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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Buchholz und Kollegen fordern vom Bund mehr Engagement für Mittelstand und Infrastruktur

Buchholz mit Amtskollegen aus NRW und Rheinland-Pfalz vor der Bundespressekonferenz

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FDP-Wirtschaftsminister Wissung (Rheinland-Pfalz); Pinkwart (NRW) und Buchholz

Die FDP-Wirtschaftsminister aus drei Bundesländern haben sich für eine Stärkung von Firmengründungen sowie des Mittelstandes in Deutschland ausgesprochen. Die Ressortschefs aus Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen forderten heute in Berlin zudem eine Beteiligung des Bundes an der beruflichen Bildung zum Abbau des Fachkräftemangels sowie zusätzliche Milliarden für Investitionen in die Infrastruktur.

Wie Buchholz sagte, wolle er – ebenso wie seine beiden Kollegen – die Investitionen des Bundes in die Verkehrsinfrastruktur erhöhen, um vor allem die jahrelange Unterfinanzierung zu beenden. „Der Bund muss deutlich mehr Mittel für Verkehrswege bereitstellen. Und das nicht nur für Bundesautobahnen oder -fernstraßen, sondern auch für den schienengebundenen ÖPNV. Wir wollen zudem, dass der Bund in den nächsten 20 Jahren jeweils zwei Milliarden Euro in einen Fonds zur Sanierung der Verkehrsinfrastruktur einzahlt. Denn Kommunen und Länder können den Sanierungsstau bei ihren Verkehrswegen nicht allein beheben“, so der Minister

Buchholz erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass die Jamaika-Kooalition in Kiel gerade die Weichen für eine Aufstockung der Mittel beim Landesstraßenbau gestellt habe. „Wir werden jedes Jahr 90 Millionen Euro in den reinen Erhalt unseres Landesstraßennetzes investieren – im Vergleich zu Investitionen früherer Jahre nahezu eine Vervierfachung der Mittel.“

Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes warf Buchholz der Bundesregierung vor, die Förderung von Forschung und Entwicklung vernachlässigt zu haben. Nötig seien ein Fördervolumen von drei bis vier Milliarden Euro sowie Steueranreize. Der Mittelstand müsse bei der Bürokratie entlastet werden – etwa bei Aufzeichnungspflichten für den Mindestlohn oder Vorgaben bei Ausschreibungen. Bei der Energiewende müssen aus Sicht von NRW-Minister Andreas Pinkwart Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit stärker in den Fokus rücken. Nicht nur für den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase seien Zielvorgaben nötig, sonder auch für eine sichere Stromversorgung

Aus Sicht von Volker Wissing (Rheinland-Pfalz) gibt es in Deutschland zu wenig Risikokapital für Firmenneugründungen vor allem in der digitalen Wirtschaft. Ein Ärgernis sei, dass Gewinne und Verluste von Kapitalgebern steuerlich ungleich behandelt würden. Investitionen müssten erleichtert und Klarheit beim Urheber- und Datenschutzrecht geschaffen werden. Mit Blick auf den Fachkräftemangel sagte Wissing: «Auf uns rollt da ein enormes Problem zu.» Das Kooperationsverbot, das dem Bund eine Beteiligung an der Bildungspolitik der Länder verbietet, müsse fallen.

Ausbau der B 404 zur A 21 geht zügig weiter – „Siedler“ in Barmissen feiern „Bergfest“

A-21-Ausbau: „Bergfest“ in Barmissen – Buchholz und LBV-SH-Chef Conradt legen  Zeitplan vor

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A-21-Baustelle zwischen Nettelsee und Löptin: Bis Jahresende sollen hier die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sein – der Weiterbau Richtung Kiel ist in Planung

Anlässlich eines „A-21-Bergfestes“ des Arbeitskreises Siedlungsentwicklung in Barmissen im Kreis Plön haben Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz und der Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH), Torsten Conradt, heute abend den weiteren Zeitplan erläutert. Nachdem seit April Baureife für den A-21-Abschnitt zwischen Nettelsee und dem Barkauer Land vorliegt und der Bund Ende Juni die rund 65 Millionen Euro zur Realisierung zur Verfügung gestellt hat, werden nun vom LBV-SH die Personalressourcen aufgestockt. „Zusätzliche Stellen für Fachkräfte sind bereits ausgeschrieben“, sagte Buchholz, der den Ausbau der B 404 zur A 21 in Richtung Kiel zum Pilotvorhaben des Landes in Sachen Planungsbeschleunigung erklärt hat.

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Conradt

Wie LBV-SH-Chef Conradt am Abend bei der „Halbzeit“-Feier in der Alten Schmiede von Barmissen erläuterte, sieht das Konzept des Landesbetriebs  folgende weiteren Schritte vor:

  • Baubeginn der Straßenbrücke im Zuge der Kreisstraße 10 über die A 21 im Herbst 2018.
  • Rodungsarbeiten des Bewuchses im Baufeld des Bauwerks im Zeitraum zwischen Oktober 2017 und Februar 2018.
  • Schaffung von sogenannten Lerchenfenstern (bewusst angelegte Fehlstellen in landwirtschaftlicher Nutzfläche, auf den die Feldlerche Lande- und Brutplätze sowie genügend Futter findet) als artenschutzrechtliche Auflage.

Der Straßenbau soll in zwei Bauabschnitten erfolgen: Neubau neben der B 404 bei Kirchbarkau und Ausbau der B 404 von Kirchbarkau bis Nettelsee.

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Buchholz

Um Klagen abzuwenden, hatte das Land unter anderem zugestimmt, die rund sechs Kilometer lange Ortsverbindungsstraße zwischen den Gemeinden im Barkauer Land um einen halben Meter auf sechs Meter zu verbreitern. Dazu ist laut Conradt ein Planänderungsverfahren nötig. Als Ersatz für den heute bestehenden Radweg entlang der B 404 zwischen Klein Barkau und Nettelsee wurde zudem die Herrichtung eines 3,6 Kilometer langen Geh- und Radwegs als Spurplattenweg zugesagt, der zum Teil auch neu gebaut wird. Die planerischen Arbeiten werden jetzt aufgenommen.

Nach Einschätzung von Conradt und Buchholz werden die wesentlichen Arbeiten am derzeit noch im Bau befindlichen Abschnitt zwischen dem Depenauer Moor und Löptin Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für den Folgeabschnitt bis Nettelsee sind rund zwei Jahre veranschlagt.

Auch nach Abzug von Sondereffekten: Industrie in SH legt beachtliches Halbjahresergebnis vor

Industrie-Umsätze im Norden auf dem Vormarsch – Buchholz: Grund zu vorsichtigem Optimismus

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Die größeren Industriebetriebe in Schleswig-Holstein haben im ersten Halbjahr ihre Umsätze im Vorjahresvergleich um zwölf Prozent auf 16,6 Milliarden Euro gesteigert. Der hohe Zuwachs hänge auch mit der Abrechnung von Großaufträgen zusammen, teilte das Statistikamt Nord heute mit. Der Inlandsabsatz stieg um 15 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro, der Export um 7 Prozent auf 6,9 Milliarden. Die Exportquote sank minimal auf 42 Prozent.

„Auch wenn die guten Zahlen zum Teil auf Sondereffekten wie der Abrechnung von U-Boot-Aufträgen beruhen, so zeigen sie doch: unsere industriellen Kerne in Schleswig-Holstein sind erfolgreich – und vor allem ausbaufähig“, sagte Buchholz.  Diesen Schwung gilt es jetzt aufzunehmen und mit den richtigen industriepolitischen Weichenstellungen zu ergänzen.“ Als Beispiele für  interessante industrielle Perspektiven in Schleswig-Holstein nannte der Minister den Lokomotivbau mit nachhaltigen Antriebssystemen, das geplante LNG-Terminal in Brunsbüttel und die absehbaren Entwicklungen darum herum sowie die nächste Stufe der Energiewende mit Wasserstoff als chemischen Speicher für Windstrom aus Schleswig-Holstein

Umsatzstärkste Branche blieb der Maschinenbau mit 2,7 Milliarden Euro. Es folgte die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln mit 2,5 Milliarden. Die Mineralölverarbeitung, die in der Vergangenheit wegen gesunkener Preise starke Umsatzrückgänge hinnehmen musste, legte um 56 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Im Plus waren auch die chemische (1,4 Milliarden Euro) und die pharmazeutische (1,2 Milliarden) Industrie. Der «Sonstige Fahrzeugbau» – in diese Rubrik fallen auch Schiffe und Lokomotiven – verbuchte fast eine Verdopplung auf 919 Millionen Euro. Hier wirkte sich die Abrechnung von Großaufträgen im Schiffbau aus.

Im Monatsdurchschnitt des ersten Quartals arbeiteten in den erfassten 569 Betrieben mit jeweils mindestens 50 Beschäftigten insgesamt knapp 106 700 Menschen. Das waren im Vorjahresvergleich vier Prozent mehr

Land dockt Planfeststellungsbehörde noch in diesem Jahr an das Verkehrsministerium an

Für eine schnellere Straßenplanung: Land dockt Planfeststellungsbehörde im Ministerium an

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Betriebssitz Kiel des LBV-SH: Noch sitzt die Planfeststellungsbehörde hier in der Mercatorstraße

Um den Straßenausbau zu beschleunigen und die nötige Planung enger zu beglei­ten, wird die Anhörungs- und Planfeststellungsbehörde des Landes noch in diesem Jahr organisatorisch an das Verkehrsministerium angedockt. Das gaben Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz und sein Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs heute vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags bekannt. Bislang ist die 23 Mitarbeiter starke Behörde im Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) unter­ge­bracht. „Mit der Umorganisation wollen wir die Behörde nicht nur in ihrer Unabhängigkeit stärken, sondern auch direkte Verantwortung für eine angemessene Ressourcen-Aus­stattung überneh­men und damit zur Beschleunigung von Verfahren beitragen“, sagte Buchholz.

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Nebendahl

Nach Angaben von Staatssekretär Rohlfs – zugleich Amtschef der knapp 1400 LBV-SH-Mitarbeiter – sollen die organisatorischen Voraussetzungen bis zum Jahresende abge­schlossen sein. Darüber hinaus werde die  Behörde bis dahin personell aufgestockt. Um das Planfeststellungsverfahren für den Belttunnel im laufenden Prozess und bei Rechtsfragen stärker zu unterstützen, wird erstmals auch ein externer Koordinator eingesetzt. Laut Rohlfs hat der Kieler Vergabe- und Planungs­rechtsexperte Prof. Dr. Mathias Nebendahl dazu seine Bereitschaft erklärt.

rohlfs_thiloRohlfs sagte nach der Sitzung des Wirtschaftsausschusses weiter

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„Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden intensiv in den gesamten Prozess der Umorganisation einbezogen und die künftige Struktur des neuen Amtes mit ihnen gemeinsam erarbeitet“, sagt Rohlfs. Die Neuorganisation stütze sich auf die  Empfehlung von Gutachtern der Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Hintergrund sei eine bereits von der Vorgängerregierung angestoßene KPMG-Untersuchung zur strukturellen Anpassung des LBV-SH im Zusammenhang mit der geplanten Infrastrukturgesellschaft des Bundes.

„In ihrem Abschlussbericht kommen die Experten – auch nach einem Vergleich mit anderen Bundesländern – zu dem Schluss, die Anhörungs- und Planfeststellungsbehörde als ein eigenständiges Amt an das Ministerium anzubinden“, so Rohlfs. Ein wichtiger Vorteil sei die künftig deutlichere Trennung zwischen dem LBV-SH als Vorhabenträger und der Planfeststellungsbehörde. Dies, so Rohlfs, sei in der Vergangenheit immer wieder ein Konfliktpunkt bei Planverfahren gewesen, der unter anderem oft zu Befangenheitsanträgen gegen die LBV-SH-Spitze geführt habe.

Ende einer 25-jährigen Wartezeit: Gemeinde Hamberge bekommt Lärmschutz an der A 1

Nach 25 Jahren Wartezeit: Minister Buchholz ebnet Hamberge den Weg zu Lärmschutz

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Erleichtert: Buchholz und Bürgermeister Beeck nach der Vertragsunterzeichung – zuvor hatte die Gemeindevertretersitzung einstimmig grünes Licht gegeben

Der Knoten ist duchschlagen: Die Planung zur Errichtung von Lärmschutzwällen an der Autobahn A 1 im Bereich der Gemeinde Hamberge im Kreis Stormarn kann noch in diesem Jahr beginnen. Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz unterzeichnete soeben auf einer außerordentlichen Gemeindevertretersitzung der Gemeinde bei Lübeck zusammen mit Bürgermeister Paul Friedrich Beeck eine entsprechende Vereinbarung. Das Land sichert der Gemeinde darin zu, das Planfeststel­lungs­verfahren für eine Erweiterung der Lärmschutzmaßnahmen schnellstmöglich ein­zuleiten. Auf diese Weise können laut Buchholz und Beeck bis Ende des Jahres die ersten notwendigen Ausschreibungen für die Planungsarbeiten erfolgen.

Ansicht_Buchholz_088Auf die Frage, warum die Gemeinde über zwei Jahrzehnte warten musste sagte Buchholz im Restaurant Hauck

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„Ich freue mich sehr, dass wir nach jahrelanger Hängepartie eine Einigung erzielen konnten, die sowohl für das Land als auch für die Gemeinde eine planungssichere Grundlage schafft“, sagte Buchholz weiter. Auch Bürgermeister Paul Friedrich Beeck zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Wir begrüßen außerordentlich, dass die Gemeinde heute die für sie so wichtige Zusicherung der Maßnahme erhält. Somit können wir nun auch die Umsetzung des Projektes E-Highway mit allen Kräften unterstützen.“

BeeckBeeck sagte weiter

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Die Gemeinde Hamberge hatte sich seit Längerem für eine Erhöhung der Lärmschutz-wälle an der Autobahn 1 zwischen der Bundesstraße 75 und dem Autobahnkreuz Lübeck eingesetzt. Im Zusammenhang mit dem Bau einer Teststrecke für Oberleitungs-Lkw im Feldversuch E-Highway auf einem Teilstück der Autobahn 1 zwischen Reinfeld und Lübeck hatte die Gemeinde ihre Forderungen dann erneut bekräftigt.

Die nun geschlossene Vereinbarung sichert Hamberge laut Buchholz einen Rechtsanspruch auf ergänzende Lärmschutzmaßnahmen, auch über etwaige Verjährungsfristen hinaus, zu. Die Planung einer Teilanschlussstelle könnte nach Fertigstellung der Lärmschutzmaßnahmen bereits in der Zuständigkeit der geplanten neuen Infrastrukturgesellschaft des Bundes erfolgen.

 

Deutsche Reeder blicken wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft

Schifffahrtskrise – Reeder sehen Licht am Ende des Tunnels

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Frachter auf dem Nord-Ostsee-Kanal vor der Brunsbütteler Schleuse: Frachtraten und auch Schiffspreise stabilisieren sich allmählich, sagt der Verband Deutscher Reeder

Noch ist es zu früh für eine endgültige Entwarnung, aber so langsam macht sich in der Schifffahrtsbranche wieder Zuversicht breit. «Die Frachtraten und die Preise für gebrauchte Schiffe haben sich stabilisiert», sagt Alfred Hartmann, der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). Die Talsohle sei offenbar durchschritten und in zwei Jahren könnte die Branche wieder in normales Fahrwasser gelangen. «Es gibt nichts, was dagegen spricht. Wir sind keine Abbauindustrie wie die Kohleförderung», sagte Hartmann. Auch in Zukunft werde es einen wachsenden Welthandel, internationalen Warenaustausch und globale Schifffahrt geben. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz begrüßte die positiven Signale mit Blick auf die mehreren tausend Arbeitsplätze, die in Schleswig-Holstein direkt oder indirekt mit der Branche verbunden sind. «Allein am Nord-Ostsee-Kanal hängen 3500 Arbeitsplätze», so Buchholz.

Doch die hartnäckige Krise hat tiefe Spuren in der deutschen Schifffahrt hinterlassen. «Wir haben rund 1000 Schiffe verloren; allein in diesem Jahr 133», sagte der Reeder-Präsident, der die Hartmann-Gruppe im ostfriesischen Leer gegründet hat und führt. Mit 2720 Schiffen und einer Tonnage von 71 Millionen BRZ (Bruttoraumzahl) spielt Deutschland immer noch eine gewichtige Rolle unter den Schifffahrtsnationen der Welt und unterhält die viertgrößte Handelsflotte. Doch die Position war schon besser; Griechenland, Japan und China sind davongezogen. Zum Teil mit Schiffen, die von deutschen Reedern als Notverkäufe auf den Markt kamen. «Diese Schiffe sind ja leider nicht verschwunden, sondern fahren für deutlich geringe Kapitalkosten für ausländische Reeder», sagte Hartmann.

Ursache für die Branchenkrise ab 2008 waren hohe Überkapazitäten vor allem in der Containerschifffahrt, nachdem die Reeder zu viele Schiffe bestellt hatten und der Welthandel nach der Finanzkrise langsamer wuchs. Mit einigen Jahren Verzögerung führte das zu einer Konzentrationswelle bei den Linienreedereien mit Fusionen, Übernahmen und Insolvenzen. Die Hälfte der Top-20-Reedereien des Jahres 2013 ist verschwunden oder bei einem Konkurrenten gelandet.

In der deutschen Seeschifffahrt spielt die Containerschifffahrt mit einem Anteil von knapp 57 Prozent nach der Tonnage nach wie vor eine dominierende Rolle. Die deutschen Reedereien sind überwiegend im Chartergeschäft tätig; sie vermieten ihre Schiffe an die großen Linienreedereien. «Und weil die immer größer werden, ist unsere Verhandlungsmacht geschwächt», sagte Hartmann. Deshalb bleibe die Lage vorerst angespannt.

Eine Rolle spiele auch, dass sich deutsche Banken wie zum Beispiel die Commerzbank, die Deutsche Bank und die Landesbanken weitgehend aus dem Geschäft mit der Schiffsfinanzierung zurückgezogen hätten.

Sie überließen dieses Geschäft nun zunehmend Banken aus Skandinavien, Großbritannien, den USA oder auch China. «Die Reedereien müssen neue Finanzierungswege finden», sagte Hartmann. Deshalb orientierten sie sich oft ins Ausland. Auf der anderen Seite nutzten auch ausländische Reeder das in Deutschland vorhandene große Knowhow über Schiffsmanagement und ließen ihre Schiffe von deutschen Reedereien betreuen. Das sei für die deutsche Schifffahrt ein neues Geschäftsmodell.

Stellenabbau bei TKMS: An Kiel geht der Kelch vorbei

ThyssenKrupp Marine Systems schließt Standort Emden. Standort Kiel nicht betroffen

TKMSDie Kieler Werft von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) ist von dem angekündigten Stellenabbau des Konzerns nicht betroffen. Das sagte ein Sprecher des Unternehmens. Zuvor hatte die Konzernspitze Wirtschaftsminister Buchholz informiert. TKMS wird seinen Standort in Emden (Niedersachsen) mit 220 Mitarbeitern schließen.

Alle Beschäftigten in Emden bekämen aber Arbeitsplatzangebote an anderen Standorten, sagte der Sprecher weiter. In Frage kommen wohl Bremen, Hamburg und die Kieler TKMS-Werft, die als U-Boot-Schmiede internationales Ansehen genießt.

Die Unternehmensleitung informierte heute die Belegschaft in Emden auf einer Betriebsversammlung. Gewerkschafter und Betriebsräte kritisierten laut Deutscher Presse-Agentur, dass fast alle Fragen offen geblieben seien. Am Donnerstag hatte ThyssenKrupp angekündigt, in Deutschland in der Sparte Industrial Solutions zusätzlich bis zu 1000 Stellen in Deutschland zu streichen. Insgesamt sei weltweit der Abbau von bis zu 1500 Stellen in den kommenden drei Jahren geplant. «Kurzfristiger Fokus der Maßnahmen sind vor allem der Großanlagen- sowie der Marineschiffbau, die durch geringen Auftragseingang in den vergangenen Jahren von Unterauslastung und geringer Profitabilität besonders stark betroffen sind», hieß es in einer Mitteilung.

Die Kieler Werft hat laut Konzern rund 2800 Mitarbeiter. Die Hamburger TKMS-Niederlassung – wie Emden vor allem ein Engineering-Standort – hat etwa 540 Beschäftigte. Seit diesem Jahr gehört auch Atlas Elektronik in Bremen zu ThyssenKrupp. Die Umstrukturierung sei Folge des verschärften Wettbewerbsdrucks bei einer steigenden Nachfrage nach Marineschiffen, begründete ThyssenKrupp die Pläne.

TKMS-Geschäftsführer Rolf Wirtz äußerte Verständnis, dass für die Mitarbeiter viele Unwägbarkeiten entstünden. Das Unternehmen wolle und könne auf die qualifizierten Mitarbeiter nicht verzichten. «Die strategische Entscheidung ist jedoch nötig, um in einem harten Wettbewerb auch in Zukunft bestehen zu können», so Wirtz. TKMS Emden mit Technikern und Schiffskonstrukteuren ist der letzte Unternehmensteil von ThyssenKrupp auf der ehemaligen Traditionswerft Nordseewerke.

Helgoländer Wirtschaftsforum rückt SH erneut in den Blickpunkt einer Zukunftsbranche

Buchholz bei Helgoländer Wirtschaftsforum: Branche vereint Ökologie und Ökonomie

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Hochkarätig besetzt: Singer begrüßt die 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums

Am Nachmittag ist das 6. Wirtschaftsforum Offshorewind (WFO) auf Helgoland zuende gegangen, auf dem über 90 hochrangige VertreterInnen aus Politik und Wirtschaft über aktuelle Entwicklungen diskutierten

Nach den Worten von Gastgeber Jörg Singer, Helgolands Bürgermeister, blickt die Branche auf ein ereignisreiches Jahr zurück. In der deutschen Nord- und Ostsee gingen in den letzten Jahren 1.000 Offshorewind-Anlagen in Betrieb und versorgen heute rund fünf Millionen Haushalte mit Strom. Erstmals verzichtet ein Windparkprojekt auf EEG-Förderungen. Die Branche wächst europaweit. Hier beläuft sich die installierte Kapazität in der ersten Jahreshälfte 2017 rd. 16 Gigawatt. Die höchsten Wachstumsraten in den nächsten Jahren werden allerdings in Ländern wie China und Taiwan erwartet.

Ansicht_Buchholz_088Buchholz sagte zu dem Forum:

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Lob erfährt die Branche auch von Enak Ferlemann, Parlamentarischer  Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, für „ihre Innovations- und in diesem Jahr unter Beweis gestellte Wettbewerbsfähigkeit“. Dies unterstreicht auch Buchholz:  „Die Branche hat es in 2017 geschafft, die Ökologie und Ökonomie zu vereinen“.

Helgoland konnte diese rasante Entwicklung „Live“ miterleben. Bis 2015 waren laut Singer zeitweise über 500 Techniker auf Helgoland zu Gast, um 208 Windkraftanlagen für die Unternehmen E.ON, Innogy und WindMW aufzubauen. Seit 2016 kehrt Normalität ein und die Touristen und Inselgäste erobern mit einem kräftigen Gästeplus von 19 Prozent in 2016 ihre Insel zurück. Für Helgolands Bürgervorsteher Peter F. Botter zeigt die Entwicklung, dass „Tourismus und Offshorewind gut zusammenpassen“. Mit einem Augenzwinkern fügt inger hinzu: „Ein Leben ohne Windkraft ist möglich, aber sinnlos“.

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Der Blick in die nahe Zukunft ist für alle Teilnehmer allerdings alles andere als rosig. Der Netzausausbau in Deutschland droht zum Flaschenhals der Energiewende zu werden. Zwar kann der Norden den Strombedarf von etwa 100 Terrawattstunden/Jahr  liefern, den der Süden dringend benötigt. Da der Strom allerdings bestenfalls erst ab 2025 von Nord nach Süd fließen kann, soll nach aktueller Gesetzlage der Ausbau der Offshorewindkraft „gedeckelt“ erfolgen. Dies führt dazu, dass die geschaffenen Produktionskapazitäten nicht genutzt werden und so Arbeitsplätze, Innovationskraft und Wettbewerb verloren gehen.

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur weist darauf hin, „dass Anlagenbau, Übertragung und Stromtransport möglichst im Einklang erfolgen müssen, damit die klima- und volkswirtschaftlichen Ziele Deutschlands“ erreicht werden können.

Die Wirtschaftsvertreter sehen großen Handlungsbedarfe für eine Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen zur Sicherstellung des kontinuierlichen Ausbaus. Möglichst kurzfristig werden sie auf die neue Bundesregierung zugehen, um ihre Lösungsvorschläge, u.a. die frühzeitige Nutzung durch freigebliebene Netzanschlusskapazitäten aus den ersten Ausschreibungsrunden, mit Berlin zu beraten.

Den Schlusspunkt der Konferenz setzte Prof. Dr. Martin Skiba, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Offshore Wind e.V. (AGOW e.V.) mit der Verleihung des Preises „Bestes Offshore Windkraftwerk in Betrieb 2016“ an Sven Utermöhlen und Dr. Thomas Michel von E.ON für das Windkraftwerk Amrumbank West. „Wir freuen uns sehr und sind stolz über diesen Preis und der Dank geht an unser Amrumbank-Team. Die Auszeichnung ist auch eine Bestätigung unserer Offshore-Betriebsstrategie, was uns auch bereits hervorragende Ergebnisse in anderen Benchmarks gezeigt haben.“, kommentierte Sven Utermöhlen, COO der E.ON Climate & Renewables GmbH, die Preisverleihung.

LBV-SH und Minister geben heute Mittag die B 76 wieder frei – Restarbeiten bis Jahresende

Ende einer Geduldsprobe: Heute, 12.30 Uhr, wird die B-76-Vollsperrung zwischen Kiel und Preetz aufgehoben

Nach gut zwei Monaten Vollsperrung und einem Umleitungsverkehr über das Rastorfer Kreuz können die Berufspendler zwischen Kiel und Preetz wieder aufatmen: Pünktlich zum Ende der Sommerferien wird Verkehrsminister Bernd Buchholz die Vollsperrung heute Mittag um 12.30 Uhr gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) wieder aufheben. Damit sind gut zehn Kilometer der Bundesstraße Grundsanierung.

Wegen Restarbeiten an der Rosenheim-Brücke sowie an der Anschluss-Stelle zur B 202 wird es aber bis zum Jahresende noch weitere leichte Verkehrseinschränkungen geben

Im kommenden Jahr nehmen die Straßenbauer dann den B-76-Abschnitt in Höhe Elmschenhagen bis zur VKP-Kleinbahnbrücke bei Kiel in Angriff.

Landesregierung stellt erste Weichen für moderne berufliche Bildung in Schleswig-Holstein

Neues SH-Institut für Berufliche Bildung (SHIBB) soll Arbeitsmarkt und Ausbildung besser verzahnen

HLA-Berufsschullehrer Frank Hinners unterrichtet hier die ersten Auszubildenden im Dialogmarketing
Berufsschullehrer Frank Hinners unterrichtet im Rahmen der dualen Ausbildung Schülerinnen und Schüler an der Flensburger Wirtschaftsschule (HLA)

Die Landesregierung stellt erste Weichen, um die Zuständigkeiten für die berufliche Bildung in Schleswig-Holstein stärker zu bündeln und damit  eine wesentliche Säule des Bildungssystems zu stärken. Wie Bildungs-Staatssekretärin Dr. Dorit Stenke und Arbeits-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs heute in Kiel erläuterten, soll bis 2020 ein eigenständiges „Schleswig-Holsteinisches Institut für Berufliche Bildung“ (SHIBB) gegründet und organisatorisch beim Wirtschaftsministerium angesiedelt werden. Ein wichtiges Ziel dabei sei vor allem, dass die Jugendlichen über die berufliche Bildung erfolgreich in den Arbeitsmarkt finden. Ein weiteres Ziel ist die Bündelung der bisher auf mehrere Ministerien verteilten Zuständigkeiten für berufliche Bildung und Weiterbildung in einem gemeinsamen Institut.

rohlfs_thiloWirtschafts-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs sagte zu dem geplanten Institut

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Um den Gründungsprozess einerseits so transparent wie möglich zu gestalten und andererseits möglichst viel Expertise einzubringen, soll laut Rohlfs und Stenke ein Beirat aus Akteuren der Beruflichen Bildung inklusive der Regionalen Bildungszentren (RBZ) und der Berufsbildenden Schulen einberufen werden, der die Gestaltung des SHIBB begleitet. In einer Auftaktveranstaltung im Herbst soll über die geplanten weiteren Schritte informiert werden.

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Dr. Dorit Stenke

Nach den Worten von Stenke und Rohlfs ist und bleibt die duale Berufsausbildung auch zukünftig das zentrale Element und die Kernaufgabe der beruflichen Bildung. Um diese zu stärken, werde die Regierung geeignete Maßnahmen ergreifen, die vor allem dem Fachkräftemangel entgegenwirken. „Dazu gehören ausdrücklich auch die vereinbarten Maßnahmen zur Verbesserung des Überganges von der Schule in den Beruf inklusive der weiteren Entwicklung von Jugendberufsagenturen“, so Rohlfs.

Wie beide Staatssekretäre weiter erläuterten, stelle die Regierung mit gleicher Deutlichkeit auch die Bedeutsamkeit der weiteren fünf Schularten der Berufsbildenden Schulen heraus und bekenne sich ausdrücklich zu deren Erhalt. So sei im Koalitionsvertrag vereinbart worden, die bereits begonnene Weiterentwicklung und Dualisierung des Übergangs­bereiches fortzusetzen. Den Weg zum Mittleren Schulabschluss mit oder ohne den Erwerb der Fachhochschulreife – zum Beispiel über die Berufsfachschulen oder die duale Ausbildung – werde das Land den Wünschen der jungen Menschen entsprechend und  bedarfsgerecht erhalten.

„Denn genau diese Bildungsgänge stellen den Fachkräftebedarf außerhalb der dualen Berufsausbildung und die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems sicher“, so Stenke. Das Berufliche Gymnasium habe in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung zugenommen und stelle einen der drei gleichwertigen Wege zum Abitur in der gymnasialen Oberstufe mit Berufsbezug in unterschiedlichen beruflichen Fachrichtungen  in Schleswig-Holstein dar.