preisniveau angeboten, als auch für eine jüngere Zielgruppe eine moderne und preisgünstige Alternative, die unter dem Label „brühl young style“ bekannt ist.

Zwei Sonderpreise wurden in diesem Jahr ausgelobt: Die Jan Brügge Bootsbaumeister Werft-Königstein sowie die Reimer und Hans-Hermann Ohm GbR erhalten jeweils 1.000 Euro für ihre Handwerksbetriebe. Jan Brügge hat die Jury mit einem vorbildlichen Gründungsprozess überzeugt. Der junge Unternehmer hat erst im letzten Jahr seinen Meistertitel erworben und sich direkt im Anschluss, im April 2016, mit einer kleinen Werft selbstständig gemacht. Der junge Unternehmer bietet mit seinem Team alle Dienstleistungen rund um das Boot, vom klassischen Bootsbau über Yachtservice bis hin zur Lösung individueller Probleme an. Seinen Businessplan hat Jan Brügge dabei so gut durchdacht und umgesetzt, dass innerhalb eines Jahres sechs neue Arbeitsplätze – darunter drei Ausbildungsstellen – geschaffen werden konnten.

Den zweiten Sonderpreis erhielt Hans-Hermann Ohm für seine Idee und Umsetzung, Lehrlinge aus Uganda auszubilden. Aktuell beherbergt Hans-Hermann Ohm einen jungen Auszubildenden und trägt die gesamten Kosten der Ausbildung sowie des Sprachunterrichts. Der Unternehmer reist regelmäßig nach Uganda, um durch handwerklichen Know-how-Transfer Entwicklungshilfe beim Aufbau von Häusern zu leisten.

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz zeigte sich von den Bewerbungen der Unternehmen beim VR-Förderpreis beeindruckt. „Sie bestätigen meine Eindrücke, die ich im Sommer unter anderem bei meiner Tour durch die Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Lübeck gewonnenen habe. Unsere Handwerksfirmen sind aktiver und dynamischer Bestandteil unserer Volkswirtschaft und verbinden traditionelle Fertigkeiten mit modernen Technologien.“

Und so berichtet der sh:z 

Mehr Gäste, mehr Übernachtungen, mehr Investitionen: Tourismus auf Rekordpfad

Tourismustag 2017 mit viel Rückenwind durch Top-Zahlen – und vielen Ideen für die Zukunft

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«Supersituation, hervorragendes Jahr, Grund zum Feiern heute, aber nicht zum Ausruhen» – so beschrien Tourismusminister Bernd Buchholz am Nachmittag vor den knapp 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim Tourismustag 2017 in Neumünster die Lage für den Tourismus im Norden. «2017 wird wieder ein Rekordjahr für den Tourismus in Schleswig-Holstein sein», so der FDP-Politiker. Erstmals werde bei den Übernachtungen die Marke von 29 Millionen übertroffen. Im Vorjahr waren es zum ersten Mal mehr als 28 Millionen. Da die amtliche Statistik nur Beherbergungsstätten mit mindestens zehn Betten erfasst, liegt die Gesamtzahl noch weit höher.

Von Januar bis September verbuchte das Land ein Übernachtungsplus zum Vorjahr von 5 Prozent. Die benachbarten Konkurrenten Niedersachsen (plus 2 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 1,9) konnten mit dieser Dynamik nicht mithalten.

Buchholz sagte bei der Pressekonferenz im Gespräch mit Andreas Otto (RSH) – Audio starten „in Browser anhören“

Schleswig-Holstein sei seit Jahren mit einer sehr vernünftigen Tourismusstrategie unterwegs, sagte Buchholz im Blick auf seinen Vorgänger Reinhard Meyer (SPD), der als Präsident des Deutschen Tourismusverbandes in Neumünster dabei war. Dort berieten die knaoo 400 Experten über diverse Themen der Branche und neue Konzepte.

Der Tourismus im Land boome zwar auch deshalb so stark, weil Länder mit problematischer Sicherheitslage für viele Menschen als Urlaubsziel wegfielen, räumte Buchholz ein. Dennoch nehme der Norden im Bundesvergleich eine höchst erfreuliche Entwicklung. Besonders positiv sei die gestiegene Auslastung in der Nebensaison. Weitere Reserven sieht der Minister im Binnenland, beim Fahrradtourismus, in der Digitalisierung und bei der Barrierefreiheit. Bei einer älter werdenden Gesellschaft bekommt aus seiner Sicht das Zusammenspiel von Gesundheitswirtschaft und Tourismus einen wachsenden Stellenwert.

Die Tourismusbetriebe sind weiter in guter Stimmung, auch wenn das aktuelle Konjunkturbarometer der IHK zum herausragenden Vorjahreswert etwas gefallen ist. Größtes Geschäftsrisiko für die Unternehmen sei der seit Jahren bestehende Fachkräftemangel, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein, Björn Ipsen.

Gerade die jetzige Boomphase sei der richtige Zeitpunkt, über die langfristige Entwicklung nachzudenken, sagte der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Jörn Klimant. «Dazu gehört vor allem, dass alle Betriebe und Akteure in die Zukunft investieren, um das Tourismusland Schleswig-Holstein auch weiterhin attraktiv zu halten.»

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Gesichter des Tourismustages 2017: Neben TV.SH-Chef Jörn Klimant (l.) und  DTV-Präsident Reinhard Meyer (2.v.l) waren auch die neue Geschäftsführerin der TA.SH, Bettina Bunge (3.v.l.) und deren Vor-Vorgänger Armin Dellnitz (4.v.l.) dabei.

Und so berichten LN und KN:


 

Tourismusbranche trifft sich heute in den Holstenhallen 

Buchholz und IHK-Chef Ipsen eröffnen SH-Tourismustag 2017 in den Holstenhallen…

Tourismusminister Bernd Buchholz wird heute den Tourismustag 2017 in den Holstenhallen eröffnen. Motto: Tourismus in Schleswig-Holstein – Einblicke und Inspirationen. 

Schleswig-Holstein gehört bundesweit zu den beliebtesten Urlaubszielen. Gäste- und Übernachtungszahlen steigen im Bundesvergleich überproportional und das Wachstum findet auch außerhalb der Saisonzeiten statt.

Bei den Übernachtungen konnte 2016 erstmals die Marke von 28 Millionen geknackt werden. Die Branche befindet sich in einem sehr dynamischen Markt. In Megatrends wie Mobilität, Individualisierung, Neo-Ökologie äußern sich die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Reisenden weltweit. Neben spannenden Vorträgen und Workshops erwarten Die Teilnehmer jede Menge Best Practice-Beispiele, die praxisnahe Einblicke gewähren und Inspirationen schenken sollen.

Beginn heute 9:30 Uhr, Holstenhallen Neumünster GmbH, Justus-von-Liebig-Str. 2-4, 24537 Neumünster.

Land und Tagesspiegel laden heute zum Kongress Future Energy

Über 100 Forscher debattieren in Kiel über die Energieformen der Zukunft

Auf einem Kongress in Kiel präsentieren 100 Wissenschaftler aus Schleswig-Holstein am Mittwoch (09.40 Uhr) ihre neuesten Forschungen zum Komplex Energie. Sie halten vor mehreren hundert Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft jeweils dreiminütige Vorträge. Zu den Teilnehmern des Kongresses «Future Energies» sprechen auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Veranstalter ist die Berliner Zeitung «Der Tagesspiegel», der das Format entwickelt hat und den Kongress gemeinsam mit dem Land Schleswig-Holstein ausrichtet.

Initiative von Hamburg und Schleswig-Holstein für mehr Landstrom in deutschen Häfen

Nord-Wirtschaftsminister bringen Antrag zu mehr Luft-Reinhaltung in Hafenstädten durch Landstrom durch

Mit klarer Mehrheit wurde am Nachmittag auf der so genannten Amtschefkonferenz der Wirtschaftsminister in Berlin ein von Hamburg und Schleswig-Holstein getragener Antrag gebilligt, durch verstärkten Einsatz von Landstrom in den deutschen Häfen mehr zur Reinhaltung der Luft beizutragen. Adressat des Antrags, mit dem sich die Wirtschaftsminister kommendes Jahr auch bei ihrer Frühjahrskonferenz beschäftigen werden, sind der Bund und die Europäische Union.

Buchholz sagte nach dem Votum (Audio starten – „in Browser anhören“):

Ziel des Antrags ist laut Buchholz vor allem eine spürbare Reduzierung von Emissionen von Schiffen während der Liegezeiten von Frachtern wie Passagierschiffen. Die ökonomischen Rahmenbedingungen könnten vor allem durch eine Reduzierung der staatlichen Preisanteile am Landstrom verbessert werden, so Buchholz.

Schleswig-Holstein habe in der Konferenz zudem angeregt, bei der Reduktion von Emissionen aus der Schifffahrt einen technologieoffenen Ansatz zu verfolgen. Neben Landstrom kämen auch alternative emissionsmindernde Verfahren wie etwa Methanol-, LNG- oder Hybridantriebe in Frage. Zudem seien EU-und Bundesförderprogramme nötig, um den zügigen Ausbau der erforderlichen Netzinfrastruktur zu erreichen.

Um Wettbewerbsnachteile für deutsche Häfen zu verhindern, besteht nach den Worten des Ministers auch Handlungsbedarf auf europäischer Ebene. Die Bundesregierung sei deshalb insbesondere von den Küstenländern gebeten worden, sich bei der EU für gleiche Bedingungen in allen EU-Häfen einzusetzen. „Ich bin zuversichtlich, dass ein gemeinsames Vorgehen zum Erfolg führen wird. Bei allen Lösungen sind die Interessen der Hafenbetreiber, der Reedereien genauso zu berücksichtigen wie das Interesse der Bevölkerung in Hafenstädten an gesunder, schadstoffarmer Luft“, so Buchholz.

 

Buchholz nach Kabinetts-Entscheidung: Wir behalten die Regie über unsere Bundesstraßen

Land behält sein Bundesstraßen-Netz in eigener Regie – Buchholz: Klarheit für die 1400 Mitarbeiter des LBV-SH.

Das 1.533 Kilometer umfassende Netz an Bundesstraßen in Schleswig-Holstein wird zum allergrößten Teil in der Regie des Landes bleiben. Die Landesregierung hat sich heute  dafür entschieden, ab dem Jahr 2021 lediglich die rund 544 Kilometer Autobahnen im Land in die Obhut der künftigen Bundesinfrastruktur­gesell­schaft zu geben. „Rheinland-Pfalz und Niedersachsen haben diese Entscheidung bereits ebenfalls getroffen – die anderen Flächenländer werden absehbar geschlossen folgen. Und das aus gutem Grund. Denn damit behalten wir den Einfluss auf einem der wichtigsten Teile unserer Straßen-Infrastruktur im Land statt ihn zentral von Berlin aus oder einem anderen Ort außerhalb Schleswig-Holsteins verwalten zu lassen“, sagte Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz.

Buchholz sagte im Gespräch mit dem NDR Schleswig-Holstein-Magazin (heute Abend, 19.30 Uhr) unter anderem („Anhören im Browser“ klicken):

Er sei vom Kabinett beauftragt worden, mit dem Bund gleichwohl Gespräche über die Abgabe einiger Bundesstraßen-Abschnitte aufzunehmen. Dabei handele es sich beispielsweise um solche Strecken, die mittel- und langfristig ohnehin zu Autobahnen ausgebaut würden – etwa die B 404 – oder die aufgrund ihrer besonderen Nähe zu Autobahnen vom Bund deutlich effizienter zu verwalten seien als vom Land. Ein Überblick über die potenziellen Streckenabschnitte: hier

ohne ÜberschriftNach den Worten Buchholz sei die Kabinetts-Entscheidung vor allem eine gute Nachricht für die rund 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH). „Sie und ihre Familien sind während der letzten anderthalb Jahre durch die Diskussion im Nachgang zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen stark verunsichert und der LBV.SH dadurch auch ein Stück geschwächt worden“. Der jetzige Beschluss sorge für das nötige stabile Fundament für den Landesbetrieb, um den dringend nötigen Ausbau des Straßennetzes und dessen Sanierung entschlossen voranzutreiben.

Wie Buchholz weiter sagte, werde er sich dafür einsetzen, die bisherige Unwucht bei der Finanzierung von Bundes­straßen-Projekten zu mindern, die in Schleswig-Holstein jährlich mit bis zu 50 Millionen Euro Baukosten zu Buche schlagen. Buchholz: „Hintergrund ist, dass die Länder für Planung und Bauaufsicht lediglich drei Prozent der Kosten erstattet bekommen, der Bund selbst aber von einem Bedarf von 18 Prozent der tatsächlichen Kosten ausgeht.“ Schon im Februar sei deshalb über den Bundesrat eine Neufassung der gesetzlichen Grundlage vorgeschlagen worden – aber am Widerstand des Bundes gescheitert.

Buchholz bei der Pressekonferenz:

Im Wirtschaftsausschuss am 6. Dezember war die Bundesstraßen-Entscheidung ebenfalls Thema, dabei sagte Buchholz gegenüber den Abgeordneten…

(Audio starten – „in Browser anhören“)

TASH-Chefin möchte mehr Touristen aus dem Ausland für den echten Norden erwärmen

Der echte Norden bleibt im Tourismus-Hoch. SH wird bald 30 Millionen Übernachtungsgäste im Jahr zählen

Schleswig-Holstein wird ein großes Ziel im Tourismus – 30 Millionen Übernachtungsgäste im Jahr – wahrscheinlich viel früher erreichen als geplant. «Es zeichnet sich ab, dass wir dieses für 2025 angepeilte Ziel schon vorher schaffen werden», sagt die neue Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur, Bettina Bunge. Auch Tourismus-Minister Bernd Buchholz ist entsprechend zuversichtlich: In 2016 habe das nördlichste Bundesland erstmals mehr als 28 Millionen Übernachtungen von Touristen verbucht. Da die Statistik aber nur Beherbergungsstätten mit mindestens zehn Betten erfasst, liege die Gesamtzahl noch weit höher. Dieses Jahr werde Schleswig-Holstein mit einem Plus von etwa fünf Prozent abschließen. 

«Trotz der positiven Entwicklung haben wir weiterhin wichtige Aufgaben im Tourismusmarketing», sagt Bunge (50), die seit 1. November im Amt ist. Die Marketing- und Tourismusexpertin leitete vorher acht Jahre lang die Dachmarketingorganisation in Dresden. Für den Norden nennt die Diplom-Kauffrau als Schwerpunkte: Mehr Auslandsmarketing, mehr digitales Marketing, mehr Kongressakquise, mehr Kooperation im Land und darüber hinaus.

Bunge möchte mehr ausländische Touristen anlocken. Bisher kommen nur 6,5 Prozent der Übernachtungsgäste aus anderen Ländern. Obwohl die Dänen klar vorn liegen (671 000 Übernachtungen 2016), sieht Bunge gerade bei den Nachbarn Reserven. «Wir könnten sie noch besser in ihrer Landessprache auf Veranstaltungen, Shoppingmöglichkeiten und Kulinarikangebote hinweisen», sagt Bunge. Einen Facebook-Kanal in dänischer Sprache hat die Tourismus-Agentur mittlerweile und eine Online-Kampagne gemeinsam mit norddeutschen Partnern ist gestartet. Auslandsmarketing macht die TASH auch in der Schweiz und in Österreich, Aktivitäten in anderen Märkten sind geplant.

Bunge will auch mit regionalen und lokalen Tourismusgesellschaften intensiver zusammenarbeiten, um sich im Marketing besser zu ergänzen und gezielter Gäste anzusprechen. Gleiches gelte für die länderübergreifende Werbegemeinschaft Deutsches Küstenland. «Den Namen Schleswig-Holstein kennen im Ausland bei weitem nicht alle, schon die Aussprache ist international eine Herausforderung.»

Sie wolle Schleswig-Holstein auch als Tagungs- und Veranstaltungsort bekannter machen, sagt Bunge. Bisher stellten Geschäftsreisende nur geschätzt 10 bis 15 Prozent der Übernachtungsgäste. Gerade für Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern habe das Land viel zu bieten, auch mit Messehallen und Schlössern. Zudem seien Firmenevents am Strand attraktive Alternativen zu Angeboten in Großstädten.

Mit der anfangs umstrittenen Landesdachmarke «Der echte Norden» hat sich die gebürtige Lüneburgerin schnell angefreundet. «Der Slogan ist mutig, weil er polarisiert, aber sehr authentisch und glaubwürdig», sagt Bunge. Sie lobt auch, wie konsequent die Marke für das ganze Land umgesetzt werde. Dass Schleswig-Holstein seine Spitzenstellung im Glücksatlas der Deutschen auch mit einer Glückskampagne für Tourismuswerbung nutzt, ist für Bunge nur konsequent. «Die Menschen wollen auf Reisen ja glücklich sein und auf glückliche Menschen treffen.» Bunge ist glücklich darüber, dass die Agentur mit ihren 14 Beschäftigten vom Land ein höheres Budget bekommt. Es soll 2018 um eine halbe Million auf 2,3 Millionen Euro wachsen.

Obwohl sie ihr bisheriges Berufsleben in Hessen, Hamburg und Sachsen verbracht hat, ist Schleswig-Holstein für Bunge kein Neuland. «Als kleines Kind war ich auf Amrum und in Scharbeutz, und von Hamburg aus bin ich oft hierher gefahren, ob nach Sylt, an den Plöner See, Schloss Gottorf oder nach St. Peter-Ording», sagt Bunge. «Ein paar Orte und Inseln kenne ich noch gar nicht – und die erste Wattwanderung auf die Halligen steht auch noch aus.» Fremd fühle sie sich gar nicht. «Ich mag die Menschen hier, das Freundliche, Nette und sehr Herzliche», sagt Bunge. «Ich hoffe, hier so lange wie möglich zu bleiben.» Zunächst hat sie einen Vertrag über drei Jahre.

Buchholz: Unsere Werften haben mit „old economy“ nichts mehr gemeinsam

Buchholz nach Werftentour: Eine High-Tech-Branche mit den richtigen Nischen und einer stabilen Auftragslage

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Buchholz an Bord des Nobiskrug-Schleppers „Bagalut“                  Fotos: Haase & Nobiskrug GmbH

Wie wetterfest sind die Werften in Schleswig-Holstein aufgestellt? Wie steht es um den Fachkräftenachwuchs? Und wo könnten Politik und Verwaltung noch für bessere Rahmenbedingungen sorgen?

Text02Fünf Monate nach seinem Amtsantritt hat Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz heute vier der größten Werften des Landes besucht, um sich ein eigenes Bild von der Branche zu machen. Neben dem letzten Neubaubetrieb an der Westküste, der Peters-Werft in Wewelsfleth, besuchte der FDP-Politiker die Firmen Lürssen-Kröger (Schacht-Audorf), die zu „German Naval Yards“ gehörende Rendsburger Werft Nobiskrug und die Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG). Bei der Kieler Werft tkms war Buchholz im Zusammenhang mit U-Boot-Großaufträgen bereits im Sommer zu Gast.

Am Rande seines Besuchs von Lürssen-Kröger und Nobiskrug sagte Buchholz weiter (Audio starten – „im Browser anhören“)

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Buchholz mit Kröger-Lürssen-Chef Meier

„Der Schiffbau bildet zweifellos nach wie vor den Kern unserer maritimen Wirtschaft in Schleswig-Holstein – und zwar als eine High-Tech-Industrie, die mit ihren rund 5000 Beschäftigten und Jahresumsätzen von durchschnittlich 1,5 Milliarden Euro den Vergleich mit der Luft- und Raumfahrtindustrie keineswegs zu scheuen braucht“, sagte der Minister am Abend nach seiner letzten Station in Flensburg. Auch die Auftragslage sei in allen Fällen  überaus stabil – sowohl im Neubau als auch im Reparaturgeschäft. Und teils auch „spektakulär“, so Buchholz mit Blick auf die derzeitige Restaurierung der Viermastbark „Peking“ in Wewelsfleth.

Die FSG gab bei Buchholz Besuch unterdessen bekannt, dass die Werft vom norwegischen Mutterkonzern Siem endgültig den bereits im Sommer avisierten Auftrag für zwei weitere RoRo-Schiffe erhalten habe. Zusammen mit den vier bereits bestehenden Ro-Ro-Aufträgen und dem Bau zweier Fähren für einen französischen Kunden sei die Auslastung damit bis Mitte 2019 gesichert. Laut FSG-Chef Rüdiger Fuchs können damit die Auszubildenden und Angelernten der Werft für zunächst 18 Monate übernomnen werden. Die FSG war 2014 in schweres Fahrwasser geraten und von Siem übernommen worden. Nach den Worten von Buchholz sei der Sanierungsprozess, den das Land mit Bürgschaften von rund 38 Millionen Euro stützt, noch ein weiter Weg.

Buchholz sagte dazu (Audiopfeil klicken)

Nach den Worten von Buchholz hätten alle Betriebe durch frühzeitige Spezialisierungen – angefangen von besonders umweltfreundlichen RoRo- und RoPax-Fähren in Flensburg bis hin zu einzigartigen Megayachten aus Rendsburg, Kiel und Wewelsfleth – rechtzeitig ihre Marktnischen gefunden und sich trotz des hohen Wettbewerbsdrucks erfolgreich darin behauptet. „Man erkennt, dass hier nahezu überall etwas für den Weltmarkt produziert wird, das die Kunden in so hoher Qualität woanders nicht bekommen“, sagte er im Gespräch mit Lürssen-Chef Uwe Meier und Nobis-Chef Holger Kahl. Bei Nobis befindet sich derzeit unter anderem eine Glasyacht im Bau. Buchholz: „Die Expertise, die zu solchen marktführenden Positionen im Bereich der Yachten geführt hat, ist aus meiner Sicht geradezu sensationell.“

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Am Kai der Werft Nobiskrug: Buchholz mit Geschäftsführer Holger Kahl (links), der angehenden Industriekauffrau Wencke Busch und Schiffsbetriebstechniker Marco Scharbau

Von der hohen Ausbildungsbereitschaft der Werften konnte sich der Minister bei den Azubis der Rendsburger Nobiskrug-Werft direkt überzeugen: Sie holten ihn bei der Lürssen-Kröger-Werft mit dem Werksschlepper „Bagalut“ ab. Der im Juli in Dienst gestellte 12-Meter-Kraftprotz war innerhalb von zwei Jahren von angehenden Schiffbauern und Auszubildenden anderer Gewerke in Eigenregie konzipiert und gebaut worden. „Einfach toll und überaus vorbildlich, dass die Geschäftsleitung ein solches Lern-Projekt zugelassen und unterstützt hat“, sagte Buchholz, der zugleich Arbeitsminister in Schleswig-Holstein ist.

TextMit Blick auf die Rolle der Werften für den gesamten Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein erinnerte der Minister an die starke Zulieferindustrie: „Immerhin tragen zu rund 70 Prozent der Wertschöpfung beim Bau eines modernen Schiffes die Zulieferfirmen bei.“

Vom Land werden die Werften vor allem durch das Förderprogramm „Innovativer Schiffbau“ unterstützt, das eine Förderung der industriellen Anwendung von Produkten und Verfahren beim Neubau, Umbau und bei der Reparatur von Schiffen ermöglicht. „Die Förderung mindert damit die hohen technischen und wirtschaftlichen Risiken der Werften beim Bau von Prototypen, die im Schiffbau immer zugleich auch kommerziell verwertet werden müssen“, so Buchholz. Ein aktueller Förderschwerpunkt sei derzeit die Entwicklung und Implementierung umweltfreundlicher Antriebe. So wurde beispielsweise der Bau einer der ersten LNG-getriebenen Passagierfähren in Schleswig-Holstein gefördert. Im laufenden Jahr hat Schleswig-Holstein knapp drei Millionen Euro an Innovationsförderung an die landeseigenen Werften ausgezahlt.

Und so berichtet der sh:z 


Geringe Hürden für freihändige Vergaben und beschränkte Ausschreibungen gelten fort

Öffentliche Aufträge mit weniger Bürokratie: Buchholz verlängert erleichterte Vergaberegeln

Maurerarbeiten an öffentlichen Gebäuden können auch auch weiterhin bis 100.000 Euro Auftragsvolumen freihändig vergeben werden

Schleswig-Holsteins Firmen können auch weiterhin von einer erleichterten Vergabe öffentlicher Aufträge profitieren. Wie Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz heute (30. November) in Kiel bekannt gab, tritt zum 1. Dezember eine entsprechende Änderung der Schleswig-Holsteinischen Vergabeverordnung (SHVgVO) in Kraft.

Danach können auch in Zukunft Bauleistungen der öffentlichen Hand unterhalb eines Auftragswertes von 100.000 Euro freihändig vergeben und unterhalb eines Auftragswertes von einer Million Euro beschränkt ausgeschrieben werden. Auch Liefer- und Dienstleistungen unterhalb eines Auftragswertes von 100.000 Euro können ohne Begründungsaufwand freihändig vergeben oder beschränkt ausgeschrieben werden. Die Fristverlängerung gilt zunächst bis zum 1. Oktober kommenden Jahres.

Wie Buchholz sagte, stelle die Regelung eine erhebliche bürokratische Erleichterung sowohl für Behörden als auch für kleine und mittelständische Unternehmen dar. „Beide Seiten profitieren: Die Vergabestellen können mit schlanken Verfahren arbeiten. Und die heimische Wirtschaft spart sich unnötige Bürokratie. Aufträge können so schneller vergeben und zügiger umgesetzt werden.“