Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein weiter stark im Aufwind

SH-Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand in einem Juni seit 1993

Landesgartenschau

«Der Arbeitsmarkt profitiert primär von der ausgesprochen guten konjunkturellen Lage und dem positiven Konjunkturklima», sagte heute die Regionaldirektorin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, bei der Vorstellung des aktuellen Arbeitsmarktberichts.

Ende Juni waren im nördlichsten Bundesland 90 500 Menschen ohne festen Job und damit 3,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Rückgang zum Mai des laufenden Jahres beläuft sich auf 3,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr 6,0 Prozent, nach 6,2 Prozent vor einem Jahr. Unter den Kreisen ist die Quote in Stormarn mit 3,5 Prozent am niedrigsten und in Dithmarschen mit 6,6 Prozent am höchsten. Bei den kreisfreien Städten steht Flensburg mit 8,6 Prozent am besten da und Kiel mit 9,4 Prozent am schlechtesten.

Wegen der gestiegenen Zahl von Asylbewerbern nahm die Ausländerarbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich deutlich zu. Derzeit sind 15 000 Ausländer arbeitslos gemeldet und damit 2200 mehr als im Juni vergangenen Jahres. Die Ausländerarbeitslosenquote beträgt gegenwärtig 18,4 Prozent.

«Eines der zentralen Themen auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Integration von Flüchtlingen mit gesicherter Bleiberechtsperspektive», sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. «Wir haben großes Interesse an der Eingliederung der vor Krieg und Terror geflüchteten Menschen und bieten ihnen über Qualifikationsmaßnahmen eine Perspektive in Schleswig-Holstein.» Dafür stellen Bundesagentur und Landesregierung für 1500 bis 1600 Teilnehmerplätze in diesem Jahr bis zu sechs Millionen Euro bereit.

Wie Meyer weiter sagte, hätten Land und Bundesagentur  das Programm Begleiteter Übergang für Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung (BÜFAA.SH) aufgelegt. In der ersten Förderrunde dieses Jaahres würden dafür für 1.500 bis 1.600 Teilnehmerplätze bis zu sechs Millionen Euro bereit gestellt, um Asylbewerber und Asylberechtigte oder anerkannte Flüchtlinge auf eine Einstiegsqualifizierung, eine Berufsausbildung oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorzubereiten.

Insgesamt positiv hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften entwickelt. Seit Jahresbeginn wurden 37 500 freie sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gemeldet und damit 7,9 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2015. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 2,8 Prozent auf 935 600. Besonders im Gesundheits- und Sozialwesen, bei unternehmensnahen Dienstleistungen, im Handel, auf dem Bau und im Gastgewerbe entstanden neue Jobs. Zurückgegangen ist auch die Langzeitarbeitslosigkeit, von der aber immer noch 35 000 Menschen betroffen sind.

Auch der DGB Nord freute sich über die robuste Verfassung des Arbeitsmarktes. Die gute Konjunktur werde zu zwei Dritteln von der Binnennachfrage getragen, was auch auf den gesetzlichen Mindestlohn zurückzuführen sei, sagte der Landesvorsitzende Uwe Polkaehn. «Insgesamt haben 128 000 Beschäftigte in Schleswig-Holstein etwas vom Mindestlohn.» Die bisherigen Untersuchungen zeigten, dass der Mindestlohn keine negativen Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen habe.

Über 400 Gäste bei der Einweihung des Teilchenbeschleunigers XFEL in Schenefeld

Perle der Teilchen-Forschung: European XFEL weiht Hauptgebäude in Schenefeld ein

Massimo Altarelli leitet das feierliche Durchschneiden des roten Bandes zur Einweihung des Hauptgebäudes von European XFEL in SchenefeldMassimo Altarelli leads the ribbon cutting for the headquarters building at the European XFEL research campus in Schene
Durchschneiden des roten Bandes zur Einweihung des Hauptgebäudes. Von links: Christiane Küchenhof, Reinhard Meyer, Katharina Fegebank, Prof. Dr. Massimo Altarelli, Prof. Dr. Ludmila Ogorodova, Prof. Dr. Martin Meedom Nielsen, and Dr. Beatrix Vierkorn-Rudolph

European XFEL – eine internationale Röntgenlaseranlage, die 2017 in Betrieb gehen wird – erreichte gestern einen wichtigen Meilenstein: die Einweihung des neuen Hauptgebäudes in Schenefeld. Rund 400 Gäste, aus Politik, Verwaltung und diplomatischem Korps, dem European XFEL Council sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von European XFEL und DESY, dem größten Gesellschafter und engen Kooperationspartner von European XFEL, feierten das Ereignis auf dem neuen Forschungscampus.

Mit der Einweihung des Hauptgebäudes sind die Bauarbeiten auf dem Campus der neuen Forschungsanlage zum großen Teil abgeschlossen. Das Gebäude bietet Arbeitsplätze für etwa 300 Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Verwaltungsangestellte von European XFEL sowie für die Gäste des Forschungszentrums, ebenso wie verschiedene Labors, unter anderem zur Probenvorbereitung. Ab 2017 werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Schenefeld reisen, um mit den intensiven, ultrakurzen Röntgenblitzen des European XFEL extrem schnelle Prozesse, winzige Strukturen und extreme Materiezustände zu erforschen.

Reinhard Meyer, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein während der Einweihung des European XFEL-Hauptgebäudes
Reinhard Meyer, Minister of Economic Affairs, Employment, Transport, and Technology of the State oWirtschafts- und Technologieminister Reinhard Meyer sagte: „Für unser Land eröffnet sich mit der heutigen Einweihung des Hauptgebäudes eine Riesenchance. Europäische Spitzenforschung hat hier in Norddeutschland, in Hamburg und Schleswig-Holstein, ein neues Zuhause gefunden. Wir freuen uns auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die hier nun einzigartige neue Arbeitsmöglichkeiten vorfinden werden. Wir hoffen, dass diese Anlage nicht nur die Grenze zwischen zwei Bundesländern überwindet, sondern zu einem Ort wird, an dem Wissenschaft als eine völkerverbindende, weltweite Gemeinschaft gelebt wird.“

Hier ein Bericht aus dem „Hamburger Abendblatt“zum Artikel

Ende der Bettensteuer in Flensburg – ab 2017 kommt die Tourismusabgabe 

Flensburg führt ab Januar 2017 Tourismusabgabe ein – Bettensteuer fällt weg

Flensburg verlangt vom 1. Januar 2017 an eine Tourismusabgabe von den Unternehmern in der Stadt. «Wir haben Fehlbeträge von 60 Millionen Euro und müssen uns Gedanken machen, wie wir Belastungen gerecht verteilen können», sagte Finanzbürgermeister Henning Brüggemann. Mit der Abgabe sollen diejenigen, die vom Tourismus profitieren, sich stärker an den Kosten etwa für städtische Museen beteiligen. Im kommenden Jahr will der zuvor von der Landesregierung anerkannte Tourismusort Flensburg so rund 850 000 Euro einnehmen. Die seit 2013 bestehende Bettensteuer mit einem Umfang von rund 300 000 Euro fällt dafür weg.

Für die Erhebung der Tourismusabgabe hat die Verwaltung nun einen Fragebogen für sämtliche rund 6500 Betriebe erarbeitet. Damit will die Stadt den Umsatz der Firmen abfragen und anschließend die Abgabensätze festlegen.

Wie teuer die Abgabe die einzelnen Unternehmer zu stehen kommt, ist noch offen: Außer auf den nun abgefragten Umsatz der Unternehmen kommt es in einem von der Stadt noch nicht abschließend festgelegten Vorteilssatz auch darauf an, wie sehr ein Betrieb von Touristen profitiert – eine Eisdiele am Hafen wird mehr zahlen müssen als ein Zahnarzt in einem Wohngebiet. «Je gerechter wir das System machen, desto komplexer und undurchsichtiger ist es», räumte Brüggemann ein.

Kritik an der Tourismusabgabe, mit der die Landesregierung 2014 die bis dahin gültige Fremdenverkehrsabgabe ablöste und auch für Städte wie Kiel, Lübeck oder Flensburg öffnete, kommt von Flensburger Händlern. Der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Flensburger Gilde, Jens Drews, fürchtet etwa «erhebliche Belastungen für die Kaufmannschaft», die häufig eh schon eine hohe Pacht zu zahlen habe.

Bei der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg sieht man die etwa auch in Lübeck geplante Abgabe gelassener: «Anders als die Bettensteuer ist sie ausdifferenzierter und zweckgebunden», sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Dirk Nicolaisen.

Coop SH fährt in 2015 schweren Verlust ein

Coop hat mit Plaza- und Sky-Märkten 2015 einen operativen Verlust von 7,6 Millionen Euro eingefahren.

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Darin enthalten sind Zinskosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Wie das Unternehmen mit Sitz in Kiel heute weiter mitteilte, hätten wichtige Investitionen in neue und erneuerte Verkaufsflächen das Ergebnis belastet. Der Bruttoumsatz sank um gut 17 Millionen Euro oder 1,3 Prozent auf knapp 1,26 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 9295 auf 9837.

Coop wolle seinen Kunden künftig noch mehr regionale und lokale Produkte anbieten, kündigte das Unternehmen an. Mit dem Handelsriesen Rewe, mit dem Coop bereits seit Jahren im Wareneinkauf kooperiert, soll eine gemeinsame Betreibergesellschaft mit Sitz in Kiel gegründet werden. So will sich die Genossenschaft im harten Konkurrenzkampf besser aufstellen.

Die Gesellschaft soll besonders die Sky-Märkte betreiben, aber auch die zentralen Verwaltungs- und Lagerstandorte in Kiel und in Güstrow. Das Kartellamt muss dem Joint Venture noch zustimmen. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder wuchs 2015 um 10 000 auf fast 69 000.

Coop ist mit über 200 Sky- und Plaza-Märkten – in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern präsent, aber auch in Teilen Niedersachsens und Brandenburgs.

Nägele erstaunt und verwundert über Liebing-Erklärung zum Sylter Bahnverkehr

Nägele zu Liebings Vorschlägen gegen Sylter Bahnprobleme: Pläne, die keiner kennt

Regionalbahn der Deutschen Bahn an einem Bahnübergang

In einer Presse-Erklärung erweckt der Sylter CDU-Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing heute den Anschein, dank seines Vorstoßes im Bundesverkehrsministerium komme es nun bald zu Verbesserungen der Sylter Bahnprobleme.

Zitat:Zunächst sei es gar nicht einfach gewesen, Verständnis für die besondere Sylter Problematik zu wecken. „Da war viel Überzeugungsarbeit notwendig, weil sich das kaum jemand vorstellen konnte, was sich auf der Strecke in den vergangenen Monaten an Belastungen abgespielt hat“, berichtet Liebing.

Der Durchbruch sei für ihn erkennbar gewesen, als er vor mehreren Monaten das Bundesverkehrsministerium für diese grundsätzliche Änderung gewinnen konnte. Bis dahin hatte die Schleswig-Holsteinische Landesregierung im Bundesrat nur Anträge eingebracht, die sich mit den Symptomen, aber nicht mit den Ursachen der Probleme beschäftigten, kritisiert Liebing.

Frank_NaegeleDazu erklärt Verkehrs-Staatssekretär Frank Nägele:

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SH-Tourismus laut IHK-Konjunkturumfrage auch in der Nebensaison weiter stark im Aufwind

IHK-Konjunkturumfrage bestätigt: SH auch in der Nebensaison ein gefragtes Reiseziel

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Stark im Aufwind: Die Nebensaison im SH-Tourismus trägt immer mehr zu den Erfolgszahlen bei – das bestätigt auch die IHK-Umfrage

Für den Zeitraum von November 2015 bis April 2016 liegt der Index auf einer Skala von null bis 200 bei überdurchschnittlichen 136,3 Punkten und damit noch einmal 8,9 Punkte über dem Vorjahreswert. Dieser aktuelle touristische Klimaindex für Schleswig-Holstein liegt dabei nur noch 0,2 Punkte hinter dem herausragenden Sommerergebnis von 2015 und übertrifft jenen der IHK Nord, der die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen und Bremerhaven, Hamburg und Schleswig-Holstein insgesamt abbildet, um fünf Index-Punkte.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer sagte dazu: „Die herausragenden Erfolge in der Nebensaison belegen, unser Land ist auf dem besten Weg, sich zu einer Ganzjahresdestination zu entwickeln. Dies ist eines der wichtigsten Ziele der Tourismusstrategie 2025.“ Das Wachstum in der Nebensaison habe zudem auch eine stabilisierende Wirkung auf den Arbeitsmarkt. Es unterstütze das Ziel, auch im Tourismus ganzjährige Beschäftigung zu erreichen. In den strukturschwächeren Küstenregionen sei die Tourismuswirtschaft der wichtigste Arbeitgeber. Nur durch eine Belebung der Nebensaison, also durch steigende Gäste- und Übernachtungszahlen, werde die kleinteilig strukturierte Tourismuswirtschaft in die Lage versetzt, zusätzliche und vor allem ganzjährige Beschäftigungsverhältnisse anzubieten.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) im Interview

Meyer sagte weiter
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Die Zukunftserwartungen der Unternehmer folgen der positiven Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Auch anhand der geplanten Investitionsvorhaben lässt sich eine optimistische Grundstimmung in der Branche bestätigen. Die Sorge vor dem bereits spürbaren Fachkräftemangel hat im Gastgewerbe noch weiter zugenommen und wird von den meisten Befragten als größtes Risiko für die Entwicklung der gastgewerblichen Betriebe bewertet. Die Zahl der Beschäftigten bleibt weiterhin stabil und wird sich bei der Mehrheit der gastgewerblichen Betriebe in der bevorstehenden Saison voraussichtlich nicht verändern.

Da Ende 2016 die Übergangsfrist zur Umstellung der Registrierkassen für Betriebe mit Bargeschäften verstreicht, wurden zu diesem Thema Sonderfragen gestellt. Das Ergebnis: Das Gastgewerbe in Schleswig-Holstein hat sich bislang nur teilweise auf die neuen Anforderungen für ihre Kassensysteme eingestellt und entsprechend auf- oder nachgerüstet. In der Regel nutzen die Betriebe nur eine Kasse in ihrem Unternehmen. 66 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie die Anforderungen der Finanzverwaltung ab 2017 erfüllen. Für viele andere besteht noch Nachholbedarf.

Giselau-Schleuse seit einem Monat wieder befahrbahr – Meyer sieht Bund weiter in der Pflicht

Meyer ermuntert Freizeitkapitäne: Neu eröffnete Gieselauschleuse wieder nutzbar

Gieselau
Meyer mit WSA-Chefin Völkl beim Ortstermin

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten an der 80 Jahre alten Gieselau­schleuse zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal bei Oldenbüttel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) steht die Anlage der Sportschifffahrt seit knapp einem Monat wieder in vollem Umfang zur Verfügung. „Ich danke der Wasserstraßen- und Schifffahrtsver­waltung für die zügige Arbeit und kann alle Freizeitskipper nur ermuntern, von diesem touristisch einmaligen Angebot umfangreich Gebrauch zu machen“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer heute (24. Juni) bei einem Ortstermin mit der Leiterin der Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel, Gesa Völkl. Dabei erläuterte Völkl dem Minister unter anderem die für den Spätherbst erneut anstehenden Sanierungsarbeiten.

Reinhard_MeyerMeyer sagte nach der Besichtigung der Schleuse

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Wie Meyer sagte, sei die 67 Meter lange und neun Meter breite Schleuse auch von großer Bedeutung für den Schleswig-Holstein-Tourismus insgesamt. Denn der Wassersport sei eine wesentliche Säule der Tourismus-Strategie des Landes. Meyer zeigte sich nach dem Gespräch mit Völkl zuversichtlich, dass die Planungen für weitere Reparaturarbeiten ohne große Behinderungen der Sportschifffahrt möglich seien, ebenso die geplante große Instandsetzung im Winter.

Meyer appellierte zugleich an den Bund, die entsprechenden Haushaltsmittel und das Personal für die noch ausstehenden Maßnahmen an der Schleuse zu priorisieren.

Es dürfe keine Konkurrenz  zum Schleusenneubau in Brunsbüttel geben, die dazu führe,  dass Nebenwasserstraßen wie der Gieselau-Kanal auf der Strecke bleiben.

Gieselau3

Eine Übernahme der Schleuse durch das Land, wie beim so genannten „Cloppenburger Modell“ (Abgabe der Schleuse Osterhausen am Elisabethfehnkanal an den Landkreis Cloppenburg) erteilte Meyer eine Absage. „Weder der Kreis Dithmarschen noch das Land können und werden dem Bund für dieses historische Bauwerk seine Verantwortung abnehmen.“

Brexit or not: Auch Schleswig-Holstein schaut gebannt nach Großbritannien

Politik und Wirtschaft in Schleswig-Holstein schauen gebannt nach Großbritannien Brexit text with British and Eu flags illustration

Nacht der Entscheidung über den Verbleib oder den Austritt Großbritanniens aus der EU: „Ein Brexit hätte unvorhersehbare negative Folgen für die Europäische Union, vor allem aber für Großbritannien selber“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) den Kieler Nachrichten. Sollten sich die Briten dennoch gegen Europa entscheiden, „ist es an uns, in den nächsten Jahrzehnten dafür zu werben, dass die Menschen in London oder Liverpool erkennen, dass es ihnen mit Europa besser geht“.

Auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer sieht einen Austritt der Briten vor allem für Großbritannien kritisch – gravierende Auswirkungen auf die über 120.000 kleinen und mittelständischen Unternehmen in Schleswig-Holstein fürchtet er aber nicht.

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Meyer sagte vor dem Referendum

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Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) befürchtete im Fall eines Austritts eine Konjunkturdelle. Betroffen sei Schleswig-Holstein wegen der HSH Nordbank: „Sie hätte es im Fall eines Brexit schwerer.“ Grund sei das Wechselkursrisiko. Es würde im Fall einer Austrittsentscheidung „absehbar wachsen, wenn der Dollar gegenüber dem Euro noch stärker würde“, so heinold in den KN. Dabei geht es vor allem um die Milliarden-Risiken der Bank in der Schiffsfinanzierung.

big-ben-london-grossbritannienUnmittelbar nach Schließung der Wahllokale (23 Uhr MESZ) wird es voraussichtlich weder Prognosen noch Hochrechnungen geben. Ein Endergebnis wird am Freitag um die Frühstückszeit erwartet.

Hier ein paar Fakten zum Referendum:

Worüber wird abgestimmt?

Die Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens können am Donnerstag darüber abstimmen, ob ihr Land aus der EU austreten soll, also über den sogenannten Brexit (eine Wortschöpfung aus „Britain“ und „Exit“ – das Wort für Ausgang, Ausstieg). Auf dem Stimmzettel kann man ankreuzen, ob Großbritannien in der EU verbleiben soll („Remain a member of the European Union“) oder nicht („Leave the European Union“). Derzeit liegen die die Befürworter und die Gegner des Ausstiegs laut Umfragen eng beieinander, der Ausgang der Abstimmung ist völlig offen. Ergebnisse werden wohl erst im Laufe des Freitags vorliegen, weil die Wahllokale erst spät schließen.

Was wären die Folgen eines „Brexit“?

Die Folgen eines „Brexit“ sind derzeit nur schwer abzuschätzen, schließlich handelt es sich um eine äußerst komplexe Entscheidung mit vielen Komponenten – auch wenn das Referendum mit „Yes“ oder „No“ einfach zu beantworten zu sein scheint. Streng genommen müssten die Briten die EU spätestens nach zwei Jahren verlassen, sofern keine Fristverlängerung für die Austrittsverhandlungen vereinbart werden sollte. Großbritannien müsste alle Freihandelsabkommen der EU mit Drittstaaten neu verhandeln. Welche Folgen dies für die exportstarke britische Wirtschaft haben könnte, ist derzeit nicht absehbar, weil erst noch über die künftigen Beziehungen der EU zu Großbritannien verhandelt werden müsste.

Allerdings ist mit dem Referendum der Austritt nicht sofort vollzogen: Das „Yes“ wäre erst einmal nur der erste Schritt eines Austritts. Denn hierfür gibt es ein geregeltes Verfahren im EU-Vertrag. Über die Einzelheiten des Austritts und die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien müssten die Vertragspartner erst miteinander verhandeln, also ein „Austrittsabkommen“ schließen, dem das das Europäische Parlament zustimmen muss.

Folgen für Schleswig-Holstein

Im Gesamtranking des Außenhandels belegt Großbritannien im ersten Quartal 2016 Platz 6 bei der Ausfuhr und auch Platz 6 bei der Einfuhr. Ob und was sich daran durch einen „Brexit“ ändern würde, ist unklar. Für die Gesamtwirtschaft Schleswig-Holsteins sind Auswirkungen kaum abschätzbar. Einzelne Unternehmen, die in Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich stehen, werden aber zumindest eine Phase der Unsicherheit spüren, bis genau geklärt ist, wie es mit den Handelsbeziehungen genau weitergeht.

Schub für die Westküste: Covestro baut Produktion in Brunsbüttel aus

Meyer erfreut über Millionen-Invesitionsschub in Brunsbüttel: Covestro erweitert Kapazität

Tag der offenen Tür im ChemCoastPark Brunsbüttel

Als „enormen Schub für die Westküste und guten Tag für Wirtschaft und Arbeitsplätze im Land“ hat Wirtschaftsminister Reinhard Meyer die Ankündigung des  Werkstoffherstellers Covestro (ehemals Bayer) bezeichnet, seine Kunststoff-Fertigung am Standort Brunsbüttel massiv auszubauen. Es geht dabei um eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe, um die Produktionskapazität für die Schaumstoff-Komponente MDI zu erweitern.

Dafür soll eine bestehende und bereits stillgelegte Anlage für das Vorprodukt TDI auf die Produktion von MDI umgestellt werden. Insgesamt ist am Standort laut Covestro in etwa eine Verdoppelung der Produktionskapazität auf rund 400.000 Tonnen MDI pro Jahr vorgesehen. Die Inbetriebnahme des neuen Anlagenkomplexes ist für Ende 2018 geplant.

Reinhard_MeyerMeyer sagte dazu am Abend

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MDI (Diphenylmethan-Diisocyanat) wird zur Herstellung von Polyurethan-Hartschaum benötigt, der vor allem für die effiziente Wärmedämmung von Gebäuden und in der gesamten Kühlkette eingesetzt wird. Die dabei erzielten Energieeinsparungen führen zu einer deutlichen Senkung von CO2-Emissionen. TDI (Toluylen-Diisocyanat) wiederum ist eine zentrale Komponente für weichen Polyurethan-Schaumstoff, der unter anderem in Matratzen, Polstermöbeln und Autositzen Verwendung findet. Die Herstellung dieses Vorproduktes bündelt Covestro auf europäischer Ebene am Standort Dormagen.

„Der geplante MDI-Anlagenkomplex ist ein Meilenstein hinsichtlich Energieeffizienz, Umweltverträglichkeit und Produktivität und erfüllt höchste Sicherheitsstandards“, betonte Standort- und Produktionsleiter Dr. Steffen Kühling. Das Projekt sei zudem ein eindeutiges Bekenntnis zum Standort Brunsbüttel und helfe, Arbeitsplätze im Betrieb und in der Region zu sichern.

Der Covestro Industriepark Brunsbüttel ist für den MDI-Ausbau besonders geeignet, weil dort Rohstoffe und weitere Vorprodukte verfügbar und die nötige Infrastruktur vorhanden sind. Hinzu kommt die große Kompetenz und Erfahrung der Mitarbeiter.

Die behördliche Genehmigung zur Umrüstung liegt Covestro seit März 2014 vor. Gestattet ist demnach eine Kapazitätserweiterung um bis zu 220.000 Jahrestonnen MDI. Während der Umbaumaßnahmen werden zusätzlich rund 300 Mitarbeiter von Dienstleistern vor Ort beschäftigt sein.

Über Covestro:

Mit einem Umsatz von 12,1 Mrd. Euro im Jahr 2015 gehört Covestro zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Geschäftsschwerpunkte sind die Herstellung von Hightech-Polymerwerkstoffen und die Entwicklung innovativer Lösungen für Produkte, die in vielen Bereichen des täglichen Lebens Verwendung finden. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Elektro-/Elektronik-Branche sowie die Bau-, Sport- und Freizeitartikelindustrie. Covestro, vormals Bayer MaterialScience, produziert an 30 Standorten weltweit und beschäftigte Ende des ersten Quartals 2016 rund 15.700 Mitarbeiter (umgerechnet auf Vollzeitstellen).

Ausbau der B 404 zur A 21 bei Löptin: Rammarbeiten gehen in die Vollen

A 21 bei Löptin: Arbeiten an „unterirdischer Moorbrücke“ laufen seit April auf Hochtouren

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Nachdem die Bauarbeiten an der künftigen A 21 bei Löptin (Kreis Plön) wegen Untersuchungen des moorigen Untergrunds für einige Wochen ruhen mussten, laufen seit April die Arbeiten wieder auf Hochtouren.

Wie Matthias Paraknewitz, Leiter der Rendsburger LBV-SH-Niederlassung, heute bei einem Ortstermin mit Verkehrs-Staatssekretär Dr. Frank Nägele sagte, sind auf der Westseite bereits 590 Pfähle in den Boden eingerammt worden. Auf der Ostseite wurde ebenfalls mit dem Einrammen von bis zu 15 Meter langen Betonpfählen begonnen. Insgesamt werden zur Gründung der Straße 1260 Fertigrammpfähle mit einer Gesamtlänge von 17,3 Kilometern verbaut. Auf diesen Pfählen wird die künftige Straße gegründet, also der Straßendamm aufgeschüttet und die Fahrbahn asphaltiert.

NaegeleStaatssekretär Nägele sagte im Gespräch mit RSH-Reporter Andreas Otto

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Auf der Westseite sind laut Paraknewitz bereits rund 12.000 Kubikmeter mooriger Boden ausgehoben worden. Weitere 78.000 Kubikmeter folgen noch, teilweise im Schutz einer Spundwand. In einem weiteren Bereich kann der Boden jedoch nicht vollständig ausgetauscht werden. Hier erfolgt eine Dammschüttung in drei Abschnitten. Bevor hier die Arbeiten fortgesetzt werden können, muss der künftige Straßenkörper mindestens 150 Tage durch Erdmassen „vorbelastet“ werden, um Setzungen aus dem Untergrund vorwegzunehmen, so Paraknewitz weiter.

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Nägele (rechts) mit dem Rendsburger LBV-SH-Niederlassungsleiter Matthias Paraknewitz

Ab dem Frühjahr 2017 wird der Verkehr auf der neuen Fahrbahn in Richtung Segeberg fließen und die Anschlussstelle für die L67 und die L 49 in Betrieb genommen. Vollständig kann die Anschlussstelle erst in Betrieb gehen, wenn die zweite Richtungsfahrbahn (von Bad Segeberg nach Kiel) ebenfalls fertiggestellt wurde. Die Gesamtfertigstellung für den 4,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Löptin und Nettelsee ist für 2018 vorgesehen.

Die Gesamtbaukosten des Bauabschnittes 3b, Nettelsee bis Stolpe, belaufen sich auf ca. 66,3 Millionen Euro. Die Baukosten des zurzeit in der Ausführung befindlichen Auftrages betragen 15 Millionen Euro.

Verkehrs-Staatssekretär Nägele appellierte an die Autofahrerinnen und Autofahrer, sich in Geduld zu üben: „Uns ist klar, dass die kurvige Baustelle zu Zeitverzögerungen führt – insbesondere auch für das Logistikgewerbe. Aber das so genannte Bauen unter Verkehr erfordert leider Kompromisse. Doch nur wenn wir heute bauen, machen wir die Straßen von morgen besser, sicherer und zuverlässiger.“

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus