Rückschlag für A-20 westlich der A 23: Verwaister Adlerhorst macht umfangreiche Umwelt-Nachuntersuchungen nötig
Den Planungen der A-20-Trasse westlich der Autobahn 23 bei Hohenfelde im Kreis Steinburg droht ein erheblicher Zeitverzug: Wie Verkehrsminister Reinhard Meyer heute in Kiel mitteilte, ist von Naturschutzverbänden und –behörden in der Nähe des Naturschutzgebiets „Baggersee Hohenfelde“ ein Seeadler-Horst gemeldet worden. „Der Horst war zwar offenbar zuletzt im Frühjahr 2015 von einem Brutpaar bevölkert und ist in diesem Jahr verwaist – dennoch behält er für drei Jahre den rechtlichen Status einer Brutstätte, was erhebliche Auswirkungen auf die weitere Planung dieses 15,2 Kilometer langen Abschnitts haben wird“, sagte Meyer. Die Meldung des Adlerhorstes erzwinge nun weitere umfangreiche Untersuchungen. Mit einem Planfeststellungsbeschluss sei darum nicht mehr Ende dieses Jahres zu rechnen, sondern frühestens Ende 2017, so der Minister.

Meyer sagte weiter
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Wie Meyer und der Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH), Torsten Conradt, weiter erläuterten, müssen in den kommenden Monaten vor allem zwei Fragestellungen untersucht werden:
Welche Auswirkungen hat der Standort des Adlerhorstes während der Bauphase?
- Hierbei müssen – neben der A-20-Trasse selbst – vor allem zwei geplante Areale zur Entnahme von knapp fünf Millionen Kubikmetern Sand für den Autobahnbau in direkter Nähe zum Baggersee Hohenfelde untersucht werden.
Welche Auswirkungen hat der Horst für einen dauerhaften Betrieb der A 20?
- Hierbei sind der Lärm und die visuelle Beeinträchtigung von möglichen künftigen Brutpaaren fachgutachterlich abzuklären.
Nach den Worten von Conradt wird für diese mittlerweile dritte Planänderung auf dem Streckenabschnitt auch ein erneutes öffentliches Beteiligungsverfahren nötig, dessen Ergebnisse im Planfeststellungsbeschluss zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus sind durch den Zeitverzug dann auch die Verkehrsprognosen für das Jahr 2030 zu berücksichtigen und eine neue Kartierung von Brutvögeln, Fischen, Fleder- und Haselmäusen sowie Amphibien, Reptilien, Libellen und Fließwasserorganismen vorzunehmen.
Meyer: „Da ein Baubeginn der A 20 westlich der A 7 bis Anfang 2017 laut Koalitionsvertrag ohnehin nicht vorgesehen ist, bleibt dieser erneute Planungsverzug zwar ärgerlich, ändert aber weder etwas an der dringenden Notwendigkeit der A 20 noch an unserer Entschlossenheit, dieses Projekt planerisch weiter voranzutreiben. Die A 20 ist und bleibt ein elementarer Baustein des Transeuropäischen Verkehrsnetzes und wird vor allem von der Wirtschaft im gesamten Norden zu Recht eingefordert.“
Zur Zukunft des Planungsrechts in Deutschland sagte der Minister unter anderem (Audiopfeil klicken)
Der derzeitige Planungsstand der gesamten A 20:

Nach Angaben der Stadt Pinneberg soll das Bauprojekt Ende 2018 abgeschlossen werden. Meyer: „Nachdem die Umgehung durch zahlreiche Proteste und Klagen sowie veränderte rechtliche Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren immer wieder zurückgeworfen wurde, drücken wir der Stadt die Daumen, dass sie nun auch den Nordabschnitt zu einem guten Ende bringen wird.“
Vor seiner Abreise nach Mainz führte Meyer mit RSH-Reporter Andreas Otto folgendes Gespräch:

Bei äußeren Störungen wie Verspätungen werde sich die Situation weiter verschärfen. Nägele und Fachleute der NAH.SH rechnen auch mit erheblich längeren Schließzeiten an den Bahnübergängen Tinnum und Niebüll. «Die Zuweisungen der Trassen durch die Bundesnetzagentur haben letztendlich zu der jetzigen Situation geführt», sagt Nägele. Deshalb müsse sich die Agentur aktiv an der Problemlösung beteiligen und künftig bei der Vergabe die Fahrbarkeit der Trassen rechtzeitig berücksichtigen. «Der grundsätzlich zu begrüßende Wettbewerbsgedanke im europäischen Schienenverkehr darf nicht dazu führen, dass die Insel Sylt durch ungelöste Konflikte im Bahnverkehr zeitweise faktisch stillgelegt wird.»


