A 20: Meyer reicht Naturschutzverbänden und potenziellen Klägern die Hand

Nach dem A-20-Urteil: Meyer hofft erneut auf Schulterschluss mit Naturschutzverbänden

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD)Das gestrige Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts, mit dem die geplante A 20 inklusive des Elbtunnels in nahezu allen Kernpunkten bestätigt wurde und damit nur noch in Randpunkten beklagbar ist, hat heute auch den Kieler Landtag beschäftigt.

Mit Blick auf die Rede des Grünen-Verkehrspolitikers Andreas Tietze, nach dessen Worten das Bundesgericht nun unumkehrbare Tatsachen geschaffen habe und das Projekt bei aller Kritik anzuerkennen sei, sprach Meyer von einer überfälligen Versöhnung und notwendigen Allianz mit den Naturschutzverbänden.

Hier Meyers Rede in voller Länge:

Oberverwaltungsgericht weist Klagen gegen Schließung des Hafens Friedrichskoog ab

Oberverwaltungsgericht entscheidet: Schließung des Landeshafens Friedrichskoog hat Bestand

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Weder die Gemeinde Friedrichskoog noch eine ortsansässige Werft werden durch die Einziehung des Landeshafens in eigenen Rechten verletzt. Das hat heute der Vierte  Senat des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts (OVG) in zwei Berufungsverfahren entschieden (Az. 4 LB 9/15 und 4 LB 23/15).

Das Wirtschaftsministerium hatte den Hafen im Juli 2014 wegen geringer Verkehrsbedeutung und hoher jährlicher Unterhaltungskosten infolge der Versandungstendenz eingezogen. Der Versuch einer Kommunalisierung des Landeshafens war zuvor gescheitert.

Gegen die Einziehung hatten die Gemeinde Friedrichskoog und die ortsansässige Werft vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Die Gemeinde machte vor allem geltend, die Hafenschließung werde gravierende nachteilige Folgen für die Identität der Gemeinde, das Steueraufkommen, den Tourismus und die hafenbezogenen Unternehmen haben. Die Werft befürchtete wegen des drohenden Verlustes des Zugangs zur Nordsee einen Eingriff in ihren seit Jahrzehnten ausge-übten Gewerbebetrieb. Das Verwaltungsgericht wies die Klagen im Mai 2015 ab.

Die hiergegen gerichteten Berufungen blieben erfolglos: Das OVG hat nun entschieden, dass der Gemeinde zustehende Rechte wie etwa die durch Art. 28 Abs. 2 des Grundgesetzes (GG) geschützte kommunale Planungshoheit, die Finanzhoheit oder das sogenannte Selbstgestal-tungsrecht einer Gemeinde durch die Hafeneinziehung nicht berührt würden. Die Werft verliere mit der Einziehung des Hafens zwar einen bisher bestehenden Lagevorteil und die damit ver-bundenen Erwerbschancen; hierbei handele es sich aber nicht um durch Art. 14 GG geschützte Rechte. Abgesehen hiervon beruhe die Aufgabe des Landeshafens auf sachlichen Erwägungen und genüge dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Das Ministerium habe sich auf zahlreiche fachliche Stellungnahmen eigener Behörden des Landes sowie externer Gutachter stützen.

IMG_0101Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Frank Nägele sagte zu dem Urteil
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Meyer zum A-20-Urteil: „Ab jetzt geht es nur noch um die Frage des ,Wann'“

Bundesverwaltungsgericht hilft A 20 auf die Sprünge: Nahezu alle Klagen abgewiesen

Wegweiser und Hinweisschilder zur Autobahn A1 in Lübeck

Verkehrsminister Reinhard Meyer hat die heutige Entscheidung des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) zur A 20 als großen Erfolg für das Land und wichtigen Meilenstein für das Projekt gewertet: „Mit ihrer Entscheidung haben uns die Richter zwar die bereits bekannte Hausaufgabe auferlegt, einen Fachbeitrag zum Gewässerschutz nochmals öffentlich auszulegen, aber mit den abgewiesenen Klagen wurde die Linienführung der Autobahn in Gänze bestätigt. Damit ist die größte Hürde für dieses Milliarden-Vorhaben genommen und wir reden spätestens ab heute nicht mehr über das ,Ob‘, sondern nur noch über das ,Wann“ einer durchgängigen A 20 von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Niedersachsen“, sagte Meyer heute (28. April) in Kiel. Er dankte zugleich allen beteiligten Fachleuten des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) für die bisherige Arbeit.

Meyer_TouriVor Journalisten sagte Meyer soeben
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Zuvor hatte der 9. Senat des Gerichts nahezu sämtliche Angriffspunkte aus den sechs Klagen gegen den knapp elf Kilometer langen Elb-Abschnitt inklusive des 6,5 Kilometer langen Tunnels abgewiesen. (siehe auch Anlage: Pressemitteilung des BVerwG). Von Naturschutz über Linienbestimmung bis zur Tunnelsicherheit wurden in dem Urteil sämtliche beklagten Punkte bestätigt und sind damit nicht mehr angreifbar. Lediglich im Hinblick auf die nicht öffentliche Auslegung eines Fachbeitrags bekamen die Naturschutzverbände Recht. Auch sämtliche Privatklagen sowie die des Kreises Steinburg und der Gemeinde Kollmar wurden abgewiesen.

Mit Blick auf die vom Gericht geforderte öffentliche Auslegung eines so genannten Fachbeitrags zur EU-Wasserrahmenrichtlinie sagte Meyer: „Auch wenn wir nun zunächst das schriftliche Urteil abwarten müssen, so bereiten wir alles vor, um diese Neuauslegung zügig nachzuholen.“ Es sei aber bereits bei der Bekanntgabe dieser Gerichtsauflage in der mündlichen Verhandlung vor zwei Wochen klar gewesen, dass diese Nachbesserung den Zeitplan des Gesamtprojekts absehbar nicht beinträchtigen werde. Hintergrund sind die noch ausstehenden Planfeststellungsbeschlüsse und Klage-Entscheidungen auf niedersächsischer Seite.

Mit Blick auf den gerügten Fehler im Zusammenhang mit dem Fachbeitrag zu den Auswirkungen des Bauprojekts auf die Gewässer in der Umgebung erinnerte Meyer nochmals daran, dass EuGH- zur Wasserrahmenrichtlinie beim Erlass des Planfeststellungsbeschlusses im Dezember 2014 noch nicht vorlag. Erst ein halbes Jahr später lag der Richterspruch vor und der Fachbeitrag wurde vom LBV-SH daraufhin nachgeliefert. In dem Fachbeitrag werden Auswirkungen auf die Wasserqualitäten in der Umgebung des Bauprojekts untersucht. Der Landesbetrieb hatte den Beitrag nur den Beteiligten des Gerichtsverfahrens zugänglich gemacht. Die Behörden in Niedersachsen hatten dies ebenso praktiziert.

„Bei derart komplexen Verfahren sei es nun einmal schlicht unmöglich, sämtliche juristischen Angriffsflächen von vorn herein auszuschließen. An unserem Vorsatz ,Gründlichkeit vor Schnelligkeit‘ werden wir weiter festhalten“, sagte der Minister.

Trotz des positiven Urteils hält Meyer es für erforderlich, dass die Länder gemeinsam mit der Bundesregierung zügig einen Weg einschlagen, um das Planungsrecht und die entsprechenden Planungsverfahren in Deutschland wieder zu vereinfachen und zeitlich zu kürzen. „Wenn man die heutigen Schwierigkeiten mit dem Bau der A 20 in Schleswig-Holstein mit dem Bau dieser Autobahn durch Mecklenburg-Vorpommern in den 90er Jahren vergleicht, stellt man fest, dass sich die Politik beim Ausbau der Infrastruktur zunehmend selbst gelähmt hat.“  Darum helfe hier auch keine kleinteilige Diskussion über Organisationsstrukturen in der Straßenbauverwaltung weiter.

Meyer: „Wir müssen zu einer gründlichen Entschlackung des Planungsrechts und der Planungsverfahren kommen, ohne dabei auf die zwingend nötige Bürgerbeteiligung zu verzichten.“

Und hier die Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts

 

Zündende Geschäftsideen: Lübecker Nachrichten verleihen Existenzgründer-Preise

Meyer verleiht LN-„Mutpreis“ an Existenzgründer Tobias Michelsen von Sailaway Watersports

Mutpreis

Die „Lübecker Nachrichten“ haben am Abend in den „Mediadocks“ der Hansestadt zum sechsten Mal eine Reihe von Preisen an Existenzgründer verliehen. Die überwiegend vom Juwelier Gregor Wintersteller (Firma Mahlberg) gestifteten Preise richten sich nach den Worten von LN-Chefredakteur Gerald Goetsch an Menschen aus der Region, die  zündende Geschäftsideen und zugleich den Mut haben, damit den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer als Schirmherr der Veranstaltung durfte seoben den Preis in der Kategorie „Mut“ und „Innovation“ an Tobias Michelsen für die  Gründung seines Unternehmens Sailaway Watersports verleihen.

Michelsen habe eine lang gehegte persönliche Idee verwirklicht. Meyer: „Diese Idee beinhaltet neben denwirtschaftlichen Aspekten einer Unternehmensgründung auch eine starke soziale Komponente. Mit seinem Konzept, einer barrierefreien Wassersportschule – ein nicht nur in der Region herausragendes Projekt – zeigt er, dass soziales Engagement und Wirtschaftlichkeit durchaus vereinbar sind.“ Mit viel Zuspruch aber auch gegen Bedenken und Widerstände habe Michelsen dieses Konzept umgesetzt und dabei seine unternehmerischen Qualitäten bewiesen.

Besonders beeindruckt hat die Jury nach den Worten von Gastgeber und Moderator Lars Fetköter (stellvertrender LN-Chefredakteur), wie die Begriffe Inklusion und Teilhabe, die zwar oft diskutiert aber leider nicht immer realisiert werden, hier vorbildlich umgesetzt und mit Leben erfüllt sowie im wahrsten Sinne des Wortes, „gelebt“ werden.

Alles zu den weiteren Preisträgern und ihren Hintergründen in den morgigen Ausgaben der „Lüecker Nachrichten“ und auf LN-Online

Trauer um Untermehmer-Legende Hans-Heinrich Driftmann

„König der Kölln-Flocken“: Unternehmer-Legende Hans Heinrich Driftmann ist tot.

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Driftmann starb am Dienstag im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit. Das bestätigte die Geschäftsleitung der Lebensmittelfirma Peter Kölln (Köllnflocken). Driftmann war als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) von 2009 bis 2013 und als Präsidiumsmitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus engagiert und bekannt.

Ministerpräsident Torsten Albig sagte: „Schleswig-Holstein hat eine große Unternehmerpersönlichkeit verloren. Hans Heinrich Driftmann hat wie kaum ein anderer jahrzehntelang Verantwortung in Führungspositionen vieler Institutionen und Gremien übernommen und dabei viel für unser Land getan.“  Wirtschaftsminister Meyer erinnerte an das hohe ehrenamtlichen Engagement des gelernten Psychologen in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Driftmann sei ein Vorbild für viele Unternehmerinnen und Unternehmer  in Schleswig-Holstein gewesen.

Der ehemalige Präsident der IHK zu Kiel hatte erst im vergangenen Jahr die Geschäftsführung der Kölln-Werke an den früheren CDU-Politiker Christian von Boetticher abgegeben und sich selbst aus der vordersten Linie zurückgezogen. Er war vor fast 30 Jahren als Nachfolger seines Schwiegervaters Ernsthermann Kölln an die Spitze des Unternehmens berufen worden. Dessen Tochter Gesche hatte Driftmann 1970 geheiratet und mit ihr vier Töchter bekommen.

Meyer: Naturschutz und Tourismus sind im neuen Gesetz bestens vereinbar

Tief „Imogen“ sorgt an der Westküste in Dagebüll für schwere SturmböenMeyer: Naturschutzgesetz und Tourismus sind gut vereinbar – Kommunen müssen Weichen stellen

Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen SPD, Grüne und SSW sowie der Piratenfraktion hat der Landtag nach kontroverser Debatte die Überarbeitung des Landesnaturschutzgesetzes verabschiedet. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sagte, das Gesetz stelle eine fein austarierte Balance zwischen Nutzen und Schützen her. «Es hilft, das wenige, was wir an artenreicher Natur noch haben, zu erhalten.» Kernpunkte des Gesetzes sind unter anderem dieWiedereinführung des Vorkaufsrechts für ökologisch besonders wertvolle Naturflächen und ein erweiterter Biotopschutz. CDU und FDP kritisierten das Gesetz in der vorangehenden Debatte scharf.

Meyer_TouriMit Blick auf die Auswirkungen auf den Tourismus sagte Wirtschaftsminister reinhard Meyer (Audiopfeil klicken)

Wie der Minister weiter sagte, setze ein naturnaher Tourismus zweifellos den Schutz der Natur voraus. Gerade für den „echten Norden“ seien  Natururlauber und so genannte „Entschleuniger“ enorm wichtige Zielgruppen. Meyer: „Gerade für sie sollte Natur erlebbar bleiben.“

Naturschutz und Tourismus seien also keine Gegensätze, sie müssen nur vernünftig zusammengebracht werden.Die Änderungen im Naturschutzgesetz seien vor diesem Hintergrund ein guter Kompromiss. Vorausschauende Gemeinden hätten jetzt das passende Instrumentarium an die Hand bekommen und fünf Jahre Zeit, ihre Flächennutzungspläne entsprechend zu gestalten.Meyer: „Es gilt Bestandsschutz – für Bebauung sowieso, aber auch für B-Pläne in der Aufstellungsphase.“

Zudem erinnerte er daran, dass auch Mecklenburg-Vorpommern eine entsprechende Regelung für seine Küstenlinie habe.

TKMS bei Milliardenauftrag ausgebootet: Enttäuschung in Kiel

Meyer bedauert entgangenen Auftrag für TKMS: Nun alle Kraft auf Aquise neuer Aufträge – etwa aus Norwegen

Im Bau befindliches U-Boot der Dolphin-Klasse auf dem Gelaende der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) GmbH in Kiel

Die australische Entscheidung gegen U-Boot-Technologie aus Kiel hat in Schleswig-Holstein für reichlich Enttäuschung gesorgt. «Das ist überraschend», sagte der Kieler IG-Metall-Chef und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), Peter Seeger, heute der Deutschen Presse-Agentur. «Ich bin ein bisschen erstaunt, dass der Auftrag jetzt doch an die französische Werft geht.» Im Aufsichtsrat habe in dem Verfahren bis zuletzt große Zuversicht geherrscht.

Meyer_FSGIm Gespräch mit Christian Wolf von der NDR 1 Welle Nord sagte Meyer (Audiopfeil klicken)


Die Australier wählten stattdessen den staatlichen französischen Schiffbaukonzern DCNS als bevorzugten Partner, wie Premierminister Malcolm Turnbull in Adelaide mitteilte. Der über mehrere Jahrzehnte gestreckte Auftrag hat ein Volumen von rund 35 Milliarden Euro und wäre für ThyssenKrupp einer der größten Aufträge der Unternehmensgeschichte  gewesen.

Seeger ist für die Zukunft des Kieler Standorts trotz der Absage aus Australien optimistisch. «Es gibt eine gute Perspektive für die Werft.» Im Bereich der Fertigung sei die Werft bis 2021 ausgelastet. In diesem Bereich mache er sich deshalb «überhaupt keine Sorgen». «Etwas kritisch» sei es allenfalls im Konstruktionsbereich. Es gebe aber genug Zeit, sich um andere Aufträge zu kümmern. Umso wichtiger sei es, dass der Auftrag für ein deutsches Mehrzweck-Kampfschiff nach Kiel gehe.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigte sich ebenfalls enttäuscht über die Nachricht aus Down Under: «TKMS war nach meiner Wahrnehmung sehr gut in diesem Wettbewerb aufgestellt, und natürlich entgeht auch dem Industriestandort Schleswig-Holstein damit ein großes Stück Wertschöpfung», sagte er.. Dennoch sieht Meyer keine Probleme auf den Kieler Standort zukommen. «Der Konzern ist kraftvoll genug, trotzdem optimistisch nach vorn zu schauen – zum Beispiel auf die Akquise des U-Boot-Auftrags für Norwegen.»

TKMS hatte zugesagt, in Australien ein Werk aufzubauen und die U-Boote dort herzustellen. Die Kieler Sparte wollte damit auch ein Standbein für Wartungsaufträge in der Asien-Pazifik-Region aufbauen. TKMS hatte eine enge Kooperation oder die Übernahme der Marinewerft ASC angeboten. Australiens Regierung hatte im März ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm angekündigt – mit Ausgaben von allein 195 Milliarden Australischen Dollar (134 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2025.

Fachkräfteinitiative „Zukunft im Norden“ zieht Bilanz und schnürt neues Paket

16-Punkte-Plan gegen drohende Fachlücke in SH: Fachkräfte-Initiative zieht Zwischenbilanz

Bau einer Pipeline zwischen Ellund und Fockbek

Mit neuen Strategien versuchen Politik, Wirtschaft und Arbeitsagentur den drohenden Fachkräftemangel in Schleswig-Holstein abzuwenden. Bis 2030 dürften voraussichtlich 100.000 Fachkräfte zusätzlich notwendig sein, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer heute in Kiel. Die Fachkräfteinitiative «Zukunft im Norden» fasste 16 Beschlüsse. So soll am Beispiel der Logistikbranche ein «Branchencheck» entwickelt werden – als Analyse- und Beratungsinstrument auch für andere Branchen. Meyer betonte, die 2012 gegründete Initiative zeige erste Erfolge. Indikatoren hierfür seien die im Norden gestiegene Zahl an sozialversicherungspflichtigen Jobs und die höhere Erwerbstätigenquote der Frauen.

Reinhard_MeyerIm Gespräch mit Andreas Otto von RSH sagte Meyer
(Audiopfeil klicken):

Darüber hinaus will die Fachkräfteinitiative im Bereich der Pflegeberufe stärker die Werbetrommel für erfolgreiche Projekte zur Fachkräftesicherung rühren. „Beim Kieler Projekt ,Rückenwind’ etwa besuchen Schüler der Goethe-Gemeinschaftsschule für ein Jahr verpflichtend Altenheim-Bewohner und stärken auf diese Weise neben ihrer Sozialkompetenz ihr Wissen über Sozialberufe“, sagt Meyer. Branchenübergreifend solle zudem untersucht werden, ob mehr junge Menschen etwa durch duale Studienangebote enger an die mittelständisch geprägte Wirtschaft des Landes gebunden werden können, um so einerseits der steigenden Tendenz zum Studium und andererseits dem Fachkräftebedarf besser nachzukommen.

Meyer dankte den Fachkräfte-Partnern für den „bunten Mix aus kreativen Vorschlägen“. In den verschiedenen Handlungsfeldern der Fachkräfteinitiative hätten in den letzten Jahren diverse Arbeitsgruppen getagt – zusammengesetzt aus Vertretern der Sozialpartner, Mitgliedern von Vereinen, Verbänden, Kammern, Ministerien und vielen anderen Organisationen. Parallel dazu erfolgte durch das inzwischen etablierte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung (KoFW) und speziell durch die Fachhochschule Kiel ein professionelles Monitoring über fachkräfterelevante Indikatoren. Meyer: „Das hilft uns, die Relevanz der vielen Themen und Arbeitsfelder deutlich konkreter zu beurteilen.“ Als besondere Schwerpunkte der Beschlüsse hob Meyer neben den Bereichen Pflege, Tourismus und Logistik die Zuwanderung und die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt hervor. Auch hier habe die Fachkräfte-Initiative – etwa mit dem flächendeckenden Angebot an Zuwanderer, 15-monatige Kurse zur Sprach- und Kulturvermittlung zu absolvieren, eine wichtige Weichenstellung vorgenommen.

Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, betonte: „Angesichts des demografischen Wandels und des stetig wachsenden Fachkräftebedarfs müssen wir alle Potenziale entwickeln und nutzen. Zu diesen Potenzialen gehören allein aufgrund der Altersstruktur – rund die Hälfte ist unter 25 – auch die Schutzsuchenden. In diesem Jahr werden 1.300 Flüchtlinge die Berufsschulklassen verlassen. Im Rahmen der Berufsorientierung und der anschließenden Beratungsgespräche ist es ein Ziel, die jungen Menschen über unterschiedlichrz-nur fishe Anschlussangebote – etwa die Einstiegsqualifizierung oder das landesspezifische Kooperationsprojekt ‚Sprungbrett in Ausbildung‘ – zu informieren und ihnen zu versichern: Für alle steht ein Anschlussangebot bereit, mit dessen Hilfe sie 2017 in eine Ausbildung einmünden können.“ Wichtig sei ihr bei diesem Thema allerdings auch der Hinweis: „Integration braucht Zeit und sie ist auf das anhaltende Engagement aller Arbeits- und Netzwerkpartner angewiesen.“

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, machte deutlich, dass Fachkräfte gute Arbeitsbedingungen erwarten: „Zum Wirtschaften gehört eben auch und vor allem die Wertschätzung von Arbeit. Die sozialversicherte Beschäftigung im Land steigt, vor allem in Niedriglohnbranchen ist der Trend positiv. Gute Löhne sind das beste Argument, um Fachkräfte zu gewinnen. Deshalb müssen die Sozialpartner im Norden die Tarifbindung erhöhen, noch liegt sie nur bei etwa 60 Prozent der Beschäftigten.“ Mehr Tarifbindung müsse im gemeinsamen Interesse sein und wäre nur fair gegenüber den bereits vertragstreu zahlenden Arbeitgebern, so der DGB-Chef weiter. „Für Einwanderer und Neubürger muss ein Maximum an Integration angestrebt werden, auch Integration in Arbeit und Ausbildung – hier ist auch die Bundesregierung weiter gefragt. Zudem müssen mehr und geeignete Ausbildungsplätze angeboten werden, die Ausbildungsqualität kann steigen. Jeder Mensch hat ein Talent, man muss es nur entdecken und fördern.“

Ein wichtiger Baustein in der Fachkräftesicherung sei die duale Ausbildung, betont Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein. „Mitte April verzeichneten wir eine Steigerung bei den Ausbildungsverträgen um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist ein gutes Ergebnis vor dem Hintergrund eines doppelten Abiturientenjahrgangs. Wir hatten immer darauf hingewiesen, dass die Absolventen des doppelten Abiturientenjahrgangs eine Chance in den Unternehmen bekommen werden – und die Wirtschaft hält Wort“, so Kühn. Die Zahl der Ausbildungsverträge mit Abiturienten habe sich um 15 Prozent erhöht. „Nach der Ausbildung kommt die Weiterbildung. Auch hier haben wir leicht steigende Zahlen verzeichnet und gehen davon aus, dass sich die Weiterbildungsbeteiligung mit der Neuregelung des ‚Meister-BAföG‘ weiter erhöhen wird“, so Kühn.

Nach den Worten des Präsidenten der schleswig-holsteinischen Handwerkskammer, Jörn Arp, sei das Handwerk in Schleswig-Holstein ohne qualifizierten Nachwuchs nicht überlebensfähig. „Eine Lücke bei den Fachkräften mit einer beruflichen Ausbildung würde unsere Betriebe daher in besonderem Maße treffen. Aus diesem Grund setzen wir große Hoffnungen in die Maßnahmen der Fachkräfteinitiative zur Stärkung der dualen Ausbildung. Besonders die Förderung der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung ist hierbei ein wichtiger Baustein. Das Handwerk will durch eine kontinuierliche Steigerung der Ausbildungsqualität seine Attraktivität für junge Menschen erhöhen. Daneben sind neue Ansätze zur Bindung von Fachkräften zu entwickeln, hier brauchen unsere Betriebe Ideen aus der Initiative“, sagte Arp.

Michael Thomas Fröhlich, UVNord-Hauptgeschäftsführer, stellte abschließend fest: „Der Umsetzungsbericht mit seinen Beschlüssen zeigt die Dynamik der Fachkräfteinitiative. Alle Partner bringen sich aktiv ein, um die bereits spürbare Fachkräftelücke so gering wie möglich zu halten. Für die Arbeitgeber im Land wird es eine der herausforderndsten Aufgaben der Zukunft sein, ausreichend Fachkräfte für ihre Unternehmen zu finden und zu halten! Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung (KoFW) liefert wertvolle Impulse für die stetige Weiterentwicklung der Fachkräfteinitiative. Wir sind im echten Norden auf dem richtigen Weg!“

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Vier der 23 Partner der FI.SH: UVNord-Hauptgeschäftsführer Fröhlich, Sozialministerin Alheit, BA-Chefin Haupt-Koopmann und IHK-SH-Präsidentin Kühn

Forsa: Mehrheit der Schleswig-Holsteiner für Bau der Beltquerung

51:34: Schleswig-Holsteiner sprechen sich in Forsa-Umfrage für Fehmarnbeltquerung aus

Allen planerischen Schwierigkeiten und Rückschlägen zum Trotz: Laut einer von „Lübecker Nachrichten“ und „Kieler Nachrichten“ in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage will die klare Mehrheit der Schleswig-Holsteiner die Fehmarnbeltquerung. Mit am höchsten – 58 Prozent – ist die Zustimmung unter den SPD-Wählern. 

Hier der heutige LN-Aufmacher:

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Wirtschaftsminister Reinhard Meyer sagte zu den Ergebnissen der Umfrage, die unter anderem auch die Altersstruktur der Befürworter und Kritiker untersucht 

(Audiopfeil klicken)

Die Umfrage und Fragen zum weiteren Verlauf des Planfeststellungsverfahrens werden auch kommenden Monat bei der deutsch-dänischen Verkehrskommission in Kopenhagen eine Rolle spielen.

Hier der Kommentar zur Umfrage aus den LN:

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Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus